Christoph Hein «Verwirrnis», Suhrkamp

Zugegeben, ich verehre diesen Schriftsteller. Und je mehr ich von ihm lese, desto tiefer brennt sich der Respekt ein. Christoph Hein erzählt mit derart viel Selbstverständlichkeit, als wäre jedes Buch mehrfach durchlebt und jedes für sich das Resultat eines ganzen Lebens. «Verwirrnis» ist die Geschichte einer Liebe, die ihren Platz nicht findet, nicht in der Geschichte, nicht in der Gesellschaft, nicht einmal im Leben der Geliebten.

Friedeward Ringeling ist ein Sonderling. Professor, ein gefeierter Intellektueller, selbst ohne Parteizugehörigkeit in der DDR von fast allen geschätzt und verehrt, aber stets ein wenig steif, distanziert, äusserst korrekt und auf dem Campus seiner Universität respektiert, auch wenn man ihn «kleiner Professor» heisst. Doch Friedeward trägt einen Schmerz mit sich herum. Er ist ein Versehrter, ein vom übermächtigen Vater Bestrafter, ein vom steinernen Katholizismus Ausgesperrter, ein Mann, der nie zu seiner Liebe zu Wolfgang stehen konnte, sie im Verborgenen leben und verlieren musste. Ein von der Geschichte Überrollter, ein Einsamer mitten in der Gesellschaft.

Friedeward lernt als Schüler Wolfgang kennen und lieben, ein ganzes Leben lang, in einer Zeit, in der eine solche Neigung nicht nur von Kirche und Gesellschaft unterdrückt wurde, sondern ein vom Staat geahndetes Verbrechen war. Seine Liebe bleibt unglücklich, auch wenn er sie mit Hilfe eines lesbischen Paars zumindest an der Oberfläche zu kaschieren vermag. Permanent in der Angst vor der Denunziation, vor dem Siebenstriemer seines Vaters, stürzt sich Friedewald in seine Arbeit und in ein geschlossenes Seelenleben, von dem nur wenige wissen.

«Verwirrnis» ist die Geschichte einer Freundschaft, einer verbotenen, nicht tolerierten Liebe zwischen Friedeward und Wolfgang. Einer Liebe, die sich im Verborgenen halten muss, hinter Mauern, am Rand der Gesellschaft. Es ist die Geschichte der DDR, ebenso eine Geschichte der Abgrenzungen und Mauern. Es ist die Geschichte einer Familie, jene Friedewards, einer Familie die sich hinter unumstösslichen Mauern der Strenge und Unduldsamkeit von einer aufbrechenden Gesellschaft abgrenzt.

„Verwirrnis“ ist als Titel des Romans genau so treffend wie verwirrend, denn zumindest im Duden scheint dieses Wort in der Form nicht zu existieren. Und trotzdem beschreibt es nicht nur das Leben Friedewards, sondern eine ganze Zeit, ein ganzes Jahrhundert.

Fiedewards Kindheit und Erziehung war geprägt von Angst, Schmerz und Verwirrungen. Sein Vater, ein Pädagoge, erzog seine Kinder mit eiserner Hand und schreckte auch nicht vor drastischen Körperstrafen zurück, selbst dann, als die DDR die Körperstrafe in Schulen schon längst gesetzlich gebannt hatte. Die Schläge des Vaters wirkten ein ganzes Leben. Friedeward fürchtet sie selbst noch vor seinem eigenen Ende, obwohl der Vater Jahrzehnte tot ist.
Der grosse „Fehler“ im Leben von Friedewards Vater war nicht so sehr die Peitsche, sondern seine Uneinsichtigkeit, des Vaters unumstössliche Überzeugung gut und richtig gehandelt zu haben. Genau die Haltung, die auch viele Überzeugte nach der Nazizeit mit in ein „neues“ Leben nahmen.

Der erste Weltkrieg war nicht mit den Unterschriften 1918 im Wald von Compiègne bei Paris beendet, der zweite Weltkrieg nicht mit der bedingungslosen Kapitulation am 7. Mai 1945, noch viel weniger die DDR mit dem Mauerfall. Jede Zeit hallt nach, so wie der erste Weltkrieg im Tod Friedewards Vater, der ein halbes Jahrhundert nach dem „Ende“ des 1. Weltkriegs an den Folgen eines Giftgasangriff starb. «Verwirrtes» ist ein Roman über Folgen und Auswirkungen.

Unglaublich mit welcher Selbstverständlichkeit Christoph Hein schreibt. Wenn ich seine Roman lese, überwältigt mich der Ton. Hein zelebrieren weder Sprache, Konstruktion noch Inhalt. Er erzählt. Und das mit derart schlafwandlerischer Sicherheit und Selbstverständlichkeit, dass es mich tief beeindruckt. Wenn ich dann feststelle, dass die Lektüre und die Gespräche darüber zu einer Entdeckungsreise werden, Schicht für Schicht, verstärkt das den Respekt vor dem Schreiben Christoph Heins noch mehr.

Grosse Literatur, einmal mehr!

© Heike Steinweg

Christoph Hein wurde am 8. April 1944 in Heinzendorf/Schlesien geboren. Nach Kriegsende zog die Familie nach Bad Düben bei Leipzig, wo Hein aufwuchs. Ab 1967 studierte er an der Universität Leipzig Philosophie und Logik und schloss sein Studium 1971 an der Humboldt Universität Berlin ab. Von 1974 bis 1979 arbeitete Hein als Hausautor an der Volksbühne Berlin. Der Durchbruch gelang ihm 1982/83 mit seiner Novelle «Der fremde Freund / Drachenblut».
Hein wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Uwe-Johnson-Preis und Stefan-Heym-Preis.

Rezension von «Trutz» von Christoph Hein auf literaturblatt.ch

Beitragsbild © Sandra Kottonau

Daniela Krien «Die Liebe im Ernstfall», Diogenes

Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde. Fünf Frauen, fünf Leben, fünf Varianten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Leben zwischen Traum, Entwurf, Realität und Ernüchterung. Eingebetet in eine Gegenwart, die oft nicht dem entspricht, was hätte sein können. Ein Roman wie ein Teppich, dicht verwoben, kunstvoll konstruiert. Ein literarisches Soziogramm. Viel mehr als ein femininer Schicksalsroman.

Als Paula Ludger kennenlernte, wohnte sie schon Jahre mit Judith zusammen. Paula und Judith waren Freundinnen, obwohl sie schon als Teenager grundverschieden waren. Was durch nichts zu brechen war, schaffte die Heirat von Paula und Ludger. Eine Freundschaft zerbricht. Judith ist Ärztin und als „Unberührbare“ dauernd auf der Suche nach dem perfekten Mann. Eine Suche, die längst zum Selbstzweck geworden ist. 

Brida liebt Götz, den Mann, den nichts aus der Ruhe zu bringen scheint, den Fels. Brida ist Schriftstellerin und zerbricht an der Unmöglichkeit, jenes Leben zu führen, das ihr bestimmt sein muss. 

