Eingefleischte Hohler-Fans werden „Der Enkeltrick“ mit Sicherheit lesen, spätestens dann, wenn sie einmal mehr den Tausendsassa auf der Bühne erlebt haben und am Büchertisch stehen. Die Frage ist: Wie kann man all jene zu einem Hohler locken, die noch nicht auf den Geschmack gekommen sind – oder das Gefühl haben, die Reihe im Regal sei lang genug.
Als ich im Literaturhaus Thurgau vor ein paar Monaten eine Lesung mit Franz Hohler organisierte, war unter den BesucherInnen auch eine langjährige Freundin, die nur deshalb einen Platz für die Vorstellung reservierte, weil sich ihre Begleitung diese Gelegenheit nicht entgehen lassen wollte. Meine Freundin hatte geglaubt, sie hätte es gesehen, wäre satt genug. Aber nach der Vorstellung schien alles vergessen zu sein. Wie ein junger Groupie hing die dem alten Mann am Mund und liess sich beim Signieren in ein Gespräch verwickeln. Und als sie bei mir stand, leuchteten ihre Augen.
Franz Hohler «Der Enkeltrick», Luchterhand, 2021, 160 Seiten, CHF 28.90, ISBN 978-3-630-87679-5
Er kann es einfach. Er weiss, wie er die Fährte legen muss, damit ich ihm folge. Er nimmt mich mit, wickelt mich ein, umgarnt mich. Und wenn ich seine Geschichten lese, bekomme ich das Gefühl, nicht nur die Welt ein bisschen besser zu verstehen, sondern diese auch mit anderen Augen sehen zu können, gespiegelt, hinein ins Verborgene, Vergessene, Übersehene. Wenn Franz Hohler von Beinahekatastrophen erzählt, wie Leben an der Entgleisung vorbeischrammt. Oder vom „blendenden Spitzchen“, einem Berg, der Jahrzehnte aus einem Conrad-Ferdinand-Meyer-Gedicht ruft und in einem Mann eine Sehnsucht weckt, die nur mit Steigeisen und Bergschuhen zu stillen ist, jetzt sofort, obwohl ihn alle und alles zur Vernunft ruft. Oder in jener „sagenhaften“ Geschichte von stets reservierten Tisch im Berggasthof und den Geistern, die man lieber nicht wecken sollte, weil sie sich unweigerlich zu rächen wissen. Oder vom alt gewordenen Joseph Haydn, der sich 1809, kurz vor seinem Tod, zur grossen Verunsicherung seines Kammerdieners, noch einmal in vollem Ornat in seine Kutsche setzt und der Zeit entflieht. Wie sich ein Abenteuer, das sich mit einem Mal aufbäumt im nächsten Augenblick zu Staub zerfällt.
Franz Hohler neuster Erzählband „Der Enkeltrick“ überrascht mit Wendungen, mit vielfältigen Erzählmustern, mal sagenhaft, mal abenteuerlich, mal witzig und nie belehrend. Vielleicht liegt sie grösste Qualität in den Erzählungen des Altmeisters, dass er sich über die mehr als fünf Jahrzehnte jene Unverkrampftheit und Frische bewahrt hat, die jenen fehlt, die irrtümlich glauben, bei der kleinen Erzählform doch eigentlich nicht viel falsch machen zu können. Erzählungen müssen treffen, zielsicher und punktgenau. Und das kann Franz Hohler!
Franz Hohler wurde 1943 in Biel, Schweiz, geboren. Er lebt heute in Zürich und gilt als einer der bedeutendsten Erzähler seines Landes. Hohler ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem Alice-Salomon-Preis und dem Johann-Peter-Hebel-Preis. Sein Werk erscheint seit über fünfzig Jahren im Luchterhand Verlag.
Fahren Sie mit dem Zug zur Arbeit? Kämpfen Sie auf dem Nachhauseweg manchmal mit Fragen über die Sinnhaftigkeit ihres Tuns – und mit dem Schlaf? Dämmern sie manchmal weg und schrecken auf, weil der Zug einfährt, wo sie aussteigen sollten? Noa Theobaldy zieht mich mit ihrem Debüt «Tunnelblick» ins Unterbewusste, in die dunklen Zonen menschlichen Seins.
Ein Mann fährt Zug, von der Arbeit nach Hause, müde. Nicht nur müde von einem langen Arbeitstag, sondern von einem ganzen Leben, das nicht in die Gänge kommt. Er freut sich auf seine Ruhe, sein Bier und dämmert kurz vor dem Endbahnhof, seinem Wohnort im Zug weg. Als er wieder aufwacht, rattert der Zug durch einen Tunnel. Obwohl es dort, wo er wohnt, keine längere Tunnels gibt. Aber er sitzt in diesem Zug, sieht sein Spiegelbild in der Schwärze des Fensters und wundert sich. Der Zug ist fast leer. Er steht auf, sucht nach anderen, nach Personal, während vor den Fenstern nichts darauf hinweist, dass der Tunnel zu Ende gehen würde.
Zugegeben, als ich mit der Lektüre der Erzählung „Tunnelblick“ begann, erinnerte mich das Gelesene so stark an die Erzählung Friedrich Dürrenmatts, dass ich das Buch beinahe weggelegt habe. „Der Tunnel“, eine Kurzgeschichte des damals noch jungen Dürrenmatts, die mich in meiner Begeisterung für ihn nachhaltig beeinflusste. Ausgerechnet! Aber glücklicherweise verselbständigt sich Noa Theobaldys Erzählung sehr schnell, denn wer spielt im nebulösen Halbschlaf Zug fahrend nicht zuweilen mit dem Gedanken, was wäre wenn. Silvan, um seine Feierabendruhe gebracht, macht sich auf im Zug, findet ein Mädchen allein in einem Abteil, das mit einer Fledermaus spielt, eine Schaffnerin, die sich wegen seines fehlenden Fahrscheins wohl kulant zeigt, sonst aber nur wenig zur Klärung seiner Fragen beiträgt, eine Handvoll Passagiere, vornehmlich ältere Menschen und mit Dauer der Fahrt immer mehr Fragen. Bis der Zug mitten im Tunnel stoppt. Das Mädchen hängt sich an Silvan, die Schaffnerin glaubt, Vater und Tochter vor sich zu haben. Die Fledermaus ist durch einen Spalt im Fenster entflogen. Man heisst die Passagiere des Zuges wegen technischer Probleme aus dem Zug auszusteigen. Die Schaffnerin führt das Grüpplein zwischen Zug und Tunnelwand zur Spitze des Zuges. Der Lokführer spricht von grösseren Problemen, die Schaffnerin von einem Sammelraum weiter vorne, wo man sich hinbegeben solle.
Noe Theobaldy «Tunnelblick», Die Brotsuppe, 2022, 96 Seiten, CHF 26.90, ISBN 978-3-03867-037-7
Noa Theobaldys Szenerie in ihrer Erzählung entfernt sich mit fortlaufender Lektüre immer weiter von einem realen Geschehen. Es gibt Fenster, die man nicht öffnen sollte, Vorhänge, die geschlossen bleiben sollten, lange Gänge ohne Licht, hinein in ein Dunkel, das einem bei der Lektüre klaustrophobische Gefühle beschert, ein Mädchen, das mit einem Mal verschwindet und Mitreisende, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen. Silvan sinkt in das Geschehen, lässt sich aufsaugen. Der Wunsch, so schnell wie möglich aus diesem Tunnel zu kommen, eine Erklärung für ein alleine gelassenes Mädchen zu finden, schwinden hinter dem Bemühen, den nächsten Schritt, den nächsten Moment zu verstehen. Der Mann vergisst sich, verliert sich. Genau das macht den Reiz dieser Erzählung aus und verweist auch auf den Titel der Erzählung. Da ist die Kulisse, dieser Tunnel, die Schwärze, die Enge, das Dunkel, fehlendes Licht, fehlende Distanz. Und ein Mann, der nur noch den Moment zu überstehen versucht. Ich fühle mich gespiegelt in Momenten meiner eigenen Biographie, in denen mein Leben in einem Tunnel zum Stillstand kam, in denen mich nichts und niemand aus den klaustrophobischen Gefühlen einer Ausweglosigkeit befreien konnte.
Mag sein, dass sich die Erzählung aus meiner Sicht etwas zu sehr ins Traumhafte, ins Alptraumhafte begibt und den Schluss der Erzählung in meinem Kopf viel zu früh provoziert. Aber das verzeihe ich der Erzählung, weil Noa Theobaldy so eigenwillig zu erzählen vermag. Ich lese eine Erzählung in einem ganz eigenen Sound, einer Sprache, die sich erfrischend von allem anderen abhebt. Eine Erzählung, über die man sich in einer Leserunde lange auseinandersetzen könnte, die mehr offen lässt, als sie erklären will.
