Dana Grigorcea «Tanzende Frau, blauer Hahn», Penguin

Bușteni liegt etwas mehr als 130 Kilometer weg von der rumänischen Hauptstadt Bukarest, ein Urlaubsort in den Karpaten. Roxana und Camil treffen sich dort jedes Jahr, vor allem in den Sommermonaten, schliessen Freundschaft, erfahren Liebe, finden sich jedes Jahr, um sich jedes Jahr wieder zu verlieren.

Dana Grigorceas Roman ist eine zarte Liebesgeschichte. Ganz bestimmt jene zwischen Roxana, die mit ihrer grossen Familie jedes Jahr in der Sommerresidenz in Bușteni Ferien macht, und Camil, der in einem kleinen Ferienhaus auf der anderen Seite der Bahnlinie jeden Sommer seine Freundschaft zu ihr erneuert. Aber dieser Roman ist vor allem die Liebesgeschichte an einen Ort, einen Sehnsuchtsort, einen Sommerort, einen Ort der Freundschaft und an jene Zeit nach dem Zusammenbruch der rumänischen Diktatur. Bușteni ist nicht gross. Die Menschen, die sich dort in den Sommerwochen treffen, sind immer die gleichen. Man kennt sich. Und die Bahnhofstrasse, in der sich die Kinder der Familien treffen, auch jener, die das ganz Jahr über dort wohnen, zum El Dorado klassenfreier Freundschaften.

Nicolae Ceaușescu gibt es nicht mehr. Im Vakuum einer neuen Zeit scheint alles abgelegt, was die rumänische Gesellschaft während Jahrzehnten im Würgegriff hielt. Und weil sich Kinder in ihrer Verspieltheit nicht um die Wirren der Politik kümmern, höchstens um das grimmige Gesicht eines Nachbarn, einen bösen Hund und die Frau in der Nachbarschaft, die etwas von einer Hexe hat, spielt man Fussball oder das Erwachsensein, trifft man sich an der Bahnschranke oder streunt in den Wäldern herum. So auch Roxana und Camil, die sich schon früh geschwisterlich verbunden fühlen, die sich das ganze Jahr über auf die Wochen in Bușteni freuen, um dann, wenn es soweit ist und die Familie von Roxana einmal mehr von Bukarest nach Bușteni gefahren ist, mit Erleichterung feststellen, dass fast alles beim Alten geblieben ist, auch wenn sich der Wandel der Zeit bis in die Bahnhofstrasse einschleicht.

Dana Grigorcea «Tanzende Frau, blauer Hahn», Penguin, 2026, 160 Seiten, CHF ca. 30.90, ISBN 978-3-328-60440-2

„Tanzende Frau, blauer Hahn“ ist auch eine Liebesgeschichte an eine Zeit, die Neunziger, in denen sich plötzlich alles zu öffnen schien. Eine Zeit, in der sich nicht nur Kinder auf der Strasse trafen, auch die Erwachsenen. Wo am Gartenzaun Gespräche geführt wurden, wo man in den langen Sommerferien ein Stück Freiheit geniessen konnte, Feste im Garten feierte und Gelegenheit genug hatte, sich die wildesten Geschichten hinter den Mensch auszudenken.

Dana Grigorcea erzählt von diesen Menschen an dieser Strasse, von den einen, von denen kaum etwas verborgen blieb und von jenen, die sich hinter Zäunen und Mauern versteckten. Sie erzählt die Geschichten, die zusammengehalten werden von Roxana und Camil. Einer Freundschaft, aus der eine zaghafte Liebe wird, die es aber trotz allem immer wieder wegzuwischen droht in der Unvermeidbarkeit von Distanzen und Missverständnissen. Die Liebesgeschichte an einer Zeit, die noch viel mehr der Zugewandtheit verschrieben war, als unsere Gegenwart, die von Technik immer mehr beherrscht wird. Einer Zeit der Unmittelbarkeit, der Leidenschaft, die sich Menschen gegenüber zeigt.

Dana Grigorceas Erzählton schwankt zwischen Melancholie und Sehnsucht. Mag sein, dass da auch etwas Verklärtheit mitschwingt. Aber Erinnerung verklärt immer, taucht Erlebtes in ein Licht, das sich ganz eigenartig an den Tatsachen bricht. Man wird seltsam erfasst von dieser Melancholie. Ein zartes, melodiöses Buch, das von genau diesen Strassen, den Wegen zwischen den Menschen erzählt. „Tanzende Frau, blauer Hahn“ ist ein Fächer in dunklen Farben, ein Fächer der Liebe.

Dana Grigorcea wurde 1979 in Bukarest geboren, sie ist Germanistin und Nederlandistin und lebt seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Zürich. Die Werke der rumänisch-schweizerischen Schriftstellerin wurden in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem 3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Ihr Roman «Die nicht sterben» wurde 2021 für den Deutschen Buchpreis nominiert und 2022 mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. Dana Grigorcea ist Trägerin des rumänischen Kulturverdienstordens im Rang einer Ritterin, 2026 ist sie Kuratorin des Münchner Literaturfests, das unter dem Motto «Freiheit» steht.

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Beitragsbild © Gabi Hirit

Christian Uetz «Im Verstummen», Secession

Glücklicherweise verstummt Christian Uetz nicht. Er bäumt sich in seinen Gedichten gegen das Verstummen auf, was angesichts der erschreckenden Gegenwart leicht nachzuvollziehen ist. Glücklicherweise tanzt der Sprachschamane weiter über die heisse Glut seiner Sprache, betörend, flehend, rauschhaft bis in die Exstase.

Zugegeben; weil ich den Dichter kenne, weil ich ihn immer wieder einmal erleben darf, weil er mich auf der „Bühne“ förmlich überkommt, weil mich seine Stimme begleitet, ist eine Auseinandersetzung mit seinen Texten wohl um einiges leichter, als wenn ich seinem neuen Gedichtband unvoreingenommen begegnen würde. Wenn ich lese, höre und sehe ich ihn. Er wirbelt um mich und zieht mich in einen Sog, als hätte seine Sprache die Kraft einer Windhose, die mich mitzieht, hineinzieht, die mich dreht bis mir schwindelt. Sein Sprachrausch wird zu meinem Leserausch – ein Zustand, in dem nicht das analytische Verstehen seiner Texte im Vordergrund steht, sondern jener Zustand der Sprachexstase, den Christian Uetz wie kaum ein anderer zu erzeugen weiss.

Ein Grab
Europa. Ein
Massengrab Geschichte.
Begraben das Abendland, der Tage
Gastfreundschaft, der Fremden Nähe
in die Nacht. Verendet, sprachlos, im Klirren
der Kriege, alles Menschliche, alle. Hinter der Kälte
keine Nachfahren. Farnzeit
wieder. Schuttgebirge.
KrIstall.

Christian Uetz hadert und zweifelt, stemmt sich, bäumt sich auf, schmettert und wehrt sich mit allem gegen den Sog des Verstummens. In vier mal 20 Texten, Gedichten, die er sich wie Wimpel gesetzt auf die Speerspitzen seiner Versuche des Erwehrens gesetzt hat, Texte, die sich wie Konzentrate essaistischer Gedanken lesen, kreist Christian Uetz nie einfach um sich selbst, sondern um die Macht und die Kraft der Sprache, die wie noch nie im Strudel der Gegenwart als Waffe missbraucht und als Kampfmittel seine Betäubung entfalten soll. 

