Sina hat also recht gehabt: Hier am Ende eines Forstwegs befindet sich das grüne Haus. Es steht leicht schief, als wolle es sich an einen der Bäume lehnen. Ich schätze, es ist etwa fünfzig Quadratmeter gross und hat Baujahr siebenundsechzig. So genau weiss ich das natürlich nicht. Aber ich mag es, Dinge mit Zahlen zu beschreiben. Immer wenn ich jemand kennenlerne, überlege ich als erstes, wie alt und gross diese Person ist. Ist es eine unsympathische Frau, schätze ich, wie schwer sie ist. Es hat sich schon oft später herausgestellt, dass ich richtig lag. Wind rauscht durch die Bäume. Ich fühle mich beobachtet.
Das rostige Gartentor quietscht, als ich es öffne. Unsicher schaue ich mich um. Eine Amsel raschelt im Laub. Ich frage mich: „Warum braucht es mitten im Wald ein Gartentor?“ Wahrscheinlich war es früher ein Wochenendhaus für Städter, die nicht von ihren Gewohnheiten abweichen konnten. Aber jetzt wohnt hier Jannik. Um den Garten hat er sich bisher nicht gekümmert. Es ist ein Wald im Wald. Das Haus sieht nicht bewohnt aus. Hat sich Sina vielleicht doch geirrt? Dann entdecke ich neben der Tür den blauen Aschenbecher. Er überquillt vor Kippen.
Fünfhundertdreiundsiebzig Mal habe ich in den vergangenen Jahren diesen blauen Aschenbecher, der auf unserem Balkon stand, geleert. Ich hasse Zigarettengestank, aber geküsst habe ich Jannik trotzdem. Auch wenn ich zu Beginn unserer Beziehung behauptet hatte, ich würde ihn nicht küssen, wenn er geraucht hat. Damals habe ich gedacht, mich damit interessant zu machen. Unbemerkt hat sich dann mein Bestreben, interessant für Jannik zu sein, davongeschlichen.
Ich trete näher ans Haus heran und schaue durchs Fenster neben der Tür. Ich weiss, Jannik ist nicht da. Ein Anruf in seinem Büro hat genügt. Trotzdem habe ich das Gefühl, seinen Blick auf meinem Rücken zu spüren. Durchs Fenster kann ich nicht viel erkennen, weil es im Haus dunkel ist. Aber ich sehe einige vertraute Möbel.
Ich lege die Hand auf die Türklinke, zittere leicht. Meinen schnellen Herzschlag spüre ich im ganzen Körper. Ich versuche, mich daran zu erinnern, weshalb ich hergekommen bin. Tatsächlich gibt mir das die nötige Entschlossenheit. Ich drücke die Klinke. Die Tür öffnet sich. Typisch Jannik. Trotzdem bin ich überrascht.
Im Haus ist es kühler als draussen und es riecht nach Schatten und Laub. Der Holzboden knarrt. Auf dem Tisch steht einsam eine Tasse. Etwa ein Deziliter Kaffee ist noch drin. Mir fällt auf, dass es der Rest eines Milchkaffees ist. Jannik aber trinkt seinen Kaffee schwarz. Er sagte immer: „Schwarzer Kaffee passt zu meinem Humor.“ Die Wahrheit ist, dass er eine Laktoseintoleranz hat. Was mich nicht erstaunte hatte, als er es mir erzählte. Janniks Haut ist weiss und weich wie Vollrahm. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie der Körper das Verhalten des Menschen regiert.
Ich nehme einen Schluck aus der Tasse. Der Kaffee schmeckt sauer und ist kalt. Ich suche den Tassenrand nach Spuren von Lippenstift ab. Nichts. „Vielleicht hat Jannik für sich laktosefreie Milch gekauft?“, überlege ich weiter. Aber das kann ich mir nicht vorstellen. Jannik ist ein Alles-oder-Nichts-Typ. Das wird sich nicht geändert haben, trotz Umzug in den Wald. Auch dazu, bin ich überzeugt, hat ihn diese Lebenseinstellung getrieben. Gleich zu Beginn unserer Beziehung hat er gesagt: „Solange wir es gut zusammen haben, bleibe ich bei dir.“ Den Folgesatz hat er zwar nie ausgesprochen, aber ich weiss, dass dieser für ihn viel wichtiger gewesen ist.