Interview
Schon über den Titel „Tunnelblick“ könnte man sich vertiefen. Zum einen wichtig, um sich zu fokussieren, zum andern blendet er alles aus, was sich auf die Fokussierung des scheinbar einzigen Lichts am Ende des Tunnels entzieht. Ist der Titel bei dir mehr positiv oder negativ besetzt? Ist das Schreiben selbst nicht auch ein Tun, das einen gewissen Tunnelblick voraussetzt? Bei mir ist der Titel eher positiv besetzt, denn zwar geht der Protagonist anfangs mit einem Tunnelblick durch die Welt, der ihm viele tiefe Begegnungen und Erlebnisse verwehrt, ihn stattdessen innerhalb des Tunnels der Oberflächlichkeit hält. Doch ich sehe dabei immer auch das Licht. Ein Tunnel ist nicht endlos, irgendwann kann sich der Blick öffnen. Vielleicht brauchte der Protagonist sogar den Tunnelblick, um mit seinem schweren Herzen leben zu können, bis die Zeit und der Mut gekommen sind, den Blick zu öffnen und eine ganze Fülle an Eindrücken, erschütternden wie befreienden, zuzulassen. Ich würde nicht sagen, dass das Schreiben dieser Erzählung einen Tunnelblick voraussetzte, denn mir war nur der Anfang von Anfang an klar, wie es ausgehen würde, war für mich noch nicht fassbar. Ich bin daher nicht mit Scheuklappen auf ein bestimmtes Ziel zugesteuert. So habe ich die Handlungsstränge eher erhascht, die Figuren und Gestalten sind erschienen, erst im Dunkeln, dann klarer umrissen. Es war eine Annäherung eher vom Offenen ins Konkrete statt umgekehrt.
Silvans Herz ist voll mit Enttäuschungen, steht ganz am Anfang deiner Erzählung. Er ist müde, nicht nur vom Arbeitstag. Du gehst aber fast nicht oder nur andeutungsweise auf das ein, was Silvan hinter sich lässt, erzählst mir mit einem Minimum an Erklärungen. Das ist Absicht, das spüre ich. Ist das nicht ein Wagnis, mich als Leser derart (wörtlich) „im Dunkeln“ zu lassen? Für mich war es nicht relevant, was Silvan zu schaffen macht, ich wollte ein Grundgefühl vermitteln, das ihn umgibt. Dieses bricht nach und nach auf, und was ihm tatsächlich die Energie entzieht, liegt sehr lange zurück. Ich habe auch mich als Schreibende im Dunkeln gelassen, was mich beim Verfassen neugierig gemacht hat. Ich war gespannt darauf, was es zu sehen gäbe, wenn ich meinen Protagonisten nach und nach ausleuchten würde.
Das Personal bewegt sich im Dunkeln, in Gängen, die kaum ausgeleuchtet sind, tief im Berg. Das Unterbewusstsein? Ich habe es mir so vorgestellt, dass das Innere des Berges gleichsam das Innere von Silvan widerspiegelt. Trotzdem könnten die Figuren wahrhaftig sein, denn wer entscheidet über die Wahrheit – ist sie das, was man sieht, oder eher das, was dahinter verborgen ist? Anouk, das Mädchen, das in der sogenannten Realität am Ende der Geschichte nochmals auftaucht, verknüpft die beiden Welten. Sie hat für mich etwas Engelhaftes, eine Gestalt, die erscheint und weiterhilft, ohne etwas zu fordern, einfach indem sie da ist. Die Schaffnerin ist für mich jemand, die so tut, als würde sie das Innere von Silvan kennen und könnte ihn führen, doch tatsächlich muss er selbst aus den Irrungen rausfinden und sich in diesem Prozess von den Figuren lösen, die es scheinbar besser wissen.
Man begegnet in deiner Erzählung real scheinenden Menschen, die theatral wirken, manchmal bloss Stimmen, an einer Stelle scheint es der Tod selbst zu sein. Deine Erzählung passt in eine Zeit, in der man sich wie nie zuvor mit der Frage beschäftigt, was nun wirklich wirklich, wirklich wahr, wirklich real ist. Muss dieses Bewusstsein, wie sehr sich Wahrnehmung von Wahrheit entfernen kann, nicht Angst machen? Damit möchte ich auf all die Fakes, Heilsbringer und Besserwisser eingehen, die uns alle mal einflüstern, mal in die Ohren schreien, jeder mit seiner Wahrheit. Gab es doch einmal eine Zeit, in der man das Gefühl hatte, es würde eine Wahrheit geben. Auch diese Heilsbringer und Besserwisser wirken sehr oft theatralisch, sind wirkungsvoll inszeniert. Auch dort stülpt sich ein Tunnelblick über die Menschen, die Objektivität mehr als nur vernebelt. Mir macht dieses Bewusstsein weniger Angst, seit ich für mich akzeptiert habe, dass es keine eine Wahrheit gibt. Ein Reiz, den das Schreiben auf mich ausübt, ist genau dieses Spiel mit der Wahrheit. Ist das Erfinden von Geschichten ja einerseits der Inbegriff von nicht wahr, und doch steckt für viele Menschen eine Menge Wahrheit in einem fiktiven Text. Und so soll sich jeder Lesende das herausnehmen, was für ihn stimmt oder eben: Wahr ist. Ich möchte noch einmal auf die Schaffnerin zurückkommen: Sie ist am ehesten die Heilsbringerin, die einiges anstösst, und doch auf Silvans Nachfragen am Ende zugibt, dass sie nie etwas zu sagen hatte: „Ich bin nur Zugbegleiterin. Es ist Ihre Reise.”
Du bist Lehrerin, ein Beruf, der alles abverlangt, je länger je mehr. Ein Beruf, der einen gänzlich ins Hier und Jetzt stellt. Wie schaffst du es, dir Zeit und Raum zu nehmen, dich literarisch in eine derart „jenseitige» Welt zu begeben? Tatsächlich bin ich nach einem intensiven Schultag oft zu erschöpft zum Schreiben. Es kann aber auch dabei helfen, abzuschalten, wenn ich noch zwei, drei Sätze schreibe, bevor ich zu Bett gehe. An den Wochenenden oder einem freien Tag kann es sehr schön sein, ganz abseits des Alltags in eine andere Welt hinein- oder hinabzusteigen. Allerdings schreibe ich eigentlich nie länger als zwei Stunden am Stück, meistens weniger und am liebsten in einem schönen Café. Daran, dass der Kaffee dabei kalt wird, habe ich mich gewöhnt und er schmeckt mir unterdessen trotzdem. Ich bleibe nie allzu lange hängen und bin, wenn ich aufblicke, sofort im Hier und Jetzt, sehe die anderen Gäste und höre das Stimmengemurmel. Um ein neues Projekt zu entwickeln, brauche ich etwas mehr Raum, da eignet sich zum Beispiel die lange unterrichtsfreie Zeit im Sommer oder, im Fall des Tunnelblicks, die Zugfahrt von und zur Schule.
Noa Theobaldy, 1985 in Basel geboren, lebt in Bern und arbeitet als Primarlehrerin. «Tunnelblick» ist ihre erste Veröffentlichung.
Eigentlich schreibt Christine Zureich seriös. Also Texte auf Papier mit Stift und Papier oder Tastatur. In der Lockdown-Zeit aber wurde die Arbeit an ihrem aktuellen Romanmanuskript jäh ausgebremst, als über Monate ihr Schreibplatz Homeoffice, Homeschool, Homealles für die ganze Familie wurde. 3 Personen, 2 Türen, offener Grundriss.
Spaziergänge durch Konstanz wurden zu wichtigen kleinen Fluchten für die Autorin. Auf einer ihrer Runden fand sie in einem „zu verschenken“-Karton eine Stoß Zeitschriften, die sie mitnahm. Zu Hause begann sie, statt darin zu lesen, das Altpapier auseinander zu schneiden, zu neuen Aussagen zusammenzufügen. Eine Methode, mit der auch die Dadaisten vor über 100 Jahren schon spielten, oder auch Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller.
Neu an Zureichs Zugang ist die dritte Dimension: Sie bringt die Worte nicht auf Papier, sondern auf vintage Puppenmöbelchen auf. Das erste Objekt hatte sie dabei schon 2015 collagiert, als Hausaufgabe für einen Online-Kurs eines Art-Colleges. Einem leeren Bücherschrank klebte sie damals einzelne Worte auf, um die Lücken zu benennen. Aber erst mit dem Altpapierfund in der merkwürdigen Zeit holte die Möbelchen-Kiste wieder hervor, das Projekt Tiny Furniture nahm seinen Lauf.
Entstanden ist mehr als eine neue Form der Lyrikinszenierung. Die sorgfältig ausgesuchten Möbelchen (inzwischen hat Zureich etliche Konvolute zum ursprünglichen hinzu erstanden) gehören untrennbar zu Gesamtaussage des Objekts. Sie erlauben verschiedene Lesarten, Betrachtungsweisen und laden auch weniger lyrikaffine Menschen zum Spiel mit Worten ein. Tiny Furniture verkörpern dabei auf kongeniale Weise Zureichs (K)Lebensphilosophie: Spamt das Leben sich mit Altpapier zu, mach Lyrik draus.
I bet you’d rather polish the edge of the rainbow now Ich habe das Opernglas in die Tasche gesteckt.
1. Trojanische Pferdchen Alte Puppenstubenmöbel, teils handgefertigt, überwiegend aus Holz. Alle haben eine Patina, weisen kleine Brüche auf, Risse, Beschädigungen, sichtbare Reparaturen. Neben ihrer Geschichte transportieren sie jetzt auch Worte. Fundstücke aus Altpapier, neu zusammengesetzt und aufgeleimt. Poetische Kommentare in eine Möbelschau geschmuggelt, nicht wie bei Homer im Bauch des Artefakts sondern auf dessen Hülle.
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Tatü das Heidenröslein vildros (eg. Hedros). der Knab’, Knabe gosse.
Tata Mit unterschiedlich verkörperten Ideen, die Welt zu verändern.