Christian Uetz «Im Verstummen», Secession, 2025, 120 Seiten, CHF ca. 33.90, ISBN 978-3-96639-140-5

Es geht ein Nichtsein durch die Welt. Wie leicht wird die Schwere, der Sprache Last! Ein Nichts waren wir, sind wir, werden wir bleiben. Das hast du gesagt. Aber Niemand hat dich gehört. Und ob es gehört wird oder nicht: es ist.

Christian Uetz stellt unentwegt Fragen, immer und immer wieder, ist kein Satter, kein Gesättigter, sondern ein ewig Hungriger, ein ewig Durstiger, für den Fragen allein schon ein erster Versuch der Antwort sind, ein erster Versuch des Zurechtfindens in einer Welt, die aus den Fugen bricht. Er richtet seine Texte, seine Gedichte an ein Du, personalisiert die Sprache, wendet sich an eine Macht, eine Kraft, einen Geist. Jenen Geist, den er braucht, um an all dem, was einem sprachlos macht, nicht zu zerbrechen.

Wenn du,
tiefer atmend, inne
wirst, dass der Wind, dich bewegendes Nichts, in dir wie
außer dir weht, dein Geist, dröhnende Glocke der Gedanken
im und um den Schädel steht, dein Leib, ein von wegen geringer
Dinge verstimmtes Instrument, durch das Klang und Klage
geht: Da singt, da sieht dich, schneeiges Nicht, deine
Ohngestalt, sprachlos und lautlos
und in die Nacht
kaum kalt.

Er wirft seine Netze aus in die Atmosphäre, in der alles liegt, steht und wabert. Alles Gesagte und nie Ausgesprochene. Er holt die Netze ein und ordnet, sucht nach den langen Fäden und Bändern der Sprache, die wenigstens stückweise verraten, was sonst allzu schnell und leicht missverstanden oder gar nicht vernommen wird.

Nirgends bist du erbarmungsloser wahr als im Krieg, da du wahnsinnig fehlst. Nie ist dein Nichtsein tatsächlicher als in den Händen von Mördern. Der Mensch ist weltlich erst da am unerbittlichsten ein Gott, wo er als Monster die Möglichkeit zum massenmörderischen Krieg vollzieht und zum totalen Vernichter wird, zum Vollstrecker der absoluten Nichtigkeit des Lebens, das ein Haschen nach Wind. Und die immer weiter barbarischen Auslöschungen richten uns als Mördergrube in der Nacht des Erwachens von Angesicht zu Angesicht.

Christian Uetz nimmt wahrhaftig kein Blatt vor den Mund. Er formt es zu einem Horn und posaunt, was andere verstummen lässt. Seine Texte sind überdeutliche Statements. Es sind Anrufungen, Mahnungen, Wortspiele allen Ernstes. Christian Uetz malt Himmel und Hölle über dem Wort, das grosse Gewölbe, das sich aus der Sprache erhebt. Ein Prediger und Sprachseher, der überzeugen will, weil wir die Sprache schon lange nicht mehr ernst nehmen, ihr immer mehr misstrauen. Er reisst Fenster und Türen auf in Räume, die ich in ihren Dimensionen gar nicht erwarte, weil er die Spuren durch sein Denken als Textspur hinter sich her zieht, ein Schweif aus Sprachkraft.

Christian Uetz, geboren 1963 in Egnach in der Ostschweiz, ist ein philosophischer Poet und lebt in Zürich. Nach einer Ausbildung zum Lehrer studierte er Philosophie, Komparatistik und Altgriechisch an der Universität Zürich. Im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs 1999 wurde Uetz der 3sat-Preis zuerkannt; 2000 der Schiller-Preis und Preis der Internationalen Bodensee-Konferenz; 2002 die Anerkennungsgabe der Stadt Zürich; 2005 der Förderpreis des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft Berlin und der Thurgauer Kulturpreis. 2010 erhielt er den Bodensee-Literaturpreis für sein bisheriges literarisches Gesamtwerk.

mehr von und über Christian Uetz auf literaturblatt.ch

Beitragsbild © Sandra Kottonau

Ruth Bollinger «Elsas Alben», Verlag am Platz

Wissen wir, woher wir kommen? Was bleibt von den Leben unserer Ahnen? Was wäre, wenn uns Dinge, die geblieben sind, ihre Geschichte erzählen könnten? Ruth Bollinger hat den Dingen gelauscht und eine Lebensgeschichte nacherzählt, die wie die meisten anderen sonst im Vergessen entschwunden wäre.

Woraus ist der Stoff, der uns erzählen lässt? Was Ruth Bollinger aus dem Leben ihrer Grossmutter Elsa geblieben ist, ist nicht viel; akurat eingeklebte Fotos in eine Handvoll Alben, ein paar Urkunden und Zettel in einer muffigen Schachtel, eine der Puppen, die ihre Grossmutter genäht hatte, als sie alt war und zum ersten Mal in ihrem langen Leben Zeit für „Unnötiges“ hatte. Aber was ihr ganz offensichtlich geblieben ist, ist die Kraft, die jene Frau ausstrahlte, der Respekt, den man der Frau entgegenbrachte, die Eigenständigkeit einer Frau, deren Leben so anders verlief als jene ihrer meisten Zeitgenossinnen; ein Leben an der Seite ihrer Männer, ein Leben der Angepassten, ein Leben der Hingabe an Pflichten und Traditionen.

Umso wichtiger, dass solche Leben erzählt werden. Noch viel besser, wenn sich mit Ruth Bollinger eine Erzählerin ans Schreiben macht, der es nicht darum geht, ein Leben mit ihrer eigenen Fantasie, mit Fiktion aufzupumpen. Sie zeigt am Leben ihrer Grossmutter, wie das 20. Jahrhundert mit all seinen Wirren, politischen Strömungen, Umwälzungen und Hoffnungen wirkte. Wie schwierig es war, für Frauen erst recht, einen Platz zu finden, all jene Hoffnungen Wirklichkeit werden zu lassen, die man jung wachsen liess und mit zunehmendem Alter vergessen musste. Ruth Bollinger erzählt mit viel Esprit, viel Einfühlungsvermögen und Bildern, die deutlich machen, wie sehr sich die Autorin in ihren Recherchen, ihrem Blick in die Zeit vertiefte.

