Liebe Manu, lieber Gallus #SchweizerBuchpreis 21/2

Manuela Hofstätter (lesefieber.ch) und Gallus Frei (literaturblatt.ch) sind mit ihren Webseiten die offiziellen Buchpreisbegleiter des Schweizer Buchpreises 2021.

Ein Mailwechsel zum Thema:

Liebe Manu,
dass die Zeiten hart und wirr sind, brauche ich nicht zu erläutern. Auch dass es für Kulturschaffende und all jene, die an diesem Geschehen mitgestalten schwierig ist, muss nicht nacherzählen werden. Die Medien sind voll davon. Wir beide als Literaturvermittler (ich verzichte für einmal auf ein Genderzeichen, weil es in diesem Fall einfach doof ist) hatten auch Abstriche zu machen. Auch solche, die weh taten. Aber eines blieb: Das Buch und das Lesen. Was gab und gibt dir das Lesen in diesen Zeiten? Hat sich der Akt des Lesens verändert?
Gallus

Lieber Gallus,
du hast ja so recht und es ist in aller Munde, die Welt steht kopf zurzeit. Ich versuche mich richtig zu verhalten und leide aber unter der Unmenschlichkeit, die zunehmend überhandnimmt. Ja, was bleibt, ist das Buch und das Lesen, ich bin sicher, die Menschen lesen mehr denn je zuvor und ich meine dabei nicht die Berichterstattung der Medien, ich merke tatsächlich, es wird zum Buch gegriffen. Mein Leseverhalten hat sich tatsächlich verändert, ich habe einen neuen Lesesessel, der ist so bequem, ist das Buch nicht gut, schlafe ich ein. Mein Sessel unterstützt mich also bei meiner Wahl, was es zu lesen gilt. Auch was die Genres betrifft, bemerke ich eine Veränderung, ich habe mich nach erheiternder Literatur umgesehen und merke, Humor ist sehr kostbar und wichtig für mich, aber auch dem Krimi habe ich mehr Raum gegeben, der lenkt mich von allem ab und ich hänge plötzlich an dicken Büchern, gerne historischen Romanen, in eine vergangene Zeit einzutauchen, das finde ich momentan das Herrlichste. Die Belle époque etwa hat mich überaus gefesselt. Was meinst du, lese ich mich aus unserer problematischen Zeit hinaus? Ich werde mich nun mit den nominierten Büchern befassen, ich bin gespannt, wie du diese lesen wirst. Warst du auch überrascht von dieser Auswahl? Welches Werk wirst du nun zuerst lesen? Fragen über Fragen, ich bin eine neugierige Kollegin und ich freue mich auf diesen Austausch mit dir. Sei herzlich gegrüsst
Manu

Liebe Manu,
ich glaube, dass das Aus-der-Zeit-lesen zu jeder Zeit legitim ist, selbst dann, wenn es eine Flucht vor den aktuellen Problemen der Zeit ist. Lesen ist doch immer zu einem gewissen Teil Unterhaltung. Man will weggetragen werden, versinken, sich von Sprache verzaubern lassen. Schön, wenn sich beides verbinden lässt; das Hineintauchen in eine neue Welt und die Selbstreflexion während der Lektüre. Ich liebe Bücher, die das alles verbinden. Bücher, die Räume gegen innen und gegen aussen öffnen. Bücher, die mich nicht nur mit einer Geschichte locken, sondern die Sprache zu einem Instrument werden lassen, das zuweilen virtuos gespielt wird.
Klar überrascht mich die Liste der Nominierten des Schweizer Buchpreises jedes Jahr, aus ganz verschiedenen Gründen. In jedem Fall reibe ich mir die Augen. Da sind die einen Bücher, die ohne die Nomination völlig an meinem Blick vorbeigegangen wären, bei denen ich froh bin, dass mich die Liste laut auffordert. Zum andern sind es jedes Jahr Namen, die ich vermisse. Wie sollte es auch anders sein, bei 5 Nominierten. Wäre ich in der Jury des Schweizer Buchpreises, dann … es lebe der Konjunktiv. 
Fazit meiner ersten Gedanken zu den 5 Namen: Wie immer versucht sich die Jury in Ausgewogenheit, was eigentlich unmöglich ist. Nach der letztjährigen Buchpreisträgerin Anna Stern sind es drei Männer und zwei Frauen. Nett, dass man auch zwei Debüts mit ins Rennen schickt, auch wenn es noch nie ein Erstling aufs Podest schaffte. Aber schlussendlich schafft die Jury die Überraschung ja dann doch. Warum kein Debüt, wird doch das eine Buch hervorgehoben und nicht das Werk. Warum nicht, der eine, der den Preis schon einmal entgegennehmen durfte, auch wenn es das meines Wissens auch in unserer Nachbarschaft ich nie gab. Warum nach zwei Preisträgerinnen nicht noch einmal ein Frau, ist das Buch doch sächlich.
Ich lese gerade eben „Eurotrash“ von Christian Kracht. Sprachlich ganz eigen und bestechend.
Liebe Manu, wenn man dich in die Jury setzen würde, welche Linsen würdest du bei der Auswahl deiner Favoriten aufsetzen? Was wäre dir wichtig?
„Lesen hilft immer.“
Gallus