Ich bemerke, dass ich mich am Griff der Kaffeetasse festklammere und meine Knöchel schon ganz weiss geworden sind. Gerade als ich die Tasse wieder an ihren Platz zurückstellen will, entdecke ich den Kaffeering auf dem Tisch. Ich stelle sie nicht mehr dorthin zurück.
Die zwei Holzstühle haben wir gemeinsam gekauft. Zwei gleiche Holzstühle stehen in unserer alten Wohnung. Über der einen Stuhllehne hängt Janniks blaue Trainingsjacke.
An der Wand steht ein altes Ledersofa, auf dem eine zusammengefaltete Militärwolldecke liegt. Unsere Sofadecke hat er nie so ordentlich zusammengefaltet. Mir ist etwas schwindlig und ich zittere. Ich versuche, mich zu beruhigen und rede mir ein, dass es wegen der Kälte ist.
Das Klingeln eines Telefons durchbricht die Stille. Erschrocken öffne ich die Augen, schaue mich um und fühle mich ertappt. Das Klingeln ist laut und schrill. Ich habe das Gefühl, es klingelt durch den ganzen Wald. Es hört nicht auf.
Rasch stehe ich auf, entdecke neben dem Eingang der Küche ein schwarzes, altes Wandtelefon mit Wählscheibe. Ich strecke meine Hand nach dem Hörer aus. Gerade noch rechzeitig besinne ich mich aber: Ich habe keine Ahnung, wer hier anruft. Und was soll ich denn sagen?
Ich lasse das Telefon ausklingeln. Was macht Jannik, wenn ein Baum auf die Freileitung fällt? Neben dem Telefon hängt eine Liste mit zwölf Nummern. Ich entdecke einige Namen aus unserem Freundeskreis, ein paar seiner Bürokollegen, seine Eltern und Valerie. Ich kenne keine Valerie und Jannik hat mir nie von ihr erzählt.
Meine Telefonnummer steht nicht auf der Liste. Ich nehme den Hörer ab, wähle meine Nummer. Das Handy klingelt in meiner Tasche und ich lege den Hörer zurück. Später werde ich die Nummer abspeichern. Ich schaue mich weiter im Wohnzimmer um. Die dunkle Holzdecke wirkt erdrückend. Die Möbel sehen aus, als stammten sie vom Trödelmarkt. Der staubige Fernseher steht auf einer niedrigen Backsteinmauer. Keine Deko, nichts, was den Raum schöner macht. Nur der grüne Kachelofen neben dem Sofa strahlt eine gewisse Eleganz aus. Auf dem Bücherregal steht die Hälfte der Bücher, die mein Regal so leer erscheinen lässt. Ich zähle zweiundvierzig Stück und studiere dabei die Bücherrücken, suche mir drei Romane aus. Sie verschwinden in meiner Tasche. Die Lücken, die sie im Regal hinterlassen, bleiben.
In der kleinen Einzeiler-Küche sehe ich nichts Neues. Auch sie stammt aus den Sechzigern. Das Erstaunlichste ist eine Teekanne auf dem Herd, die als Vase dient.
Auch hier gibt es kein Bild, kein Foto, keine Erinnerung. Ich frage mich, ob Jannik mich, uns bereits vergessen hat. Ich schaue aus dem Fenster. Kein Blick in die Ferne. Nur Eichen- und Fichtenstämme. Vermisst er nicht die Menschen?
Ich gehe weiter ins Schlafzimmer. Unser Doppelbett füllt fast den ganzen Raum aus. Nur für einen Kleiderschrank, gibt es noch Platz. Auf der zerwühlten Bettdecke liegt Janniks Laptop. Die zwei Kopfkissen sehen durchlegen aus. Ich bin mir sicher, in diesem Bett hat Jannik letzte Nacht nicht allein geschlafen. Ob Valerie hier gewesen ist?