Malika ist die Schwester von Jorinde, die Verschmähte von Götz, die ungeliebte Tochter umtriebiger DDR-Intellektueller. Bis Malika ihre Schwester retten soll, bis sich die Spiesse zu drehen scheinen. Und Jorinde, der einst alles zu Füssen liegen schien, zieht der immer grösser werdende Spagat zwischen Pflichten und Berufung den Boden unter den Füssen weg.

Obwohl Daniela Krien in ihrem zweiten Roman „Die Liebe im Ernstfall“ die Geschichten der fünf Frauen hintereinander erzählt, sind alle Leben, alle Geschichten tief ineinander verflochten. Sie berühren sich nicht einfach wie bei einem Episodenroman, sondern füllen ein Pentagon weiblicher Lebensentwürfe, ein Spannungsfeld zwischen Anziehung und Abstossung, zwischen Liebe und Hass, zwischen eigenem Selbst und unergründlichem Gegenüber.

„Die Liebe im Ernstfall“ ist ein Roman über die Spielarten der Liebe, darüber wie viel Schmerz sich Liebe aufladen kann. Wie aus Liebe Schuld werden kann. Paula verliert ein Kind an den Folgen einer Impfung. Sie verliert Kind und Glück. Judith verliert auch ein Kind, mehr als eines und spürt die Schuld, die sich in ihr Leben schleicht. Brida verliert Götz und das Familienglück mit ihren zwei Kindern, ein Glück das unumstösslich schien. Malika verliert schon früh die Liebe ihrer Eltern, die Liebe ihrer Mutter. Und Jorinde den Platz, der ihr zugesprochen scheint. Liebe ist ein Gefühl. Und Gefühle sind nie in Stein gehauen, auch wenn sie übergross und übermächtig erscheinen.

Obwohl der Titel des Romans, die fünf Frauenleben nach Fallstudie riecht, ist Daniela Kriens Roman mehr als Liebesgeschichte, viel mehr als Fallstudie. Daniela Krien erzählt von fünf Frauen, die im ganz normalen Leben wirklich zu leben versuchen, nicht nur funktionieren und reagieren, sondern agieren. Aber aus Wunsch und Idee wird Krampf und Kampf. Daniela Krien erzählt von Sehnsüchten. Der Sehnsucht nach Liebe zu einem Gegenüber, einem Gegenüber, das versteht und jener Sehnsucht, sich selbst dabei treu zu bleiben. 

Daniela Krien, geboren 1975 in Neu-Kaliß, studierte Kulturwissenschaften und Kommunikations- und Medienwissenschaften in Leipzig. Seit 2010 ist sie freie Autorin, 2011 erschien ihr Roman «Irgendwann werden wir uns alles erzählen», der in 14 Sprachen übersetzt wurde. Ihr 2014 veröffentlichter Erzählband «Muldental» wurde 2015 mit dem Nicolaus-Born-Debütpreis ausgezeichnet. Daniela Krien lebt mit zwei Töchtern in Leipzig.

Daniel Krien liest aus ihrem Roman «Die Liebe im Ernstfall» am 11. Wortlaut Literaturfestival St. Gallen 2019, am Samstag, den 30. März! Weitere Informationen finden Sie auf wortlaut.ch! Moderation: Gallus Frei-Tomic

Beitragsbild © Sandra Kottonau

Urs Faes «Ins Schweigen reden»

Du bist allein im Haus, allein mit dem, was du jetzt ahnst, weißt und nicht annehmen willst: dass du nicht die grosse Liebe seines Lebens gewesen bist, sondern eine andere: Virginie. Oder einfach Ini. Sie und er, damals, und jetzt wieder. Schmerzt dich das?

Liebste Ini… so haben die Briefe angefangen. Das tönt zärtlich, vertraut, innig. Ja, innig ist das richtige Wort. Beeinander aufgehoben. Janek und Ini. Das tönt wie Hero und Leander. Des Meeres und der Liebe Wellen. Vom Winde verweht. Der grosse Gatsby. Janek und Ini. Wie die grossen Liebesgeschichten in der Literatur. Im Film.

Nicht grübeln. 

Eliane und Dorit kommen wieder. Sie lassen dich nicht im Stich. 

Jetzt bist du allein. In der Stille. In Gedanken. Im Schmerz. Das musst du mit dir austragen. Das nimmt dir keiner ab. Auch Eliane nicht.

Und Jakov?

Wo mag er sein? Auch allein? In einem Zimmer, das er nicht kennt? Ohne Worte für das, was ist. Fremd die Gesichter, die um ihn sind, die er nicht mehr erkennt. Irgend jemand könnte ihn besuchen, und er würde lachen, wie er immer Besuchern entgegengelacht hatte, freundlich, zuvorkommend, herzlich, ein zärtlicher Händedruck, eine sanfte Umarmung, ein gutes Wort. Jakov hatte für jeden ein gutes Wort, er war ein herzlicher Mensch, mit einem zärtlichen Blick auf die Menschen, auch auf dich. Vergiss das nicht. Wie liebevoll er sein konnte, fürsorglich, einer, der in den Augen der andern las, nicht nur ihre Wünsche, auch ihre Nachdenklichkeiten.

Und was ist mit diesem Kind? Jakovs Kind? Oder das Kind seines Vaters: Emily Mary Blumental. Ist Jakovs Vater der Vater oder der Grossvater des Kindes? Emily? Der Name ist nie gefallen. 

Du schüttelst dich, als könntest du abschütteln, was da ist, auf dir liegt, dir aufliegt.

Wie kannst du dich an Bilder halten, die nur eure sind, die Reisen, die vielen Reisen? Die Monate an der Baltischen See, Klaipeda, das Kurische Haff, das Ostseebad Cranz, eure Gänge durch die Birkenhaine bis zum Haff, in dem das Wasser im Sommer richtig heiss wurde, ein Dampfbad zwischen den Wanderdünen. Auch ihr habt eine Geschichte, du und Jakov. Aber du bist mit diesen Erinnerungen allein. In Jakov sind sie gelöscht, auch eure erste Begegnung im Rhein-Main-Flughafen. Auch eure Wanderferien im Bergell, das stundenlange Gehen, von Stampa über die Bogenbrücke der Maira und hinauf nach Coltura, zum Palazzo Castelmur. Jakov gefiel das Bild von Augusto Giacometti in San Pietro: Der Morgen der Auferstehung. Er buchstabierte das Wort: Risurrezione. Und er deutete auf das Epitaph unter dem Bild: Johannes und Magdalena. Ein Liebespaar, das aufersteht. Wer liebt, aufersteht. Jakov schien völlig fasziniert von diesem Gedanken und fotografierte das Bild zusammen mit dem Epitaph.

Langsam seid ihr dahingewandert, oft mit dem Blick ins Tal hinunter und hinauf zu den Bergen, den Piz Cam und den Pizzo Cengalo. In den Bergen war Jakov daheim, mountains home, sagte er, als wäre er in den geliebten Bighorn Mountains, wo ihr auf euren Ausritten dem Gros Ventre River gefolgt und hinauf auf die Spitze des Sleeping Indian Berges vorgedrungen seid, und ihr euch verloren habt im Hinunterblicken auf das Tal von Jackson Hole, an die Waipitis gedacht habt, die ihr auf eurer zweiten Reise, zum Schneeschuhfahren auf der Gros Ventre River Ranch, in der Nacht habt vor Hunger heulen hören, dieser unvergessliche Anblick: diese eng aneinander gelehnten Tiere im Schnee. 