Lieber Gallus, 
verzeih, es sind ein paar Tage verstrichen, es hat «gekracht», ich bin mir sicher, die Lektüre von «Eurotrash» wird Dich dennoch beschäftigen. Gewinnt Kracht gar den Deutschen Buchpreis? Zu deiner Frage, ich habe tatsächlich Erfahrungen sammeln dürfen, was Juryarbeit betrifft, ich kann daraus nur eine Erfahrung ziehen, die Entscheide sind immer Wundertüten, hinter denen dennoch intensive Arbeit steckt. Ich gestehe, ich sässe gerne einmal in der Jury beim Schweizer Buchpreis, ich bin ja Buchhändlerin und somit beantworte ich deine Frage recht lapidar, ich würde mein Augenmerk beim Wählen der Favoriten ganz und gar auf meine Intuition setzen. Dies heisst: Welches Werk berührt mich, aus welchen Gründen auch immer, welches Werk vermag viele Lesende zu bewegen? Schliesslich geht es immer um eine Beziehung, die da eingegangen wird zwischen einem Werk und seiner Leserschaft. Mich würde es auch erfreuen, wenn die Jury nicht alleiniges Entscheidungsorgan sein würde, ich weiss aber, wie heikel das ist, ein Publikumsvoting dazuzunehmen. Wir sind ja schliesslich nicht bei irgendeinem kuriosen Wettbewerb, nicht wahr, wir sind hier beim Schweizer Buchpreis. Wobei, lieber Gallus, so ein «fresh up» würde dem Schweizer Buchpreis doch ganz guttun, oder nicht? Bin ich da zu forsch, was meinst Du, kannst Du Dir vorstellen, diesen Preis ganz anders auszurichten? Auf zu neuen Ufern, das gefällt mir immer, doch oft befinde ich dennoch, Schuster bleib bei deinen Leisten …
Ganz anregende und herzliche Grüsse an Dich 
Manu
 

1000mal Literatur – 1000mal literaturblatt.ch

1000 Artikel auf der Literaturplattform «literaturblatt.ch». 1000mal war das Buch im Zentrum. 1000 Aufrufe, Bücher zu lesen – und zwar die richtigen. Rezensionen, Interviews, Berichte, Veranstaltungshinweise und viele Gastbeiträge von Schriftstellerinnen und Schriftstellern. 1000mal Danke!

«Ich bin gerade im Urlaub und geniesse es, den Literaturbetrieb ganz weit wegzuschieben, aber Ihre Literaturseite hat mit all dem, was mich daran nervt und herausfordert, so gar nichts zu tun. Wunderbar», schrieb Mareike Krügel, nachdem ich ihr meine Rezension zugesandt hatte. Auch für mich wunderbar, denn durch Begegnungen bei Lesungen und Interviews wird aus der Lektüre eines oder mehrerer Bücher ein kostbares Stück Vertrautheit, manchmal gar eine Freundschaft. Mein grösster Lohn für das Schreiben!

Danke Ruth Loosli

Vor etwas mehr als fünf Jahren ging mein erster Bericht online. Niemand las ihn, als er erschien, denn niemand kannte das, was damals ganz zaghaft seinen Anfang nahm. Damals, es war eine schwere Zeit für mich, eine eigentliche Lebenskrise, schrieb und zeichnete ich schon meine «analogen» Literaturblätter, organisierte Lesungen, darunter Hauslesungen bei uns zuhause im Wohnzimmer und verschiedene Lesekreise. Die Webseite sollte eine Werbeplattform sein, ein kleines Nebengeleise. Aber es kam ganz anders. Heute investiere ich den grössten Teil meiner Literaturvermittlung in literaturblatt.ch. Nicht nur weil hier mein Publikum am grössten ist, sondern weil die Plattform längst zur Grundlage meines Engagements geworden ist.

