Matthias Gysel «Mikrolyrik und Gedichte», Plattform Gegenzauber

früh am Morgen
den Kopf tief
im Gefieder

 

unser Mond
ertrinkt
im See

 

LAUT
wohin
mit den
lauten Stimmen
die sich stapeln
in einem
Leben

 

OHNE DICH
was bleibt in mir
wenn ich vergesse
dass du nicht
geblieben
bist 

 

wenn nichts
Bestand hat
befallen wir uns

 

ihre Lippen
aufgespritzt
der Schmerz    

 

einander
die Worte nach
Hause tragen

 

am Morgen
neben mir liegt
ein Gedanke

 

OHNE
würde ich mich
verlassen wenn
ich wüsste
wer ich bin
ohne mich

 

AUSBLICK
wenn ein Gedanke
den Abschied berührt
dann blicke ich
nach vorn zurück

 

Falte um
Falte das Leben
rückwärts legen

 

manchmal
ist er im
Überfluss

 

ohne Obdach
sein letztes
Ich

 

ich will
mich mit dir
verkörpern

 

so unruhig
schön dein
Konjunktiv

 

am Sonntag
das Leben frisch
beziehen

 

zum Schluss
auf der Haut
etwas Mund

 

Sternhaufen so
viel am Himmel
so nichts von mir

 

Matthias Gysel wurde 1962 in Schaffhausen geboren. Von ihm erschienen sind bisher: «Laub und Haut» Haiku und Gedichte, «Eine Geigerin zupft den Regen» Mikrolyrik und «Unser Mond ertrinkt im See» Mikrolyrik, alle im Anton. G. Leitner Verlag, Deutschland. Seine Lyrik wurde u. a. in der Zeitschrift «Sommergras», in «Das Gedicht», Hrsg. Anton. G. Leitner Verlag und im Literaturmagazin «Wortschau» veröffentlicht.

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