2. Schöner Fragen Sprechen Möbel? Muss man sie immer verstehen? Lassen sich mit Lyrik innere Räume einrichten?
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unübersehbar Schaden Aber im Moment ist es Liebe utväg der Ausweg Leseübung.
3. Kintsugi Das Verfahren, mit dem in Japan zerbrochene Keramik gekittet wird. Nicht unauffällig, versteckt, sondern mit Gold. Wie der Faden, der dieses Buch am Rücken zusammenhält. Auf den Möbeln: Papier-Kintsugi, Wort-Kitt.
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Ort, an dem wir miteinander reden können Von der Schönheit im Beschädigten It will be a good year 42:a lektionen en handling
4. Risse Leonard Cohen, der singt: There is a crack in everything. That‘s how the light gets in. Brüche, Risse, Beschädigungen überall, nicht nur an Tiny Furniture. Auch an uns. Vielleicht sind sie die Grundlage von Schönheit, Zartheit?
Mit ihren Tiny Furniture präsentiert die in Konstanz lebende Autorin Christine Zureich ein absolut ungewöhnliches Format: Lyrik, die in den Raum spricht, 3D-Gedichte. Aus Zeitschriften ausgeschnittene Worte und alte Puppenmöbel werden zusammengefügt zu poetischen Hybriden irgendwo zwischen Gedicht und Skulptur, selbstvergessenem Wort-Spiel und kompositorischer Strenge. Einen ersten Prototypen schuf Zureich bereits 2015, jedoch erst als mit der Pandemie die Welt zum Stillstand kam, holte sie die Spielzeugkiste wieder aus dem Keller und begann Lyrik in großem Maßstab zu vermöbeln… Zureichs Tiny Furniture passen mit ihrer Brüchigkeit und Verletzlichkeit sehr gut in diese Zeit, setzen ihr dabei zugleich auch etwas entgegen: eine Aufforderung zur bedingungslosen Verspieltheit.
Zeitgleich mit der Vernissage im Bodmanhaus erscheint im axel dielmann-Verlag, Frankfurt, ein Gedichtband mit dem gleichen Titel.
Christine Zureich, in Suffern, New York, geboren, studierte Soziologie, Amerikanistik und VWL in Tübingen, Uppsala und Frankfurt Main, wo sie im Anschluss als Übersetzerin und Museumspädagogin arbeitete. Heute lebt sie als freie Autorin und Dozentin in Konstanz am Bodensee. Im Februar 2018 debütierte sie mit ihrem Roman «Garten, Baby!» bei Ullstein fünf, Berlin. 2019 veröffentlichte sie mit «Whisperblower» (Kollaboration mit Veronika Fischer) bei Drei Masken, München, ein Bühnenstück zum Cum Ex Steuerskandal. Für ihr Manuskript «Ellens Song» war sie 2019 für den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis und 2020 für den Hans im Glück-Preis der Stadt Limburg nominiert. Im gleichen Jahr war sie mit der Kurzgeschichte «nahlandig» Preisträgerin des Schwäbischen Literaturpreises.
Der KultBau St. Gallen lädt am Dienstag, den 15. Februar um 20 Uhr zu einer Doppellesung ein. Unter dem Titel «Zwei Frauen in Marokko» entführen sie die beiden Autorinnen Miriam Spies und Amsél begleitet vom Moderator Florian Vetsch auf die andere Seite des Meeres.
Miriam Spies lebt als Autorin und Verlegerin in Mainz – sofern sie nicht gerade durch die Welt tingelt, um literarische Psychogramme über die Gattung Mensch zu erstellen. In ihrem Gonzo Verlag hat sie u.v.a. Titel von Pablo Haller, Hadayatullah Hübsch, Susann Klossek und Enno Stahl verlegt. Bei Conbook, Neuss, ist 2019 ihr marokkanischer Roadtrip «Im Land der kaputten Uhren» erschienen. Darin zeigt sie, dass in Marokko Wunder an jeder Ecke lauern. Per Anhalter, im Nachtbus oder zu Fuss findet sie märchenhafte Geschichten direkt vor sich auf der Strasse…
Amsél lebt als Fotografin und Autorin in Zürich und Tanger. Ihre Fotobücher «Tanger Tance» (Benteli, Sulgen 2010) und «Jbala» (Till Schaap, Bern 2020) führen tief in die diverse Wirklichkeit Marokkos hinein. Amséls preisgekrönter Roman «Wiedersehen in Tanger» (Brotsuppe, Biel 2016) erzählt von dem lebenserfahrenen Tarik, der Erleuchtung sucht, der Ornithologin Chaya, die einen seltenen sibirischen Zugvogel sucht, und der Botanikerin Thelma, die meint, nichts mehr suchen zu müssen… Aber dann geht die Abenteuer- und Liebesgeschichte erst los…
Manch einer mag einwenden, dass es nicht die cleverste Idee ist, alleine als Frau in einem islamischen Land mit zwei wildfremden Marokkanern quer durch das Königreich zu brettern. Aber mein Bauchgefühl sagte mir, dass das immer noch besser war, als mir die Nacht in den Strassen von Nador um die Ohren zu hauen und auf den ersten Bus nach Tanger zu warten. Und wenn ich in den letzten Monaten auch nicht viel gelernt hatte: Dass ich ein ausgezeichnet funktionierendes Bauchgefühl habe, hatte ich schmerzlich herausgefunden. Und dass Menschen, die dich belügen und betrügen, nicht zwingend wildfremde Kriminelle auf verruchten Flughafenvorplätzen arabischer Provinzstädte sein müssen, sondern durchaus langjährige Weggefährten sein können. Also gut, Koffer bei besagtem Bruder in den Kastenwagen geworfen, reingesprungen, mich kurz mit ihm darüber verständigt, dass wir uns leider nicht verständigen können, und los ging die Reise. Die zwei Brüder, die sich seit anderthalb Jahren nicht gesehen hatten, lachten unaufhörlich. Ich wusste zwar nicht, worüber, machte aber auch nichts, die Wiedersehensfreude war ansteckend, und ich genoss es einfach nur, dass diese ganze Herzlichkeit auch auf mich überschwappte. Als die erste euphorische Welle verebbt war, drehte sich der Heimkehrer von seinem Beifahrersitz zu mir nach hinten um und streckte mir die Hand entgegen: «Ich bin Wassim, und das ist Dulamah, mein grosser Bruder. Und wie heisst du?»
(aus Miriam Spies «Im Land der kaputten Uhren – Mein marokkanischer Roadtripp» Conbook. Neuss 2019)
Später berichteten Einheimische, Touristen und Wüstentrecker, die sich zu jenem Zeitpunkt auf halber Höhe des Hohen Atlas, jedenfalls über dem Sandnebelmeer, befunden hatten, in diversen Blogs, sie hätten am Himmel über der Hamada eine schwarze Wolkenwand auffahren sehen. Mit hoher Geschwindigkeit habe sie sich auf den Nordrand der Sahara zubewegt. Ein Triangel Zugvögel und zarte Schlieren seien ihr voran geschwebt, fast wie Bannerträger, die eine Prozession ankündigen. Bald darauf sei der Himmel erzittert. Man habe phantastische Blitze gesehen, die sich zuhauf über der Ebene entladen hätten, gefolgt von ohrenbetäubendem Donnerschlag, der einem bis ins Gebirge hinauf einen Schauer über den Rücken gejagt habe. Im Schritttempo erreichten Chaya und Tarik den Platz vor dem Ksar Kulshi, dessen Umrisse diffus zu erkennen waren. Unter den Pneus knirschte Kies, als Chaya durch die Nebelsuppe auf einen Sandplatz fuhr, den ein schiefes Schild am Eingang als Parkplatz kennzeichnete; bis auf zwei Kastenwagen von Hertz war er leer. In dieser Minute schob sich eine dunkle Wolkenwand von Norden herkommend vor die Sonne – und jäh verwandelte sich jetzt alles in eine düstere Unterwelt. Chaya stellte den Motor ab und knipste das Notlämpchen an.
«Ich habe dich gewarnt», klagte Tarik, «wir hätten im Hotel bleiben sollen.»
(aus Amsél «Wiedersehen in Tanger» Verlag Die Brotsuppe. Biel 2016)
Literaturhäuser sind Schmelztiegel. Der Trompeter Christoph Luchsinger und die Ton-und Klangkünstler Annette Schmucki und Reno Friedmann verwandelten die Räume des Literaturhauses in eine vielstimmige Stimmen- und Toninstallation, die sich ganz bewusst gängigen Hörerfahrungen entgegenstemmte. Für einmal war Missverständnis erfrischend!
Sonst ist es im Haus eher ruhig, manchmal still, fast unheimlich still. Gäste berichten gar über nächtliche Geister. Manchmal scheine ich der einzige im Haus zu sein. Ich höre es atmen, die Geister und Seelen all jener, die in diesen Räumen lebten, schrieben, rangen. Aber zwischendurch schweigt alles, ausser Autotüren, Motorenlärm und das Gekläff der Hunde.
Aber immer wieder füllt sich das Haus mit Leben, strahlt aus und saugt ein – und zusammen mit den Klangkünstlern Christoph Luchsinger (Trompete), Annette Schmucki und Reto Friedmann (beide Konzept, Text, Komposition und Performance) mit einem ganz eigenen Klang-, Geräusch-, Sprach- und Tonnebel.