Bilder, von denen Jakov nicht mehr spricht, die erdrückt und entrückt sind in ihm, vergessen, vergangen, versunken, in den Schutthalden seines Gehirns. Nur das ganz fern Erinnerte ist ihm noch nah, ein Frauenname, eine grosse Liebe.

Du bist allein mit euren Erinnerungsbildern, mit allem, was ihr gelebt habt: Du und Jakov, Herta und Jan. Das klingt nüchtern, alltäglich praktisch, zwei, die sich verstehen, sich arrangieren. Aber Janek und Ini, das bebt, das rührt an Traum und grosse Gefühle.

Du rufst allein eure Bilder zurück, kein „Weißt du noch, Jakov, die Gabelhorn-Antilopen unter den Laubbäumen im Boysen Park, nah am Ufer des Shoshoni, über dieser kleinen Bucht, in der das Schilf vom Licht angeblitzt wurde, ein heller Schein, gleissend hell…“. 

Nur bei dir ist das von euch Gelebte aufgehoben, euer Lebensbuch.

Ist das schon ein Nachruf? Jakov nachgerufen? Als wäre er schon nicht mehr da? Für dich ist er nicht mehr da, auch wenn er noch da ist. Gelöscht in Jakov, was dich, was euch betrifft, wie auf einem Bildschirm ein Text gelöscht wird, eine Melodie, ein Bild, ein Tastendruck und nichts mehr da, Leere.

Ini ist geblieben, erhalten, bewahrt, wie in Karneol unzerstört, zum unverhofften Wiedersehen, wundersam heil geblieben zwischen Gedächtnisablagerungen und Gehirnschuttverwicklungen, Denkhalden und Müllbergen.

Die Bildfolge Ini ist geblieben, lebt und atmet, weil die Liebe sie erhalten, stark gemacht hat, so stark, dass sie den Jahren trotzt, der Krankheit, dem Vergessen und Verlöschen, unsterblich ist, ewig.

Diese Vergangenheit ist geblieben und Gegenwart geworden. Janek und Ini, eine unsterbliche Liebe, das letzte Refugium eines verlorenen Gedächtnisses. Vielleicht wird sie auch bleiben, wenn Jakovs Gestalt still geworden ist, weil bleibt, was von der Liebe gebildet, getragen, unzerstörbar geworden ist. Weil die Liebe nicht vergeht, nie vergeht, auch  über den Tod hinaus? Ist es das, was uns antreibt, was in uns als Sehnsucht glüht, unstillbar? 

Auch dich hat das angetrieben, und du hast geglaubt, in Jakov diese Nähe gefunden zu haben, all die Jahre hast du das geglaubt. Du hast nicht geahnt, dass sie in ihm schon gefunden und verwahrt war und einen Namen trug: Ini.

Du wischst mit der Hand langsam durch die Luft, als wüsche deine Hand die Nacht, wüsche sie die Welt, wüsche herunter, was trübte, die Aussicht, die Fernsicht, die Rücksicht. Du musst sie waschen, die verwüstete Welt, die unter Schlacken, Ablagerungen siechende Welt da draussen; und die Welt in Jakovs Kopf, in Jakovs Gehirn, in Jakovs Gedächtnis, die wüst ist und fast leer, glanzlos geworden, stumpf, de-mens, von Sinnen, jetzt, erst jetzt verstehst du das Wort.

Du bist allein. Und wer allein ist mit den Erinnerungen und mit der wüsten Welt, der ist wirklich allein. So stehst du in diesem Korridor, so gehst du durch die Räume, greifst nach dem Halte-Tau an der Wand, das Jakov vom Schlafzimmer ins Bad und durch die Räume geleitet hat.
Du musst dich festhalten, dich anklammern am rauen Tau, gegen diesen Sturm, der weht, von einem verlorenen Paradies, von den Erinnerungen her, die dich aus dem Leben mit Jakov umweben und dem, was sie trübt: Janek und Ini. Du gerätst von Sinnen im Sinnen; wonach steht dir noch der Sinn?

Was kannst du dem entgegenstellen, was da weht, stürmt, heult, dich forttreibt?

Bleibt nur die Müdigkeit, und darin ein letzter Aufruhr, ein Dennoch, das schon nicht mehr trotzig, sondern nur noch ein Flügelschlagen ist, Einsicht?

Dieser Vers, den dir Eliane einmal aufgeschrieben hat, eine Frucht ihrer Theaterarbeit, als Trost gemeint, auch in der Bitterkeit: „Schatten sind des Lebens Güter, Schatten seiner Freuden Schar,/ Schatten, Worte, Wünsche, Taten,/ Die Gedanken nur sind wahr// Und die Liebe, die du fühltest,/ Und das Gute, das du tust;/ Und kein Wachen als im Schlafe,/ Wenn du einst im Grabe ruhst.// Possen! Possen! Andre Bilder/ Werden im Innern wach!“

Lachen über die Possenspiele des Lebens, zum Lächeln finden, zum Lassen, Loslassen, Zulassen, Ablassen?

Und einmal gelassen sein, Gelassenheit finden?

Und darin eingestehen, deine grosse Liebe war nicht, was du dachtest, war weniger, Schatten, ja ein Schatten, unter dem Schatten einer andern?

Und Jakov? Ist er jetzt leicht, zurück in der frühen Liebe, da wieder eingekehrt, darin jetzt gelassen, losgelassen von allem andern, von all dem, was lastet oder lasten könnte? Vom Leben?

Back home? War das nur diese im Kokon verwahrte Liebe?

Und du hast geglaubt, das gelte dem Heimweh nach den Weiten Wyomings, den Wäldern des Teton, dem gewundenen Lauf des Snake River, den kleinen Seen um Boulder Flats. Es hat, ohne dass er es nennen konnte, nur ihr gegolten, Virginie, der frühen, der grossen Liebe, nach der ihn ein Sehnen verzehrte; das war der Heart Lake, in dessen Wasser er getaucht ist und darin weiterschwimmt.

Hast du ihn für den genommen, der er gewesen ist, den versprengten Reiter, einer, der immer ein Reisender gewesen ist, einer, der von irgendwoher kam und nach irgendwohin aufbrach, getrieben von der unbestimmten Hoffnung, es gebe irgendwo eine Ankunft, beschlichen von der Ahnung, keine Ankunft zu finden. Vielleicht war es diese unbestimmte, diese unstillbare Sehnsucht, die ihn antrieb, die ihn reisen liess und nur einen Namen hatte. Vielleicht hat ihn das letztlich auch seine Statistiken schreiben lassen, dieser unbestimmte Leerraum, in dem alles entschwunden schien, in dem es keine Gewissheit gab, in Fülle verfügbar war nur der Mangel, der Mangel an Selbstgewissheit, an Heimat und menschlicher Bedingung in der Welt. Hat ihn dieser Mangel angetrieben, nach den früh erfahrenen Toten, der Mutter, von Virginie, von Ken, vielleicht auch von Emily? Und die immerwährende Angst vor Verlusten, immer neuen Verlusten, auch von dem, was man ist und lebt? 