Ruth Bollinger «Elsas Alben», Verlag am Platz, 2025, 285 Seiten, CHF ca. 32.70, ISBN 978-3-908609-20-9

Elsa Hoffmann liess als ganz junge Frau ihre tschechische Heimat hinter sich, um in Schaffhausen ihr Glück zu finden. Sie blieb in der kleinen Stadt am Rhein hängen, weil sich eine Zukunft in der Heimat unter der habsburgischen Krone und sozialistischer Gesinnung nicht abzeichnete. Sie lernt Karel kennen, einen Landsmann, der ihr den Hof macht, ein Leben in Sicherheit verspricht. Elsa lässt sich einwickeln, obwohl sie nicht die Liebe spürt, die es hätte sein sollen. Sie heiraten in der Fremde, beziehen eine einfache Wohnung, Karel wird in der Krise kurz vor Ausbruch des ersten Weltkriegs arbeitslos und entpuppt sich im gemeinsamen Haushalt als cholerisches Ekel, das nicht akzeptieren kann, dass Elsa ihre Erfüllung nicht hinter dem Herd mit Schürze findet, sondern im Kampf für bessere Arbeitsbedingungen, um die Rechte der Frauen, den Stellenwert von Familienarbeit, die Versorgung mit dem Allnotwendigsten. Ein Kampf, der auch heute noch immer nicht ausgestanden ist. Ein exemplarisches Leben einer Frau, die viel in Kauf nimmt in ihrem Willen, nicht einfach klein beizugeben. 

Elsa erlebt den Krieg aus der Ferne, umso mehr die Angst um ihre Familie, den Tod ihres Bruders. Sie nimmt sich deren Kindern an, lässt sich von Karel scheiden, findet Anschluss in sozialistischen Zirkeln, engagiert sich tatkräftig, beteiligt sich an all den heftigen Diskussionen, die die Entwicklungen in der Sowjetunion auslösen. Sie lernt erneut einen Mann kennen, an dessen Seite es ihr nicht viel besser ergeht als an jener ihres ersten. Sie wird Mutter, dauernd in Sorge um ihre Existenz, nie die Überzeugung verlierend, dass es Gerechtigkeit geben muss, stets in Sorge um jenen Teil der Familie, der in der Heimat geblieben ist oder gar voller Enthusiasmus in die Sowjetunion gezogen war, um dort in einer neuen Ordnung eine Existenz aufzubauen. 

Was Weltkriege und Wirtschaftskrisen nie sterben liessen, war Elsas Lebensmut. Als sie 1965 mit 72 Jahren all ihren Mut zusammennimmt, um ein letztes Mal in ihre Heimat zu reisen, ein einziges Mal mit dem Flugzeug, war es wieder ein Schritt gegen die Konvention. Aber die letzte Gelegenheit, um sich von ihrem permanenten Schmerz zu befreien.

Ein solide erzähltes Buch, fesselnd für all jene, die an Geschichte interessiert sind, die ein gewisses historisches Verständnis mitbringen. Ich hätte mir gewünscht, dass jene Passagen, die Stimmungen erzeugen sollen, dezenter eingesetzt worden wären. Vielleicht zu Gunsten einer stärkeren Einbettung in die Geschichte des Jahrhunderts. Ist es doch genau das, was immer mehr Menschen in der Gegenwart fehlt, die sich nur noch in den Sozialen Medien für den Blick in die Vergangenheit interessieren. Ein Blick, der immer mehr Wahrhafigkeit vermissen lässt.

Die Bilder in Elsas Alben werden mir bleiben!

Ruth Bollinger (1951) wuchs in Beringen SH auf und lebt heute in Luzern. Sie studierte Geschichte, Europäische Volksliteratur, Pädagogik und Allgemeines Staatsrecht an den Universitäten Zürich und Marburg (D). Bevor sie sich dem Schreiben widmete, war sie lange Zeit als Dekanatssekretärin an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich tätig.

Beitragsbild © privat

Mit der Illustratorin Lea Frei am Wortlaut Literaturfestival St. Gallen 2026

Lea Frei ist eine freischaffende Illustratorin und Comicautorin aus der Schweiz mit Atelier in St.Gallen.

Eröffnung in der Lokremise
Lukas Bärfuss im Gespräch mit Nicola Steiner, musikalisch begleitet der Thurgauer Gitarrist Tobias Engeler
Die Gassenhauer mit den SchauspielerInnen Diana Dengler (Emmi) und Marcus Schäfer (Günter) von Theater am Tisch und Peter Surber (Text)
Fabio Andina mit seinem Roman «Sechzehn Monate» im Gespräch mit seiner Übersetzerin Karin Diemerling und dem Moderator Karsten Redmann
Navid Kermani mit seinem Roman «Sommer 24» im Gespräch mit der Moderatorin Judith Zwick in der Lokremise St. Gallen
Navid Kermani
Buchtaufe des Romans «Das Jahr des Kalks» von Laura Vogt mit Marc Jenny am Kontrabass, moderiert von Karsten Redmann
Martina Clavadetscher mit ihrem preisgekrönten Roman «Der Schrecken der anderen» im Gespräch mit der Moderatorin und A*dS-Geschäftsführerin Cornelia Mechler
Schlussveranstaltung mit dem Jonas Lüscher, seinem Roman «Verzauberte Vorbestimmung» und Paul Rechsteiner, Rechtsanwalt, Politiker und Gewerkschafter

Illustrationen © Lea Frei 

Ahojana 3 «Der gefangene Betrüger» – Eine Postkarte aus Bouden von Owida N. Woiax

Laut schallt seine Stimme über den Platz: «Qimits! Qimits! Kommt her! Versucht euer Glück! Wenn ihr schnell seid, dann werdet ihr reich!» Während der junge Mann sich mit der Linken das Mikrofon vor den Mund hält, legt seine Rechte mit rasender Geschwindigkeit Spielkarten auf dem Pflaster aus, manche verdeckt, andere mit der Bildseite nach oben. Dann zaubert er zwei silberne Suppenlöffel hervor und platziert sie neben den Karten auf dem Boden. «Wer tritt gegen mich an? Schaut her: Ich spiele mit einer Hand, Eure Chancen stehen gut!»

Ich weiß allerdings sehr genau, wie gut meine Chancen stehen, darum schau ich ihm lieber aus der Entfernung zu. Kokle («Löffel») heißt dieses Spiel, das Kartenglück mit Strategie und Geschicklichkeit verbindet. Es geht im Kern darum, im richtigen Moment einen Löffel zu ergreifen. Wer ohne Löffel zurückbleibt oder das Besteck zu früh berührt, hat verloren. Der richtige Moment wiederum hängt von den Karten ab, die man in der Hand hält – oder vorgibt, in der Hand zu halten. Es ist ein lautes, lustiges, lebendiges Spiel. Man kennt auf Lemusa zahlreiche Versionen mit eigenen Finessen, Hürden und Gemeinheiten. Meist spielt man Kokle im Rahmen von Partys oder Kindergeburtstagen, zum Vergnügen. Es soll jedoch auch Hinterzimmer geben, in denen Kokle um Geld gespielt wird. Ja, man hört sogar von professionellen Zockerinnen und Zockern, die von ihren Spielgewinnen leben können – allerdings nur bis zu einem gewissen Alter. Irgendwann lässt die Reaktionsgeschwindigkeit nach, ist man nicht mehr schnell genug.

«Mangoljie yo kokle», «manquer sa cuillère», «seinen Löffel verpassen», sagt man auf Lemusa, wenn jemand eine Gelegenheit ungenutzt vorbeiziehen lässt. Sicher kommt daher auch der lemusische Begriff koklax, der den richtigen Zeitpunkt für eine Unternehmung beschreibt. Und wenn sich jemand gar nicht wohlfühlt in seiner Haut, dann sagt man, er sei «ehan yo kokle», also «neben seinem Löffel».

