Martina Caluoris Romandebüt „Schatten der Pinus“ ist ein 152 Seiten langes Fries der Innen- und Aussenwelten. Ein fast verlassener Campingplatz im Nirgendwo am Meer. Die vier, die geblieben sind, erwarten nichts mehr, leben ganz im Moment oder dämmern in Erinnerungen.
Es war einst ein Platz mit Kinderlärm, rufenden Eltern, Geruchswolken aus Sonnencreme und gegrilltem Fleisch, mit aufgespannten Sonnenschirmen und Fetzen von Musik. Geblieben sind eine Handvoll Gestrandeter, Zurückgebliebener, Ausharrender – und die Pinien, die von jeher ihre krummen Rücken nach dem Wind richten. Sand voller Abfall, Plastikresten. Das Meer ist grau geworden. Von Zeit zu Zeit werden sie mit dem Nötigsten versorgt, die geblieben sind in ihren Campingmobilen, die einst die Freiheit versprachen. Es ist nicht der Blick aufs Meer, nicht einmal auf die leise gewordenen Bewegnungen derer, die geblieben sind. Es ist der Blick nach innen, die Resignation, der Blick in blass werdende Vergangenheiten, die Restsehnsucht.
Vielleicht ist das die Gefahr der Vergangenheit: das sie nicht einfach war, sondern sich mit jedem Erinnern neu zeigt.
Martina Caluori «Schatten der Pinus», lectorbooka, 2026, 152 Seiten, CHF ca. 31.90, ISBN 978-3-907709-27-6
Phine, Jochen, Bo und eine namenlose, alte Frau; sie alle eingeschlossen sind in ihre eigene Geschichte, ihre eigene Welt, hadernd, trauernd, alleine, verlassen, einsam. Das einzige, was sie verbindet, ist der Ort, ein Leben ohne wirkliche Zukunft und das Gefühl des Vergessenseins. Gefangen von sich selbst. Nur manchmal sitzen die einen zusammen, trinken und sinnieren. Nur die alte Frau, die am Strand die langen Nadeln der Pinien sammelt, scheint sich einigermassen frei zu bewegen.
Martina Caluori erzählt keine Geschichte. Selbst die Erinnerungsfetzen, die in den ineinander verflochtenen Texten auftauchen und wieder verschwinden, sind Fragmente, Erinnerungsbilder, Gefühle, Stimmungen. Martina Caluori malt ein langes Bild, eine Stimmung, Szenen von Menschen, die sich nicht aufgegeben haben, aber auch nichts mehr von ihrem Leben erwarten, nicht einmal einen nächsten Tag. Mag sein, dass es die einen als Dystopie lesen, Bilder aus einer Zeit, in der der nächste Tag nur die Verlängerung der Gegenwart ist, in der man sich nicht einmal mehr in ein Zurück sehnt, in der man das Hoffen aufgegeben hat, von Menschen, die angesichts der grauen Gegenwart an den Farben der Vergangenheit zweifeln. Es geht bei Martina Caluoris Schilderungen nicht um die Erinnerungen selbst, nicht um die Bilder, nicht um die Inhalte, sondern was das Erinnern mit den ProtagonistInnen macht, den Akt selbst, das Hineinschauen.
Wenn du verhindern willst, dass sich Vergangenes verändert, müsstest du aufhören, daran zu denken.
Manchmal gibt es Bücher, die einem den gleichförmigen Lesefluss verweigern. Nicht weil die Spannung abbrechen würde, sondern weil einem bei der Lektüre Sätze anspringen, die sich festkrallen, mit denen man ringen muss, die nicht loslassen, die haften bleiben, sich nicht abschütteln lassen. In „Schatten der Pinus“ gibt es diese Sätze zuhauf. Manchmal staune ich einfach nur über die Klarheit eines solchen, die Weisheit oder die Prägnanz. Manchmal werfen sie mich aus dem Lesefluss, weil in meinem Kopf durch die Sätze eine Runde weg vom Text in meine eigene Gedankenwelt gemacht werden muss, weil mich das Nachdenken aufhält, weil ich es nicht zulassen will, so einfach über den einen oder anderen Satz hinwegzulesen.
Ein ungemein wundersames, atmosphärisches Buch.
im Literaturhaus Thurgau Gottlieben
Martina Caluori lebt als Lyrikerin und Autorin in der Schweiz. Nach einem Studium der Publizistik und Filmwissenschaften debütierte sie 2019 mit dem Lyrikband »Frag den Moment«, gefolgt von Mundartlyrik für »Öpadia: A Novella us Graubünda« (2021) und 2022 von ihrem Kurzprosadebüt »Weisswein zum Frühstück«. 2023 erschien ihr Gedichtband mit Audiowerk »Ich weine am liebsten in Klos« (beide lectorbooks). Für ihren Debütroman »Schatten der Pinus« (2026, lectorbooks) wurde sie mit dem Literarischen Werkbeitrag der Stadt Chur sowie mit dem Grossen Werkbeitrag des Kantons Graubünden ausgezeichnet.
Markus Bundi ist ein Tausendsassa! Er schafft es sogar, mich mit einer Katze zu locken. Das schaffen nicht viele. Markus Bundi ganz leicht, leichtfüssig und tiefschürfend. So wie es auch seine Gedichte sind. Wenig verwunderlich, dass es Bundi auf nicht einmal hundert Seiten schafft; ein eingedamfter Roman, literarischer Sud!
Es ist ein Roman für die Brusttasche. Dementsprechend nah geht er einem ans Herz. Nicht weil im Roman über eine Katze oder zumindest die symbiotische Beziehung zu einer geschrieben wird. Zu einem „Büsi“, wie wir Schweizer sagen, einer Bezeichnung, die genau jene Wesensart oder Sehnsucht beschreibt, die mich diesem Tier gegenüber misstrauisch werden lässt. Ich bin kein Katzenfreund, auch wenn immer ich der bin, dem Katzen unaufgefordert auf den Schoss sitzen und unmissverständlich klarmachen, was sie augenblicklich von mir fordern. „Hayo“ ist kein Katzenbuch, kein Katzenroman, auch wenn der Titel des Romans der Name einer Katze ist. „Hayo“ ist ein Familienroman im Kleinformat, eine Emanzipations-, eine Auferstehungsgeschichte einer jungen Frau, Séraphine, die den Tod ihres Katers, des Familienkaters zu verschmerzen hat.
Markus Bundi «Hayo Séraphines Roman», Kröner Edition Klöpfer, 2026, 120 Seiten, CHF ca. 30.90, ISBN 978-3-520-77401-9
Séraphine und Hayo sind gleichzeitig zur Welt gekommen, Seelenverwandte. Aber während Séraphine sich an der Grenze zum Erwachsensein abmüht, ist aus Hayo ein alter, gebrechlicher Kater geworden, der sich eines Morgens aus dem Schlafzimmer von Séraphine schleicht, um unter dem Sofa im Wohnzimmer, mitten in der Familie, sein Katzenleben zu beenden. Séraphine legt sich zu ihm auf den Teppich, so wie all die Jahre zuvor, in denen sie alles gemeinsam teilten, ihr Leben stets als Gemeinsamkeit verstanden. Mit dem Tod des Katers stirbt viel mehr als ein Haustier, viel mehr als ein eigenwilliger Vierbeiner, ein alt gewordener Gefährte mit Mundgeruch. Séraphine fühlt sich zurückgelassen, alleingelassen, das erste Mal in ihrem noch jungen Leben.
Wir waren immer von Beginn an eins, auch wenn mir das erst später bewusst wurde.
Mit Hayos Tod ist Séraphine genommen, womit sie nicht rechnete. Mit einem Mal fehlt der Mut, die Kraft, sich aufzurichten, das Leben weiterzuführen, als wäre nichts geschehen. Séraphine ist zum ersten Mal mit Sterben und Tod konfrontiert. Sie ist aus Selbstverständlichkeiten gerissen, unausweichlich damit konfrontiert, dass eine neue Ära beginnt, eine neue Zeitrechnung, dass sie nicht mehr gefragt wird, dass sie in ein eigenes Leben, in Selbstständigkeit gestossen wird. Hayos Tod ist viel mehr als der Verlust eines Haustiers, sondern das untrügliche Vorzeichen dafür, dass das Nest der Familie nicht für immer seine Wärme ausstrahlen soll.
Seit Hayo tot ist, will ich nicht mehr aufwachen.
Hayo und Séraphine waren eins. Eine Seele, zwei schlagende Herzen. Und weil diese Einheit zerbrach, hat Séraphine zu schreiben begonnen. Eigentlich das Geschäft ihres Vaters, der Hausmann und leidlich erfolgreicher Schriftsteller ist. Sein Stadtführer ist die einzige Veröffentlichung, mit der er mässigen Erfolg hatte. Ausgerechnet, denn das Buch steht auf seiner Liste ganz unten. Séraphines Vater ist Dichter, schreibt Gedichte, brotlose Kunst. Als ihre Mutter und ihr Vater sich kennenlernten, war er Musikjournalist. Man lernte sich in einem Konzert kennen. Ihr Vater, dessen Handschrift nur sie zu entziffern weiss, der ihr aber auch zeigt, dass die Wege durchs Leben nicht mit den eigenen Händen ausgelegt werden. Mit einem Mal ist da das Bewusstsein, dass man letztlich immer auf sich selbst zurückgeworfen ist, dass man in aller Gemeinschaft allein bleibt.