Du zitterst. Du sagst so oft vielleicht? Vielleicht, weil du so wenig weißt, mit Gewissheit weißt: von Jakov, von dir selbst. Auch du hast Angst. Nichts ist sicher. Nur das Gefährdetsein, auch in der Liebe, die fragile Aussicht, den Alltag halten zu können, wenn überhaupt. Kannst du es noch? Noch weiter? Immer weiter? Gehen. Gehst du noch, oder stehst du?

Du gehst durch die Wohnung; durch die Ratlosigkeit gehst du, deine Ratlosigkeit. Deine Schritte widerhallen, dumpf patschend auf dem Parkett, ein Eichenparkett, hohl klingt das, als wäre alles hohl unter dir, voller Leerräume, mit Geheimnissen und Untaten, voller Archive, die jemand angelegt hat, von deinen Wegen, Schritten, deinen Sehnsüchten, das ist abgelegt in Schachteln und Mappen, du brauchst sie bloss zu öffnen, einzutreten in die Archive, in dir, unter dir, Archive, tief in die Erde hinein, unterkellert ist das alles, immer neue Räume mit Dokumenten, Mappen, Statistiken, die alles enthalten, was dich angeht, die infragestellen, was du empfunden, was du entschieden, was du gesprochen hast. Überall Papiere, Virginie-Papiere, Jakov-Papiere, Eliane- und Dorit-Papiere, alles ist voller Papiere, Buchstaben, Zeichen, Schriftzeichen, Wandzeichen, Menetekel. 

Soviel an Spuren aus einem Leben, soviel an Zeugnissen, Leidenschaften und Leiden, an Glück und Scheitern, an Ahnungen und Vermutungen, und so wenig an Gewissheit, an Klarheit, selbst da, wo Zahlen und Namen und Daten sind, so flüchtig, so undurchschaubar, so dämmerhaft und unzugänglich bleibt, was einer gelebt, du, Jakov, Ini.

Du gehst, und von draussen fällt jetzt das Licht herein, fällt auf den Boden, stumpf, dumpf, wie die Schritte, die du machst, behutsam, ängstlich. Dünn ist die Kruste über diesem Hohlraum unter dir, das Echo verrät es, das ist hohl da unten, du kannst jederzeit einbrechen, durchbrechen wie durch das Eis auf dem See, das voller brüchiger Stellen ist, die nicht tragen, die dich in die Tiefe fallen lassen, in die Archivschächte des Erdachten, mit den Schachteln des Erinnerten, mit den Statistiken deiner Irrtümer, Irrwege und Irrfahrten, mit diesen Papieren, Virginie-Papieren, Jakov-Papieren, mit den Rechnungen, Statistiken, Zahlen, alles ist voller Zahlen, als zählten nur noch die Zahlen.

Dieser Text, den mir Urs Faes freundlicherweise zur Verfügung stellt, ist ein erster Blick in seinen neuen Roman.

Urs Faes, 1947 geboren, lebt und arbeitet in Zürich. Er ist einer der Grossen der Schweizer Literatur. 1983, vor 35 Jahren, erschien sein erster Roman «Webfehler» bei Lenos. 1989 wechselte er zu Suhrkamp und veröffentlicht dort seit 30 Jahren Romane und Erzählungen. 2017 erschien «Halt auf Verlangen. Ein Fahrtenbuch» in dem er seine Erfahrungen mit einer schweren Krankheit mit der Geschichte seiner Herkunft verwob. Seine Werke wurden vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Schweizerischen Schillerpreis und dem Zolliker Kunstpreis. Sein Roman «Paarbildung» stand auf der Shortlist für den Schweizer Buchpreis. Zuletzt erschien in der Insel Bücherei die Erzählung «Raunächte».

«Urs Faes’ Sprache legt sich wie ein weicher, weisser Mantel um die Schultern des Lesers.«

Rezension von «Raunächte»  auf literaturblatt.ch

Rezension von «Halt auf Verlangen» auf literaturblatt.ch

Urs Faes im Logbuch von Suhrkamp

Webseite des Autors

Beitragsbild © Ekko von Schwichow

Christian Zehnder «Die verschobene Stadt», Otto Müller Verlag

Felix Degalier studiert in Lausanne Medizin, nachdem er zu seiner kranken Mutter gezogen war. Lausanne ist ihm fremd, genauso die Sprache. Er kennt sich zwar aus und spricht französisch, doch der Mann scheint über Monate nie dort anzukommen, wo er sich eigentlich bewegt. «Die verschobene Stadt» ist eine Lebensspur, die sich beinahe verliert. Der Roman ein zartes Stück Sprache, das anderes will als «bloss» erzählen.

Es ist bei der Lektüre, als würde man dem Boden enthoben. Es ist kein Wegreissen, kein Hinfallen, kein Abheben, kein Wegdriften. Was als Geschichte erzählbar ist, wird nicht von aussen geschildert, sondern von innen. Mir erzählt Christian Zehnder von Felix Degalier, von Luc, Helena und Geneviève, von den Mietern mit ihrem kränklichen Kind, die sich in der ehemalige Wohnung der Mutter einnisten – und doch liegt der Erzählmittelpunkt, der Fluchtpunkt der Erzählperspektive in der getriebenen Seele von Felix.

Felix wohnt mit Luc zusammen in dessen Wohnung, aber nicht wirklich zusammen, denn die beiden treffen sich je länger je weniger. Felix studiert Medizin, aber nicht wirklich, denn alles andere scheint ihn und sein Leben zu bewegen, nur sein Studium nicht. Felix lebt, existiert in Lausanne, der Universitätsstadt am Lac Léman, aber nicht wirklich, denn phasenweise entzieht sich ihm die Stadt, entgleitet ihm, verschiebt sich, wird ihm fremd.

Obwohl chronologisch konstruiert, erzählt der Autor alles andere als linear. Sprunghaft, manchmal assoziativ, als würde er nicht erzählen wollen, sondern schildern, was die sprunghafte, unstete Wahrnehmung mit dem Protagonisten macht.
Nachdem Felix Degalier weg von Zürich zu seiner Mutter nach Lausanne gezogen war, diese zuerst pflegte, vermietet er die Wohnung nach deren Tod fast vollständig möbliert einer jungen Familie. So wie die Möbel in dieser Wohnung nach dem Tad seiner Mutter stehen bleiben, als wäre sie eben erst weggegangen, bleibt die Bindung, die Verbundenheit zu einer Welt, die mit der Mutter gestorben war. Felix wird zu viel mehr als einem Vermieter, angebunden an eine Familie, die ihn durch ein krankes Kind regelrecht einspannt.

«Die verschobene Stadt» macht es mir nicht leicht. Ein Buch, das mich pendeln lässt zwischen Faszination, vor allem für die Sprache, und Verunsicherung dann, wenn ich mich losgelassen fühle. So wie Felix in einer Stadt, einer Welt, unter Menschen, die ihn nicht einlassen. Schon «Julius», sein 2011 bei dtv erschienener Roman, war die Geschichte eines jungen Mannes, der von einem alten Leben Abschied nimmt und in einem neuen nicht richtig anzukommen scheint.