Im Untergeschoss stehen einzelne Transistorradios in Räumen verteilt, jeder in seiner eigenen Tonspur; russisch, chinesisch, englisch, albanisch, deutsch, thurgauisch und ungarisch. Christoph Luchsinger mit Trompete und Kopfhörer folgt seiner thurgauer Tonspur, antwortet, interpretiert und spricht mit seiner Trompete, wandelt durch die Räume, lehnt an einer Wand neben dem Bild Emanuel von Bodmans, dem Namensgeber des Hauses, einer Stimme, die immer leiser wird. Oder er kauert tief in einer Ecke vor der Tür zur Gästewohnung, wo sonst geschrieben wird, nur auf der anderen Seite, davor, dort, wo sonst vorbeigegangen wird. Mit geschlossenen Augen. «Ungefähre» nennt sich die Performance, die anschliessend im «Konzertsaal» unter dem Dach des Literaturhauses weiterklingt, die mich als Besucher mitnimmt ins Ungefähre, nicht Unfassbare.
Irgendwann sitzen die meisten Besucherinnen und Besucher irgendwo in den Räumen, die einen lesend in der ungefähren Geräusch- und Klangkulisse, die andern redend und schwatzend wie der Musiker selbst.
Aus den Transistorradios tönt es babylonisch, gleichzeitig, in- und übereinander, von einem Raum in den andern, bis hinauf unters Dach, wo Transistorradios zu Radioorchestern angeordnet sind, Inseln in einem Raum. Man will hören, verstehen oder einordnen, andere möglichst das Ganze auf sich wirken lassen, dabei entzieht sich Sprache, verweigert sich. Vielleicht ein Spiegel dessen, was in Gesellschaft, in der Kultur passiert, wo Eindeutigkeit immer weniger gefragt ist, Verwirrung und Verirrung um sich greift, sich das Fassbare in Nischen zurückzieht, vor dem man niederknien muss, um es verstehen zu können.
Christoph Luchsingers Spiel ist ein durch eine Trompete geblasener Sprechgesang in einer Vielstimmigkeit, die nicht in erster Linie gefallen will. Luchsingers Trompete schmeichelt nicht, ebenso wenig das «Radioorchester». Aber Nœise spiegelt die Welt.
«rauschen, wörter, stille stille. «noch nie sei stille so hörbar gewesen». es gab kein entrinnen. stille kann man nicht stillen. die stille will ausgehalten sein. wie der radiofone mix aus unterschiedlichstem rauschen, plärren, fiepen, singen zu beginn der performance – stille ist dehnbar. besonders für den trompeter, der über lange zeit konzentriert keinen ton spielen durfte. lieber gallus frei, liebe brigitte conrad, es war ein sehr schöner abend bei euch im bodmanhaus. lyrik aus wort, aus laut, aus ton, aus stille. aus dem zusammentreffen von all dem. lyrik wie aus einem wohlunpräparierten mixer. herausfordernd. herausfordernd und unvergesslich auch wegen der mitperformenden elektroheizung, die unsere ukw-sender ausser gefecht setzte und uns bis kurz vor der aufführung fast zum verzweifeln brachte. euer blablabor, annette schmucki und reto friedmann mit christoph luchsinger»
Ganz am Schluss des Romans steht ein Mann oben auf einer Treppe, ohne Geld, ohne Kreditkarte, ohne Brille, mit seinen Schnürsenkeln in der Hand. Er hat alles verloren, nur das eine nicht; seinen unbändigen Glauben, stets eine Chance zu haben. Urs Mannharts neuer Roman „Gschwind oder Das mutmasslich zweckfreie Zirpen der Grillen“ schlägt mir arg in die Kniekehlen. Ein Roman über die mutmassliche Unvernunft des Menschen.
Man kann Urs Mannharts Roman mit einem Lächeln weglegen. Kann man. Wenn man aber weiss, das der Autor nichts anbrennen lässt und alles, was er schreibt, bis ins Detail recherchiert, dann muss im Weglegen schon mal ein kleines Zögern liegen, denn da gehen Welten unter. Man kann den Roman auch weglegen und argumentieren, das Personal sei allzu plakativ und klischeehaft gezeichnet. Aber der Gier, der Dummheit, der Naivität, dem Extremismus, der Verklärtheit, der Verblendung sind selbst in der realen Welt keine Grenzen gesetzt. Die Gegenwart beweist das offensichtlich. Somit müsste auch hier ein Zögern liegen, denn Verrücktheiten sind uferlos, in der Realität und lustvoll in der Literatur.
Pascal Gschwind ist noch nicht lange in der Führungselite eines international agierenden Bergbauunternehmens. Zwar noch in der Probezeit, aber mit bester Aussicht, das Vertrauen seines Chefs zu gewinnen. Gschwind wohnt in einer schmucken Villa am Thunersee, ist seit mehr als zwei Jahrzehnten verheiratet und gesegnet mit einem Sohn, der eigentlich immer tat, was von ihm zu erwarten war. In der Garage steht ein Tesla der Extraklasse und in ein paar Wochen auch im Bootshaus ein schmucker Schlitten, selbstverständlich um einiges schnittiger als der seines Nachbarn. Gschwind ist mehr als zufrieden mit sich selbst. Und als man in den Bergen über dem Thunersee per Zufall die Seltene Erde Rapacitanium findet, einen Rohstoff, der die Effizienz von Batterien revolutioniert, und Pascal Gschwind von seinem Chef darauf angesetzt wird, scheint einer gesegneten Zukunft im Schoss einer expandierenden Firma nichts mehr im Wege zu stehen. Wär da nur nicht die Tatsache, dass sich Dinge höchst selten so entwickeln, wie man sich das in seinen Träumen vorstellt.
Während Pascal Gschwinds Frau, die ihren Mann bald nur noch aus der Erinnerung kennt, in den Armen eines fürsorglichen Nachbarn Trost findet, Levin, ihr gemeinsamer Sohn die Schule schmeisst und in den Wäldern mit Gleichgesinnten das wahre Leben zu suchen beginnt, Gschwind die Arbeit mehr und mehr über den Kopf wächst, obwohl er mit jeder Faser seines Seins die Oberhand zu gewinnen sucht, beginnt nach eilig beschlossenen Sondierbohrungen über dem Thunersee die Erde zu beben, der Wasserspiegel des Thunersees zu sinken und ein Strohsack voller Geld im Tesla seines Besitzers zu glühen.
Urs Mannhart „Gschwind oder Das mutmasslich zweckfreie Zirpen der Grillen“, Secession, 2021, 280 Seiten, CHF 29.90, ISBN 978-3-96639-039-2
„Gschwind oder Das mutmasslich zweckfreie Zirpen der Grillen“ passt in eine Erzählgegenwart, in der mit Extremen dramatisiert werden muss, um mit den Extremen der Gegenwart die Gegenwärtigen zu rütteln. Sei es in Fernsehserien wie „Tschugger“ zur blossen Unterhaltung oder in Romanen wie dem neuen von Urs Mannhart. Denn eigentlich ist mit den im Roman beschriebenen Szenarien nicht zu spassen, weder mit der Gier und der Dummheit der menschlichen Spezies, noch mit den drohenden Abgründen des wirtschaftlich Machbaren. „Gschwind oder Das mutmasslich zweckfreie Zirpen der Grillen“ peitscht mich als Leser hin und her zwischen perfekter Unterhaltung, scheinbarer Satire und offensichtlichem Mahnfinger. Schon mit seinem ersten Roman „Luchs“ ging es um den Kampf zwischen Mensch und Tier. In seinem umstritten gewesenen Roman „Bergsteigen im Flachland“ um den Krieg des Menschen gegen die Natur. Urs Mannhart, Reporter, ehemaliger Velokurier und ausgebildeter Biobauer kann und will nicht verbergen, dass es ihm um weit mehr als Unterhaltung geht. Urs Mannhart hat eine Mission. Sein Held in „Gschwind oder Das mutmasslich zweckfreie Zirpen der Grillen“ gibt wenig Grund zur Hoffnung. Zu hoffen ist, dass das Zirpen bleibt!
Interview
Pascal Gschwind ist ein Erfolgreicher, „fühlt sich hineingebaut in eine Gemeinschaft von Auserwählten“. Ein Formulierung in deinem Roman, die mich in den Kniekehlen traf. Seien es die Glückseligen in irgendwelchen Anschauungen, seien sie religiöser, gesellschaftlicher, politischer oder sonstiger Natur. Müssen wir uns vor den Erfolgreichen fürchten, weil ihnen ihr Erfolg stets Recht gibt? ‚Erfolg‘ ist ein positiv besetzter, semantisch verengter Begriff, dem ein mächtiger Wandel bevorsteht. Erfolgreich zu sein in der Schweiz, das hiess bisher meist, viel Geld zu verdienen und Besitz anzuhäufen. Diese Art von Erfolg ist jedoch folgenreich: Konsum kostet, sei er nun privat, unternehmerisch oder staatlich, und ein grosser Teil dieser Kosten wird derzeit externalisiert. Nur so sind die dicken Löhne in wohlhabenden Ländern überhaupt möglich. Der Rest der Rechnung wird oft von der Natur, von Menschen in anderen Ländern und von kommenden Generationen bezahlt. Bald wird Erfolg bedeuten, unabhängig von Geld tragende Zufriedenheiten zu finden.