Ich öffne den Kleiderschrank, entdecke nichts Auffälliges. Keine Frauenkleider. Ich schiebe den Laptop und die Decke zur Seite. Auch auf dem Bett keine Spuren. Jannik aber spüre ich in diesem Raum ganz deutlich. Ich lege mich ins Bett, atme tief ein und rieche nicht nur ihn, sondern auch mich. Alles ist wieder da. Die Stille ist laut.
Ich stehe auf, lasse meinen Abdruck auf der Matratze zurück und gehe hinaus. Draussen scheint die Sonne und ich lasse die Haustür offen stehen. Das Gartentor schliesse ich hinter mir.
Arja Lobsiger liest in der Reihe Wortklang – Klangwort am Samstag, den 8. September 2018, um 20 Uhr im Theater 111, St. Gallen: «Jonas bleibt», Ein berührender Roman über drei Menschen auf der Suche nach ihrem Weg aus der vermeintlichen Ausweglosigkeit. Der tragische Unfall eines Jungen verändert die Familie, und das Gefüge droht auseinanderzubrechen. Die Schwester fühlt sich am Tod des Bruders mitschuldig, die Mutter fällt in eine Depression, und der Vater verfängt sich in Wünschen und Vorwürfen. Eines Tages bricht die Mutter auf und sucht ihr Glück auf einer Insel im Mittelmeer. Taugt dieser Ort als Paradies ohne Erinnerungen?

schämte sich dafür ein Leben lang. «Geschämt fürs Desertieren, geschämt für Überleben, geschämt fürs AufderWeltSein.» Paul schreibt ein Totenbuch als Gegenbuch zur Dorfchronik, ein Buch, dass all jenen gedenken soll, die zwischen die Mühlen einer Geschichte kamen, die sich nach dem Krieg nicht um Aufarbeitung scherte, sondern der es darum ging, möglichst schnell den Schrecken vergessen zu machen. Im Laufe Pauls Recherchen, die ihn immer weiter wegzutragen drohen, gerät er jenem Mann, den er nur «den Gebirgsjäger» nennt, so nahe, wie er gar nicht will und droht jene zu verlieren, denen er sich eigentlich nahe fühlt. «Der Gebirgsjäger», Lehrer, Jäger und Soldat, kriegsversehrt zurückgekehrt, um wieder Lehrer und Jäger zu sein, mit blütenweisser Weste.
Hanna Sukare, geboren 1957 in Freiburg (i.Br.). Studierte Germanistik, Rechtswissenschaften, Ethnologie. 1991/92 Forschungsaufenthalt in Lissabon. Hanna Sukare war unter anderem als Journalistin, Redakteurin (Falter, Institut für Kulturstudien) und Wissenschaftslektorin tätig und beschäftigte sich in wissenschaftlichen Studien mit dem gesellschaftlichen Fundus des Fremden. Hanna Sukare gewann mit ihrem Debütroman «Staubzunge» den Rauriser Literaturpreis 2016 (Bilder im Interview) für die beste Prosa-Erstveröffentlichung in deutscher Sprache.
In einem kleinen, mageren Pärklein an der Franz Innenhofer Strasse (benannt nach dem österreichischen Schriftsteller 1944 – 2002) in Meran unmittelbar neben dem mondänen Hotel Palace, das der kleinen, etwas schäbigen «Country-Bar» im Pärklein die kalte Schulter zeigt, standen etwas mehr als zwanzig orange Plastikstühle im Kreis. Hundert Jahre zuvor hätte wohl im Palace daneben die literarische Soiree in feiner Gesellschaft, mit langstieligen Gläsern und auch sonst viel Stil stattgefunden. Heute rutscht Lyrik an Orte wie dieses Pärklein ab, in dem man Subkultur vermutet, süsslichen Rauch und süsser Rausch.