Wer sich auf ein sprachliches Abenteuer einlassen will, der liest «Die verschobene Stadt»! Flimmernd, durchscheinend und traumhaft.

Foto © Matthias Günter

Christian Zehnder, geboren 1983 in Bern, studierte Literatur und Philosophie in Fribourg und München. Er ist Mitarbeiter am Institut für Slawistik der Universität Fribourg. Nach Studienaufenthalten in Sankt Petersburg, Moskau, Warschau und zuletzt in Chicago lebt er heute in Bern. Bisher erschienen sind von ihm die Erzählungen und Romane «Gustavs Traum», «Julius» und «Die Welt nach dem Kino». «Die verschobene Stadt» ist sein erstes Buch im Otto Müller Verlag.

Beitragsbild © Sandra Kottonau

Michael Köhlmeier «Erwarten Sie nicht, dass ich mich dumm stelle», dtv

Am 5. Mai 2018 hielt der Schriftsteller Michael Köhlmeier in der Wiener Hofburg eine Rede zum Holocaust-Gedenken. Eine Rede, die nur sechs Minuten dauerte und ebenso viel Applaus und Zustimmung erntete wie Kritik und Unterstellung. Genau das, was eine Rede soll, wenn sie nicht bloss mit freundlicher Zustimmung liebäugelt. Michael Köhlmeier traut sich, auch dann, wenn die Kritisierten vor ihm stehen.

Österreich wird von einer schwarz-blauen Regierung geführt, einem jugendlich scheinenden Kanzler, der sich mit dem FPÖ Vizekanzler Strache verbrüdert, der sich in keiner Weise schämt, antisemitisch und fremdenfeindlich aufzutreten. Strache sass mit anderen seiner «freiheitlichen» Partei im Publikum, als Michael Köhlmeier in sechs Minuten ruhig und gelassen einer Regierung die Leviten las, die Verantwortung und historisches Bewusstsein mit Füssen tritt, die mit Argumenten hantiert, mit denen vor 70 Jahren schon einmal die Massen in Wallung gebracht wurden.

Michael Köhlmeier tat es nicht als Intellektueller, sondern als schreibender, denkender und mitfühlender Bürger. Was er sagte, war keine Beschuldigung, keine Mutmassung, keine Interpretation, sondern Spiegel einer Ungeheuerlichkeit. Kein Wunder keifte die FPÖ, schimpfte die ÖVP und applaudierten Linke und Grüne. In Presse und sozialen Medien zeigten die sechs Minuten erstaunliche Resonanz, etwas, was Reden in heeren Hallen sonst nicht zu erreichen vermögen. Michael Köhlmeier tat es nicht als Polterer, sondern als einer, der in einem ganzen Leben und Wirken Empathie zur Lebensspur macht.

Ich lernte Michael Köhlmeier an einer Lesung zusammen mit seiner Frau Monika Helfer kennen, als sie aus ihrem gemeinsamen Buch «Der Mensch ist verschieden» lasen und erzählten. Das Schriftstellerpaar ist Sinnbild für Respekt und Menschenliebe. Ihre beiden Stimmen sind fein ziseliert, klar und bestimmt, spüren auf, was man unter Wahrhaftigkeit versteht. Sie tun, wie sie schreiben. Sie schrieben, wie sie leben.

In den in diesem Band gesammelten Reden schweift Michael Köhlmeier nicht ab. Er bleibt beim Erzählen; von dem Ort, an dem erlebt, den Menschen, die ihn begleiten, seiner Mutter, seiner Grossmutter. Er sieht im Kleinen das Grosse, schildert behutsam und ohne eine Spur von Arroganz. Er liebt seine Figuren, seine Welt, erst recht dann, wenn sie von Hetze, Ignoranz und Menschenfeindlichkeit bedroht sind. Michael Köhlmeiers Reden trösten, wie sie Zeugnis sind, dass der Mut nicht stirbt.

Reden gegen das Vergessen, mit einem Nachwort von Hanno Loewy
«Zum großen Bösen kamen die Menschen nie mit einem großen Schritt, sondern mit vielen kleinen, von denen jeder zu klein schien für eine große Empörung.»
Michael Köhlmeier

© Heike Bogenberger

Michael Köhlmeier wurde 1949 in Hard am Bodensee geboren und lebt heute in Hohenems/Vorarlberg. Er studierte Germanistik und Politologie in Marburg sowie Mathematik und Philosophie in Gießen und Frankfurt. Michael Köhlmeier schreibt Romane, Erzählungen, Hörspiele und Lieder und trat sehr erfolgreich als Erzähler antiker und heimischer Sagenstoffe und biblischer Geschichten auf. Er erhielt für seine Bücher zahlreiche Auszeichnungen, u.a. mit dem Rauriser Literaturpreis, dem Johann-Peter-Hebel-Preis, dem Manès-Sperber-Preis, dem Anton-Wildgans-Preis und dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur.

Fotos © Heike Bogenberger

Michael Köhlmeier mit «Das Mädchen mit dem Fingerhut» auf dem 30. Literaturblatt:

Angelika Waldis nimmt alle mit.

Alles scheint erzähltes Leben. Alles durchsetzt von der Weisheit einer Sehenden. Wer sich auf die Webseite der fast 80jährigen Schriftstellerin Angelika Waldis hineinliest, findet ein Mindestmass an Fakten und einen Brunnen voller Geschichten. Und genauso sind Begegnungen mit der Autorin. Angelika Waldis las in der Kellerbühne St. Gallen aus ihrem neuen Roman «Ich komme mit» und man kam mit auf einen Roadtrip an den Rand des Lebens.

Literatur soll und kann Grenzen überschreiten, dorthin führen, wo einem Angst, Beklemmung, Rücksicht, Schüchternheit und Feigheit den Zugang verwehren – vielleicht zum Glück, aber nur vielleicht. Angelika Waldis erzählt in ihrem neuen Roman die Geschichte einer ungleichen Schicksalsgemeinschaft. Der 21jährige Lazy (eigentlich Lazar, von Lazarus, jenem Mann, der im Neuen Testament von den Toten zurückgeholt wurde) ist Student, eigentlich glücklich und bis über beide Ohren verliebt. Bis die Diagnose Leukämie dem Leben eine nicht zu korrigierende Wendung gibt und alles in Frage stellt. Im gleichen Haus wohnt die Witwe Vita, die in den Jahren nach dem Tod ihres Mannes ihr Leben verwaltet, eine alt gewordene Frau.

«Ich komme mit» ist die Geschichte einer seltsamen, vergnüglichen und gleichermassen traurigen Freundschaft. Beide wollen nicht mehr, zumindest nicht das, was man ihnen zugedacht hat. Sie unternehmen eine letzte Reise gemeinsam. Während es Lazy immer schlechter geht, er sich langsam vom Leben entfernt, kommt Vita in ein Leben zurück, das sie vergessen hatte. Sie kocht für den jungen Mann, gibt ihm, als es ihm immer schlechter geht, eines der leeren Zimmer in ihrer Wohnung. Und als Lazy beschliesst, zur letzten Reise aufzubrechen, sagt Vita: «Ich komme mit.»