Markus Bundi schreibt sich in die Seele einer jungen Frau. Und das gelingt ihm ausgezeichnet. In die Verzweiflung, die Trauer, das Erwachen, das Aufstehen, das Bewusstwerden. Es ist nicht der Blick nach innen, sondern jener nach aussen. Eine junge Frau, die sich neu ausrichten, die den Kompass neu ausrichten muss. Ein zartes Buch voller Einsichten. Nicht zuletzt ein Buch über Familie, einen Schriftsteller als Vater, einen Vertrauten. Für einmal kein Kriegsschauplatz, dafür ein Buch zum Verlieben!
Markus Bundi, geboren 1969, studierte Philosophie, Neue Deutsche Literatur und Linguistik an der Universität Zürich. Er arbeitete in jungen Jahren als Journalist, erst als Sport-, dann als Kulturredaktor bei einer Schweizer Tageszeitung. Seit über zwanzig Jahren unterrichtet er Philosophie an der Alten Kantonsschule Aarau. Er lebt als freier Autor, Literaturvermittler, Lektor und Herausgeber (u. a. der Werkausgabe Klaus Merz) in Neuenhof/ Schweiz. Für seine literarische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er ist Mitglied bei PEN Deutschland.
In Nefeli Kavouras’ Debütroman «Gelb, auch ein schöner Gedanke» stirbt ein Ehemann und Vater über lange Zeit. Der Prozess des Abschieds verändert ihn und seine Familie.
Der Tod als Verwandlung Gastrezension: Sina Aebischer studiert Literaturwissenschaft in Basel und arbeitet für die Lesereihe Sofalesungen. Sie schreibt journalistisch für regionale Medien und literarisch als Teil des Kollektivs LITER.
Die Beerdigungsgäste sind gegangen und wir wissen nicht, was wir mit den Kuchenresten anfangen sollen. Wir haben immer nur bis hierher geplant, nie weiter. Das Wir, mit dem die Hamburger Autorin Nefeli Kavouras ihren Roman «Gelb, auch ein schöner Gedanke» anfängt, besteht aus Ruth und Lea, Mutter und Tochter, Witwe und Halbwaise. Denn Georg ist gestorben, nach langer Zeit. Über Jahre hinweg hatte sich sein Zustand verschlechtert, bis Ruth ihn zur Palliativpflege nach Hause holte. Der Prolog nimmt das Ende der Geschichte vorweg, bevor Kavouras zurückkehrt in die Zeit des langsamen Sterbens.
Für die gemeinsame Tochter ist die Präsenz des todkranken Vaters nur schwer zu ertragen: Wenn Mama ihn nicht so bescheuert pflegen würde, wäre er längst tot, und ich hätte ein richtiges Leben. Die Fünfzehnjährige wünscht sich ein ganz normales Teenager-Dasein ohne sterbenden Vater. Ruth hingegen steckt ihre ganze Energie in die Pflege Georgs und wünscht sich von Lea mehr Verständnis und Nähe zu ihm. Diese ekelt sich vor dem kranken Vaterkörper: Sein Körper ist unförmig und nur halb lebendig und komisch weich. Sein Körper stinkt und gibt Geräusche von sich, sein Körper gehört nicht mehr richtig zu ihm. Kavouras nähert sich dem sterbenden Körper ohne falsche Scheu, sie beschreibt, wie er sich verändert, wie er aussieht und riecht. Es gelingt ihr, ein Porträt des Sterbens zu zeichnen, indem sie den Prozess des Ablebens anhand der Angehörigen und ihres Empfindens ganz genau beobachtet.
Kavouras lässt Ruth und Lea in kurzen Kapiteln abwechselnd zu Wort kommen. Jedes Kapitel trägt einen Titel, viele davon sind ziemlich humorvoll. Sowieso schleichen sich immer wieder Momente der Leichtigkeit in das eigentlich so schwere Buch. Lea verbringt einen Sommer damit, ihre eigene Liebesgeschichte zu planen, eine Teenager-Romanze, die durch ihre Unbeholfenheit die düstere Stimmung auflockert und erinnert, dass der Tod in Leas Leben zwar allgegenwärtig aber nicht das einzige Thema ist.
Nefeli Kavouras «Gelb, auch ein schöner Gedanke», Kiepenheuer & Witsch, 240 Seiten, CHF ca. 33.90, ISBN 978-3-462-00870-8
Währenddessen versinkt Ruth in der Überforderung der Pflege, die sie längst alle Freundschaften und jeglichen Alltag gekostet hat. Manchmal vergesse ich, dass auch andere Menschen Themen haben, die sie beschäftigen, stellt Ruth fest. Themen, für die sie keine Kapazität hat, zu viel Platz nehmen das Sterben und die Trauer ein. Mutter und Tochter verlieren sich aus den Augen, leben aneinander vorbei, können die jeweils andere Perspektive nicht mehr nachvollziehen. Bis etwas gänzlich Unerwartetes passiert: Georg verwandelt sich in ein Pferd, ein Kunstgriff wie bei Kafka, auf dessen Werk der Text explizit verweist.
Der Moment vor der Verwandlung ist der einzige, in dem Georg selbst zu Wort kommt. Ein paar Sätze wie aus einer Traumsequenz, dann wird der Sterbende wieder von Ruth und Lea abgelöst, deren Rollen sich mit der Verwandlung Georgs ändern. Lea wird zur zuverlässigen Pflegerin, während Ruth nicht mehr weiss wohin mit sich selbst. Dort, wo ein kranker Mann gepflegt werden musste, ist jetzt plötzlich frei nutzbare Zeit und ein Leben, das gefüllt werden will.
Mit Georgs Verwandlung wirft der Roman Fragen nach unserem Umgang mit Krankheit und Tod auf. Ruth und Lea dienen dabei durch ihr gegensätzliches Verhalten exemplarisch und stellenweise ein wenig platt als Beispiel, wie eine Geschichte des Sterbens und der Trauer ablaufen kann. Lea als mürrischer Teenager, Ruth als aufopferungsvolle Ehefrau: Teils wirken sie eher wie Schablonen denn als ausgearbeitete Charaktere. Aber dann gibt es immer wieder Sätze, mit denen Kavouras direkt in die tiefe Menschlichkeit der Trauererfahrung vordringt: Drei, das Leben ist ja doch voller Leben. Zwei, es gibt Dinge, auf die ich mich freuen darf. Eins, ich werde immer einen Vater gehabt haben.
Mit Ruth und Lea zerrt Kavouras die Tabuthemen Trauer und Tod ins Scheinwerferlicht. Denn auch wenn Lea möchte, dass sie einfach mal an etwas anderes denken kann: Dem Sterben entkommen, kann sie nicht. Das Sterben wird im Roman zu einem Protagonisten, der nicht an den Rand oder das Ende eines Lebens gedrängt wird, sondern sich mittenrein setzt und bleibt. Und trotz allem einen leisen Optimismus zulässt.
Dieser Text entstand im Rahmen eines Seminars zur Literaturkritik im Frühjahr 2026 an der Universität Basel unter der Leitung von Daniel Graf (Literaturkritiker beim Republik Magazin).
Nefeli Kavouras, geboren 1996 in Bamberg, studierte Kulturwissenschaften in Lüneburg. Sie arbeitet für den mairisch Verlag, kuratiert das Literaturprogramm der »altonale«, führt mit Anselm Neft den Literaturpodcast »laxbrunch« und moderiert und organisiert regelmässig Lesungen. 2023 wurde sie für ihr Romanmanuskript mit dem Hamburger Literaturpreis ausgezeichnet. 2025 las sie auf Einladung von Laura de Weck daraus einen Auszug bei den 49. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt.
Es gibt Bücher, die mich ab der ersten bis zur letzten Seite in einem Sog mitreissen und nachhaltig berühren. «Sanditz» ist so ein Buch. Lukas Rietzschel erzählt die Geschichte einer Familie aus dem fiktiven Ort Sanditz in der sich auflösenden DDR.
Zeitlich wird aus unterschiedlichen Perspektiven und Zeiten erzählt von der Wende bis zur Coronazeit und dem Angriffskrieg auf die Ukraine. Ich erfahre viel über das ehemalige Ostdeutschland, einen Bauern und Arbeiterstaat mit Kohletagebau und Glasfabriken. In eindrücklichen Mikroszenen erfahren wir das Schicksal der Familie Wenzel. Ohne Pathos und Anklage, aber mit beeindruckender Empathie für die geschilderten Menschen entsteht ein imposantes Panorama der deutschen Gesellschaft von bildhafter Kraft.
Lukas Rietzschel «Sanditz», dtv, 2026, 480 Seiten, CHF ca. 35.90, ISBN 978-3-423-28516-2
Es geht um existentielle Auseinandersetzung von Menschen in den verschiedensten Situationen. Liebe, Homosexualität, Einsamkeit, Leben in Ungewissheit, Krankheit, freiwilliger Einsatz im Krieg in der Ukraine und Abrackern auf westdeutschen Baustellen zum Überleben sind Themen. Wie können Familie und Freundschaften in umwälzenden Zeiten bestehen. Die Sprache ist detailliert, farbig und ohne belehrenden Ton: «Mit der Rechten griff Marion nach Rolands Hand, mit der Linken nach Achims.» Ich wollte euch fragen, ob sich einer von euch beiden vorstellen kann, mich zu heiraten.» «Ich denke darüber nach, dann reden wir nochmal», sagte Roland. «Ist das dein Ernst?», fragte Achim. «Hier und jetzt werden wir das ja wohl kaum entscheiden können». «Doch», sagte er. «Indem du einfach Nein zu dieser Quatschidee sagst.»
