Liebe Anwesende, lieber Gallus Frei
Dürfte ich eine Diagnose stellen, würde ich sagen: Gallus Frei ist ein Buchverrückter. Möglicherweise sind wir das in diesem Saal alle mehr oder weniger, aber bei ihm ist die Ausprägung extrem.
Stellen wir uns Gallus Frei am gedeckten Tisch vor: Bücher gehören zu seiner täglichen Nahrung. Er liest sie, verdaut sie und verstaut sie in massgefertigten Regalen.
Ist die Phase der Nahrungsaufnahme – das schlichte Lesen – vorbei, rezensiert er die Bücher, führt Interviews mit den Autor:innen und veröffentlicht seine Gedanken auf dem Blog seiner Website literaturblatt.ch.
Seit zehn Jahren schon!
Manche Bücher schaffen es auch auf eins der Literaturblätter, auf denen er bereits seit 2011 jeweils vier Neuerscheinungen bespricht.
In Schnürlischrift! Handgezeichnet! Kugelschreiber auf Papier!
Pro Jahr verschickt Gallus Frei fünf bis sechs Ausgaben an seine Abonnent:innen.
Old School per Post reisen diese beständigen Rezensionsobjekte an ihr Ziel.
Wir wissen alle, dass in den herkömmlichen Medien immer weniger Platz für Buchbesprechungen zur Verfügung steht. Wie gut, dass Gallus Frei so viele Schweizerische und internationale Neuerscheinungen sichtbar macht: leidenschaftlich, wort- und bildreich. Mit seinem Blog begleitete er in den vergangenen Jahren nicht nur diverse Literaturfestivals, sondern während vier Jahren auch den Schweizer Buchpreis.
Aber Gallus Frei ist nicht nur Büchergourmet, sondern auch Gastgeber. An seinem Tisch in Amriswil vereint er Lesezirkel und Autor:innen; vier Jahre lang verantwortete er das Programm des Literaturhauses Thurgau, und seit 2024 leitet er zusammen mit Ariane Novel das St. Galler Literaturfestival Wortlaut.
Apropos Literaturhaus Thurgau: Raten Sie, wer dort die Bücher aus ihren Vitrinen befreite und für sie passende Regale baute? –
Gallus Frei kann fast alles. Vielleicht hat das mit seinem Brotberuf Primarlehrer zu tun. Herausragend ist seine Leidenschaft, sein Tempo, sein von Ideen brutzelnder Kopf, sein nicht versiegender Lesehunger und seine Freude am Kontakt mit den Literaturschaffenden. Und wir freuen uns, wenn unsere Bücher ihm in die Hände fallen.
Wir danken Gallus Frei für seinen wertvollen Einsatz für die Literatur und gratulieren herzlich zum ersten A*dS-Preis.
Laudatio: Eva Roth
Beitragsbild © Philipp Neff schliff.ch

Kontoangaben:
Bereits die Eröffnungsfeier am vergangenen Freitag war bestens besucht. Der Veranstaltungsraum in der Lokremise war bis auf den letzten Platz besetzt. Dem Publikum bot sich eine interessante Mischung aus Musik der Band Hekto Super und einem hochinteressanten Gespräch der Philosophinnen Barbara Bleisch und Svenja Flasspöhler über das Thema „Streiten“. Das vorgeschaltete Grusswort von Stadtrat Mathias Gabathuler war unterhaltsam, originell und tiefgründig zugleich.
Wie die Jahre zuvor gab es auch in diesem Jahr einhelliges Lob für die Zusammenstellung des Veranstaltungsprogramms, darunter etwa Lesungen mit weithin bekannten Autor:innen wie Leon de Winter, Julia Schoch, Barbara Bleisch, Ewald Arenz, Svenja Flasspöhler, aber auch mit Autor:innen aus der Region wie Laura Vogt, Tabea Steiner, Christoph Keller, Jan Heller Levi und der Thurgauerin Michélle Minelli.
Zur Veranstaltung mit Peter Stamm und Judith Hermann im Raum für Literatur strömten ebenfalls viele literaturinteressierte Gäste. Selbst zur letzten Lesung am Sonntag um 17 Uhr kamen mehr als 50 Besucherinnen und Besucher und lauschten den spannenden Ausführungen des Schweizer Autors Daniel de Roulet.


„Mit dem Schweizer Buchpreis SBP zeichnen der Schweizer Buchhandels- und Verlags-Verband SBVV und der Verein LiteraturBasel jährlich das beste erzählerische oder essayistische deutschsprachige Werk von Schweizer:innen oder seit mindestens zwei Jahren in der Schweiz lebenden Autori:nnen aus.
«Dein wundervolles analoges Literaturblatt lässt nicht nur das Herz des Schriftstellers Schertenleib höher schlagen, sondern beschleunigt auch den Puls des früheren Typographen. Aus der Zeit gefallen und deswegen umso wertvoller.» Hansjörg Schertenleib