Ich verneige mich vor der Literatur, der Kunst, die so oft ganz uneigennützig, nur seiner selbst Willen geschieht. Vor all jenen, die sich mit ganzer Kraft und unsäglicher Leidenschaft und Disziplin an die Erschaffung der Welt machen, denn in der Kunst spiegelt sich die Wirklichkeit.

Ich würde mich freuen, wenn es zum 1000sten Bericht auf literaturblatt.ch einige Reaktionen gäbe, die ich dann wiederum veröffentlichen darf. -> info@literaturblatt.ch!

«Tausend! Potztausend. Der Tausendfüssler hat weniger Beine als gemeinhin angenommen. Tausend Beiträge auf Literaturblatt.ch sind viel mehr Arbeit, als man denken sollte. Ja, Arbeit. Wer wüsste das besser als wir, die schreiben? Erst kommt die Denkarbeit. Lesen und denken, das ginge ja noch. Wenn man nur nicht die Gedanken in Worte fassen müsste. Und dann auch noch Worte finden über die Worte und Sätze der anderen. Das ist eine ganz eigene Disziplin. Über Literatur schreiben. Oscar Wilde war der Ansicht, dass sei sogar eine grössere Kunst als das literarische Schreiben selbst. In jedem Fall erfordert es Kenntnis und Verständnis, den Kopf und das Herz. Und ein bisschen verrückt muss man sein. Ein Tausendsassa. Herzlichen Glückwunsch Gallus Frei-Tomic. Schön, dass Sie auf wunderbare Art vom Hundertsten ins Tausendste gekommen sind. Auf tausend mehr! Ihre Daniela Engist.»

Am 4. Januar 2016 ging literaturblatt.ch aufs Netz!

Seit 5 Jahren existiert literaturblatt.ch.

5 Jahre intensive schriftliche Auseinandersetzunge mit Literatur. 5 Jahre, in denen literaturblatt.ch zu viel mehr wurde, als ich mir zu Beginn erträumte. 5 Jahre, die mir zu einem grossen Geschenk wurden.

Was vor ein bisschen mehr als 5 Jahren begann, ist zu einem stolzen Bäumchen geworden. Damals schenkte mit mein Schwiegersohn die Domain literaturblatt.ch, weil er meinte, mit meinen gezeichneten und von Hand geschriebenen Literaturblättern bloss auf die analoge Schiene zu setzen, wäre zu wenig. Aber was dann einfach ein digitales Pendant werden sollte, machte sich selbstständig, überflügelte das analoge Literaturblatt und mauserte sich zu einer Stimme, die ganz offensichtlich gerne und oft gelesen wird.

Ich bedanke mich bei allen Schriftstellerinnen und Schriftstellern, Dichterinnen und Dichtern, die mir in unzähligen Mailinterviews ihre Zeit schenkten. Ich danke ihnen auch für den Zuspruch und all die freundschaftlichen Begegnungen bei Lesungen und Festivals. Ich danke ihnen auch, weil Literatur und Lesen dadurch noch viel tiefer wurde, zu einem Teil meines Lebens, auf den ich nicht mehr verzichten möchte.

Ich bedanke mich bei den Verlagen, bei den grossen und bei den kleinen, die mir grosszügig Rezensionsexemplare zusenden und mich zu einem Teil ihres Unternehmens machen, die mich mitnehmen, die mich immer wieder überraschen und verzücken, die mir zeigen, wieviel Herzblut und Leidenschaft es in dieser Branche gibt, weit übers blosse Geldverdienen hinaus.

Ich bedanke mich bei den Organisatorinnen und Organisatoren verschiedenster Literaturfestivals, allen voran dem Literaturfestival Leukerbad, das mich zu einer Zeit unterstützte, als literaturblatt.ch noch kaum wahrgenommen wurde. Oder das Literaturfestival Wortlaut in St. Gallen, das mich mit ins Boot holte. Oder das Literaturfestival Literaare in Thun, das ich begleiten darf. Die BuchBasel, der Schweizer Buchpreis, die Solothurn Literaturtage, die Lyrikfestivals in Lenzburg und Basel …

Ich bedanke mich bei all den Menschen, die literaturblatt ganz direkt unterstützen, sei es mit Gastbeiträgen oder einem finanziellen Zustupf als Abonnentinnen und Abonnenten der analogen Literaturblätter.