«Die Russen sind durch das Fenster gekommen, Die Abdrücke ihrer Schuhe sind auf dem hellen Teppich noch zu sehen. Ihr Weg durch das Haus lässt sich genau nachverfolgen. Zuerst waren sie in der Küche, der Kühlschrank steht noch offen. Eine Wasserlache hat sich gebildet. ..Ruffy weist Tom auf den geplünderten Alkohol hin. Ähnlich wie die samt Halterung aus der Wand gerissenen Fernseher sei das überall so. Die Russen dächten wohl, sie seien auf Klassenfahrt.»
«Es gab auch Abende. An denen Roland bei ihm blieb. Er half ihm beim Duschen, brachte ihn ins Bett, deckte ihn mit den zahlreichen Decken zu, damit er nicht fror, räumte anschliessend die Küche auf und legte sich dann im _Wohnzimmer aufs Sofa. «Du hast dich als guter Diener erwiesen», sagte eines Tages Achim. «Was hältste du davon, wenn du einfach hierbleibst? »….Also zog Roland mit einem Koffer voll Klamotten ein. Was er sonst noch besass, liess er bei Marion im Bungalow. Sie half ihm, alles nach Sanditz zu fahren. Als er ausstieg, umarmte sie ihn so fest wie nie. «Was ist mit den Kindern?», fragte er. «Eines Tages werden sie es verstehen.»
Lukas Rietzschel, in der Nähe von Görlitz geboren und dort lebend, gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller des Ostens. Er tritt in Talk-Shows und in Zeitungen von West und Ost auf. Ihm geht es darum, die Ostdeutschen zu verstehen, zu verteidigen, aber auch ihre Problemzonen zu thematisieren. Bereits seinen ersten Roman «Mit der Faust in die Welt schlagen» habe ich mit Gewinn gelesen. Darin schildert er, wie die Perspektivlosigkeit der Zukunft einen jungen Menschen in die rechtsextreme Jugendkultur abdriften lässt. Im zweiten Roman «Raumfahrer» wird eine Familiengeschichte der DDR spannend mit der Beziehung der Brüder Baselitz verwoben. Was passiert mit Erinnerungen nach jahrelangem Schweigen? An der BuchBasel 2021 begegnete mir ein sehr sympatischer, engagierter und kluger Mensch, der sich mit Problemen der deutschen Gesellschaft fundiert und offen auseinandersetzt. «Sanditz» übertrifft die beiden ersten Romane nicht nur an der Anzahl Seiten. Ich wünsche diesem Epos eine grosse Leserschaft!
der Bär
Lukas Rietzschel, geboren 1994 in Räckelwitz in Ostsachsen. Schon sein Debütroman «Mit der Faust in die Welt schlagen» (2018) war ein Bestseller, der für das Kino verfilmt wurde. 2021 erschien der zweite Roman «Raumfahrer». Lukas Rietzschels Romane und Theaterstücke wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Gellert-Preis, dem Sächsischen Literaturpreis und dem Literaturpreis „Text & Sprache“.
Jahrzehnte nach dem Krieg kehrt Nelka an den Ort zurück, an den man sie als 16-jährige von Lemberg, dem heutigen Lwiw in der Ukraine, in den Westen verschleppt hatte. Zurück auf ein Gut in Schleswig-Holstein, auf dem sie während dem Krieg Zwangsarbeit zu leisten hatte. Dorthin, wo sich ihre Vergangenheit unauslöschlich in ihre Seele eingegraben hatte.
Svenja Leiber erzählt nicht nur die Geschichte einer Zurückgekehrten, von einer, die nach etwas Verlorenem sucht. Sie erzählt auch von Marten, jenem Gutsverwalter, der während des Krieges mit aller Selbstverständlichkeit die Dienste dutzender Zwangsarbeiter in Anspruch nahm, um dem Plansoll der nationalsozialistischen Maschinerie zu genügen – und die eigene Tasche zu füllen. Svenja Leiber erzählt von einer jungen Frau, der man die Heimat nahm, die man in ein fremdes Leben steckte, über deren Leben man verfügte. Von einer alt gewordenen Frau, die an den Ort zurückkehrt, der sie maximal von ihrer Familie, ihrem Umfeld entfernte und ebenso maximal auf ihre eigene Existenz zurückwarf. Einen Ort, der ihr die Zeit nahm, an dem man sie zu brechen versuchte, an dem aus Menschen Material wurden. Svenja Leiber hätte aus dieser Geschichte, der Dramaturgie ihrer Inszenierung einen grossen Showdown machen können, den Rachefeldzug einer alten Frau, die Gerechtigkeit will. Aber Svenja Leiber erzählt eine ganz andere Geschichte.
Nelka muss noch einmal zurück, um sich zu verabschieden, um jener Zeit nachzuspüren, in der man ihr alles genommen hatte und zugleich eine Richtung gegeben, derer sie sich niemals mehr widersetzen konnte. Noch einmal zurück, um jenen Menschen zu gedenken, die sie zurücklassen musste, die ihr damals die Kraft schenkten, ihr eigenes Schicksal zu tragen. Jener Mann, der noch immer auf diesem Hof die Fäden zieht und dem Besuch der alt gewordenen Frau mit Argwohn und Befürchtungen entgegenschaut, ist für Nelka nicht das Ziel ihrer Reise. Aber Svenja Leiber schildert den Kampf, den sein Gewissen auszustehen hat, die Angst, mit der er sich seit den Briefen, die bei ihm eingetroffen sind, auseinandersetzen musste. Nichts ist vergessen, nichts ist ausgestanden.
… welche Frau musst nie ihren Körper einsetzen, um was zu bekommen. Das lernen wir ja als Erstes in dieser verdorbenen Welt. Sechs Zigaretten gab es.
Svenja Leiber «Nelka», Suhrkamp, 2026, 200 Seiten, CHF ca. 35.90, ISBN 978-3-518-43276-1
Der Krieg tobt. Nelkas Vater ist Pomologe und führt seine Tochter schon früh in die Kunst des Obstbaus, der Veredelung ein. All die Namen der Apfelsorten werden zu einem Stück ihrer Welt, so wie Nelkas Familie all das ausmacht, was das grosse Mädchen in der Stadt zu ihrem Leben macht, in sich aufsaugt. Umso drastischer der Moment, als man sie dieser Welt entreisst, einer Familie, die ihr alles bedeutet, einer noch ganz zaghaften Liebe zu einem jungen Mann. Als man ihr von der Strasse weg ihr Leben nimmt und sie in einen Güterwagen steckt, in Durchgangslagern drangsaliert und sie die Willkür eines faschistischen Machtapparats an den Hof eines Grossbauern spült. Durch Zufall erfährt dieser vom Wissen der jungen Frau, jener Gutsverwalter, der in den Wirren des Krieges seinen Hof neu ausrichten muss, der mit der Fortdauer des Krieges genau spürt, dass das Tausendjährige Reich nicht so lange dauern wird, dass es eine Zeit nach dem Krieg geben muss.
Nelka wird von ihren Freundinnen, die sich auf dem Gut zu Tode schuften, weggeholt, in eine Kammer im Verwalterhaus. Dort ist sie nicht nur Martens Nachstellungen und Kontrolle ausgesetzt, sondern auch dem Misstrauen Martens Ehefrau. Nelka wird zur persönlichen Sklavin, jenen Herrenmenschen untertan, denen eine Ideologie der Menschenverachtung jedes Recht gibt. So wie der Obstbauer den Apfel veredelt, so edelt die Rassenlehre der Nazis den Menschen der Zukunft.
Für das Erinnern ist die Zeit gleichgültig, alles wird Bild. Aber es gibt Lücken. Und sie weiss, sie hat den Rand des Bildes noch nicht erreicht.
Nelkas Geschichte ist exemplarisch für die Millionen Menschen, die damals wie heute unter dem Zwang einer menschenverachtenden Ideologie Zwangsarbeit leisten müssen. Für die es keine Menschenrechte gibt. Svenja Leiber erfährt, dass Obstbäume in ihrer eigenen Heimat damals von „Ostarbeiterinnen“ gepflanzt wurden, von Zwangsarbeiterinnen, Verschleppten. Svenja Leiber gibt jenen Menschen und ihren Schicksalen ein Gesicht. Sie spürt nach. „Nelka“ ist mit dermassen viel Zartheit erzählt, Svenja Leibers Sprache zurückhaltend, einfühlend und glasklar, dass mich die Musik ihrer Sprache ebenso sehr berührt wie die Geschichte selbst. Keine Spur von Effekthascherei, dafür Zeugnis von Geschichte, die allzu schnell sprachlos macht. Grosse Literatur!
Interview
Wir leben überall in den Hinterlassenschaften der Geschichte. Jeder Quadratmeter, auch wenn dort „nichts“ steht, nichts direkt erinnert, ist von Geschichte durchdrungen, von Menschenschicksalen, die vergessen sind, manchmal einfach durch den Lauf der Zeit, manchmal aus purer Verdrängung. Ihnen haben die Obstbäume in ihrer Heimat eine Geschichte erzählt. Warum hören wir meistens nicht hin?