Du nennst deinen Protagonisten fast durch das ganze Buch stets mit Vor- und Nachname. Ich glaube, es gibt nur zwei Szenen, in denen aus Pascal Gschwind Gschwind wird. In beiden Szenen ist der geschwinde (schnelle) Gschwind durch das Schicksal arg gebremst, bis zum absoluten Stillstand. Muss der Mensch durch Schock wachgerüttelt werden? Unvermittelt sind wir angekommen im Anthropozän, in einem Erdzeitalter, das uns daran hindert, die Folgen unseres Tuns länger kleinzureden. Allmählich bildet sich dies auch in den Medien ab. Aber Informationen richten wenig aus; wie die anderen Säugetiere auch verändert sich der Mensch nur äusserst träge. Am liebsten modifiziert er seine Gewohnheiten erst, wenn es anders nicht mehr geht. Unterdessen zeigen sich auch in Europa deutliche Folgen klimatischen Wandels – jedoch längst nicht derart dramatisch, dass man nicht weitermachen könnte wie bisher. Ein Schock wäre also nötig. Wenn ich die Berichte des IPCC lese, dann stehe ich unter Schock.
Die Grenze zwischen Erfolg und Prostitution ist fliessend. Machen dich die Einsichten, die du durch die Recherche zu deinem Roman gewonnen hast nicht hoffnungslos? Hoffnungslos war ich mit 18, als ich, schwer pubertierend, einen Hass verspürte auf alle Autos und den so genannten Fortschritt. Unterdessen bin ich angekommen bei einem inneren Zustand, der sich vielleicht als gut gelaunt resigniert bezeichnen liesse. Heftige Widersprüche globaler Dimension auszuhalten, das gehört offenbar zum 21. Jahrhundert. Ich versuche, meine Liebe zur Langsamkeit zu leben: Die Hin- und Rückreise von Bern zum Internationalen Literaturfestival Berlin im September 2021 zählt zu meinen schönsten Erlebnissen des Jahres — mit dem Velo bin ich gereist, eine Woche hoch, eine Woche runter, mit Zelt und Schlafsack. Wunderbar.
Gschwind will alles und verliert alles. Er lebt in einem Krieg mit sich selbst, seiner Frau, die er eigentlich liebt, seinem Sohn, der sich ihm entgegenstellt, seiner Mutter, die ihr altes Leben abstreift, selbst mit seiner Grossmutter. Dein Roman liest sich wie ein Kriegsroman, dessen Fronten sich vermischen, in denen alles wegzubrennen droht. Dein Buch gewordener Alptraum? Ich denke, Gschwind will unbedingt das Gute. Für seine Liebsten, für sich, für die Gesellschaft. Bloss versteht er nicht, wer die Grundlagen der Ökonomie liefert. Als deren Grundlagen sieht Gschwind den Kapitalismus und dessen Gesetzmässigkeiten. Auf was dies fusst, erkennt er nicht; von der Natur hat er sich entfremdet. Wie zahlreiche Menschen im 21. Jahrhundert.
Eine Leserin hat mir geschrieben: «Sie beschreiben alles als Groteske, aber irgendwie ist es auch erschreckend real.» Ich jedenfalls habe den Verdacht, es könnte sich bei Gschwind wider Erwarten nicht um eine Karikatur handeln.
Urs Mannhart liest aus seinem neuen Roman in der Buchhandlung Bostryche in Biel
Neben deinem Beruf als Reporter, jenem des Schriftstellers, bist du nun auch ausgelagerter Bauer. Was macht die Kombination von Schreiben und Bauern mit Urs Mannhart? Das Landwirten hält mich in meist angenehmer Weise davon ab, nur am Schreibtisch zu sitzen. Und es politisiert mich, es erhellt meine Sicht auf das Ökologische. Wer selber wertvolle Lebensmittel herstellt, bekommt einen anderen Bezug zum Essen. Betrete ich einen Supermarkt, bekomme ich sogleich schlechte Laune. Die immer noch weiter fortschreitende Industrialisierung beim Anbau von Pflanzen und bei der Haltung von Tieren ist grauenerregend. — Jetzt bin ich freilich eingeschüchtert, weil Du eingangs die ‚Glückseligen in irgendwelchen Anschauungen‘ erwähnt hast. Aber als Biolandwirt habe ich tatsächlich eine politische Haltung, und für eine ökologische, tiergerechte und sozialverträgliche Landwirtschaft gibt es meiner Meinung nach eindrückliche Argumente, die sich fern aller Emotionen verankern lassen. Dass ich mich derzeit auf einem kleinen, tierhaltenden, ökologisch wirtschaftenden Hof in der Nähe von La Chaux-de-Fonds engagiere, heisst offenbar, dass ich tatsächlich noch nicht ganz hoffnungslos geworden bin. Vielleicht werde ich künftig vermehrt über Landwirtschaftliches schreiben?
Urs Mannhart, geboren 1975, lebt als Schriftsteller, Reporter und Landwirt in der Schweiz. Er hat Zivildienst geleistet bei Raubwildbiologen und Drogenkranken, hat ein Studium der Germanistik abgebrochen, ist lange Jahre für die Genossenschaft Velokurier Bern gefahren, war engagiert als Nachtwächter in einem Asylzentrum und absolvierte auf Demeter-Betrieben die Ausbildung zum Bio-Landwirt. Für sein literarisches Werk erhielt er eine Reihe von Preisen, darunter 2017 den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis. Im selben Jahr war er zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb eingeladen; sein Text stand auf der Shortlist.
Gehören sie zu den Menschen, die noch mit freudiger Erwartung auf den Briefträger oder die Postbotin warten? Oder schon zu jenen, die sich nur mit einer Mischung aus Befürchtung und Angst einmal in der Woche trauen, das unliebsame Fach zu öffnen? Thomas Pfenniger hat einen wirklich komischen Roman über die verborgenen Kräfte jener Botinnen und Zusteller geschrieben, denen wir sonst kaum mehr Respekt zollen.
Ich wohne seit zwei Jahren in einem Mehrfamilienhaus mit 16 Wohnungen. Müsste ich die Namen aufzählen, würde ich nicht einmal eine Handvoll zusammenbringen. Und wenn ich am Morgen noch in winterlicher Dunkelheit zur Arbeit gehe, aus „meinem“ Haus, vorbei an all den erleuchteten Fenstern, links und rechts vorbei an all den andern Mehrfamilienhäusern, schaudert mich das Wissen, dass dort überall Geschichten und Dramen spielen, mir doch eigentlich so nah, aber ich weiss nicht einmal die Namen. Gesichter bleiben wie stumme Etiketten. Mindestens einmal am Tag taucht der Postbote auf, meist ein junger Mann, manchmal eine ältere Frau. Beide freundlich und mit ihrem Elektroroller ungemein fix unterwegs. Wer glaubt, dass sie nur die Post austeilen, oder wenn noch der gelbe Lieferwagen auftaucht, die Pakete, der irrt gewaltig. Wenn jemand über Jahre die Post zustellt; Pakete, Briefe, Rechnungen, Eingeschriebenes – dann muss sie/er mit etwas Kombination sehr genau wissen, mit wem man es hinter diese Klingel, hinter diesen Türen zu tun hat. Dann tun sich Welten auf. Sie kennen die Namen und noch viel mehr. Vielleicht nicht die Gesichter. Aber die Etiketten sind voll geschrieben, bis ins Kleingedruckte. PostbotInnen sind Geheimnisträger! Ich respektiere sie für ihre Verschwiegenheit und die Tapferkeit angesichts der geringen Anerkennung und der Tatsache, dass aus dem Pöstler aus der Vergangenheit mit selbstbewusster Uniform und dem Nimbus eines Glückbringers ein von der Zeit gepeitschter Vollstrecker geworden ist. Wer bekommt denn noch Briefe!
Thomas Pfenninger «Gleich, später, morgen», Kommode, 2022, 279 Seiten, CHF 27.90, ISBN 978-3-905574-00-5
Thomas Pfenninger erzählt von einem Briefträger in einem Aussenquartier von Zürich, der mehr sein will, als ein Auslieferer von Papier. Der Briefträger liebt seine Arbeit. Er liebt auch die Menschen, denen er die Post verteilt. Auch wenn er manchmal mit Ungeduld erwartet wird, wenn er der Überbringer von Schmerz sein muss, wenn er schon vor dem Einwerfen weiss, dass es nicht zur Freude sein wird. Er möchte ein guter Briefträger sein. Und weil dieses „gut“ nicht zu all dem zu passen scheint, was er einwerfen muss, beginnt jener Briefträger in den sonst so klar geregelten Ablauf des Verteilens einzugreifen. Erst sind es einfach ein paar Sendungen, die nicht zugestellt werden, später ein doppelter Boden in seinem Wagen, den er hinter sich herzieht, wo liegen bleibt, was nicht ankommen soll; die eingeschriebenen Vorladungen für Herrn Schweizer, die Rechnungen für das Ehepaar Manzini, die Todesanzeigen für Frau Kälin, den einen, letzten Brief der Tochter an ihre Mutter, Frau Caluori. Aber das Nicht-Zustellen, Zurückhalten ist irgendwann nicht mehr genug. Der Briefträger spürt und ahnt, dass er durch sein Tun die Geschicke jener Menschen beeinflussen kann. Ein bisschen wie Gott. Er rächt sich am strammen Herr Schweizer durch das Zurückhalten, bezahlte die eine oder andere Rechnung für Manzinis aus der eigenen Tasche, verschont Frau Kälin mit immer noch einer Todesanzeige und frisiert die Tochterbriefe an Frau Caluori so, dass der letzte Rest Hoffnung nicht sterben muss.