Ursprung der Geschichte sei eine Reportage gewesen über einen jungen Mann mit einem Tumor im Kopf. Die Krankheit sei das eine gewesen. Viel übermächtiger aber die Angst. Was würde sie tun, wäre ein Enkel in der gleichen Verfassung? Wäre sie bereit, mit dem Satz «Ich komme mit» mehr als nur zu trösten? Angelika Waldis Art zu erzählen, ihre Meisterschaft das Geschehen mit Witz, Galgenhumor, Schalk zu durchsetzen, ohne die Fährte zu verlieren, macht aus einem Stoff, der alle Untiefen von Kitsch in sich birgt, einen Roman voller Weisheit und Kraft. Voller Metaphern, die beinahe schmerzen. Nicht weil sie sich nicht vergreifen, sondern beissen, packen und nicht loslassen

Es ist der Witz, der Humor, die Fähigkeit, die Welt nicht tierisch ernst zu nehmen, selbst jene Themen, die ans wirklich Eingemachte gehen. Die Verschmitztheit und Weitsicht einer Weit-gegangenen. Angelika Waldis liest zwar hinter einem Tischchen mit künstlicher Patina. Aber an ihr und ihrem Schreiben ist weder Künstlichkeit noch Patina. Angelika Waldis sprüht vor Leben, genau wie es ihre Protagonisten tun, dem Leben trotzend.

Foto © Dominique Schütz

Sie sitze zuhause am Fenster, an einem Tisch, darauf ein Computer. Sätze und Geschichten flögen ihr zu. Sie brauche nur hinaus in den Garten zu sehen. Ich glaube der alten, weit gegangenen Dame, würde ihr fast alles glauben, denn was sie tut, tut sie ohne Aufhebens, authentisch. Man muss sie mögen, als Schriftstellerin mit ihren Büchern. Aber von Nahem noch viel mehr, wenn sie liest, erzählt und mit ihrer spritzig frischen Liebenswürdigkeit die Neugier der Zuhörenden stillt.

Angelika Waldis ist 1940 geboren und denkt immer noch, sie sei nicht alt. Sie ist in Luzern aufgewachsen, hat an der Universität Zürich eine Weile studiert (Anglistik/Germanistik), ist aber bald abgehauen in den Journalismus und in die Ehe mit ihrer ersten Liebe, dem Gestalter Otmar Bucher. Mit ihm hat sie einen Sohn, eine Tochter und eine Jugendzeitschrift gemacht. Heute hat sie drei Enkel sowie Freuden und Ängste beim Bücherschreiben. Ihr Roman »Aufräumen« (2013) war in der Schweiz ein Bestseller. Was sie häufig tut: in Gartenerde wühlen, mit Wörtern spielen, sich über dumme Zeitgenossen ärgern, neugieren und staunen.

Rezension von E. Berger auf literaturblatt.ch von «Ich komme mit»

Webseite der Autorin

Florian Wacker «Stromland», Berlin Verlag

Der Zwillingsbruder verschwindet. Die Schwester macht sich mit einem Bündel Briefen und ihrem Freund auf die Suche nach ihm. Eine Suche, bei der die Motive der Reise immer mehr ihre klaren Umrisse verlieren. Eine Reise in ein Land, das ebenso viel Sog entwickelt wie Verständnis verweigert. «Stromland» führt mich als Leser weit weg; eine Reise in die Tiefen des brasilianischen Urwalds und in jene menschlicher Abgründe.

«Stromland» ist eines jener Bücher, die niemals nur in stillen Stuben geschrieben wurden. Man spürt der Sprache, der Geschichte und den Konstruktion des Buches an, wie sehr sich Florian Wacker auf ein Abenteuer einliess. Nicht nur geographisch, denn Florian Wacker beschreibt derart bildhaft und sinnlich, dass einem die feuchte Hitze des Urwalds genauso an die Kehle springt wie die modrigen Dämpfe und die Schreie in pechschwarzen Nächten. Florian Wacker beschreibt einen Kontinent, der während mehrerer Jahrhunderte im Würgegriff von Eroberung, Gier, Anarchie und der Suche nach Glück war und ist. Ob im 18. Jahrhundert noch unter dem Banner der Kirche oder in der Gegenwart auf der Suche nach Gold – das, was ein stubenwarmer Europäer (so wie der Schreibende) unter Recht und Ordnung versteht, hat wenig mit dem zu tun, was im Dschungel von Natur, Kultur, Ethnien und der Suche nach dem «Paradies» aufeinanderprallt.

«Der Gedanke, Thomas zu finden, war wie ein Tischtennisball, der einen winzigen Riss hatte und der so jeden Schlag, jedes Aufsetzen zu etwas Zufälligem machte, trudelnde, kreisende Bewegungen, eine eiernde Flugbahn.»

Thomas fahrt im Filmtross von Werner Herzogs Filmequipe ins Amazonasgebiet. Nachdem der Regisseur Werner Herzog 1972 mit «Aguirre, der Zorn Gottes» schon einmal einen Film mit Klaus Kinski im Dschungel des Amazonas drehte, macht sich die Filmcrew zehn Jahre später noch einmal auf den Weg, um unter widrigsten Umständen, den mittlerweile zur Legende gewordenen Film «Fitzcarraldo» zu drehen. Thomas, schon als Jugendlicher vom Film mehr als fasziniert, macht sich auf eine Reise, viel weiter als bloss in einen Dschungel. So wie im Film «Fitzcarraldo» ein Abenteurer davon träumt, in der peruanischen Dschungelstadt Iquitos ein Opernhaus zu erbauen, so sehr träumt Thomas nicht bloss einen Film mitzureden, sondern von Distanz zu seinem steifen Elternhaus und Nähe zu neuen Lebensformen. in der Ferne zu finden. Er verspricht zwar seine Schwester Irina zurückzukehren, taucht aber in Deutschland nie mehr auf. Nach zwei Jahren Ungewissheit macht sich Irina mit ihrem Freund und dem Bündel Briefe ihres Bruders, Lebenszeichen, die mehr Geheimnisse offenbaren als klare Hinweise über sein Verbleiben, auf die Suche nach ihrem Zwillingsbruder.

«Ich weiss, dass Wahnsinn ein anderes Wort für Erkenntnis ist und dass wir überwältigt werden und us zu Tode fürchten vor dem, was wir sehen, hören und riechen.»

Zwillinge spüren mehr. Irina glaubt nicht an den Tod ihres Bruders. Entgegen alles Vernunft und aller Beschwörungen lässt sie nicht locker. Die Reise in den Urwald wird eine Reise in die Tiefen der menschlichen Abgründe, manchmal knapp am Tod vorbei, über die Grenzen von Ratio, in ein Land, das seit Jahrhunderten Traumland ist, Eldorado von Abenteurern, Schatz- und Glückssuchern.
Aber Florian Wacker rapportiert nicht einfach. Der Schriftsteller webt ein Netz, erzählt Familiengeschichten, Geschichten von Niederlagen und Siegen, vom Gegensatz der Kulturen, dem Aufeinanderprallen von Welten.
Seine Erzählweise ist in höchstem Masse sinnlich und durchwachsen von Bildern, die nur durch erlebte Recherchearbeit erzeugt werden können. Florian Wacker malt mit satten Farben, grosszügig und raumgreifend aufgetragen. Wer die Filme «Aguirre, der Zorn Gottes» und «Fitzcarraldo» von Werner Herzog kennt, erfährt bei der Lektüre, wie sehr jene Filme mit den Bildern aus Wackers Roman «Stromland» verwandt sind.