Ich kann an dieser Stelle nur mutmaßen. In meinem Fall nimmt das Hinhören zu, je umfangreicher mein historisches Wissen wird. Es muss eine Grundlage geben, die einen winzigen Hinweis, ein Detail, überhaupt als historisch relevant erkennbar macht. Gleichwohl ist die Kraft der Verdrängung in der Tätergeneration offenbar immens gewesen. In Anbetracht der Schrecklichkeit der Verbrechen im letzten Jahrhundert kann ich das sogar nachvollziehen. Immerhin, und darin liegt für mich auch ein gewisser Trost, ahnt der Mensch, welcher seine Taten verdrängt, im Grunde offenbar doch, dass es Unrecht war. Für mich ist es wichtig, auf diese tiefste Schicht in den Menschen doch weiterhin zu setzen.
Während des zweiten Weltkriegs funktionierte die deutsche Kriegsmaschinerie nur deshalb so lange reibungslos und effektiv, weil Millionen von Menschen gezwungen wurden, für ein menschenverachtendes Regime bis zur tödlichen Erschöpfung zu schuften. Etwas, was auch heute geschieht. Nelka hat überlebt und mit ihr die Kraft, an jenen Ort zurückzukehren, der ihr so viel genommen hat. Warum liegt ihr nichts an Rache?
Mein Gedanke war, dass sich Nelka mit einer wie auch immer gearteten Rache letztlich auf das Niveau ihres Unterdrückers begeben, und diesem «Drang nach Härte“*, der den Faschismus geprägt hat, Raum gegeben hätte. Sie will jedoch etwas anderes. Sie will Erinnerung, will die Hoheit über ihre eigene Geschichte zurück, und der Täter soll, indem er sich ebenfalls erinnert, diese Geschichte bezeugen. Es geht dabei um nichts weniger als um die Würde eines Lebens. In diesem Licht wäre Rache – Nelka weiß selbst in einem Moment des Romans, dass ihr Gegenüber diese Rache sogar erwartet – hinderlich.
Ist es nicht, wenn es denn überhaupt eine Aufgabe der Literatur gibt, Motivation vieler Schreibender, uns zur Erinnerung zu zwingen? Und ist es nicht fatalerweise so, dass genau jene unerreichbar bleiben, die Erinnerung dringend bräuchten? Wo bleibt das historische Bewusstsein jener, die unter wehenden Fahnen schreien?
Ich möchte niemanden zwingen. Ich wünsche mir eher, mit diesem Roman Menschen an einer Stelle zu erreichen, wo sie sich mit diesem jungen Menschen, Nelka, identifizieren oder jedenfalls gefühlsmäßig verbinden. Und im Grunde sogar auch mit dem Täter, Marten. Denn am Ende muss er einsehen, dass er sein kostbares Leben vielleicht vertan hat. Eine furchtbare Einsicht. Und das bedeutet auch, die rechten Schreienden dieser Tage schaden in erster Linie sich selbst… Ich bin aber der Ansicht, dass man ihnen, wo man aufeinandertrifft, immer weiter mit der Wahrheit über die Geschichte und die Fragen der Gegenwart entgegentreten muss. Denn ein Zug rechtsradikalen Denkens liegt im Hang zur Lüge. Die darf so nicht stehen bleiben.
Viele Szenarien in ihrem Buch erinnern mich an filmische Einstellungen. Emotionen in Cinemascope. Eine Kameraführung ganz nah an den ProtagonistInnen. Und doch in keiner Weise voyeuristisch. Vieles in ihrem Roman hat mit dem Gegensatzpaar Nähe/Distanz zu tun. Wie schafft es eine Person wie Nelka trotz allem ihre Mitte nicht zu verlieren?
Nelka ist als Figur ein Körper, der von den Strömen der kapitalistischen und libidinösen Ökonomie durchzogen ist, was beides Elemente des Faschismus waren und sind. In der Welt der damaligen Deutschen ist sie ein Objekt, ein „ Arbeitswesen“, ein Besitz. Sie wird zweifach begehrt, ökonomisch und sinnlich. Sie selbst kommt aber aus einer gänzlich anderen Welt, buchstäblich aus einem Garten, der, wenn man es genau liest, dem „Paradies» sehr nahe kommt. Ihre Mutter heißt Jeva… Was meine ich damit? Nelka bezieht ihre Resilienz aus dieser Herkunft, aus ihrer Erziehung, die von Liebe und Sanftmut geprägt war. Sie bezieht sie gleichsam aus der „Mitte“, aus dem Herzen. Nur so kann sie in extremen Momenten die Balance halten. Selbstverständlich ist mir bewusst, dass viele der damals Verschleppten und Ausgebeuteten eine solche Herkunft gar nicht hatten. Ich dichte sie dieser Figur an, denn mir schien, ich habe die Verantwortung, das Maß an Leid, das ich ihr in dieser Geschichte ja zumuten muss, irgendwo auszugleichen und auch den Lesenden einen Ausweg anzubieten.
Erinnern ist ein Akt, der in ganz verschiedenen Tonlagen und Farbspektren geschehen kann. Sie beschreiben das an vielen Stellen. Nelka erinnert sich ein ganzes Leben an Yasha, die Projektion einer ersten grossen Liebe. Nelka erinnert sich auch jahrzehntelang an Marten, den Verwalter. Und an Margaryta und Schura, zwei Gefährtinnen, die mit ihr verschleppt wurden. Wie trifft man die richtigen Farben, den richtigen Ton? Muss man sich in die Tonart langsam hineinschreiben?
Tatsächlich lerne ich im Schreiben die Figuren ja selbst erst kennen. Ich denke sie mir nicht im Vorhinein aus, sie steigen eher langsam aus dem Material herauf, das ich angesammelt habe und das sich auch schon ein wenig in mir abgelagert hat. Und dann komme ich mit ihnen ins Gespräch, tatsächlich rede ich mit ihnen, oder lasse sie in meinem Kopf reden. Und ich gehe ihre Wege. Und irgendwann fange ich an, anderen Menschen z.B. von Nelka zu erzählen, als würde ich sie eben kennen. Dann weiß ich, sie ist da, sie hat Gestalt angenommen. Und jedes Mal begeistert mich dieser Moment, denn das ist unsere Sprache, das kann sie!
(*Eva von Redecker)
Svenja Leiber, 1975 in Hamburg geboren, wuchs in Norddeutschland auf und verbrachte als Kind einige Zeit in Saudi-Arabien. Sie studierte Philosophie, Literaturwissenschaft, Geschichte und Kunstgeschichte, debütierte 2005 mit dem Erzählungsband Büchsenlicht, 2010 folgte der Roman Schipino. Im Suhrkamp Verlag erschien 2014 Das letzte Land, 2018 Staub und 2021 Kazimira. Svenja Leiber lebt und arbeitet in Berlin und Schleswig-Holstein.
1949 auf Island. Elsa ist eine von knapp 300 Frauen, die die Trümmer ihrer Heimat Deutschland verliessen und sich auf der Insel eine Zukunft erhofften. Eine Zukunft auf den kargen Höfen der windgepeitschten Insel, einem Leben in vielfacher Fremde. Katrin Zipse schrieb mit „Moosland“ einen atmosphärisch dichten Roman darüber, dass Heimat nur in sich selbst zu finden ist.
Elsas Zukunftslosigkeit in den Jahren nach dem Krieg muss derart gross gewesen sein, dass sie einem Aufruf der isländischen Bauernpartei folgte. Sie liess sich verschiffen, um auf der Insel, auf der viele junge Frauen den amerikanischen Truppen mit dem Abzug in die Staaten gefolgt waren, einen Platz zurück im Leben zu finden. Auf dem Land herrschte akuter Mangel an heiratswilligen Frauen und das harte Leben auf den abgelegenen Höfen funktionierte in ihrer Tradition nicht ohne viele helfende Hände. In den Kriegsjahren waren auf der Insel 30000 GIs stationiert. Die Insel erfuhr mit der von den Amerikanern aufgebauten Infrastruktur in wenigen Jahren den Übergang von einer ganz rudimentären landwirtschaftlich orientierter Kultur in die Anfänge grosser Investitionen, gedeihender Fischindustrie und soldatischer «Dienstleistungen».
Was Elsa in ihrer Heimat zurückliess, waren Trümmer und Hoffnungslosigkeit. Was sie auf die Insel mitnahm, trug sie am Leib und einem Beutel mit sich und tief in ihrem Herzen das Trauma eines Krieges, das mit der Kapitulation Nazideutschlands im Mai 1945 noch lange nicht sein Ende gefunden hatte. Zusammen mit vielen anderen Frauen verteilte man sie bis in die entlegensten Winkel der rauen Insel. Auf den Höfen, zu denen nicht einmal Strassen führten, liessen sich die Frauen ohne Sprachkenntnisse und meist auch oft ohne Erfahrungen in der Landwirtschaft auf ein «Experiment» ein, bei dem es letztlich um alles oder nichts ging; Wer die Kraft hatte, sich auf Umstände einzulassen, die unverrückbar einen Neubeginn zum alles abgewinnenden Kraftakt machte, hatte die Chance auf einen Neubeginn, einen Restart. Auch wenn die Bauernfamilie dort die Anwesenheit der deutschen Arbeitskraft, die in den ersten Monaten kein Wort spricht, zur Geduldsprobe wird.