Ich bedanke mich bei den Leserinnen und Lesern von literaturblatt.ch. Gäbe es sie nicht, wäre all das nicht entstanden, was weit über diese Literaturwebseite hinausgeht; all die Lesungen, die ich moderieren darf, die Einladungen an Festivals, die Spaziergänge und Gespräche eingetaucht in Literatur, die Freundschaften, die dadurch entstanden sind.

Wenn Sie mir ein verbales Geschenk machen wollen, dann schreiben Sie doch bitte ins Gästebuch oder direkt an info@literaturblatt.ch. Wie sehr mich das freuen würde!

Wenn ich einen Wunsch hätte: Seit fast 5 Jahren veröffentlichen immer wieder Schriftstellerinnen und Schriftsteller Gastbeiträge, für die ich dankbar bin, für die ich aber (leider) nie ein Honorar bezahlen kann. Ich wünsche mir GönnerInnen oder SponsorInnen, die es mir erlauben, qualitativ hochstehende Gastbeiträge wenigstens «freundlich» bezahlen, honorieren zu können!

Risse in der Idylle; Krimilesung von Sandra Hughes an der Kulturnacht Amriswil

«Spätestens wenn man sie nicht mehr hat, merkt man, wie wichtig sie ist.» Das gilt auch für Kultur – oder erst recht. Und es braucht schon eine ordentliche Portion Mut und Aufwand, in diesen Zeiten eine Kulturveranstaltung zu organisieren, die einen ganzen Ort mitnehmen soll. Die kleine Stadt Amriswil im Herzen des Thurgaus trotzte allen Ängsten und lud ein zur 2. Amriwiler Kulturnacht.

«Es war eine Meister- und Monsterleistung wie die verschiedenen Plattformen sich engagiert und organisiert haben. Es war eine Stimmung der Superlativen, alle haben sich gegenseitig geholfen, waren dankbar für die Durchführung, bereicherten sich an der kulturellen Vielfalt, waren berührt und begeistert von Begegnungen. Und auch das wunderbare Herbstwetter hat zum Geniessen eingeladen. Endlich wieder Leben mit Kultur!», schrieb die OK-Präsidentin und Stadträtin Madeleine Rickenbach in einer Mail an all jene, die sich in die Liste der VeranstalterInnen eingeschrieben haben.

Als ich zusammen mit der Schriftstellerin Sandra Hughes über den Marktplatz auf das Pentorama zuging, musste die Schriftstellerin erst einmal stehen bleiben und ihr Handy zücken, um ein Foto von dem Veranstaltungsort zu schiessen. «Das glaubt mir kein Mensch!» Wenige Wochen vor der Durchführung der Kulturnacht hatte man uns am ursprünglichen Ort «ausgeladen», weil eine coronakonforme Durchführung einer Lesung nicht gewährleistet werden konnte. So verschob man kurzerhand ins Pentorama, in eine Halle, die voll mehrere tausend BesucherInnen fassen kann. Eine Krimilesung in einer Halle? Würde das gut gehen?

Es ging gut. Auch wenn sich der Ansturm auf die Lesung in Grenzen hielt, war doch die Konkurrenz von Dutzenden anderer Veranstaltungen im Ort gross, vielfältig und potent. Sandra Hughes nahm die Lauschenden mit nach Meride in die Pastamanufktur der Familie Savelli ,einer alteingesessenen Pastadynastie im Ort. Eine kleine Fabrik mit langer Tradition, eine Perle im Ort am Fusse des Monte San Giorgio, Weltkulturerbe und weit herum bekannt für seine prähistorischen Fossilienfunde. Die junge Kindergärtnerin Stefanie Schwendener wird eines Morgens vom alten Patron der Pastamanufaktur tot im Kühlraum der kleinen Fabrik gefunden. Eine Katastrophe für die Familien, jene des Opfers, die der Manufaktur und fürs Dorf, das sich in Schockstarre befindet.

Sandra Hughes neues Ermittlerduo, die eigenwillige Emma Tschopp aus der Region Basel und der Tessiner Commissario Bianchi, wird auch in weiteren Krimis gemeinsam ermitteln. Die Fährte ist gelegt!
Eine gelungene Lesung vor aufmerksamem Publikum. Ein angeregtes Gespräch über menschliche Abgründe und das Glück des Schreibens. Vielen Dank an Sandra Hughes und die Gäste im Pentorama!