Der junge Mann hat sein mobiles Casino auf dem Platz vor dem Sumaz-Supermarkt im Zentrum von Bouden eingerichtet. Vermutlich hofft er, die Kundinnen und Kunden nach ihrem Einkauf mit der Aussicht zu ködern, sie könnten das eben ausgegebene Geld mit etwas Geschick bei ihm ganz leicht wieder einspielen. Aber die Erwachsenen sind nicht interessiert. Vielleicht kennen sie zu viele Leute, die bei solchen Gelegenheiten schon Geld verloren haben. Oder man ist, mit einem schönen Oktopus im Einkaufskorb und einer Flasche Médioc unter dem Arm, schlicht nicht in der Stimmung, sein Glück auf die Probe zu stellen. «Kefa on pysgodin eni patell, swate posse binair echel», lautet ein lemusisches Sprichwort: «Hat man einen Fisch in der Pfanne, kann einem der Ozean egal sein». Das entspricht etwa der deutschen Redewendung: «Besser ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach».

Doch auch wenn die Erwachsenen auf Distanz bleiben, die Kinder sind von dem Mann mit dem Mikrofon magisch angezogen. Mit neugierig erregten Gesichtern stehen, kauern und hocken sie um ihn her. Sie würden noch so gerne spielen. Geld aber haben sie keins. Also kehrt der Kokle-Meister wieder und wieder zu denselben Gesten und denselben Lockrufen zurück, als sei er in einer Zeitschleife gefangen. Er kann nicht loslegen, denn dafür fehlen ihm die Gegner. Und er kann auch nicht aufhören, denn dafür hat er zu viele Zuschauer, zu viel Aufmerksamkeit. Und so findet sich der junge Mann, der hier tüchtig Kohle machen wollte, unfreiwillig in der Rolle des Kinderbetreuers wieder. Dass er dabei sein könnte, eine neue Bestimmung zu finden, halte ich für ziemlich unwahrscheinlich. Viel eher dürfte er sich ganz schön «ehan yo kokle» fühlen.

Fast tut mir der Herr der Karten und Löffel ein wenig leid – auch wenn er ein Betrüger ist, der den Leuten das Geld aus der Tasche zieht. Doch da tritt entschiedenen Schrittes eine Polizistin mit knacksendem Funkgerät auf, fragt den Mann nach seinen Papieren, redet kurz und scharf auf ihn ein. Er sammelt seine Karten und Löffel, steckt das Mikrofon in seinen Rucksack, packt den Lautsprecher und geht davon, Erleichterung im Gesicht.

***
 
Ahojana – das kommt von lemusisch ahoja («Gruß») und heisst so viel wie «Grüßerei» oder «Tätigkeit des Grüßens»

Samuel Herzog «Lemusa – Eine Insel in sieben Bänden», Rezension auf literaturblatt.ch

Ahojana 1

Ahojana 2

Samuel Herzog, geboren 1966, führte einen unabhängigen Kunstraum mit Küche in Basel, gab verschiedene Mikrozeitschriften heraus, betreute einen Kleinstverlag, erforschte als Ausgrabungstechniker die Bronzezeit und war jahrelang als Begleiter von Liegewagen in Europa unterwegs. Er studierte Kunstgeschichte und war als Kunstkritiker und Redakteur für diverse Medien tätig. Heute bewegt er sich im Grenzbereich von Kunst, Literatur und Journalismus. Er schreibt über seine Reisen, beschäftigt sich mit kulinarischen Themen und widmet sich literarisch-künstlerischen Projekten wie der fiktiven Insel Lemusa, deren facettenreiche Kultur er seit 2001 in Museen, Publikationen und im Internet vorstellt.

17. Sankt Galler Literaturfestival Wortlaut zieht eine durchgehend positive Bilanz

Nach ausverkauften Wortlaut- und Tagespässen sowie drei bestens besuchten Festivaltagen endete am vergangenen Sonntagabend die 17. Ausgabe des Sankt Galler Literaturfestivals Wortlaut. Das Publikum strömte geradezu in die zahlreichen Veranstaltungen, fast alle waren ausverkauft, die Stimmung ausgezeichnet.

Die Zahl der Besucher:innen konnte in diesem Jahr abermals gesteigert werden. Die Einnahmen durch Eintritte lagen über den Erwartungen. Festivalleiterin Ariane Novel zeigt sich nach drei intensiven Tagen Literatur überaus zufrieden und zieht eine deutlich positive Bilanz: In diesem Jahr haben wir so viele Pässe verkauft wie noch nie. Fast alle Veranstaltungen waren ausverkauft. Auch das Atelier als neuer Veranstaltungsort wurde vom Publikum ganz wunderbar angenommen. Die Stimmung im Team und unter den Gästen hätte nicht besser sein können. Als OK fühlen wir uns in Konzept und Umsetzung sehr bestätigt. Besser hätte es nicht laufen können.

Bereits die Eröffnungsfeier am Freitagabend mit Lukas Bärfuss und Nicola Steiner war bestens besucht: Dem Publikum in der Lokremise bot sich eine erlebnisreiche Mischung aus eindrucksvoller Gitarrenmusik des Thurgauer Musikers Tobias Engeler und einem hoch konzentrierten Literaturgespräch. Bärfuss und Steiner gingen eingehend auf das Festivalmotto „über:setzen“ ein, unterhielten sich über das Verhältnis von Literatur zu Künstlicher Intelligenz und streiften en passant viele weitere Themen.

Wie die Jahre zuvor gab es auch 2026 einhelliges Lob für die Zusammenstellung des klug kuratierten Festivalprogramms. Das diesjährige Motto „über:setzen“ begeisterte die zahlreich in die jeweiligen Veranstaltungen strömenden Besucherinnen und Besucher.

Hier die Eindrücke von zwei zu Wortlaut 2026 eingeladenen Autorinnen:

Der viele Schnee am Sonntagmorgen hatte mich etwas überrascht und auch die Kälte. Umso wohltuender der warme Empfang am Wortlaut St. Gallen! Die Festivalstimmung, die mich sonst nur openair anspringt, durchzog die Hauptpost bis hoch in den dritten Stock. Allerorts Begeisterung und Hingabe für Literatur und Sprache, die man spüren und sehen konnte. Auch dieses Sichtbarmachen ist ein «über:setzen», eine Übersetzungsleistung!, und ich danke dem gesamten Festivalteam und allen Beteiligten dafür. Katinka Ruffieux, Autorin

Liebes Wortlaut-Team, es war mir eine Freude, Teil vom diesjährigen Wortlaut zu sein, vielen Dank! Ich habe das fröhliche Literaturtreiben in der Hauptpost sehr genossen, von der aufmerksamen Stimmung während der Lesung bis zum Kaffee-Cüpli-Kuchen Ausklang im Café St. Gall, inmitten vom Kommen und Gehen und Verweilen von anderen begeisterten Festivalbesucherinnen und -besuchern! Julia Sutter, Autorin

Der beliebte Gassenhauer mit den Schauspieler:innen Diana Dengler und Marcus Schäfer fand erneut in den Räumlichkeiten des Café St.Gall statt. Der Andrang war gewaltig, die Stimmung ausgelassen. 