Und da ist noch Lauriane im Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses. Sie lebt zusammen mit ihrem nichtsnutzigen Bruder Dave, der es nicht einmal schafft, sich selbst aus dem Dreck zu ziehen. Lauraine bleibt stets oben, schaut nur das eine oder andere Mal aus dem Fenster, bekommt immer wieder einmal eine Karte. Sie wird seine Angebetete, der aber verborgen bleiben würde, dass da ein schmachtender Briefträger ist, wäre da nicht Dave, der durch seine Sucht unvermittelt Mittler wird.
Aber statt dass sich das Glück einstellt, zieht sich die Schlinge um den Hals des Briefträgers immer mehr zu. Es muss unweigerlich zur grossen Katastrophe kommen. Was auch geschieht! Es kann keine Entschuldigungen allein mehr geben.
Thomas Pfennigers Debüt „Gleich, später, morgen“ ist eine überaus köstliche Groteske, ein eigentliches Quartiertheater um die Macht des kleinen Mannes mit wenig viel zu erreichen, den Dingen jenen kleinen Schups zu geben, dass sie sich zum Besseren oder Guten wenden. Aber auch ein Mahnung davor, dass sich letztlich nichts in eine Richtung drücken lässt, das nicht der Allmacht der Logik entspricht. Irgendwann rächt sich alles. „Gleich, später, morgen“ ist verspielt und erzählt doch nichts als die Wahrheit.
Interview
Ich bin einer, der sich jeden Tag auf seine Post freut, weil ich nicht nur Rechnungen, Mahnungen oder Werbung erhalte. Für mich ich die Postbotin oder der Postbote eine gute Fee, die mich beschenkt, es sind Überbringer des Guten. Zwei Generationen zuvor brachten Postboten sogar noch die Altersrente, man lud sie zu einem Kaffee und einem Schwatz ein. Was gab den Ausschlag, einen Briefträger zum Protagonisten zu machen? Ein Stück Sehnsucht nach einer überschaubaren Weltordnung?
Diese Lesart – die Sehnsucht nach Überschaubarkeit – wurde mir schon von verschiedener Seite zugetragen. Sie spielte für die Wahl des Protagonisten aber keine Rolle. Entscheidend war einerseits die Funktion des Briefträgers als Übermittler von Botschaften und andererseits als Person, die vielen Menschen natürlicherweise sehr nahe kommt, aber ohne sich ihnen aufzudrängen, ohne dass da Skepsis wäre, ohne dass da Vorbehalte wären. Ich wollte einen Protagonisten, dem die Menschen ihre Sorgen erzählen. Einer, dem sie Dinge erzählen, die sie ihren Nachbarn, Ehemännern und Freundinnen nicht erzählen können oder wollen. Stereotypisiert kämen für diese Rolle natürlich auch andere Berufe infrage: der (in der Popkultur überstrapazierte) Taxifahrer, die Friseurin, der Barkeeper, die Psychologin. Aber kein Beruf passte so gut wie der Briefträger, weil die dem Briefträger (oder der Briefträgerin) angehefteten Attribute wie Integrität, Zuverlässigkeit oder Pünktlichkeit so herrlich total sind. Kein Briefträger ist ein bisschen integer oder ein bisschen zuverlässig. Ich glaube, dieses Bild ist extrem tief in unsverankert. Das fand ich äusserst spannend, weil sich daraus ein grandioses Spannungspotenzial ergibt. Was, wenn der Briefträger diese totale Integrität nicht erreicht? Was, wenn er seine eigenen Regeln der Postzustellung aufstellt? Und was, wenn er es nicht aus schlechter, sondern mit durch und durch guter Absicht tut?
Ihr Briefträger lässt sich ziemlich tief in die Leben seiner Adressaten verwickeln. Auf eine gewisse Art und Weise nimmt er sich ein Stück Allmacht, um seine Welt ein bisschen besser zu machen. Eine Sehnsucht, die sich arg zu rächen droht. Soll man sich festen Ordnungen ergeben? All die „Braven“ bleiben in der Ordnung, weil Gesellschaft nur mit Ordnung funktioniert.
Ich sehe keinen Sinn darin, sich aus Prinzip gegen eine Ordnung aufzulehnen. Und ich sehe auch keinen Sinn darin, sich aus Prinzip einer festen Ordnung zu ergeben. Man mag Gesellschaften attestieren, dass sie nur mit und wegen der Ordnung funktionieren. Vielleicht ist das aber ein Trugschluss. Vielleicht funktioniert »Gesellschaft« nicht wegen der Ordnung, sondern durch das Gefühl der Zusammengehörigkeit, oder sogar mehr noch, die Überzeugung der Zusammengehörigkeit. Ich plädiere also nicht für mehr oder weniger Ordnungsergebenheit, sondern für mehr »wir« und weniger »ich«.
Ein Briefträger, der nur ein bisschen Kombinationsgabe besitzt, muss ziemlich viel über seine Kundschaft wissen. Mein Briefträger weiss, dass ich viel lese, dass ich Unsummen für Bücher ausgeben muss (was nicht stimmt), dass ich öfters Blumen verschenke, eine erwachsene Tochter habe, die zeichnet und vieles mehr. Und doch bewegt sich mein Briefträger in absoluter Diskretion. Nicht unbedingt eine Tugend der Gegenwart, oder?
Woher weiss Ihr Briefträger, dass Sie Blumen verschenken? Und woher wissen Sie, dass sich ihr Briefträger in absoluter Diskretion bewegt und nicht am Abend zu Tisch erzählt, dass er dem Herrn Soundso heute wieder zehn Kilo Bücher gebracht hat? Wir nehmen diese Diskretion an und ich glaube, wir tun das noch immer zurecht. Ich bin überzeugt, dass 99 % aller Briefträgerinnen und Briefträger absolut diskret und gewissenhaft und integer arbeiten. Daher würde ich bezweifeln, dass Diskretion heute rarer ist als früher oder dass sie im Umkehrschluss gar eine Tugend der Vergangenheit ist.
Der Briefträger leidet mit, interpretiert, was er sieht, liest und erlebt, manövriert sich in eine Sichtweise hinein, die ihn zum Handeln zwingt. So wie all jene, die vor ihren digitalen Fenstern und Türen sitzen und sich zum Handeln gezwungen fühlen. Der Briefträger greift in fremde Leben ein, glaubt, dass seine Interpretation Rechtfertigung ist. Ihr Roman als Metapher?
Mich faszinierte die Idee von Grenzüberschreitungen, die besten Absichten und besten Überzeugungen entspringen und dadurch eine Art Rechtfertigung erhalten. Der Briefträger will ja niemandem etwas Böses – ganz im Gegenteil! Das lässt sich durchaus auch als Metapher lesen. Nicht nur ins Digitale, aber auch. Die Überzeugung, dass die eigenen An- und Absichten gut und richtig und wahr sind und der Wunsch, dass andere die Welt ebenso sehen, ist sehr menschlich. Das Problem ist aber natürlich, dass auch gut gemeinte Grenzüberschreitungen immer Grenzüberschreitungen bleiben. Im Roman entwickelt sich dann aus solchen im Grunde harmlosen Grenzüberschreitungen eine kaum noch zu kontrollierende Eigendynamik. Das Spannende an dieser Dynamik ist, dass sie gerade dadurch aufrechterhalten wird, indem der Briefträger versucht, sie aufzuhalten. Als flicke er das Fass an einer Seite, nur dass es an zwei anderen Stellen Leck schlagen kann.
Schreiben Sie Briefe noch von Hand? Bedanken Sie sich beim Briefträger? Dass der Roman postgelb ist, ist mit Sicherheit kein Zufall. Sollte er nicht Pflichtlektüre werden in der Berufsschule zum Postlogistiker?
Ich lebe mit einer einzigen Ausnahme praktisch papierlos: Bücher. Ich habe bis heute kein einziges E-Book gelesen. Alles andere, Notizen, Briefe (Mails!), Zeitungen, Manuskripte, lese und schreibe ich wenn immer möglich digital. Ich bekomme übrigens auch höchst selten physische Post. Gerade diese Woche aber zum Beispiel die Jahresrechnung der REGA. Hat mich gewundert, dass die im Briefkasten und nicht in der Mailbox gelandet ist. Hin und wieder überkommt mich aber ein nostalgisches Gefühl und ich nehme mir vor, mein Smartphone wegzuwerfen und nur noch via Festnetz und Briefkasten erreichbar zu sein. Oder mir vielleicht sogar einen Brieffreund zu suchen und dann komplett entschleunigt im Zweiwochenrhythmus mit ihm zu korrespondieren. Aber natürlich habe ich jetzt erstmal noch so einiges zu erledigen und verschiebe das deshalb auf später. Wenn ich »meiner« Briefträgerin mal begegne, dann grüsse ich sie immer ganz freundlich. Wie gesagt hat sie aber meistens nichts für mich dabei. (Was ihr aber auch nichts auszumachen scheint). Vielleicht sollte ich ihr bei Gelegenheit ein Exemplar des Buches geben? Vielleicht kann sie dann ein gutes Wörtchen für mich einlegen, dass es in den Kanon der postgelben Literatur aufgenommen wird.