Rezension von «Tessiner Verwicklungen» auf literaturblatt.ch

alle Fotos © Bettina Schnerr

literaturblatt.ch Begleiter des Schweizer Buchpreises

«Ich zeichne und schreibe und bin ganz mein Tun.» Gallus Frei-Tomic ist Literaturvermittler, Programmleiter am Literaturhaus Thurgau und «Erschaffer von Literaturblättern». Die Kurzrezensionen in Form von handgefertigter Zeichnung und Schrift heben das Buch in seiner Besonderheit hervor und verleiten zum Innehalten. Bereits 2019 hat Gallus Frei-Tomic für den Schweizer Buchpreis auf literaturblatt.ch gebloggt und dabei etwa gefragt: «Vergiften Wettbewerbe die Literatur? Oder den Literaturbetrieb?» Nun sind wir gespannt auf seine Beobachtungen rund um den diesjährigen Schweizer Buchpreis und fragen ihn: Was wünscht er sich für den Schweizer Buchpreis 2020?

Gallus Frei-Tomic: «Mut! Der Schweizer Buchpreis ist bloss der Schweizer Buchpreis! Mut in der Auswahl zur Shortlist! Mut bei der Preisverleihung. Das beste Buch? Die aktuelle Literatur ist keine steinerne Pyramide mit einer einzigen Spitze, sondern ein bunter, praller Haufen!»

Aus der Reihe «Literaturzeitschriften stellen sich vor»: literaturblatt.ch – SEIEN SIE DA!

Nach den Literaturzeitschriften orte und und Mütze stellt der Schriftsteller Peter K. Wehrli in der Röslischür des Vereins Quartierkultur Kreis 6 die Literatur»zeitschrift» literaturblatt.ch vor. Zusammen mit der Schriftstellerin Bettina Spoerri und dem Schriftsteller Andreas Neeser und unterstützt vom Jazzduo Stories zeigt sich, was Literatur alles zu bewegen vermag:

AM 19. SEPTEMBER SIND SIE HERZLICH EINGELADEN!
Webseite des Veranstalters

© Ayşe Yavaş

Bettina Spoerri ist in Basel aufgewachsen, studierte in Zürich, Berlin und Paris Literaturwissenschaft, Philosophie und Musikwissenschaft, arbeitete nach einem längeren Aufenthalt in Israel als wissenschaftliche Assistentin am Deutschen Seminar der Universität Zürich und promovierte zum Thema literarische Todesdarstellungen. In u.a. einer Post-Doc-Arbeit beschäftigte sie sich mit transnationaler und kosmopolitischer Literatur. Sie ist Mitherausgeberin des Buches «Diskurse in die Weite». Bettina Spoerri arbeitet heute als freie Autorin, Filmkritikerin, Kulturvermittlerin und leitet das Aargauer Literaturhaus. Ihr letzter Roman «Herzvirus» erschien bei Braumüller.

© Ayşe Yavaş

Andreas Neeser, geboren 1964, studierte Germanistik, Anglistik und Literaturkritik an der Universität Zürich. Von 2003 bis 2011 Aufbau und Leitung des Aargauer Literaturhauses Lenzburg. Seit 2012 lebt er als Schriftsteller in Suhr. Für sein formal und inhaltlich vielfältiges Werk wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen und Preisen bedacht.
Mitglied von Autor/innen der Schweiz (AdS), Deutschschweizerisches PEN-Zentrum und VAA. Mitglied der Jury für den Franz-Tumler-Preis. Letzte Veröffentlichungen sind im Haymon Verlag der Roman «Zwischen den Wassern» und im Zytologge Verlag «Nüüt und anders Züüg». 2020 wird sowohl ein neuer Roman wie auch neue Mundartprosa erscheinen.

Jazzduo STORIES sind Christian Berger (Saiteninstrumente) & Dominic Doppler (Drums). Christian Berger und Dominic Doppler erzählen musikalische Geschichten in vielfarbigen Klangräumen. Eine Musik, die verführt und die Seele in verborgene Klangwelten entführt. So entstehen Stücke die sich im Spannungsfeld von Komposition und Improvisation entwickeln.

Kommen Sie in die Röslischür an der Röslistrasse 9, Zürich.
Im Anschluss sind alle bei Musik zu einem Apéro eingeladen.

