Sarah Elena Müller, 1990 in Amden geboren, ist vieles. Sie bewegt sich in Literatur, Musik, Virtual Reality, Hörspiel und Performance. Sie tritt im Spoken Pop Duo «Cruise Ship Misery» als Ghostwriterin und Musikerin auf, fungiert als Beatmakerin für die kongolesische Rapperin Orakle Ngoy und ist Mitbegründerin des feministischen Autor*innenkollektivs RAUF.
2015 erschien die Erzählung «Fucking God» beim Verlag Büro für Problem und seit 2019 leitet sie das Virtual Reality Projekt «Meine Sprache und ich» – eine Annäherung an Ilse Aichingers Sprachkritik. 2021 erschien der Szenenband «Culturestress – Endziit isch immer scho inbegriffe» beim Verlag der gesunde Menschenversand und heuer, von viel medialer Aufmerksamkeit begleitet, ihr Debütroman «Bild ohne Mädchen» beim Limmat Verlag.

In einem Interview erklärt Sarah Elena Müller, dass die Motivation, sich den Themen dieses Buches literarisch, erzählerisch zuzuwenden zu einem grossen Teil mit dem Umstand zu erklären sei, dass es in vielen Biographien zwischen 20 und 30 von aussen nicht erklärbare Brüche gäbe. Themen, weil es in ihrem Roman «Bild ohne Mädchen» um weit mehr als „nur“ Kindsmissbrauch geht. Es geht um Tabuisierung, um Schuldzuweisungen, die nicht relevant sind, um Einsamkeit mitten in der Familie, um Ausblenden und Wegschauen.
Eigentlicher Protagonist ihres Romans ist die Sprache. Sarah Elena Müller erzählt nicht einfach die Geschichte eines Mädchens, das zur jungen Frau wird. Es ist als würde die Schriftstellerin alle Zwischenräume zwischen den Figuren malen, die Stimmungen, die Atmosphären, die Leeren, die Geister, das Fluide. Würde man nicht wissen, dass es ein Debüt ist, würde man denken, da schreibt jemand, der viel mehr will, als ein Buch schreiben, eine Geschichte erzählen.

In diesem kleinen Ort in den Bergen wohnen Aussteiger, Kulturflüchtige; die Mutter des Mädchens eine Künstlerin, der Vater Biologe und Aktivist, Ege, der Nachbar, einst Professor in Berlin. Sie alle Aussteiger auch in Sachen Verantwortung, denn für das Mädchen Verantwortung zu übernehmen, dafür macht sich niemand stark.
Kindsmissbrauch, Pädophilie – das sind Verbrechen, die in der Gesellschaft ebenso heftige wie schwer erklärbare Reaktionen hervorrufen. Es schwingt eine seltsam überdimensionale Betroffenheit mit, ebenso der Wunsch, lieber nicht damit konfrontiert werden zu wollen, sind doch die meisten Täter mitten in Familien oder im näheren Umkreis zu finden.
Weder Vater noch Mutter geben dem Mädchen Antworten auf ihre Fragen. Höchstens ein immaginärer Engel, der das Mädchen begleitet, neben der Grossmutter das einzige Gegenüber, das sich dem Mädchen stellt. Das Mädchen macht sich ihre Welt selbst. Und dort, bei Ege, dem älteren Nachbarn, bei dem sie fernsehen darf, scheint sich das Tor zu eben jener Welt, die sich sonst verschlossen zeigt, zu öffnen. Und Ege zeigt ihr, wenn auch schmerzhaft, seine Form der Zuwendung.

Das Mädchen gibt durchaus Zeichen, die die Eltern hätten lesen können, wenn sie es denn gewollt hätten. Das Mädchen zieht sich zurück, ist Bettnässer, Einzelgängerin in der Schule. Aber die Eltern wollen nicht sehen.
Ein erstaunliches Buch, das das Publikum unter dem Dach des Literaturhauses bannte!
„Heiss und fiebrig war es, unterm Dach. Und getan haben wir, was die Menschen tun: fächeln und zuhören und was die Kängurus tun: die Unterarme nässen und sich der Hitze hingeben. Danke für dieses stimmungsvolle Sommerfest in Gottlieben, die Gastfreundschaft und die grünen Keckse, deren Ursprung im Spinat lag oder auch im Moos.“ Sarah Elena Müller










Ruth Loosli, geboren 1959 in Aarberg und im Seeland aufgewachsen. Ein erster Gedichtband «Aber die Häuser stehen noch» erschien 2009. Nach weiteren Lyrikveröffentlichungen erschien 2021 ihr erster Roman «
Alice Grünfelder, aufgewachsen in Schwäbisch Gmünd, studierte nach einer Buchhändlerlehre Sinologie und Germanistik in Berlin und China. Sie war Lektorin beim Unionsverlag in Zürich, für den sie unter anderem die Türkische Bibliothek betreute. Seit 2010 unterrichtet sie Jugendliche und ist als freie Lektorin tätig. Alice Grünfelder ist Herausgeberin mehrerer Asien-Publikationen und veröffentlichte unter anderem Essays und Romane. Sie lebt und arbeitet in Zürich. Im Gepäck ihr 2023 erschienener Roman „Ein Jahrhundertsommer“.
Christian Berger (Gitarren, Loop, Electronics, Büchel, Sansula, Framedrum) und Dominic Doppler (Schlagzeug, Schlitztrommel, Perkussion, Sansula), zu zweit «Stories», Musiker aus der Ostschweiz, besitzen die besonderen Fähigkeiten, sich improvisatorisch auf literarische Texte einzulassen. Schon in mehreren gemeinsamen Projekten, zum Beispiel mit jungen CH-Schriftstellerinnen und ihren Romanen oder internationalen LyrikerInnen mit lyrischen Texten, bewiesen die beiden auf eindrückliche Weise, wie gut sie mit ihrer Musik Texte zu Klanglandschaften weiterspinnen können.












Dagny Gioulami (*1970 in Bern, lebt in Zürich) studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater in Zürich und war auf vielen Bühnen engagiert. Seit 2000 schreibt sie Libretti und Theaterstücke, u.a. für das Opernhaus Zürich. Von 2010 bis 2013 studierte sie am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Ihr erster Roman „Alle Geschichten, die ich kenne“ erschien 2015 und wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Literaturpreis des Kantons Bern und stand auf der Shortlist des Rauriser Literaturpreises.
Klaus Henner Russius (*1937 in Danzig, lebt in Zürich) absolvierte eine Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule in Berlin. In der Folgezeit hatte er Engagements in Göttingen, Düsseldorf, St. Gallen und Mannheim. Seit 1985 ist er als freischaffender Schauspieler unterwegs, unter anderem in Heidelberg, Frankfurt, Düsseldorf, Bonn und Zürich. In dieser Zeit zeigte er vielbeachtete Einmannproduktionen, hatte Sprechrollen an zahlreichen Opernhäusern und verschiedene Filmrollen. In den letzten Jahren arbeitete er als Regisseur und wurde bekannt für seine grossen Lesereihen, unter anderem von Gottfried Kellers Zürcher Novellen, Homers Odyssee und Texten von Anton Tschechow und Imre Kertész.