Thomas Pfenninger, geboren 1984, wuchs in Zürich auf und lebt heute in Bern. Neben seiner Tätigkeit als freischaffender Autor und Texter arbeitete er neben anderem als Mediensprecher oder Kommunikationsbeauftragter für verschiedene Unternehmen in Zürich, Berlin und Bern. 2017 veröffentlichte er im Eigenverlag den Gedichtband «Fragmente». 2018 beendete er die Arbeiten am Roman «Die Löffel-Monologe», welcher noch nicht veröffentlicht wurde. Der Roman «Gleich, später, morgen» ist sein Debüt.
Sieben Radioapparate stehen in den Bücherregalen und murmeln vor sich hin. Ein Kauderwelsch aus Wortneuschöpfungen in sieben Sprachen; russisch, chinesisch, englisch, albanisch, thurgauisch, ungarisch. Als ob Bücher sprechen würden. Fremd und doch irgendwie vertraut.
Die sieben Sprachmaterialien werden in Musik und Gesang übersetzt. Die sieben Spuren aus Wort und Ton und Lied bilden ein Stück. Die Apparate sind jedoch zu weit entfernt voneinander platziert und zu leise eingestellt, als dass sich ein Gesamteindruck vermittelte. Das Sprachmusikstück ‹Ungefähre› entschlüpft permanent, bleibt Fragment aus Wortfetzen und kleinen Klangskulpturen. Zu bestimmten Uhrzeiten trifft der Trompeter einen sprechenden und singenden Radioapparat, es kommt zum flüchtigen Duett. Ein Übereinander, Miteinander, Nacheinander; geschwätzig, dünnfädig oder schweigend.
Am Abend wird das Konzert für Radioorchester und Trompete aufgeführt. Dazu installiert Blablabor 42 Kofferradios, die leise rauschen. Christoph Luchsinger hört ab Kopfhörer gesprochene und gesungene Wörter. Diese übersetzt er auf sein Instrument. Währenddessen bringt Blablabor nach und nach die sieben in der Bibliothek verstreuten UKW-Sender und Kofferradios zum Konzert. Mit jedem eintreffenden UKW-Sender stimmt eine Gruppe von Kofferradios in das Konzert ein. Die Trompete schwatzt ungerührt weiter.
NŒISE findet nicht im Konzertsaal statt, sondern dort, wo das Publikum bereits ist: Die Kunst kommt zum Publikum. Die Konzerte, Performances oder Installationen finden im öffentlichen Raum, in Fachgeschäften, bei Detailhändlern, in Werkstätten, Cafés oder Bars statt. Alles ist möglich: Fabrik, Buchhandlung, Konditorei, Durchgangszentrum, Friseursalon, Gärtnerei, Metzgerei, Velogeschäft, Weingut oder im Zug. Der Aufführungsort steht idealerweise mit dem Konzept des Programms im Kontext.
Interdisziplinarität bedeutet bei NŒISE die Verbindung von Musik mit weiteren Kunstformen. In der ersten Konzertsaison gastieren Künstler*innen aus den Sparten Bewegung, Wort und Geschmack. Als Initiant des Projektes setzt sich Christoph Luchsinger dafür ein, Neue Musik einem breiten Publikum an besonderen Orten im Kanton Thurgau zugänglich zu machen.
Die interdisziplinäre Konzertreihe NŒISE feiert 2022 in Form von drei Interaktionen ihr Debut. Interaktionen #1 im Januar 2022 findet an fünf Tagen in Bibliotheken statt und vereint die Disziplinen Wort und Klang; mittels einer Installation und eines Konzertes für Radioorchester und Trompete. Eine Performance aus Tanz und Trompete in Schaufenstern bildet Interaktionen #2 an drei Tagen Ende April und Anfang Mai. Interaktionen #3 schafft ein multisensorisches Erlebnis zwischen Geschmack und Klang in einem Weingut, einem Wein- und einem Naturmuseum an fünf Tagen im Juni 2022.
Christoph Luchsinger arbeitet seit etwa 25 Jahren als Musiklehrer im Kanton, gründete und leitete während fast 20 Jahren die Liberty Brass Band Junior, welche zu den besten Jugendformationen der Schweiz gehört, und ist als freischaffender Trompeter in verschiedenen Ensembles und Orchestern sowie als Solist tätig. Während seiner Studienzeit wurde seine Neugierde nach neuen Klängen, seine Experimentierfreudigkeit und die Bereitschaft, sich auf Fremdes und Unbekanntes einzulassen und das Interesse an Aktueller Musik geweckt. Im Kanton Thurgau ist das Angebot eher klein. Zeitgenössische Musik passiert oft in den Zentren und findet selten den Weg aufs Land. Hängt dies mit der mangelnden Bereitschaft der Bevölkerung zusammen, sich auf ungewohnte Klänge einzulassen? Oder gibt es kein Publikum, weil der Kontakt oder die Konfrontation mit Zeitgenössischer Musik oft fehlt?
Schon Andrea Scrimas literarisches Debüt „Wie viele Tage“ war eine Offenbarung. Mit ihrem zweiten Roman wünsche ich ihr das grosse Publikum. „Kreisläufe“ ist viel mehr als nacherzählte Familiengeschichte. „Kreisläufe“ ist grosse Kunst!
Eigentlich vertraut die Literatur stets auf ein „Stellen Sie sich vor“. So sehr es von den Schreibenden Imagination braucht, so sehr braucht es sie von den Lesenden. Aber alle, die lesen, wissen, dass gewisse Bücher eine ganz spezielle Resonanz erzeugen können. Manchmal sind es Themen, die einem anspringen oder abstossen und trotzdem faszinieren. Manchmal ist es die Sprache, der Sound, oder die Bilder, die aus Büchern aufsteigen. Andrea Scrima hat mit ihrem Roman „Kreisläufe“ zumindest bei mir alles erreicht, was ein Buch schaffen kann. Dieses „Stellen Sie sich vor“ war so intensiv, wirkte dermassen durch mich hindurch, dass ich am Ende meiner Lektüre etwas benommen dasass und zurückblätterte, um bei all den angestrichenen Szenen noch einmal unter die warme Decke schlüpfen zu können.
„In jeder Familie ist eine Geometrie am Werk, ein Zusammenwirken von Geheimnissen und Tabus.“
Stellen Sie sich vor; Sie sind eine junge Frau, erfüllt vom Wunsch, mit Farbe, Papier und Leinwand die Welt zu erobern. Aber um es zu tun, müssen sie zuallererst fliehen. Fliehen aus dem klebrigen Geflecht einer Familie, die sich mit seinen Tentakeln in alles einmischt und ihnen die Luft aus dem eigenen Körper presst. Stellen sie sich vor, sie fliehen über den Ozean nach Deutschland, in ein fremdes Land, eine fremde Stadt, die in den Wirren der „Wiedervereinigung“ implodiert. Andrea Scrima, selbst Malerin, beschreibt den Kampf um Emanzipation, um Ablösung auf der einen und den Prozess vielfacher Annäherungen auf der anderen Seite. Vielleicht beschreibt der Titel „Kreisläufe“ genau diese Bewegung; weg und hin! Aber wäre „Kreisläufe“ nur die Geschichte einer Findung, dann würde man dem Roman in keiner Weise gerecht werden.
„Kunst handelt von Wahrnehmung … es geht nicht nur darum, Dinge herzustellen, sondern auch darum, sie zu sehen.“
Andrea Scrima «Kreisläufe», aus dem Amerikanischen von Christian von der Goltz und Andrea Scrima, Droschl, 2021, 320 Seiten, CHF 35.90, ISBN 978-3-99059-091-1
Felice, noch nicht einmal achtzehn, haut ab aus der Enge ihrer Familie, aus den biederen Vororten New Yorks über das grosse Wasser bis nach Berlin, in eine Stadt, in der es in den 80ern langsam zu kochen beginnt. Sie flieht aus einem Haus, in das sich Depression hineinäzte, weg von einem Vater, der verstummte, weg von einer Mutter, deren Boshaftigkeit alles beherrscht, weg von einer Familie, die ihr die Luft nahm. In Berlin kommt sie mit nichts an, findet irgendwann eine Bleibe, einen Raum, in dem sie Platz findet, um zu malen. Sie geht durch die getrennte Stadt auf der Suche nach all dem, was sie sich nicht kaufen kann, was sie zum Überleben braucht. Sie lernt Micha kennen, einen, der sich aus dem geschlossenen Berlin auf der anderen Seite der Mauer absetzen konnte. Auch einen, der fliehen musste. Den man drüben einsperrte, weil er nicht dem Bild des Musterstaates entsprach. Dem man weh tat, der es aber nicht schafft, über all die Verletzungen zu sprechen, die im das freie Atmen nehmen.
„Vielleicht genügt es nicht, jemanden zu lieben.“
Irgendwann, Felice feiert ihre ersten Erfolge als Künstlerin, sollen ihre Bilder auch in einer New Yorker Galerie ausgestellt werden. Felice fliegt nach Jahren zurück, konfrontiert sich, ermuntert von Micha, mit dem Trauma einer mehr als schwierigen Mutterbeziehung, mit einer Frau, die eine ganze Familie mit ihrer Unberechenbarkeit, ihren Ausbrüchen und der Art, die Welt nach ihrer Fasson zu drehen, in einen Zustand der permanenten Angst bringt. Kaum zurück kämpft sie wieder und spürt in diesem Kampf, dass ihr nicht nur droht, eine Familie zu verlieren, sondern sich selbst.