Quartierkultur Kreis 6
Stories
Webseite Bettina Spoerri
Webseite Andreas Neeser
Webseite Peter K. Wehrli

literaturblatt.ch Partnerblog #SchweizerBuchpreis19/1

Obwohl ich mich mit der Partnerschaft mit Schweizer Buchpreis, Buchhändler- und Verlegerverein nicht ewig binde, las ich vor meiner Zusage, als Stimme aus dem Off die Wahl zur Preisträgerin oder Preisträger 2019 zu begleiten, noch einmal das Reglement des Schweizer Buchpreises.
Als Einleitung steht dort: „Mit dem Schweizer Buchpreis SBP zeichnen der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband SBVV und der Verein LiteraturBasel jährlich das beste erzählerische oder essayistische deutschsprachige Werk von Schweizer oder seit mindestens zwei Jahren in der Schweiz lebenden Autorinnen und Autoren aus.
Ziel des SBPs ist es, jährlich fünf herausragenden Büchern grösstmögliche Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu verschaffen und sie in der Schweiz und über die Landesgrenzen hinaus einem breiten Lesepublikum wie auch der internationalen Buchbranche bekannt zu machen.“

© Lea Frei

Zum einen wird in den jetzigen Debatten um „Me Too“, Genderfragen und noch immer grassierender Ungleichberechtigung schwierig sein, nach acht Männern und drei Frauen und drei männlichen Preisträgern in Folge einen weiteren Mann aufs ominöse Podesten zu hieven, und nicht all jenen Stimmen recht zu geben, die mit Vehemenz erklären, wie verkrustet Machtstrukturen im Literaturbetrieb seien. Und zum andern ist es der Preis selbst, der mit seiner Geschichte und seinem Gewicht polarisiert, die einen selig macht und die andern nur ein weiteres Mal bis aufs Mark ärgert.

Der Deutsche Buchpreis hat es vielleicht schon zahlenmässig leichter. In einem Land, das zehnmal mehr EinwohnerInnen zählt, werden knapp doppelt so viele erzählende Werke ins Rennen geschickt. Er kann es sich zudem leisten, neben einer Shortlist auch eine 20plätzige Longlist zu präsentieren. Somit verteilt sich die Aufmerksamkeit auf ein viel grösseres und breiteres Feld. Die Landschaft der Schweizer Literatur ist klein, viel kleiner als die unseres grossen Nachbarn. Undenkbar auch, dass es in Deutschland ein jährlich stattfindendes Literaturfest wie die Solothurner Literaturtage geben könnte, die sich als Werkschau des aktuellen Literaturschaffens bezeichnen könnte. Was aber in der fast überschaubaren CH-Literatur auch nicht wirklich funktioniert, denn die Diskussionen darüber, wer zu einer solchen Nabelschau eingeladen werden soll, wird nicht weniger emotional.

Die ernstzunehmenden Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die sich mit Recht Chancen auf den Schweizer Buchpreis ausrechnen könnten, sind nicht viele. Umso mehr wächst die Versuchung, sich bei der Vergabe durchaus grosse Chancen auszurechnen, erst recht, wenn man mit einem erfolgreichen Titel die Schaufenster zieren könnte und einem die Presse hofiert. Die Jury kann es nur falsch machen, die Vergangenheit beweist es. Erstaunlich genug, dass es Frauen und Männer gibt, die sich dem aussetzen und einen alten Hasen in diesem Gremium, der ein weiteres Mal dort amtet und als langgedienter NZZ-Kulturredaktor zum Urgestein des Schweizer Literaturbetriebs gehört.

Unter fünf herausragenden Büchern soll eines den Preis erhalten. Ohne das Prozedere eines solchen Preises zu kritisieren; Sollte man vielleicht gänzlich auf einen einzelnen Titel verzichten und die 42000 Fr. gleichmässig unter den Nominierten verteilen? Nicht zuletzt wären die 8400 Fr. eine Summe, mit der eine Schriftstellerin oder ein Schriftsteller etwas anfangen könnte, zwei bis drei Monate sorglos schreiben. Aber alle Welt giert nach einem Gewinner oder einer Gewinnerin. Genauso wie nach dem Skandal oder Eklat. Dem Buch tut es gut. Ob es der Szene gut tut, die in den Augen vieler auf ein kleines Spielfeld reduziert wird, bezweifle ich, ohne für die Abschaffung eines solchen Preises plädieren zu wollen. Solange die meisten Autorinnen und Autoren ein Leben lang um ihre Existenz kämpfen müssen, solange man Kunst noch immer allzu oft bloss als Sahnehäubchen respektiert, das geschriebene Wort nicht nur in der Literatur an Wert verliert und alt bewährte Strukturen wie das traditionelle Verlagswesen immer aufopfernder um ihr Überleben kämpfen müssen, braucht es Preise, auch einen solchen wie den Schweizer Buchpreis!