Die kleineren Gesprächsformate wurden ebenfalls sehr gut angenommen – Turmzimmer und Atelier stellten sich als ideale Orte dafür heraus. Der Poetry Slam in der Grabenhalle war mit rund 260 Besucher:innen sehr gut besucht.

Zur letzten Veranstaltung am Wortlaut-Sonntag mit Paul Rechsteiner und Jonas Lüscher strömten viele literaturinteressierte Gäste in den Raum für Literatur.

Karsten Redmann

Beitragsbilder © Wortlaut / Philipp Neff / Timon Furrer

David Szalay «Was nicht gesagt werden kann», Claassen

István ist 15, als ihn eine Nachbarin, der er bei den Einkäufen helfen soll, verführt. Eine Plattenbausiedlung am Rande einer ungarischen Stadt. Was ihn überrumpelt und in eine Welt reisst, die er nicht einzuordnen weiss, ist der Beginn eines Lebens, das von Katastrophe zu Katastrophe taumelt. „Was nicht gesagt werden kann“, mit dem David Szalay den Brooker Price 2025 gewann, ist die Geschichte eines Mannes, mit dem bloss geschieht.

Ich war hin- und hergerissen zwischen Abscheu und Faszination. Warum kann dieser Mann sein Leben nicht wirklich in seine Hände nehmen? Warum lässt er alles nur geschehen? Warum nimmt er jene wenigen Geschenke, die ihm das Leben gibt, nicht wirklich entgegen? Warum bleibt er Zuschauer? Erdulder? Warum lässt er sich so sehr instrumentalisieren? Ich lese den Roman von David Szalay eigenartig fasziniert, weil die fast 400 Seiten etwas Unausweichliches haben, das in der Strenge und Konsequenz in einem Roman nur ganz selten ist.

Als Istváns Odysse beginnt, ist er noch ein Junge, seltsam allein und eingeschlossen in sich selbst. Als die Geschichte zu Ende geht, tut sie es lakonisch, so sehr, dass es weh tut. Istváns Geschichte beginnt mit seiner Mutter, die ihn hinausschickt und damit verliert. Und sie endet mit dem Tod seiner Mutter. István ist allein.

David Szalay «Was nicht gesagt werden kann», Claassen, 2025, «Flesh» aus dem Englischen von Henning Ahrens, 384 Seiten, CHF ca. 36.90, ISBN 978-3-546-10150-9

Durch ein tragisches Missgeschick kommt István, noch nicht einmal volljährig, was letztlich auch sein Glück ist, in die Mühlen der Justiz, von dort als ungarischer Soldat in den Irak, wo sein einziger Freund von einer Mine getötet wird und István nach Hause zu seiner Mutter kommt. Was im Krieg geschah, nimmt István mit, akzeptiert, dass man seine Verwundung posttraumatisch nennt, wird dank seiner militärischen Ausbildung zum Bodygard eines reichen Paars in England. Seine Hauptaufgabe; er chauffiert sie und ihn im Bentley wohin man ihn heisst, zwei Reiche, beide in ihrer Welt. Helen, die Frau seines Auftraggebers, macht ihn zu ihrem Liebhaber. Eine Beziehung, die Helens Sohn Thomas nicht verborgen bleibt.

Was für István zu Beginn auch in Sachen Sex Dienstleistung ist, wird über die Jahre eine Beziehung. Eine Beziehung, von der István genau weiss, dass sie nicht zu seinem Leben werden darf. Nicht nur weil Helen verheiratet ist. Nicht nur weil sein Chef, Helens Mann, an Krebs erkrankt. Und auch nicht weil er ahnt, dass ihm der Sohn der beiden immer mehr eine Rolle zuweist, die er nicht einnehmen will. Die Situation spitzt sich zu. Noch eine Katastrophe. Was sich als Zusammenfassung trivial liest, ist das Drehbuch eines Lebens, das wie ein Golfball von Loch zu Loch gestossen und geschlagen wird. Ein Leben, das nie zur Ruhe kommt.

István stellt sich selbst und dem Leben, seinem Leben, keine Fragen. Er erduldet. Und die flüchtige Seligkeit, die ihm das bisschen Glück in die Hände gibt, zerrinnt. Selbst als István Vater wird. Im Original heisst der Roman „Flesh“. Vielleicht hätte eine wörtliche Übersetzung dem Roman auch im Deutsch jene Note gegeben, die einem bei der Lektüre ein Frösteln über den Rücken zieht. David Szalay erzählt in genau dieser frostigen Distanz. Ein Roman wie ein kalter, dunkler Stein. Ein literarischer Monolith!

Aus der Begründung der Jury zur Nominierung für den Booker Prize 2025: István steht in vielerlei Hinsicht für das Stereotyp des Maskulinen – körperbetont, impulsiv, von den eigenen Gefühlen entfremdet (und in grossen Teilen des Romans sprachlos: Er zählt wohl zu den wortkargsten Figuren der Literatur). Dennoch zeichnet dieses hypnotisierende, fesselnde Buch mit seiner bewusst reduzierten Prosa das überaus bewegende Lebensporträt eines Menschen.

David Szalay, 1974 in Montreal, Kanada, geboren, wuchs in London auf und lebt in Wien. Mit «Was ein Mann ist», seinem vierten Roman, kam er 2016 auf die Shortlist des Man-Booker-Preises. Sein Werk wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Ebenfalls auf Deutsch erschienen ist sein Roman «Turbulenzen». 

Henning Ahrens, geb. 1964, lebt in Frankfurt a. M. Veröffentlicht als Autor Lyrik und Prosa; zuletzt erschien sein Roman «Mitgift» (S. Fischer Verlag). Er übersetzte Lyrik, Kinder- und Jugendbücher sowie zahlreiche Romane aus dem Englischen, darunter solche von Saul Bellow, Jonathan Safran Foer, Richard Powers und Hanif Kureishi.

Beitragsbild © Martin Figura

Nicht flussaufwärts, nicht flussabwärts, ich will quer über den Fluss – Maja Iskra «Uppercut», Zsolnay

Ein Erstlingswerk, das querschlägt. Maja Iskras Roman «Uppercut» ist 2023 unter dem gleichnamigen Titel beziehungsweise dem serbischen Äquivalent „Aperkat“ erschienen. Jetzt wurde er von Mascha Dabić gemeinsam mit der Autorin übersetzt und macht der Leser:innenschaft eine von der deutschsprachigen Literatur kaum berührte Welt zugänglich, in der das Aufwachsen in den 90er Jahren in Belgrad während des Jugoslawienkrieges aus Perspektive einer jungen Frau beleuchtet wird.

Gastrezension von Sarah-Sophie Engel. Sie studiert Literatur- und Kulturtheorie an der Universität Tübingen, lebt in Basel und arbeitet als Mitarbeiterin in der Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel.