Katrin Zispe «Moosland», Dumont, 2026, 224 Seiten, CHF ca. 35.90, ISBN 978-3-7558-1183-1
Elsa wächst nur langsam in die Familie hinein. In die Arbeiten, die man ihr gibt, schickt sie sich, auch wenn Bauer und Bäuerin nur schwer nachvollziehen können, warum das Leben bei ihnen so schwer sein sollte. Auch die beiden Brüder und der Knecht bleiben auf Distanz. Trotzdem spürt Elsa, dass auch diese Familie an ihrem Schicksal, ihrer Geschichte zu beissen hat. Elsa findet zufällig das Foto einer jungen Frau. Es muss eine Tochter gegeben haben, deren Name in der Familie niemals fällt. Gerda, ihre Freundin, die mit ihr auf dem Schiff nach Island war, lebt zwar auf der gleichen Insel, aber unerreichbar weit weg. Mit der Zeit treffen Briefe von Gerda ein, Lebenszeichen einer Nähe, die Elsa verloren glaubt.
Die Stille ist so gross, dass sie sie hören kann. Ein Rauschen, das nicht vom Meer kommt und nicht vom Wind. Das immer stärker anschwillt, bis es sie ganz umschliesst.
Zwei Welten treffen aufeinander, jede mit Hoffnungen. Dazwischen ein Raum ohne Sprache, ohne Gemeinsamkeiten, einer Stille, die oft nur Wind und Regen brechen, eine Landschaft fast ohne Kontur, ein nicht enden wollenden Winter. Und einer Welt, die in der Weite zu einer Winzigkeit zu schrumpfen droht. Da ist die Geschichte einer Verlorenen, die Geschichte von Traumata, über denen das Schweigen steht, Existenzen, die ums Überleben kämpfen, denen dieser Kampf zur Selbstverständlichkeit werden muss. Erzählt in einer Sprache, die zur Landschaft wird, die genau dem entspricht, was Imagination zum sinnlichen Erleben werden lässt. Es ist erstaunlich, wie sehr Katrin Zipse in ihr Personal, diesen Kampf, die Innenwelten, die Landschaft und die Traditionen der isländischen Bauern eintauchen kann. Es ist, als ob sich während des Lesens Kälte und Wind über meine Haut legen würden. Ein beeindruckendes Leseerlebnis!
Interview
Was interessiert eine deutsche Autorin an der Geschichte einer solchen Frau, dem Schicksal einer Vertriebenen, dem Leben in krasser Einfachheit gemessen am Leben in Island heute? Die Intensität ihres Romans lässt vermuten, dass sich dieser Stoff förmlich aufgedrängt haben musste? Wo lag die Initialzündung?
Die Initialzündung geht bis 2015 zurück, als in Deutschland sehr viele Geflüchtete aus Syrien ankamen. Ich habe damals ehrenamtlich in verschiedenen Aufnahmeeinrichtungen Sprachkurse gegeben bzw. bei den Hausaufgaben geholfen. Wir hatten die Empfehlung, die Geflüchteten nicht auf ihre Erfahrungen zuhause und während der Flucht anzusprechen, um sie nicht zu retraumatisieren. Ich war unsicher, wie ich Kapitel im Lehrbuch, die sich mit Familie befassten, durchnehmen sollte, ohne womöglich an akute Verluste zu rühren. Ich wusste ja nicht, was sie durchgemacht hatten, ob sie zum Beispiel Familienmitglieder betrauerten. Und ich fand es schwierig, einzuschätzen, was ich beim Lernen erwarten konnte. Wie kann jemand mit freiem Kopf lernen, Neues in sich aufnehmen, wenn er damit beschäftigt ist, Vergangenes zu bearbeiten oder auch zu verdrängen? Es kam mir manchmal so herzlos vor, diese Erwartung an geflüchtete Menschen, sich zu integrieren, aktiv an einem Ankommen hier zu arbeiten, wenn sie so schwere Erfahrungen hinter sich hatten, für deren Bewältigung sie Zeit und ein gutes Umfeld gebraucht hätten.
Zeitgleich habe ich damals über Themen recherchiert, mit denen ich mich zusammen mit einer befreundeten Kollegin für ein Island-Stipendium bewerben konnte. Eher zufällig bin ich auf die deutschen Landarbeiterinnen gestoßen und dadurch entstand die Idee, zu versuchen, die Schwierigkeiten, die sich durch Migration und Integration, Aufbruch und Ankunft in der Fremde ergeben, aus umgekehrter Perspektive zu erzählen: von Deutschen, die sich in einem fremden Land zurechtfinden müssen.
Wir wollten ein Hörspielprojekt zu diesem Thema realisieren, weil es eine starke akustische Ebene hat. Wir haben ein Exposé geschrieben und tatsächlich ein Stipendium des Künstlerhauses Lukas in Ahrenshoop für Island bekommen. Doch als wir es antreten sollten, war meine Freundin zu krank geworden, um zu reisen und das Projekt weiterzuverfolgen. Ich bin dann allein nach Skagaströnd gefahren, aber unser gemeinsames Projekt wollte ich nicht ohne sie umsetzen, das wäre mir falsch vorgekommen. Deshalb habe ich mich entschieden, das Thema in einem Roman zu verarbeiten.
Sie haben sich dermassen nah an das Leben der isländischen Bauern nach dem 2. Weltkrieg geschrieben, dass man kaum glauben kann, dass es reine Imagination sein kann, blosses Hineinfühlen. Da ist so viel Bildhaftes, es riecht und duftet, so viel herausmodelliertes Detail. War das bloss Recherche oder noch viel mehr?
Es war sehr viel Recherche. Durch mein Stipendium war ich am Anfang meines Schreibprozesses einen ganzen Monat in Island, danach war ich noch mehrere Male dort, immer zu unterschiedlichen Jahreszeiten und immer in derselben Region. Die wichtigsten Eindrücke habe ich auf meinen langen Wanderungen gewonnen, und ich habe sehr viel von einer deutschen Schafbäuerin gelernt, die vor Jahrzehnten nach Island ausgewandert ist und sich ein enormes Wissen über das bäuerliche isländische Leben im letzten und vorletzten Jahrhundert angeeignet hat. Sie gibt dazu Bücher in ihrem eigenen Verlag, Alpha Umi, heraus. Darüber habe ich sie kennengelernt. Und ich hatte das große Glück, dass ich ihr während der Lammzeit helfen durfte. Das war eine unvergessliche Erfahrung, als ich zehn Tage mit ihr auf ihrem abgelegenen kleinen Hof in den Bergen gelebt habe und so eng mit den Schafen zu tun hatte. Sie fehlen mir seitdem richtig.
Außerdem gibt es tolle Freilichtmuseen in Island, die das Landleben optisch und zum Teil auch olfaktorisch nachvollziehbar machen. Die Torfhäuser haben immer noch einen ganz eigenen Geruch, genauso wie der Stockfisch, der dort ausgestellt ist. Und Island ist in Sachen Digitalisierung sehr weit. Ich konnte die Zeitschriften von 1949 online aufrufen und lesen, hatte Zugriff auf ein enormes Fotoarchiv und konnte sogar die Wetterbedingungen von jedem Tag des Jahres 1949 recherchieren.
Schon im Weggehen, auch wenn der Einsatz scheinbar befristet war, gab es kein Zurück. Wohin hätten sie gehen sollen? Zurück in ein zerbombtes Deutschland? Ein Leben ohne Zukunft mit der Last einer nicht zu tilgenden Vergangenheit? Heute gibt es diese Unausweichlichkeit fast nicht mehr. Aber sehr wohl die Faszination für einen radikalen Entschluss, das volle Risiko, den freien Fall. Sie beschreiben ein radikales Leben. Sowohl jenes der isländischen Bauern wie jenes der Frauen, die hofften, dort eine Chance auf Zukunft zu bekommen. Lieben sie das Unausweichliche? Ist das Schreiben das auch?
Als Autorin interessiere ich mich auf jeden Fall für radikale Lebensentwürfe, weil in ihnen so viel Dynamik steckt. Aber meine Protagonistin Elsa fasst keinen Plan für eine radikale Lebensveränderung. Sie wird da einfach hineingezogen. Mit Sola wäre sie in die USA ausgewandert, weil Sola das wollte. Mit Gerda geht sie nach Island, weil Gerda sie dafür anmeldet. Was an Elsa radikal ist, ist ihre Verlorenheit. Sie flieht vor den Verlusten, die sie erlitten hat. Sie kommt nicht damit zurecht, aber das Leben geht ja trotzdem weiter und muss irgendwie gelebt werden. Das ist ihre Ausgangssituation im Roman. Island als Fluchtpunkt fand ich für Elsa auch deshalb interessant, weil es von da aus erstmal nicht weitergehen kann. Ohne Schiff oder Flugzeug sitzt man auf der Insel fest. Und das ist für Elsa, die immer in Bewegung sein muss, um nicht von ihren Erinnerungen eingeholt zu werden, fast nicht auszuhalten.
Ich habe vor langer Zeit die Bücher von Halldor Laxness gelesen. Nach „Moosland“ werde ich wieder darin lesen. Liegt in der Faszination dieser Bilder nicht auch die Faszination der Einfachheit in einer immer komplexeren, komplizierteren Welt? Dass man sich jenes Leben mit all den Entbehrungen gar nicht mehr vorstellen kann?
Die Bücher von Halldor Laxness haben mir für meinen Roman sehr geholfen, auch die Romane von Jón Kalman Stefánsson – und die „Nonni“-Bücher von Jón Svensson, die ich schon als Kind verschlungen habe. Sie beschreiben ja alle auf sehr bildliche Art dieses aufs Wesentliche konzentrierte Leben.