Auf dem niederen Tischen vor dem Autor lagen und standen drei Tiroler Plastikmusikantenfiguren, ein Kerzenständer mit heruntergebranntem Stummel, ein Stoffaffe mit Banane im Mund, ein silberner Fingerring mit übergrossem Edelweiss, eine Fahrradglocke, ein hölzernes Kruzifix mit einem Jesus, dem ein Arm fehlte, eine kleine hölzerne Truhe, die wie ein Buch aussah, zwei Rosenkränze aus Plastik, eine Perlenkette, eine dunkelblaue Kochschürze, eine Schildkappe, ein weisser Pastorenkragen, eine Muh-Box, ein Wäscheholz, eine Spieldose und vieles mehr. Als wolle Matthias Schönweger als Sprachalchemist mit seinem rätselhaften Instrumentarium durch lyrischen Exorzismus die Grenzen von Sprache und Bildern sprengen.
Jedes Gedicht, jeder Text auf eine Seite gesetzt, immer in Grossbuchstaben, zumeist deutsch, machmal italienisch, selten beide Sprachen ineinander, jedes Gedicht wie eine Tafel, über die ganze Seite gesetzt, aufs Weiss komponiert. Texte, die einschlagen, aufsitzen, aufrütteln, ausschütteln. Ein Buch, das Raum braucht und dem beim Lesen ein Platz gebührt, wo man eben nicht daran vorbeigeht. Matthias Schönweger zauberte aus einer unendlich tief scheinenden Schatzkiste Zettel um Zettel, kleine Briefe aus einer Welt, in der er die Fäden spinnt, mit verschmitztem Blick, tiefem Witz und entlarvender Ernsthaftigkeit.
Matthias Schönweger, geb. 17.01.1949, veröffentlichte als erster in Südtirol Proben von konkreter Dichtung und trat mit Aktionslyrik und Happenings in Erscheinung. Studium von geisteswissenschaftlichen Fächern in Verona, Innsbruck und Padua. Dr.phil. 1979. Tätig als Deutschlehrer in einer italienischen Schule in Meran. Weitere Tätigkeiten u. a. als Zeichner und Graphiker. Mitglied der Grazer Autorinnen Versammlung. 1997 Ausstellung (gemeinsam mit Thomas Feuerstein) beim Projekt Die Welt als Tastatur von Ulrike Mair. Lebt als freier Schriftsteller, bildender Künstler und Performer in Meran.
Tonia wird Meeresbiologin, lebt in einer grossen Villa in Wien zusammen mit ihrer Halbschwester, von der sie erst erfährt, als es um das Erbe ihrer Eltern geht und passt auf auf ihre Nichte Emilie, für die weder Schwager noch Halbschwester Zeit aufbringen wollen.
Über «Die Kunst des Verhungerns»: In den auf wahren Begebenheiten basierenden drei Novellen erzählt Yves Rechsteiner von den verworrenen und verstrickten Phasen eines Lebens, das sich nicht einzwängen lassen will in die Konventionen der Normalität. So ist der namenlose Protagonist nach Kalifornien gezogen, um dort ein Rockstar zu werden, er strauchelt aber, bricht schliesslich alle Brücken hinter sich ab und beginnt eine Irrfahrt ins Ungewisse. Jahre später erinnert sich der Erzähler an seine Kindheit in der Kommune und fordert Klarheit über die Vergangenheit, rechnet mit allem und allen ab. Als der Vater dann aber an Krebs erkrankt und auszieht, diesen auszuhungern, tritt alles Nebensächliche in den Hintergrund. «Die Kunst des Verhungerns» Münsterverlag
Auch J. J.s Mutter unterscheidet sich in fast allem von Tonys, El Grecos Mutter. Während Mrs. Papadakis geheimnisvoll bleibt, mühelos hin -und herwechseln kann zwischen angestrengter Mutter und erotisierender Femme fatal, taucht J. J.s Mutter ab in tiefe Löcher, sitzt da, sich selbst und alles andere vergessend. J. J.s Schwester Lauren ist schon alt, achtzehn, und sein älterer Bruder ein erbarmungsloser Kotzbrocken. Kein Wunder ist die Freundschaft zu El Greco Sinnbild für Beständigkeit, Sicherheit und Halt. J. J. und El Greco sind Blutsbrüder. Nicht nur durch ein Versprechen untrennbar miteinander verbunden, sondern durch all die wilden Taten, die Spuren aus Rauch und Asche, die sie hinter sich herziehen.