Dass der Uppercut, ein Faustschlag, der von unten auf das Kinn des Gegenübers zielt, nicht mittelalten, jähzornigen Schlägern vorbehalten ist, merken die Lesenden dieses Romans gleich zu Beginn. Denn die Gewalt umgibt in Belgrad der 90er Jahre jede und jeden. Wer nicht an der vergifteten Atmosphäre ersticken will, muss sich eben auf eigene Faust durchschlagen. So erinnert sich die Erzählerin an ihre Schulzeit, in der sie nachts der Gedanke an ihren spirituellen Schlag beruhigte und die Gewissheit ihr Halt gab, dass sie jeden Mitschüler ihrer Klasse verprügeln konnte, wenn sie nur wollte, auch wenn sie versuchte, dies nicht zu tun.

Die namenlose Ich-Erzählerin streift mit ihrer neuen Bekanntschaft Faris durch das Wiener Nachtleben. In leeren Clubs und lauten Bars unterhalten sie sich über Musik, kippen ein Glas Vodka nach dem anderen und teilen Erinnerungen aus ihrer Jugend in der gemeinsamen Heimat – die vielleicht auch gar keine mehr ist. Für Faris jedenfalls ist Jugoslawien ein schmerzendes schwarzes Loch und damit meint er eine Sehnsucht ohne Nostalgie. Die Erzählerin dagegen fühlt sich mit ihrer Herkunft verbunden: Dort sind meine Wurzeln. Jugoslawien ist mein Zuhause. So haben alle ihre eigene Sehnsucht, mit der sie in die Ferne starren und die sich immer wieder aufdrängt, ausgelöst durch einen Song, einen Zeitungsausschnitt oder den Tod eines Lieblingskünstlers.

Auch wenn sie nicht genau den gleichen Schmerz teilen, sind sich Faris und die Erzählerin einig über die Tragik des Todes von Lou Reed oder die Schwere des Verlusts von David Bowie, die sie beide tief erschüttern, während ihr Umfeld bloss mit den Schultern zuckt. Der Song Heroes ist nur einer dieser mystischen Hyperlinks, der die Hauptfigur zurückkatapultiert an den Ort ihrer Jugend: I can remember / Standing by the wall / And the guns shot above our heads / And we kissed, as though nothing could fall / And the shame was on the other side.

Maja Iskra «Uppercut», Zsolnay, 2026, aus dem Serbischen von Mascha Dabić und Maja Iskra, 160 Seiten, CHF ca. 33.90, ISBN 978-3-552-07573-3

So wie die Musik gehen die geschilderten Episoden aus der Kindheit und Jugend der Erzählerin unter die Haut: die Angst vor der Dunkelheit, das erste Mal nicht zurückschlagen, der erste Kuss ohne Liebe und die erste Liebe ohne Kuss, Wettrennen auf der Todesstrecke am Donaukai und die stillgelegte Betonfabrik als Geheimversteck, als safe place. Die Erfahrungen der Kindheit brennen sich ein, sind Prototypen der Wahrnehmung und prägen den eigenen Zugang zur Welt – das macht sie so spannend, für einen selbst, aber auch für Lesende, die andere Perspektiven aufs Leben verstehen wollen.

Die Flashbacks der 90er Jahre verfolgen die Erzählerin auf Schritt und Tritt durch Wien. Manchmal gibt sie nach und setzt sich in den nächsten Flieger nach Belgrad, um mit Freunden, mit denen sie ein Herz teilt, am Donauufer zu sitzen, sich erneut ein Wettrennen zu liefern hinauf zum Kalemegdan und sich zu vergewissern, dass manche Dinge bleiben trotz den Jahren der Zerstörung. Noch immer ist Zoja schneller als sie und noch immer schafft die Erzählerin mehr Liegestützen. Mit Zoja verbrachte sie 1999 die Nächte im Luftschutzkeller, nach dem sie ihr Zuhause für immer verlassen hatte. Nach Ende der Schulzeit zog Zoja in die USA, studierte an einer Elite-Uni, war erfolgreich, aber unglücklich und kehrte mit Anfang Dreissig nach Belgrad zurück, bekam dort eine Stelle an der Uni. Sie schreiben sich Briefe, in denen Zoja ihren anhaltenden Frust teilt, unbeschönigt und mit gnadenloser Ehrlichkeit. Seit der Kindheit verbindet die beiden ein seltsames Band aus unausgesprochener, fast hündischer Loyalität. Als Freundschaftsbeweis verewigt Zoja die Erzählerin auf ihrer Haut mit dem Vers: Nicht flussaufwärts, / nicht flussabwärts, / ich will quer über den Fluss – Dieser Vers … Das warst immer du., sagt Zoja, und, ich wollte dich auf mir haben.

Ein anderes Mal sitzt die Erzählerin mit Balša an der Donau, mit Blick auf die Kriegsinsel. Sie teilen Erinnerungen aus der Kindheit, in der sie beide unter der Tyrannei ihrer Väter litten. Das patriarchale Bootcamp, das nach Vinjak-Schnaps und Drina ohne Filter roch, schikanierte sie täglich, man durfte nie Schwäche zeigen und auf ein seltenes, unverhofftes Lob folgte im nächsten Rausch ein Donnerwetter, das nichts übrig liess ausser einem tiefen schwarzen Loch, aus dem Selbstzweifel und Wut wuchsen. Die Erzählerin beschreibt ihre Jugend zwischen zwei Feuern – auf der einen Seite Vaters ständige, unerklärliche Wut, und andererseits das tägliche Grauen auf der Strasse und in der Schule. Sie ist umzingelt von diesen beiden Brennherden, die schliesslich zusammenschmelzen und den Krieg im Außen ins Innere kehren – so stellt sie rückblickend fest: Der Krieg in mir ist noch nicht vorbei.

In diesem Roman ist alles ultimativ. Die Sprache geht immer aufs Ganze und trifft die Dinge mit voller Wucht. Es regnet, als gäbe es nichts außer diesen Regen, mit solchen Sätzen baut Iskra ihren Roman, als gäbe es für sie nichts, ausser genau das alles zu sagen. Und trotz des teils schwerverdaulichen Inhalts bleibt es leicht. Nichts wird in die Länge gezogen oder unnötig dramatisiert. Was nach den 156 Seiten zurückbleibt, ist der Eindruck einer unerschrockenen Widerständigkeit, die sich gegen alles richtet, was sich der Hauptfigur aufdrängt: Unfreiheit, Konventionen, Autorität, Schläge. Und doch ist eine gewisse Durchlässigkeit unvermeidbar und nötig, um Verbündete zu finden und Freundschaften wachsen zu lassen. Wann sich den Fluten entgegenstellen und wann sich treiben lassen, ist eine wichtige Frage, noch wichtiger ist aber, selbst nicht unterzugehen.

Maja Iskra wuchs in Belgrad auf, studierte in Wien und Valencia und lebt seit über zwanzig Jahren in Wien. Sie ist Landschaftsarchitektin und Medienkünstlerin und arbeitet an der Schnittstelle von Stadtentwicklung und visueller Kommunikation. Ihr Debütroman «Uppercut«» war Finalist für den serbischen Beogradski Pobednik Preis und den Zlatni Suncokret Preis 2023 und stand auf der Longlist des NIN Preises, des Laza Kostić Preises sowie des regionalen Meša Selimović Preises. Ihre Erzählung «Hiraeth» gewann 2018 den zweiten Platz beim European Short Story Festival.