«Jesuiten, Dominikaner, Hidalgos, Glücksritter, Naturforscher, Geologen – sie alle waren dagewesen, hatten sich mit schwerem Gepäck durch den Wald gekämpft, waren gebissen und gestochen worden, hatten sich die Maria geholt, im Fieber gelegen, hatten fantasiert, nach der Mutter gerufen; sie hatten den Wald verflucht und waren doch seiner Schönheit erlegen, sie starben und wurden liegen gelassen.»

Ein vielschichtiges, spannendes, mitreissendes Buch.

Florian Wacker, geboren 1980 in Stuttgart, studierte Heilpädagogik und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften sowie der Erzählband «Albuquerque» (2014), der Jugendroman «Dahlenberger» (2015) und der Roman «Stromland» (2018). Zuletzt wurde er mit dem Limburg-Preis (2015), dem Mannheimer Stadtschreiberstipendium für Kinder- und Jugendliteratur (2017) und dem Harder Literatur-Förderpreis (2018) ausgezeichnet. Er lebt in Frankfurt am Main, wo er als Autor und Webentwickler arbeitet.

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Beitragsbild © Sandra Kottonau

Mathijs Deen «Unter Menschen», mare

Noch ist der niederländische Schriftsteller Mathijs Deen im deutschsprachigen Raum weitgehend unbekannt. Das müsste sich mit seinem Roman «Unter den Menschen» ändern, weil in einer Art und Weise erzählt wird, die in Sprache, Konstruktion, Inszenierung und Intensität gleichsam betörend und bestechend wirkt. Der Roman erinnert an den grossen Gerbrand Bakker mit seinem Meisterwerk «Oben ist es still».

Irene hat auf eine Annonce von Jan reagiert. Nur nicht mit ihrem richtigen Namen. Sie nennt sich Will, hat es auch mit anderen Namen an Jans Anschrift adressiert probiert. Aber Jan will Will. Weil es nach dem plötzlichen Tod von Jans Eltern zu ruhig auf dem Hof hinter dem Deich geworden ist.
Irene will eine Welt, die ihr entglitten ist, hinter sich bringen, will vergessen. Und Jan weiss, dass er es in den langen Wintern erst recht nicht aushalten wird, wenn ein Gegenüber genauso fehlt wie eine Aufgabe auf dem Hof.

Ich führte mit Mathijs Deen ein Interview:

Ein Fleck am Meer, hinter einem Deich. Zwei Menschen versuchen es. Der Deich schützt und ermöglicht das Leben am Meer. Die Routine, das Gewohnte schützen Jan – und Lügen Wil, die eigentlich Irene heisst, vor Konfrontationen in ihrem Leben. Ist es die Angst vor dem, was da ist, was nicht zu leugnen wäre, wie das Meer hinter dem Deich? „Unter den Menschen“ klingt als Titel wie der zweite Teil des Unausgesprochenen; Einsamkeit unter den Menschen, Missverständnisse unter den Menschen, Stille unter den Menschen… Kann man jemand anderen jemals verstehen?

Die Idee für die Kulisse des Romans ist entstanden, als ich als Radiojournalist viel im Norden des Provinz Groningen herumgereist bin und die isolierten Bauernhöfe am Deich in den Poldern liegen sah. Ein Kollege machte in dieser Zeit ein Interview mit einen Ehepaar, das viele Jahre in so einem isolierten Haus unter dem Deich gewohnt hatte, jetzt aber in ein Seniorenheim gezogen war. Er hat sie gefragt, wie sie beide auf das Leben zurückschauten, und da hat der Mann geantwortet, er vermisse das Meer, und die Frau antwortete, sie vermisse das Land. Ihr ganzes Leben lang hatten die beiden in die andere Richtung geschaut.
So einen Startpunkt in so einer offenen Kulisse, das fand ich schön. 

Da brauen sich Stürme zusammen, solche, die aus der Vergangenheit nie ganz vergessen und überwunden wurden, Stürme über dem Meer, Stürme zwischen dem Mann und der Frau. Stürme, die ausbrechen und wieder abflauen. Wussten Sie während des Schreibens immer, wohin Sie die Geschichte trägt.

Jan nähert sich den Problemen des Lebens von der Tradition heraus, Wil vom Willen heraus. Jan strebt nach Kontinuität, Wil nach einem Neuanfang.
Als ich anfing, dieses Buch zu schreiben, wusste ich nicht, wie es enden würde. 

Jan und Irene sind Archetypen. Irene versucht, wonach sich viele sehnen; einen klaren Bruch, einen Neuanfang. Und Jan ist der, den erst ein Sturm aus den gewohnten Bahnen reissen kann. Wollten Sie die Extreme aneinander „austesten“?

Ich wollte tatsächlich «die Extreme aneinander austesten», wie Sie observiert haben. Nach und nach lernte ich, Jan und Wil zu lieben, natürlich weil sie beide einen Teil meiner Persönlichkeit repräsentieren: ein innerer Kampf zwischen ‚wer ich bin‘, und ‚wer ich sein möchte‘.
Wenn am Ende des Buches die Natur selbst das Ruder übernimmt und ein Kind geboren wird, kommen die beiden für einen Moment zusammen. Für Jan bedeutet es, dass er Wil akzeptieren muss, wie sie ist (Irene), und für Wil bedeutet es, dass sie akzeptieren muss, dass es Momente gibt, in denen sie die Kontrolle verliert. Vielleicht überflüssig zu sagen: Wil auf niederländisch bedeutet auch: Wille. Und Irene bedeutet Frieden.
Der Schnee macht die beiden Welten diesseits und jenseits des Deiches gleich.

„Unter den Menschen“ ist ein Kammerspiel; mehr oder weniger zwei Akteure, wenig Kulisse, dafür viel Horizont. Kein Wunder soll ein Film daraus werden. Sie kennen den Ort hinter der Düne genau, ebenso die Menschen, die Gegensätze zwischen Unberechenbarkeit und Gleichförmigkeit, sei es in der Kulisse oder beim Personal. Wo lag der Ursprung dieses Buches?

Dass Sie Jan und Wil als Manifestationen von Unberechenbarkeit (Wil/Meer) und Gleichförmigkeit (Jan/Land) charakterisieren, ist eine tolle Beobachtung. Ein isoliertes Haus in einer Umgebung, wo zwei sich ausschliessende Welten koexistieren, aber dennoch streng getrennt sind. Der Deich trennt die beiden Welten, ermöglicht jedoch gleichzeitig, dass sie zusammenleben. Die ideale Kulisse für eine Geschichte, in der zwei Menschen versuchen, sich mit dem Leben und miteinander abzufinden.