„Meine Familie hatte mich aus der Bahn geworfen … und die Kunst war der Versuch, wieder eine Ordnung herzustellen.“
„Kreisläufe“ ist als grosse Rückblende geschrieben. Der erste Teil der Mutter, der zweite Teil dem Vater zugewandt. Vom Vater ist nicht viel geblieben, ausser einer ganzen Reihe Kalenderbücher, die der Vater als Tagebücher nutzte und in krakeliger Schrift rapportierte, was ihm wichtig erschien. Nach dem Tod ihres Vaters gelingt es Felice, diese Bücher dem Vergessen zu entreissen. Sie liest sie über Jahre, hält sich fest an dem Wenigen, das von ihrem Vater geblieben ist, einem Vater, der sich neben seiner Mutter im Obergeschoss und seiner Frau im Erdgeschoss immer mehr in sich zurückzog und verstummte.
„Mein ganzes Leben bin ich weggerannt, mein ganzes Leben habe ich versucht, wieder nach Hause zu finden.“
Was mich an „Kreisläufe“ bewegt, ist aber nicht nur die Emanzipationsgeschichte einer Frau, das Familiendrama, das Gift, das Beziehungen vernichtet, sondern die Art und Weise, wie Andrea Scrima ihrem Stoff begegnet und wie sie schreibt und malt zugleich. Hier schreibt jemand polyphon, legt Bilder übereinander, trägt Schicht für Schicht ab, lässt Ränder ausfliessen, malt mit grossem Pinsel, um den Rissen in der Farbe nachzugehen. Man spürt, dass die Autorin malt. Der Autorin geht es nicht um Offenlegung, Ausbreitung. „Kreisläufe“ ist ein Bilderzyklus, der sehend macht!
Andrea Scrima, geboren 1960 in New York City, studierte Kunst an der School of Visual Arts in New York und an der Hochschule der Künste in Berlin, wo sie seit 1984 als Autorin und bildende Künstlerin lebt. Ihre Arbeiten waren in internationalen Ausstellungen zu sehen. Sie schreibt Essays für Times Literary Supplement, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Schreibheft, Music & Literature, The American Scholar, LitHub und The Brooklyn Rail.
Christian von der Goltz ist Jazzpianist, Komponist (Sophie Said, Complicated Stories (With No End), Dreaming, Paradise), Leiter des cvdg projekts, Übersetzer und Schriftsteller. Sein Essay «Halted Time» erschien in StatORec und in der Anthologie «Writing the Virus» (Outpost 19 Books, Nov. 2020). Ein Auszug aus seinem neuen Roman «Das Norwegische Mädchen» erscheint demnächst bei manuskripte.
Andrea Scrima, aus der «Floor Eile Project»- Serie, 1990, Grafit auf Papier (mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin)
Selbst wenn man seine Vergangenheit zu leugnen versucht, eine schwere Decke über alles legt, was einst Leben ausmachte, ein tiefes Loch gräbt und alles verschwinden lässt – Vergangenheit, Geschichte lässt sich nicht leugnen. Sie wirkt, auch im Verborgenen. Alena Mornštajnová schrieb mit „Stille Jahre“ nicht nur eine mitreissende Familiengeschichte, sondern die Geschichte einer verlorenen Ideologie.
Bohdana wächst in der Tschechoslowakei auf, als Mädchen noch vor dem Einmarsch der Sowjets 1968 und als junge Frau in der Tschechoslowakei danach. Die Geschehnisse 1968, zuerst der Prager Frühling, die aufkeimende Hoffnung, eine demokratische Bewegung und im Sommer der Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes, werden zu einem Wendepunkt. Nicht nur in der Geschichte jenes Staates, der 1992 in zwei Staaten, in die Tschechei und die Slowakei aufgelöst wurde, sondern in der Geschichte vieler Familien, vieler Menschen, die sich nach dem Krieg ganz den sozialistischen Idealen verschrieben und mit Hilfe des grossen sowjetischen Bruderstaates hofften, eine neue Gesellschaftsordnung, ein neues Menschenbild mitgestalten zu können.
«Schweigen hat den Vorteil, dass einem niemand beim Lügen erwischen kann und jeder sich das Schweigen auf seine Weise auslegt.»
Alena Mornštajnová «Stille Jahre», aus dem Tschechischen von Raija Hauck, Wieser, 2021, 306 Seiten, CHF 31.90, ISBN 978-3-99029-466-6
Svatopluk kommt 1935 zur Welt, erlebt die Schrecken des Krieges, das Sterben bis in seine Familie hinein. Als der Krieg 1945 für beendet erklärt wird, ist er das nur auf dem politischen Parkett, aber noch lange nicht in den Köpfen und Herzen all jener, die Blut und Leben verloren haben. Schon als junger Mann gibt es für Svatopluk keine Alternative, als sich ganz dem Aufbau eines neuen Staates zu verschreiben, alles daran zu setzen, dass eine neue Ordnung aus den Trümmern des Krieges entsteht und den Menschen zu einem wertvollen Dasein verhilft. Dazu gehört auch eine eigene Familie, selbst gegen den Grimm und Groll seines verbitterten Vaters, selbst gegen die beengten und ärmlichen Verhältnisse, aus denen er selbst auszubrechen versucht. Svatopluk lernt Eva kennen, eine Frau aus aristokratischer Herkunft, heiratet sie gegen den Willen seiner Familie. Und während Svatopluk in den Hierarchien des Staates als junge Kraft steil aufsteigt, stellt sich auch das Familienglück mit der Tochter Blanka ein. Doch Svatopluks Glück beginnt zu bröckeln, zum einen in der Familie, zum andern in den politischen Verhältnissen, die mit der immer stärker werdenden Öffnung dem kapitalistischen Westen gegenüber so gar nicht mehr seinem Verständnis einer sozialistischen Ordnung entsprechen. Auch an seiner Tochter ist der Wandel sichtbar. Und dann, in einer Nacht, als Blanka mit ihrer Band, in der sie singt, unterwegs ist, betrunken einen Fahrradfahrer mit dem von ihrem Vater geliehenen Auto umfährt, den Verletzten aus lauter Verzweiflung mit ihren Gefährten in ein Gestrüpp am Strassenrand zieht und liegen lässt, kippt das Glück endgültig. Svatopluk lässt sich von seiner verzweifelten Tochter hinreissen, ihr zu helfen, sich in den Westen abzusetzen. Die Flucht gelingt, aber mit ihr beginnt der Abstieg Svatopluks, seine Ächtung und sein langer Zorn nach der Einsicht, von seiner Tochter missbraucht worden zu sein.
Alena Mornštajnová erzählt chronologisch, aber nicht nur aus der Sicht Svatopluks. 20 Jahre nach Svatopluks Heirat, weggezogen aus Prag, ein neues Leben begonnen, wird Eva noch einmal Mutter. Mit dem Versprechen, nichts und niemandem vom alten Leben preiszugeben. Alena Mornštajnovás zweiter Erzählsprung ist jener von Bohdana, Svatopluks zweiter Tochter, die aber erst als junge Frau aus erwachender Neugier zu ahnen beginnt, dass es in ihrer Familie unausgesprochene Geheimnisse gibt. Alena Mornštajnová erzählt in wechselnder Folge Vater- und Tochterkapitel. Von einem Mann, der sein Herz an ein Ideal verliert, den Glauben an Vater Staat und Mutter Familie. Von einer jungen Frau, die zu erklären versucht, warum sie von ihrem eigenen Vater wie Luft behandelt wird, warum die Mutter ihren Vater verlässt, als sie selbst eine Familie gründet, warum dieses eine Klavier im Haus steht, auf dem nie jemand spielt.
„Stille Jahre“ ist berührend nah geschrieben, von vereinnahmender Intensität, sowohl erzählerisch wie sprachlich. Alena Mornštajnová spannt einen Bogen durch ein halbes Jahrhundert, konstruiert geschickt, leuchtet das Geschehen von innen aus, bis es mir als Leser wie Schuppen von den Augen fällt. Und ganz beiläufig erfahre ich ein Stück Geschichte aus einer mir wenig vertrauten Perspektive. Ich fühle mich in ein Leben, einen Mann, der eigentlich stets nur das eine wollte; das Gute, das Wahre, das Kluge, der aber erfahren muss, wie Ideologie gewordener Glaube brechen kann, wenn der Wind dreht.
Vielleicht ist es eines der stärksten Bücher, die ich in den letzten Monaten gelesen habe, ein Buch, das noch lange nachhallen wird.
Alena Mornštajnová, geboren 1963, ist eine tschechische Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie schrieb vier Romane und ein Kinderbuch. Alena Mornštajnová studierte Englisch und Tschechisch an der Universität Ostrava. Ihr Debüt gab sie 2013 mit dem Roman «Slepá mapa» (Blinde Karte) und 2015 erschien ihr zweiter Roman «Hotýlek» (Das kleine Hotel). Vor allem auf Grund ihres dritten Romans, «Hana», zählt Alena Mornštajnová seit 2017 zu den beliebtesten zeitgenössischen tschechischen Schriftstellern. Ihr Roman «Hana» wurde unter anderem mit dem Tschechischen Buchpreis 2018 ausgezeichnet und auf der Website Databáze knih (Datenbank der Bücher) zum Buch des Jahres 2017 gekürt.
Raija Hauck, geboren 1962, Slawistik-Studium in St. Petersburg und Brno. Promotion an der Universität Greifswald und dort bis 2019 Lektorin für Tschechisch und Russisch. Liebt das Saarland und lebt als freie Übersetzerin in Saarbrücken.