Und ja, die Einfachheit in dieser ganz auf die Rhythmen der Natur und der Tiere ausgerichteten Welt hat auf jeden Fall etwas Faszinierendes in ihrer existenziellen Eindeutigkeit und Klarheit. Die Landschaft spiegelt das für mich auch, die baumlose Weite, die kahlen Bergketten, die leeren Strände. Das Detail fällt plötzlich ins Auge.
Ich würde aber sagen, in meinem Roman gibt es genau hier einen Bruch zwischen den Generationen. Die Elterngeneration lebt konsequent und klaglos mit dieser Einfachheit. Aber die Jüngeren sehen eine andere Perspektive für sich. Das verunsichert sie.
Wie irrig zu glauben, der letzte Weltkrieg sei im Mai 1945 zu Ende gewesen. Es gab Millionen, für die der Krieg nie vorbei war, die ein Leben lang leiden mussten, die das Leiden an ihre Kinder weitergaben. So wie der Krieg in Syrien noch lange nicht ausgestanden ist und es Generationen dauern wird, bis der russische Vernichtungskrieg gegen die Ukraine beendet sein wird, wenn in nicht allzu ferner Zukunft ein Waffenstillstand beschlossen wird. Was Elsa alles aus dem Krieg mitschleppt, kristallisiert sich nur wage aus dem Beschriebenen. Wie weit mussten sie als Schöpferin dieser Geschichte Einzelheiten wissen, die mir verborgen bleiben?
Als Schöpferin der Geschichte weiß ich so gut wie alles über Elsa. Ich habe ein genaues Bild von ihrem Leben vor dem Krieg, während des Kriegs, in den ersten Nachkriegsjahren und vor allem auch von ihrer Zeit mit Sola, als sie zusammen durch Deutschland gewandert sind. Das brauche ich, um sie als komplexen Charakter zu spüren und zu wissen, wie sie in welcher Situation reagiert.
Aber wichtig für diesen Roman ist nur, was Elsa bereit ist zu offenbaren, bzw. was sie immer wieder als Bild oder Erinnerung überfällt. Die Geschichte dahinter kann der Leser oder die Leserin nur vermuten, so wie wir bei Menschen, die geflüchtet sind, oft auch nur vermuten können, was sie erlebt haben. Und jeder und jede ersetzt die Leerstellen durch eigene Bilder.
Das korrespondiert auch mit der Erfahrung meiner Generation: Wir sind mit Eltern aufgewachsen, die einen Großteil ihrer Kindheitserfahrungen im Krieg für sich behalten haben, und wenn sie erzählt haben, dann oft nur in stereotypen Narrativen. Weil es eben nur so schwer möglich ist, über schreckliche Erlebnisse zu berichten, die man tief in sich vergraben hat. Und dieses Verdrängte belastet natürlich auch die folgenden Generationen, die versuchen, die Lücken zu füllen.
Elsa wird in eine Familie hineingeworfen. Um zu verstehen, was dort wirklich geschieht, fehlt ihr die Sprache, zumindest am Anfang. Eine Art Aphasie. Leben wir nicht in einer Zeit gesellschaftlicher Aphasie?
Ich glaube, unser Problem ist weniger, dass wir nicht mehr reden, sondern dass wir verletzend und polemisch mit Sprache umgehen. Und dass in unserer Gesellschaft, die Bereitschaft und das Vermögen einander zuzuhören, immer weiter zurückgehen.
Katrin Zipse wurde in Stuttgart geboren und lebt als Autorin und Hörfunkredakteurin in Baden-Baden. Sie studierte Theaterwissenschaft und Deutsche Philologie an der FU Berlin und arbeitete mehrere Jahre am Theater. Im April 2019 war sie Stipendiatin des Künstlerhaus Ahrenshoop in der NES Artist Residency in Skagaströnd. Im Herbst 2019 hat ihr der Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg ein Stipendium für «Moosland» zuerkannt.
Bușteni liegt etwas mehr als 130 Kilometer weg von der rumänischen Hauptstadt Bukarest, ein Urlaubsort in den Karpaten. Roxana und Camil treffen sich dort jedes Jahr, vor allem in den Sommermonaten, schliessen Freundschaft, erfahren Liebe, finden sich jedes Jahr, um sich jedes Jahr wieder zu verlieren.
Dana Grigorceas Roman ist eine zarte Liebesgeschichte. Ganz bestimmt jene zwischen Roxana, die mit ihrer grossen Familie jedes Jahr in der Sommerresidenz in Bușteni Ferien macht, und Camil, der in einem kleinen Ferienhaus auf der anderen Seite der Bahnlinie jeden Sommer seine Freundschaft zu ihr erneuert. Aber dieser Roman ist vor allem die Liebesgeschichte an einen Ort, einen Sehnsuchtsort, einen Sommerort, einen Ort der Freundschaft und an jene Zeit nach dem Zusammenbruch der rumänischen Diktatur. Bușteni ist nicht gross. Die Menschen, die sich dort in den Sommerwochen treffen, sind immer die gleichen. Man kennt sich. Und die Bahnhofstrasse, in der sich die Kinder der Familien treffen, auch jener, die das ganz Jahr über dort wohnen, zum El Dorado klassenfreier Freundschaften.
Nicolae Ceaușescu gibt es nicht mehr. Im Vakuum einer neuen Zeit scheint alles abgelegt, was die rumänische Gesellschaft während Jahrzehnten im Würgegriff hielt. Und weil sich Kinder in ihrer Verspieltheit nicht um die Wirren der Politik kümmern, höchstens um das grimmige Gesicht eines Nachbarn, einen bösen Hund und die Frau in der Nachbarschaft, die etwas von einer Hexe hat, spielt man Fussball oder das Erwachsensein, trifft man sich an der Bahnschranke oder streunt in den Wäldern herum. So auch Roxana und Camil, die sich schon früh geschwisterlich verbunden fühlen, die sich das ganze Jahr über auf die Wochen in Bușteni freuen, um dann, wenn es soweit ist und die Familie von Roxana einmal mehr von Bukarest nach Bușteni gefahren ist, mit Erleichterung feststellen, dass fast alles beim Alten geblieben ist, auch wenn sich der Wandel der Zeit bis in die Bahnhofstrasse einschleicht.
Dana Grigorcea «Tanzende Frau, blauer Hahn», Penguin, 2026, 160 Seiten, CHF ca. 30.90, ISBN 978-3-328-60440-2
„Tanzende Frau, blauer Hahn“ ist auch eine Liebesgeschichte an eine Zeit, die Neunziger, in denen sich plötzlich alles zu öffnen schien. Eine Zeit, in der sich nicht nur Kinder auf der Strasse trafen, auch die Erwachsenen. Wo am Gartenzaun Gespräche geführt wurden, wo man in den langen Sommerferien ein Stück Freiheit geniessen konnte, Feste im Garten feierte und Gelegenheit genug hatte, sich die wildesten Geschichten hinter den Mensch auszudenken.
Dana Grigorcea erzählt von diesen Menschen an dieser Strasse, von den einen, von denen kaum etwas verborgen blieb und von jenen, die sich hinter Zäunen und Mauern versteckten. Sie erzählt die Geschichten, die zusammengehalten werden von Roxana und Camil. Einer Freundschaft, aus der eine zaghafte Liebe wird, die es aber trotz allem immer wieder wegzuwischen droht in der Unvermeidbarkeit von Distanzen und Missverständnissen. Die Liebesgeschichte an einer Zeit, die noch viel mehr der Zugewandtheit verschrieben war, als unsere Gegenwart, die von Technik immer mehr beherrscht wird. Einer Zeit der Unmittelbarkeit, der Leidenschaft, die sich Menschen gegenüber zeigt.
Dana Grigorceas Erzählton schwankt zwischen Melancholie und Sehnsucht. Mag sein, dass da auch etwas Verklärtheit mitschwingt. Aber Erinnerung verklärt immer, taucht Erlebtes in ein Licht, das sich ganz eigenartig an den Tatsachen bricht. Man wird seltsam erfasst von dieser Melancholie. Ein zartes, melodiöses Buch, das von genau diesen Strassen, den Wegen zwischen den Menschen erzählt. „Tanzende Frau, blauer Hahn“ ist ein Fächer in dunklen Farben, ein Fächer der Liebe.
Dana Grigorcea wurde 1979 in Bukarest geboren, sie ist Germanistin und Nederlandistin und lebt seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Zürich. Die Werke der rumänisch-schweizerischen Schriftstellerin wurden in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem 3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Ihr Roman «Die nicht sterben» wurde 2021 für den Deutschen Buchpreis nominiert und 2022 mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. Dana Grigorcea ist Trägerin des rumänischen Kulturverdienstordens im Rang einer Ritterin, 2026 ist sie Kuratorin des Münchner Literaturfests, das unter dem Motto «Freiheit» steht.
Wissen wir, woher wir kommen? Was bleibt von den Leben unserer Ahnen? Was wäre, wenn uns Dinge, die geblieben sind, ihre Geschichte erzählen könnten? Ruth Bollinger hat den Dingen gelauscht und eine Lebensgeschichte nacherzählt, die wie die meisten anderen sonst im Vergessen entschwunden wäre.
Woraus ist der Stoff, der uns erzählen lässt? Was Ruth Bollinger aus dem Leben ihrer Grossmutter Elsa geblieben ist, ist nicht viel; akurat eingeklebte Fotos in eine Handvoll Alben, ein paar Urkunden und Zettel in einer muffigen Schachtel, eine der Puppen, die ihre Grossmutter genäht hatte, als sie alt war und zum ersten Mal in ihrem langen Leben Zeit für „Unnötiges“ hatte. Aber was ihr ganz offensichtlich geblieben ist, ist die Kraft, die jene Frau ausstrahlte, der Respekt, den man der Frau entgegenbrachte, die Eigenständigkeit einer Frau, deren Leben so anders verlief als jene ihrer meisten Zeitgenossinnen; ein Leben an der Seite ihrer Männer, ein Leben der Angepassten, ein Leben der Hingabe an Pflichten und Traditionen.