Als ich das Buch zu Ende gelesen hatte, stellte sich genau jenes Glücksgefühl ein, worauf ich beim Lesen stets hoffe. Ich war da, liess die Geschichte und die Protagonisten nicht gerne ziehen, bin Teil des Geschehens geworden, habe mich von Sprache, Stimmung und Bildern betören und bewegen lassen. Vielleicht liegt es daran, dass Sie mit „kleinen“ Gesten Grosses erzählen, dass nicht alles ausgemalt wird, Leerstellen bleiben. Haben Sie nicht Angst, dass der Zauber bei einer Verfilmung verloren gehen könnte?

Ich habe mir vorgenommen, mich nicht einzumischen. Für mich sind ein Buch und ein Film zwei sehr unterschiedliche Dinge. Ich weiss schon jetzt, dass der Regisseur die Geschichte in eine ganz andere Kulisse verschieben will, und Jan und Wil etwa andere Berufe bekommen. Ich bin gespannt. Ich kenne die Regisseurin und ich habe Vertrauen in sie. Grossartig, dass aus meinem Buch eine neue Geschichte entstehen kann. «Unter den Menschen» schreiben hat mich gelehrt, dass es kein Problem ist, wenn man die Kontrolle verliert. Dass da sehr schöne neue Dinge entstehen können.

Leben ist das permanente Zugeständnis, die Kontrolle zu verlieren. Ist die Geschichte, der Roman ein Bild ihrer eigenen Sehnsüchte und Ängste?

Sie fragen nach meinen eigenen Sehnsüchten und Ängsten. Man kann immer eine Menge darüber sagen, aber oft weiss der Schriftsteller selbst auch nicht, aus welchem dunklen Keller die Sätze ins Licht klettern. Was entsteht, ist eine Geschichte, die auf eigenen Beinen stehen kann.
Es hat mir gefallen, dass Jan einfach er selbst bleibt, und in seiner Beziehung zu Wil einfach seiner Erziehung, seiner Herkunft, seiner Empathie und seinen Wünsche vertraut. Aber ich glaube, dass es in mir einen unruhigen und rebellischen Kern gibt, der eher Wil ähnelt. Was die vergebliche Suche nach dem Kern der eigenen Persönlichkeit angeht, und die ständigen Versuche, sich mit dem immer mitreisenden Unglück und Ängsten zu versöhnen, bin ich Wil ähnlich.

Lesen Sie dieses Buch. Es wird lange nachklingen!

Mathijs Deen, geboren 1962, ist Schriftsteller und Radioproduzent. Zu den von ihm veröffentlichten Büchern zählen Romane, Kolumnensammlungen und ein Band mit Kurzgeschichten. Unter den Menschen erschien erstmals 1997 und wurde 2016 in einer überarbeiteten Fassung als Wiederentdeckung gefeiert, in deren Zug auch die Filmrechte verkauft wurden.

Der Übersetzer Andreas Ecke, 1957 in Wuppertal geboren, studierte Germanistik, Niederlandistik und Musikwissenschaft und arbeitete viele Jahre als Buchhändler. Er übersetzte u. a. Bücher von P. F. Thomése, Geert Mak, Cees Nooteboom, Otto de Kat und Gerbrand Bakker ins Deutsche. Für seine Übersetzung des Romans Oben ist es still von Bakker erhielt er 2010 den Else-Otten-Übersetzerpreis, 2016 den Europäischen Übersetzerpreis. Ecke lebt in Bonn.

Webseite des Autors (holländisch)

Das 44. Literaturblatt ist unterwegs zu den FreundInnen der Literatur!

Eingepackt und eingetütet! Auf dem Weg zur Post in der Hoffnung, damit Freude und Inspiration auszulösen!

Ich möchte ihnen ein großes Kompliment dafür aussprechen, was Sie da quasi «nebenher» auf die Beine stellen – ein großartiges und wunderbares Zeugnis für das, was Leidenschaft vermag!» Christian Torkler, «Ein Platz an der Sonne», C. H. Beck

Für mindestens 50 Fr./€ schicke ich ihnen 10 Nummern der Literaturblätter. Die Literaturblätter erscheinen ca. 6 Mal jährlich.

Für mindestens 100 Fr/€ schicke ich ihnen als Freunde der Literaturblätter 10 Literaturblätter, 6 pro Jahr. Zudem sind sie auf literaturblatt.ch vermerkt.

Für mindestens 200 Fr./€ sind Sie als Gönner stets eingeladen, als Gönner der Literaturblätter auf literaturblatt.ch vermerkt bekommen 10 Literaturblätter (6 pro Jahr), also etwa 1 1/2 Jahre lang und werden einmalig auf Wunsch mit einem Buch beschenkt.

Kontoangaben:
Literaturport Amriswil, Gallus Frei, St. Gallerstrasse 21, 8580 Amriswil
Raiffeisenbank, Kirchstrasse 13, 8580 Amriswil
CH16 8137 3000 0038 6475 8
SWIFT-BIC: RAIFCH22

Was sind Literaturblätter?

Als Büchermensch werde ich immer wieder um Buchtipps gefragt. Dann steht man da, forscht mit der Person vor Augen in seinem Kopf und muss kurz nach dem Treffen feststellen, dass man dieses oder jenes Buch noch vergessen hat.

Deshalb schreibe ich seit einigen Jahren eigene Kurzrezensionen. Und zwar nur von Büchern, die mir gefallen und die ich auch der Mehrzahl von LeserInnen zutrauen kann. Es fiele mir nicht im Traum ein, ein Buch vorsätzlich „zerreissen“ zu wollen – schon aus blossem Respekt.

Mit dem Schriftsteller Hansjörg Schertenleib am Tisch

Am Mittwoch, den 13. Februar las und diskutierte Hansjörg Schertenleib mit Gästen am Esstisch an der St. Gallerstrasse in Amriswil über seine Novelle «Die Fliegengöttin». Bei Wein, Käse, Brot und mehr waren Büchermenschen eingeladen, mit dem Autor über sein Buch, das Schreiben, Literatur und das Leben als Schriftsteller zu diskutieren.

«Wir Leser werden weniger, jeden Tag weniger, wer dies bestreitet, lügt sich in die eigne Tasche, färbt schön; wieviele Tage fehlen, bis wir in naher Ferne ein Zirkel sein werden, der sich im Geheimen trifft und austauscht, so, wie es heute schon regelmässig im Hause Frei-Tomic geschieht, wo sich an einer reich gedeckten Tafel Leserinnen und Leser treffen und tun, was viele heute nicht mehr schaffen, es sei denn im trügerischen Schutz der sozialen Medien, nämlich miteinander zu reden, sich auszutauschen, von Angesicht zu Angesicht, gemeinsam zu lachen, zu trinken und zu essen, sich beizupflichten oder mit Respekt zu widersprechen, gar zu streiten. Ein Wunder, das sich Dank Gallus und Irmgard ereignet. Schön, mit Gallus einen Bruder im Geiste zu wissen, einen Verbündeten, der wie ich nicht leben kann und will ohne Bücher, ohne Geschichten, einen, der wie ich brennt für die Literatur. Danke, durfte ich Platz nehmen an besagter Tafel und meine Novelle zur Diskussion stellen.» Hansjörg Schertenleib