Nur ein Wort zu meiner ganz nebensächlichen Rolle: Ich bin weder Literaturkritiker noch Träger eines Amtes, das mich irgendwie in die Nähe des Literaturbetriebs bringen würde. Ich bin weder grosser Player noch Lobbyist. Ich bin nur eines; ein Leser, der schreibend seine Leseeindrücke präsentiert, ein Leser, der seiner Leidenschaft eine Spur gibt, ein Leser, der nicht wie andere auf der Suche nach dem heiligen Literaturgral nur jenen Büchern eine Daseinsberechtigung einräumt, die den elitären Ansprüchen einer verkopften Kulturoberschicht genügen. Ich bin ein Leser, ganz einfach.

und kein Ende.

Das 43. Literaturblatt ist verschickt. Mein «analoges» Literaturblatt, von Hand geschrieben, gezeichnet und per Post mit Briefmarke verschickt. Meine «digitales» Literaturblatt, die Literaturseite literaturblatt.ch steuert mit seinen 500 Beiträgen seinem dritten Geburtstag entgegen. 

„Ich habe Ihre Rezension im Literaturblatt gelesen und bin tief berührt über Ihre Worte, die mir nahe gehen. Haben Sie dank für dieses genaue Lesen und kluge Formulieren.“ Urs Faes

„Ach, wenn nur alle Kritiker und Rezensentinnen so gründlich, klug und aufs Wesentliche fixiert wären wie du.“ Wolfgang Bortlik

„Mein Kompliment zu literaturblatt.ch: lesenswerte Auswahl durch lesenswerte Besprechungen des Lesens für wert befunden. Klasse!“ Thomas Gierl, Verleger

„Literarische Blogger und -innen gibt es zuhauf, auch wenn kaum mal einer oder eine ein Buch aus dem Verlag hier hinten am Horizont in die Hände bekommt. Macht nix, Hauptsache Long John Silver liest unsere Preziosen. Nun ist es so, dass auch die Welt der Blogs eine der Superlative ist und wen wundert es, dass die Suche nach dem Besten, Schönsten und Weitvernetztesten im Gange ist. Mir persönlich ist nur einer bekannt; ein wenig verrückt ist er, – wie könnte ich ihn sonst kennen –, publiziert er doch seine immer eigenwillig geschriebenen Buchrezensionen – davon kann man sich jederzeit selbst überzeugen – nicht nur auf seinem Blog, sondern schreibt diese zusätzlich und von Hand mit Kugelschreiber wie in ein (B)Logbuch, druckt das Ganze auch noch auf Papier und verschickt diese Flaschenpost, die LITERATURBLATT heisst, per Post, mit Briefmarke und allem, was dazu gehört.“ Ricco Bilger, Verleger

„Ihre Literaturseite gefällt mir sehr gut, auch die Texte auf der Plattform, wo ich manche KollegInnen entdeckt bzw. wiedergefunden habe.“ Simone Regina Adams

„Auf der Fahrt nach Zürich las ich auf dem Handy deine Rezension und war ganz geplättet. Es ist so selten geworden, dass sich jemand mit dem Stoff und der Art, wie er umgesetzt wurde, auseinandersetzt. Sich Gedanken dazu macht, diese weiterspinnt zu einer Meinung. Ich habe deine Rezension auch deswegen aufgeschlürft. An dir und deiner Art, dich für Rezensionen wirklich hinzugeben (Hingabe), könnten viele andere lernen.“ Michèle Minelli

Dana Grigorcea las in St. Gallen, mit Musik!

Im Rahmen der Reihe «Wortklang – Klangwort» las Dana Grigorcea Zusammen mit dem Musikduo «Stories» (Christian Berger und Dominic Doppler) aus ihrer Novelle «Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen». Die Performance im Theater 111 in St. Gallen wurde zu einem beinahe übersinnlichen Erlebnis!