Umso wichtiger, dass solche Leben erzählt werden. Noch viel besser, wenn sich mit Ruth Bollinger eine Erzählerin ans Schreiben macht, der es nicht darum geht, ein Leben mit ihrer eigenen Fantasie, mit Fiktion aufzupumpen. Sie zeigt am Leben ihrer Grossmutter, wie das 20. Jahrhundert mit all seinen Wirren, politischen Strömungen, Umwälzungen und Hoffnungen wirkte. Wie schwierig es war, für Frauen erst recht, einen Platz zu finden, all jene Hoffnungen Wirklichkeit werden zu lassen, die man jung wachsen liess und mit zunehmendem Alter vergessen musste. Ruth Bollinger erzählt mit viel Esprit, viel Einfühlungsvermögen und Bildern, die deutlich machen, wie sehr sich die Autorin in ihren Recherchen, ihrem Blick in die Zeit vertiefte.
Ruth Bollinger «Elsas Alben», Verlag am Platz, 2025, 285 Seiten, CHF ca. 32.70, ISBN 978-3-908609-20-9
Elsa Hoffmann liess als ganz junge Frau ihre tschechische Heimat hinter sich, um in Schaffhausen ihr Glück zu finden. Sie blieb in der kleinen Stadt am Rhein hängen, weil sich eine Zukunft in der Heimat unter der habsburgischen Krone und sozialistischer Gesinnung nicht abzeichnete. Sie lernt Karel kennen, einen Landsmann, der ihr den Hof macht, ein Leben in Sicherheit verspricht. Elsa lässt sich einwickeln, obwohl sie nicht die Liebe spürt, die es hätte sein sollen. Sie heiraten in der Fremde, beziehen eine einfache Wohnung, Karel wird in der Krise kurz vor Ausbruch des ersten Weltkriegs arbeitslos und entpuppt sich im gemeinsamen Haushalt als cholerisches Ekel, das nicht akzeptieren kann, dass Elsa ihre Erfüllung nicht hinter dem Herd mit Schürze findet, sondern im Kampf für bessere Arbeitsbedingungen, um die Rechte der Frauen, den Stellenwert von Familienarbeit, die Versorgung mit dem Allnotwendigsten. Ein Kampf, der auch heute noch immer nicht ausgestanden ist. Ein exemplarisches Leben einer Frau, die viel in Kauf nimmt in ihrem Willen, nicht einfach klein beizugeben.
Elsa erlebt den Krieg aus der Ferne, umso mehr die Angst um ihre Familie, den Tod ihres Bruders. Sie nimmt sich deren Kindern an, lässt sich von Karel scheiden, findet Anschluss in sozialistischen Zirkeln, engagiert sich tatkräftig, beteiligt sich an all den heftigen Diskussionen, die die Entwicklungen in der Sowjetunion auslösen. Sie lernt erneut einen Mann kennen, an dessen Seite es ihr nicht viel besser ergeht als an jener ihres ersten. Sie wird Mutter, dauernd in Sorge um ihre Existenz, nie die Überzeugung verlierend, dass es Gerechtigkeit geben muss, stets in Sorge um jenen Teil der Familie, der in der Heimat geblieben ist oder gar voller Enthusiasmus in die Sowjetunion gezogen war, um dort in einer neuen Ordnung eine Existenz aufzubauen.
Was Weltkriege und Wirtschaftskrisen nie sterben liessen, war Elsas Lebensmut. Als sie 1965 mit 72 Jahren all ihren Mut zusammennimmt, um ein letztes Mal in ihre Heimat zu reisen, ein einziges Mal mit dem Flugzeug, war es wieder ein Schritt gegen die Konvention. Aber die letzte Gelegenheit, um sich von ihrem permanenten Schmerz zu befreien.
Ein solide erzähltes Buch, fesselnd für all jene, die an Geschichte interessiert sind, die ein gewisses historisches Verständnis mitbringen. Ich hätte mir gewünscht, dass jene Passagen, die Stimmungen erzeugen sollen, dezenter eingesetzt worden wären. Vielleicht zu Gunsten einer stärkeren Einbettung in die Geschichte des Jahrhunderts. Ist es doch genau das, was immer mehr Menschen in der Gegenwart fehlt, die sich nur noch in den Sozialen Medien für den Blick in die Vergangenheit interessieren. Ein Blick, der immer mehr Wahrhafigkeit vermissen lässt.
Die Bilder in Elsas Alben werden mir bleiben!
Ruth Bollinger (1951) wuchs in Beringen SH auf und lebt heute in Luzern. Sie studierte Geschichte, Europäische Volksliteratur, Pädagogik und Allgemeines Staatsrecht an den Universitäten Zürich und Marburg (D). Bevor sie sich dem Schreiben widmete, war sie lange Zeit als Dekanatssekretärin an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich tätig.
István ist 15, als ihn eine Nachbarin, der er bei den Einkäufen helfen soll, verführt. Eine Plattenbausiedlung am Rande einer ungarischen Stadt. Was ihn überrumpelt und in eine Welt reisst, die er nicht einzuordnen weiss, ist der Beginn eines Lebens, das von Katastrophe zu Katastrophe taumelt. „Was nicht gesagt werden kann“, mit dem David Szalay den Brooker Price 2025 gewann, ist die Geschichte eines Mannes, mit dem bloss geschieht.
Ich war hin- und hergerissen zwischen Abscheu und Faszination. Warum kann dieser Mann sein Leben nicht wirklich in seine Hände nehmen? Warum lässt er alles nur geschehen? Warum nimmt er jene wenigen Geschenke, die ihm das Leben gibt, nicht wirklich entgegen? Warum bleibt er Zuschauer? Erdulder? Warum lässt er sich so sehr instrumentalisieren? Ich lese den Roman von David Szalay eigenartig fasziniert, weil die fast 400 Seiten etwas Unausweichliches haben, das in der Strenge und Konsequenz in einem Roman nur ganz selten ist.
Als Istváns Odysse beginnt, ist er noch ein Junge, seltsam allein und eingeschlossen in sich selbst. Als die Geschichte zu Ende geht, tut sie es lakonisch, so sehr, dass es weh tut. Istváns Geschichte beginnt mit seiner Mutter, die ihn hinausschickt und damit verliert. Und sie endet mit dem Tod seiner Mutter. István ist allein.
David Szalay «Was nicht gesagt werden kann», Claassen, 2025, «Flesh» aus dem Englischen von Henning Ahrens, 384 Seiten, CHF ca. 36.90, ISBN 978-3-546-10150-9
Durch ein tragisches Missgeschick kommt István, noch nicht einmal volljährig, was letztlich auch sein Glück ist, in die Mühlen der Justiz, von dort als ungarischer Soldat in den Irak, wo sein einziger Freund von einer Mine getötet wird und István nach Hause zu seiner Mutter kommt. Was im Krieg geschah, nimmt István mit, akzeptiert, dass man seine Verwundung posttraumatisch nennt, wird dank seiner militärischen Ausbildung zum Bodygard eines reichen Paars in England. Seine Hauptaufgabe; er chauffiert sie und ihn im Bentley wohin man ihn heisst, zwei Reiche, beide in ihrer Welt. Helen, die Frau seines Auftraggebers, macht ihn zu ihrem Liebhaber. Eine Beziehung, die Helens Sohn Thomas nicht verborgen bleibt.
Was für István zu Beginn auch in Sachen Sex Dienstleistung ist, wird über die Jahre eine Beziehung. Eine Beziehung, von der István genau weiss, dass sie nicht zu seinem Leben werden darf. Nicht nur weil Helen verheiratet ist. Nicht nur weil sein Chef, Helens Mann, an Krebs erkrankt. Und auch nicht weil er ahnt, dass ihm der Sohn der beiden immer mehr eine Rolle zuweist, die er nicht einnehmen will. Die Situation spitzt sich zu. Noch eine Katastrophe. Was sich als Zusammenfassung trivial liest, ist das Drehbuch eines Lebens, das wie ein Golfball von Loch zu Loch gestossen und geschlagen wird. Ein Leben, das nie zur Ruhe kommt.
István stellt sich selbst und dem Leben, seinem Leben, keine Fragen. Er erduldet. Und die flüchtige Seligkeit, die ihm das bisschen Glück in die Hände gibt, zerrinnt. Selbst als István Vater wird. Im Original heisst der Roman „Flesh“. Vielleicht hätte eine wörtliche Übersetzung dem Roman auch im Deutsch jene Note gegeben, die einem bei der Lektüre ein Frösteln über den Rücken zieht. David Szalay erzählt in genau dieser frostigen Distanz. Ein Roman wie ein kalter, dunkler Stein. Ein literarischer Monolith!
Aus der Begründung der Jury zur Nominierung für den Booker Prize 2025: István steht in vielerlei Hinsicht für das Stereotyp des Maskulinen – körperbetont, impulsiv, von den eigenen Gefühlen entfremdet (und in grossen Teilen des Romans sprachlos: Er zählt wohl zu den wortkargsten Figuren der Literatur). Dennoch zeichnet dieses hypnotisierende, fesselnde Buch mit seiner bewusst reduzierten Prosa das überaus bewegende Lebensporträt eines Menschen.