Mascha Dabić, geboren 1981 in Sarajevo, übersetzt Literatur aus dem Balkanraum, u.a. von Barbi Marković, Svetislav Basara, Dragan Velikić, Damir Ovčina und Goran Ferčec. Sie lebt in Wien, arbeitet als Dolmetscherin und lehrt an den Universitäten Innsbruck, Graz und Wien.

Beitragsbild © Ivo Kosanovic

Start des 17. Sankt Galler Literaturfestivals Wortlaut mit Schwerpunkt «über:setzen»

Vom 27. bis 29. März 2026 findet die 17. Ausgabe des Sankt Galler Literaturfestivals Wortlaut statt. Insgesamt werden 29 Veranstaltungen in der Lokremise, den Bibliotheken Hauptpost und Katharinen, der Grabenhalle sowie dem Stadtbistro durchgeführt. Zu den fast 50 geladenen Autor:innen und Künstler:innen gehören u. a. Fabio Andina, Flurina Badel, Lukas Bärfuss, Martina Clavadetscher, Romain Buffat, Julia Weber, Usama Al Shahmani, Helga Schubert, Laura Vogt, Nora Gomringer und Jonas Lüscher.

Wichtiger Hinweis: Aufgrund der hohen Nachfrage sind die Tages- und Wortlaut-Pässe mittlerweile ausverkauft. Für die grossen Veranstaltungen am Freitag- und Samstagabend sowie die Veranstaltungen am Festivalsonntag sind aber noch Einzeltickets verfügbar.

Am Festivalwochenende vom 27. bis 29. März finden in St. Gallen zahlreiche Lesungen, Performances sowie Podiumsdiskussionen mit Autor:innen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich statt. Zudem wird die Buchtaufe der Ostschweizer Autorin Laura Vogt gefeiert; musikalisch begleitet vom Kontrabassisten Marc Jenny. Darüber hinaus wird das Publikum eingeladen, Gast des Poetry Slams in der Grabenhalle zu sein. Neu bietet das Festival ein kostenloses Familienprogramm in der Stadtbibliothek Katharinen an. Weitere Kooperationen mit neuen Formaten gibt es mit dem Förderraum und dem open art museum. Mit Katinka Ruffieux und Julia Sutter stellt das Festival zwei Debütantinnen vor. Nicht zuletzt findet auf dem Vorplatz der Bibliothek Hauptpost der «Silent Reading Rave» statt.

Festivalmotto
Das Motto des diesjährigen Festivals lautet «über:setzen». Neben den zahlreichen Lesungen in den vier Landessprachen sollen im Rahmen des Festivals vor allem folgende Fragen zum Schwerpunktthema diskutiert werden: Wie wird ein Buch in eine andere Sprache übertragen? Wie lassen sich komplexe Themen so vermitteln, dass sie verständlich und zugänglich werden? Wie formulieren wir etwas, damit wir auch wirklich verstanden werden?

Pass-Kontingent
Aufgrund der hohen Nachfrage sind die Tages- und Wortlaut-Pässe mittlerweile ausverkauft. Einzeltickets können aber an den jeweiligen Kassen in den Lokalitäten erworben werden. Insbesondere für die grossen Veranstaltungen am Samstagabend und unsere Veranstaltungen am Festivalsonntag sind noch Plätze verfügbar. Tickets für die Eröffnung und die Lesungen mit Helga Schubert und Navid Kermani können entweder vor Ort oder im Vorverkauf über eventfrog erworben werden.

Einzeltickets für die Veranstaltungen mit den beiden kürzlich ausgezeichneten Schweizer Literaturpreisträger:innen Martina Clavadetscher und Jonas Lüscher sind nur an den jeweiligen Veranstaltungskassen verfügbar.

Eröffnung
Am Eröffnungsabend stellt der Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss den Akt des Übersetzens in einen grösseren kulturellen Zusammenhang: Wie verschafft er seinen Themen Gehör, und wie erreicht er sein Publikum? Gemeinsam mit Nicola Steiner geht Bärfuss diesen Fragen nach und zeigt, was es dazu braucht und weshalb dies heute wichtiger ist denn je. Musikalisch begleitet wird der Eröffnungsabend vom Thurgauer Gitarristen Tobias Engeler. Das Grusswort spricht die Regierungsrätin Laura Bucher.

Festivalzentrum
Das Café St. Gall in der Bibliothek Hauptpost ist in diesem Jahr Festivalzentrum. Hier werden von Samstag bis Sonntag Speisen und Getränke angeboten. Zudem können Informationen zum Programm eingeholt werden. Sämtliche Veranstaltungen im Café St.Gall sind übrigens kostenlos.

Tickets und Pässe
Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre bezahlen keinen Eintritt. Studierende und Inhaberinnen und Inhaber der KulturLegi der Caritas erhalten reduzierte Ticketpreise.

Tickets für einzelne Veranstaltungen am Freitag, Samstag und Sonntag können nur an den jeweiligen Kassen in den Lokalitäten erworben werden. Ausnahmen von dieser Regel: Für die Eröffnungsveranstaltung sowie die Veranstaltungen mit Helga Schubert und Navid Kermani können auch Tickets im Vorverkauf erworben werden.

Tagespässe sowie Wortlaut-Pässe werden bevorzugt behandelt. Einzeltickets sind nur erhältlich, wenn freie Plätze zur Verfügung stehen. Wer ein Einzelticket kaufen möchte, erscheint bitte 15 Minuten vor Veranstaltungsbeginn – die Plätze werden 5 Minuten vor Beginn freigegeben. Aus organisatorischen Gründen können keine Platzreservationen entgegengenommen werden.

Freier Eintritt: Die Veranstaltungen im Café St.Gall und in der Stadtbibliothek Katharinen sind kostenlos. Für Geflüchtete sowie Mitglieder des A*dS ist der Eintritt zu sämtlichen Veranstaltungen kostenfrei.

Nähere Informationen zu den aktuellen Ticketpreisen finden sich hier: www.wortlaut.ch/tickets/

Lokalitäten 2026
Lokremise: Grünbergstrasse 7, 9000 St.Gallen
Turmzimmer (Bibliothek Hauptpost): Eingang Gutenbergstr. 2, 9000 St.Gallen
Raum für Literatur (Bibliothek Hauptpost): Eingang St.Leonhard-Str. 40, 9000 St. Gallen (3. Stock)
Atelier (Bibliothek Hauptpost): Eingang St.Leonhard-Str. 40, 9000 St.Gallen (3. Stock)
Stadtbibliothek Katharinen: Katharinengasse 11, 9000 St.Gallen
Grabenhalle: Unterer Graben 17, 9000 St.Gallen
Stadtbistro: Webergasse 22, 9000 St.Gallen

Nähere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen und weitere wichtige Informationen zum Festival finden sich auf der Webseite www.wortlaut.ch.