«Was für ein wunderbarer Abend im Theater 111 in St. Gallen! Mit Musik zu lesen, war für mich eine neue Erfahrung, ich bedanke mich ganz herzlich bei Gallus Frei Tomic für die schöne Idee und die überaus gekonnte Hartnäckigkeit bei der Ausführung …! Es hat einfach alles gestimmt: die Einführung, die Musik des Duos „Stories“, die Art und Weise mit der die Musik auf meinen Text abgestimmt war, die Technik, die Beleuchtung im schönen Theater, das Publikum (!!) und die guten Gespräche danach. Vielen lieben Dank!»

Fotos © Philipp Frei

Arja Lobsiger mit STORIES im Theater 111

Die junge CH-Autorin Arja Lobsiger las zusammen mit dem Musikerduo STORIES, mit Christin Berger und Dominic Doppler aus ihrem im Orte-Verlag erschienen Roman «Jonas bleibt». Auch wenn die Konkurrenz in St. Gallen mit einer Lesung von Franz Hohler hart war, fand sich ein feines Publikum für einen bezaubernden Abend im kleinen Theater 111. Ein Abend, der Grenzen sprengte!

Arja Lobsiger, geboren 1985, Schriftstellerin und Lehrerin, veröffentlichte Essays, Gedichte und Kurzgeschichten. Ihr Debüt-Roman „Jonas bleibt“ erhielt viel Beachtung in der Presse. «Ein berührender Roman über drei Menschen auf der Suche nach ihrem Weg aus der vermeintlichen Ausweglosigkeit. Der tragische Unfall eines Jungen verändert die Familie, und das Gefüge droht auseinanderzubrechen. Die Schwester fühlt sich am Tod des Bruders mitschuldig, die Mutter fällt in eine Depression, und der Vater verfängt sich in Wünschen und Vorwürfen. Eines Tages bricht die Mutter auf und sucht ihr Glück auf einer Insel im Mittelmeer. Taugt dieser Ort als Paradies ohne Erinnerungen?»

„Wortklang“, das Zusammenwirken von Literatur (Programm: Gallus Frei, literaturblatt.ch) und Musik (Christian Berger: Saiteninstrumente und Dominic Doppler: Percussion) definiert an sechs Abenden die Begegnung zwischen Wort und Klang, zwischen Literatur und Musik neu. Das Gegensätzliche verschmilzt und lässt Harmonisches in Spannungen um Aussagen ringen. Jeder Abend ein Unikat und einmaliges Erlebnis, das Hörerinnen und Hörer begeistern soll!

«Vielen Dank Gallus für die Einladung zu diesem wunderbaren Wort-Klang-Abend im gemütlichen Theater 111 in St. Gallen! Es war ein einzigartiges, unvergessliches Erlebnis, mit Dominic Doppler und Christian Berger auf der Bühne zu stehen und meine Worte in ihren Klangteppich zu weben. Dieser Teppich gab meinem Text einen neuen Rhythmus, andere Pausen, betonte Passagen und schuf eine Atmosphäre, in welcher die Worte zum Klingen gebracht wurden. Ganz gemäss dem Motto: Wort-Klang Klang-Wort.» Arja Lobsiger

Fotos © Philipp Neff, schliff.ch

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Nächste Veranstaltung:

Freitag, 26. Oktober, 2018, 19.30 Uhr, außer Programm in der Galerie Bleisch, Arbon:
Michelle Steinbeck („Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch“) liest aus Prosa und Poesie.
Michelle Steinbeck, 1990 geboren, ist Redaktorin der Fabrikzeitung (Rote Fabrik, Zürich), Veranstalterin und Mitglied von „Babelsprech, junge deutschsprachige Lyrik“. Sie veröffentlichte Prosa, Lyrik und Szenen in Sammelbänden, Heften, im Rundfunk und auf Theaterbühnen. «Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch» war ihr erster Roman, mit dem sie 2016 sowohl für den Schweizer wie für den Deutschen Buchpreis nominiert war. Michelle Steinbeck stellt zusammen mit dem Musikerduo Christian Berger und Dominic Doppler Gedichte und Kurzprosa aus ihrem frisch erschienen Gedichtband «Eingesperrte Vögel singen mehr» (Voland & Quist) vor.

«Ihre Gedichte und Geschichten sind ungezähmt, störrisch und kunstvoll arrangiert. Sie drücken und jucken, schreien mal schrill und flüstern mal leise, sie erzählen Märchen, schöne wie schauderhafte, und sie führen ein stets aufmerksam blickendes Ich sowie jede Menge groteskes Personal auf die Bühne der Literatur.