Mark Thompson, 1958 geboren und aufgewachsen in Stockton-on-Tees, studierte Politikwissenschaft an der London Guildhall University, hat viele Jahre in Spanien gelebt, intensiv die USA bereist und spielt Gitarre in einer Rockband. «El Greco und ich» ist sein erster Roman. Mark Thompson lebt mit seiner Familie in York.

Er wolle die hintersten Seiten der Seele aufs Papier bringen, sagt Joseph Zoderer in einem Interview. Seine Lyrik bleibt stets ganz nah an seiner Person, ist ehrlich, teilt sich einem in einer Intensität mit, die fast verlegen macht, in der man sich ertappt, zur Reflexion gezwungen fühlt. Seine Gedichte sind Fragestellungen an sein Leben, Innenansichten, die nach Aussen leuchten, sprachliche Diamanten, die beim mehrmaligen Lesen das Licht ganz verschieden zu brechen vermögen.
Joseph Zoderer, geboren 1935 in Meran, lebt als freier Schriftsteller in Bruneck. Studium der Rechtswissenschaften, Philosophie, Theaterwissenschaften und Psychologie in Wien. Zahlreiche Auszeichnungen, u. a. Ehrengabe der Weimarer Schillerstiftung (2001), Hermann-Lenz-Preis (2003) und Walther-von-der-Vogelweide-Preis (2004). Vom Autor des Romans „Die Walsche“ (Neuauflage bei HAYMONtb 2012) erschienen bei Haymon zuletzt: „Das Glück beim Händewaschen“. Roman (HAYMONtb 2009), „Die Farben der Grausamkeit“. Roman (2011, HAYMONtb 2014), „Mein Bruder schiebt sein Ende auf“. Zwei Erzählungen (2012) und „Hundstrauer“. Gedichte (2013). 2017 erscheinen „Die Erfindung der Sehnsucht“. Gedichte und „Das Haus der Mutter“. Theaterstück und Erzählung (HAYMONtb).
Monika Marons Roman mischte die ihr sonst so zugewandte Kritik mächtig auf, weil der Roman und seine Rezeption beweist, wie schwierig es ist, Inhalt und Autorin voneinander zu trennen. Wenn im Text Ängste mitschwingen, Ängste vor dem Islam zum Beispiel, ist das Geschrei unzimperlich und die Debatte darüber unverhältnismässig. Monika Maron schrieb ein Buch. Die Frau im Buch heisst Mina Wolf, eine einsame Wölfin in der Angst, die Welt immer mehr dem Chaos übergeben zu müssen. Und so spiegelt sich das Chaos in ihrem Kopf.
Monika Maron ist 1941 in Berlin geboren, wuchs in der DDR auf, übersiedelte 1988 in die Bundesrepublik und lebt seit 1993 wieder in Berlin. Sie veröffentlichte zahlreiche Romane, darunter «Flugasche», «Animal triste», «Endmoränen», «Ach Glück» und «Zwischenspiel», außerdem mehrere Essaybände, darunter «Krähengekrächz», und die Reportage «Bitterfelder Bogen». Zuletzt erschien der Roman «Munin oder Chaos im Kopf». Sie wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter dem Kleist-Preis (1992), dem Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (2003), dem Deutschen Nationalpreis (2009), dem Lessing-Preis des Freistaats Sachsen (2011) und dem Ida-Dehmel-Preis (2017).
Jule und Vincent reffen sich wieder, zwei Menschen, die vor mehr als zwei Jahrzehnten eine Nacht vielleicht verbunden, ein Autounfall aber wieder aus der Spur geschleudert hatte. Zwei Lebensentwürfe, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, werden durch das Wiedersehen pulverisiert, zwingen zum Nachdenken, bringen Momente zurück ans Licht, die gelöscht schienen, obwohl sie noch immer in die Gegenwart wirken.