Allgemeine Information: Wortlaut ist das literarische Frühjahrsereignis der Ostschweiz. 2026 wird es zum 17. Mal durchgeführt und findet vom 27. bis 29. März 2026 statt. Sämtliche Veranstaltungsorte sind fussläufig erreichbar und liegen bahnhofsnah. Ziel des Literaturfestivals ist es, die vielfältige Welt der Literatur einem breiten Publikum bekanntzumachen. Festivalleiterin ist Ariane Novel.

Karsten Redmann
redmann@wortlaut.ch
M 0041 (0)77 437 5339
www.wortlaut.ch

Catalin Dorian Florescu «Matei entdeckt die Freiheit», Rowohlt

Catalin Dorian Florescu schreibt sich mit seinem neuen Ramon einmal mehr in sein grosses Thema hinein; die Freiheit. Wenig erstaunlich, denn Florescu stammt aus einem Land, dass die Freiheit jehrzehntelang mit Füssen trat und es bis in die Gegenwart nicht schafft, jene dunkle Zeit der Diktatur und ihre Folgen aufzuarbeiten.

Rumänien geriet schon während des 2. Weltkriegs zwischen die Fronten, nach dem Ende des Krieges unter sowjetischen Einfluss und nach einer kurzen Phase politischen Aufbruchs, während des ungarischen Aufstands 1956 ab 1965 in den Würgegriff des Autokraten Nicolae Ceaușescu, der erst Ende 1989, im Strudel der Wende und des beginnenden Zerfalls der Sowjetunion nach einem Schnellprozess zusammen mit seiner Frau erschossen wurde. Nicolae Ceaușescu war weg, aber es dauerte noch Jahre, bis heute, dass sich Rumänien nicht von den Folgen dieser Zeit erholen konnte. Eine Erholung, die nur erfolgreich sein kann, wenn eine Gesellschaft sich aktiv mit der Vergangenheit auseinandersetzt. Von Aufarbeitung und einem echten Neubeginn keine Spur.

Was wissen wir schon über die Freiheit? Dafür sind wir nicht geboren.

Florescu versucht genau dies, zumindest literarisch. Matei sehnt sich nach Freiheit, ein ganzes Leben, schnuppert daran, um sich aber in seiner Sehnsucht nach Rache in ein neues Eingesperrtsein zu schicken. Matei gerät in seiner Sehnsucht nach sprachlicher Entfaltung, nach Wahrhaftigkeit in seiner Sprache, im Mut, seine Stimme zu erheben in die Mühlen der Diktatur. Er, der in der Sprache seine Heimat sucht, wird weggesperrt, zusammen mit vielen anderen auf einen langen Marsch Richtung Donaudelta geschickt, wo sie in einem Gefangenenlager in totaler Abgeschiedenheit und Isolation für etwas bestraft werden sollen, was aus heutiger Sicht zu den selbstverständlichsten Menschenrechten gehört; das Recht auf ein Leben in Freiheit, freie Meinungsäusserung und Anspruch auf ein faires Rechtssystem. Nach Jahren im Lager, nach Folter, Entbehrung und dem Verlust vieler Freundschaften kommt Matei wieder frei. Nicht weil er Wiedergutmachung oder Gerechtigkeit erfährt, sondern weil der totalitäre Staat Lager wie diese nicht mehr braucht. Längst ist das ganze Land mit Hilfe von Überwachung, Angst und Denunziation zu einem riesigen Arbeitslager geworden, in dem eine Elite profitiert und die Masse dafür zu bluten hat.

Wir standen ohne Gebrauchsanweisung für die Freiheit da.

Catalin Dorian Florescu «Mateo entdeckt die Freiheit», Rowohlt, 2026, 288 Seiten, CHF ca. 36.90, ISBN 978-3-7371-0240-7

Obwohl Matei im Lager Menschlichkeit erfährt und nie die Sehnsucht nach Freiheit verliert, ihn nach dem Lager die Witwe eines Lagerfreundes in ihrem Haus aufnimmt und eine Arbeit als Sargmacher vermittelt, ergibt er sich für Jahre seiner Schwermut, verkündet, er wolle sterben. Bis er in der Stadt, in der er sich mit seinem Leben abmüht, seinen ehemaligen Peiniger, den Folterer wiedersieht und den Plan fasst, sich an dem Mann zu rächen. Einem Mann, der in der scheinbar neuen Zeit unbehelligt sein Leben weiterführen kann. Für Matei, der mit Monica eine neue Familie gefunden hat, eine Enkelin, die ihn Grossvater nennt, ist es nicht die Liebe, die ihn zu neuem Leben weckt, sondern die Sehnsucht sich für all den Schmerz, allen Verlust zu rächen. Jener Verhöroffizier, dem er nachzustellen beginnt, wird Stellvertreter für ein System, das seine Seele unheilbar vergiftet hat. Matei riskiert alles.

Ich hätte Schriftsteller werden können oder irgendetwas anderes, ich wäre glücklich gewesen, ich hätte einen gesunden Körper haben können, ich hätte bei meinem Vater sein können, als er starb, und noch vieles mehr.

Es ist nicht nur die Geschichte, die mich durch dieses Buch zieht, sondern die Intensität ihres Erzähltons. Florescu ist ein Meister der Stimmung. Er formt seine Figuren nicht durch fotographische Zeichnung, sondern durch ihre Inszenierung, ihre Einbettung ins Geschehen, ihre Emotionalität, die Farbintensität der über viele Strecken epischen Bilder. Florescu malt mit seiner ganz eigenen Sprache, lässt mich mitleiden, ohne auf Emotionalität zu drücken. Da schreibt einer, der mich davon überzeugen will, dass des Menschen grösste Gefahr der Mensch selber ist. In einer Gegenwart, die in globalen Gewaltexzessen zu versinken droht, wiederholt sich in Permaschleife immer und immer wieder, was zur grössten Bedrohung der Menschheit wird, was letztlich gar nichts mit Freiheit zu tun hat. Matei entdeckt die Freiheit dort, wo er am weitesten davon entfernt scheint und verliert sie dort für immer, wo ihn die Liebe retten will.

„Matei entdeckt die Freitheit“ ist ein grossartiges Buch. Ein Epos in ganz eigener Färbung!

Catalin Dorian Florescu ist 1967 in Rumänien geboren und hat seine Kindheit in der kommunistischen Diktatur verbracht. 1982 schaffte es die Familie, sich in den Westen abzusetzen. Seitdem wohnt der Autor in Zürich, wo er Psychologie studierte. Für mehrere Jahre arbeitete er im Bereich der Drogenabhängigkeit und liess sich in Gestalttherapie ausbilden. Seit Dezember 2001 lebt er als freier Schriftsteller. Im Jahr 2019 war er als «literarischer Matrose» auf der Donau unterwegs. Seit einem Jahr arbeitet er wieder therapeutisch. Er hat u.a. sieben Romane geschrieben – Schweizer Buchpreis 2011, Anna Seghers-, Josef von Eichendorff- und Andreas Gryphius-Literaturpreis. In Rumänien wurde ihm die Kavaliersmedaille für kulturelle Verdienste verliehen.

mehr von und über Catalin Dorian Florescu auf literaturblatt.ch

Beitragsbild © Evi Fragolia