David Szalay, 1974 in Montreal, Kanada, geboren, wuchs in London auf und lebt in Wien. Mit «Was ein Mann ist», seinem vierten Roman, kam er 2016 auf die Shortlist des Man-Booker-Preises. Sein Werk wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Ebenfalls auf Deutsch erschienen ist sein Roman «Turbulenzen».
Henning Ahrens, geb. 1964, lebt in Frankfurt a. M. Veröffentlicht als Autor Lyrik und Prosa; zuletzt erschien sein Roman «Mitgift» (S. Fischer Verlag). Er übersetzte Lyrik, Kinder- und Jugendbücher sowie zahlreiche Romane aus dem Englischen, darunter solche von Saul Bellow, Jonathan Safran Foer, Richard Powers und Hanif Kureishi.
Ein Erstlingswerk, das querschlägt. Maja Iskras Roman «Uppercut» ist 2023 unter dem gleichnamigen Titel beziehungsweise dem serbischen Äquivalent „Aperkat“ erschienen. Jetzt wurde er von Mascha Dabić gemeinsam mit der Autorin übersetzt und macht der Leser:innenschaft eine von der deutschsprachigen Literatur kaum berührte Welt zugänglich, in der das Aufwachsen in den 90er Jahren in Belgrad während des Jugoslawienkrieges aus Perspektive einer jungen Frau beleuchtet wird.
Gastrezension von Sarah-Sophie Engel. Sie studiert Literatur- und Kulturtheorie an der Universität Tübingen, lebt in Basel und arbeitet als Mitarbeiterin in der Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel.
Dass der Uppercut, ein Faustschlag, der von unten auf das Kinn des Gegenübers zielt, nicht mittelalten, jähzornigen Schlägern vorbehalten ist, merken die Lesenden dieses Romans gleich zu Beginn. Denn die Gewalt umgibt in Belgrad der 90er Jahre jede und jeden. Wer nicht an der vergifteten Atmosphäre ersticken will, muss sich eben auf eigene Faust durchschlagen. So erinnert sich die Erzählerin an ihre Schulzeit, in der sie nachts der Gedanke an ihren spirituellen Schlag beruhigte und die Gewissheit ihr Halt gab, dass sie jeden Mitschüler ihrer Klasse verprügeln konnte, wenn sie nur wollte, auch wenn sie versuchte, dies nicht zu tun.
Die namenlose Ich-Erzählerin streift mit ihrer neuen Bekanntschaft Faris durch das Wiener Nachtleben. In leeren Clubs und lauten Bars unterhalten sie sich über Musik, kippen ein Glas Vodka nach dem anderen und teilen Erinnerungen aus ihrer Jugend in der gemeinsamen Heimat – die vielleicht auch gar keine mehr ist. Für Faris jedenfalls ist Jugoslawien ein schmerzendes schwarzes Loch und damit meint er eine Sehnsucht ohne Nostalgie. Die Erzählerin dagegen fühlt sich mit ihrer Herkunft verbunden: Dort sind meine Wurzeln. Jugoslawien ist mein Zuhause. So haben alle ihre eigene Sehnsucht, mit der sie in die Ferne starren und die sich immer wieder aufdrängt, ausgelöst durch einen Song, einen Zeitungsausschnitt oder den Tod eines Lieblingskünstlers.
Auch wenn sie nicht genau den gleichen Schmerz teilen, sind sich Faris und die Erzählerin einig über die Tragik des Todes von Lou Reed oder die Schwere des Verlusts von David Bowie, die sie beide tief erschüttern, während ihr Umfeld bloss mit den Schultern zuckt. Der Song Heroes ist nur einer dieser mystischen Hyperlinks, der die Hauptfigur zurückkatapultiert an den Ort ihrer Jugend: I can remember / Standing by the wall / And the guns shot above our heads / And we kissed, as though nothing could fall / And the shame was on the other side.
Maja Iskra «Uppercut», Zsolnay, 2026, aus dem Serbischen von Mascha Dabić und Maja Iskra, 160 Seiten, CHF ca. 33.90, ISBN 978-3-552-07573-3
So wie die Musik gehen die geschilderten Episoden aus der Kindheit und Jugend der Erzählerin unter die Haut: die Angst vor der Dunkelheit, das erste Mal nicht zurückschlagen, der erste Kuss ohne Liebe und die erste Liebe ohne Kuss, Wettrennen auf der Todesstrecke am Donaukai und die stillgelegte Betonfabrik als Geheimversteck, als safe place. Die Erfahrungen der Kindheit brennen sich ein, sind Prototypen der Wahrnehmung und prägen den eigenen Zugang zur Welt – das macht sie so spannend, für einen selbst, aber auch für Lesende, die andere Perspektiven aufs Leben verstehen wollen.
Die Flashbacks der 90er Jahre verfolgen die Erzählerin auf Schritt und Tritt durch Wien. Manchmal gibt sie nach und setzt sich in den nächsten Flieger nach Belgrad, um mit Freunden, mit denen sie ein Herz teilt, am Donauufer zu sitzen, sich erneut ein Wettrennen zu liefern hinauf zum Kalemegdan und sich zu vergewissern, dass manche Dinge bleiben trotz den Jahren der Zerstörung. Noch immer ist Zoja schneller als sie und noch immer schafft die Erzählerin mehr Liegestützen. Mit Zoja verbrachte sie 1999 die Nächte im Luftschutzkeller, nach dem sie ihr Zuhause für immer verlassen hatte. Nach Ende der Schulzeit zog Zoja in die USA, studierte an einer Elite-Uni, war erfolgreich, aber unglücklich und kehrte mit Anfang Dreissig nach Belgrad zurück, bekam dort eine Stelle an der Uni. Sie schreiben sich Briefe, in denen Zoja ihren anhaltenden Frust teilt, unbeschönigt und mit gnadenloser Ehrlichkeit. Seit der Kindheit verbindet die beiden ein seltsames Band aus unausgesprochener, fast hündischer Loyalität. Als Freundschaftsbeweis verewigt Zoja die Erzählerin auf ihrer Haut mit dem Vers: Nicht flussaufwärts, / nicht flussabwärts, / ich will quer über den Fluss – Dieser Vers … Das warst immer du., sagt Zoja, und, ich wollte dich auf mir haben.
Ein anderes Mal sitzt die Erzählerin mit Balša an der Donau, mit Blick auf die Kriegsinsel. Sie teilen Erinnerungen aus der Kindheit, in der sie beide unter der Tyrannei ihrer Väter litten. Das patriarchale Bootcamp, das nach Vinjak-Schnaps und Drina ohne Filter roch, schikanierte sie täglich, man durfte nie Schwäche zeigen und auf ein seltenes, unverhofftes Lob folgte im nächsten Rausch ein Donnerwetter, das nichts übrig liess ausser einem tiefen schwarzen Loch, aus dem Selbstzweifel und Wut wuchsen. Die Erzählerin beschreibt ihre Jugend zwischen zwei Feuern – auf der einen Seite Vaters ständige, unerklärliche Wut, und andererseits das tägliche Grauen auf der Strasse und in der Schule. Sie ist umzingelt von diesen beiden Brennherden, die schliesslich zusammenschmelzen und den Krieg im Außen ins Innere kehren – so stellt sie rückblickend fest: Der Krieg in mir ist noch nicht vorbei.
In diesem Roman ist alles ultimativ. Die Sprache geht immer aufs Ganze und trifft die Dinge mit voller Wucht. Es regnet, als gäbe es nichts außer diesen Regen, mit solchen Sätzen baut Iskra ihren Roman, als gäbe es für sie nichts, ausser genau das alles zu sagen. Und trotz des teils schwerverdaulichen Inhalts bleibt es leicht. Nichts wird in die Länge gezogen oder unnötig dramatisiert. Was nach den 156 Seiten zurückbleibt, ist der Eindruck einer unerschrockenen Widerständigkeit, die sich gegen alles richtet, was sich der Hauptfigur aufdrängt: Unfreiheit, Konventionen, Autorität, Schläge. Und doch ist eine gewisse Durchlässigkeit unvermeidbar und nötig, um Verbündete zu finden und Freundschaften wachsen zu lassen. Wann sich den Fluten entgegenstellen und wann sich treiben lassen, ist eine wichtige Frage, noch wichtiger ist aber, selbst nicht unterzugehen.
Maja Iskra wuchs in Belgrad auf, studierte in Wien und Valencia und lebt seit über zwanzig Jahren in Wien. Sie ist Landschaftsarchitektin und Medienkünstlerin und arbeitet an der Schnittstelle von Stadtentwicklung und visueller Kommunikation. Ihr Debütroman «Uppercut«» war Finalist für den serbischen Beogradski Pobednik Preis und den Zlatni Suncokret Preis 2023 und stand auf der Longlist des NIN Preises, des Laza Kostić Preises sowie des regionalen Meša Selimović Preises. Ihre Erzählung «Hiraeth» gewann 2018 den zweiten Platz beim European Short Story Festival.
Mascha Dabić, geboren 1981 in Sarajevo, übersetzt Literatur aus dem Balkanraum, u.a. von Barbi Marković, Svetislav Basara, Dragan Velikić, Damir Ovčina und Goran Ferčec. Sie lebt in Wien, arbeitet als Dolmetscherin und lehrt an den Universitäten Innsbruck, Graz und Wien.