Rund zwei Dutzend Literaturbegeisterte lauschten in einem ganz dem Buch ausgerichteten Wohnzimmer hoch über dem Vierwaldstättersee. Rudolf Bussmann las und diskutierte zu «Der Flötenspieler», einem Roman, der seit seiner Veröffentlichung 1991 nicht gealtert ist und nichts von seiner Aktualität verloren hat.
Rudolf Bussmann sieht man seine beinahe acht Jahrzehnte nicht an, weder von aussen, noch von innen. In seinem Gesicht immer noch dieser neugierige Blick, in seinem Wesen die unbedingte Herzlichkeit, in seinem Tun die Leidenschaft und in seinem Schreiben der ungestillte Wille, der Spur zum Mark des Lebens zu folgen. Ob als Romancier mit Prosa aller Couleur, ob als Lyriker, Übersetzer oder Herausgeber in der Vielfalt seines künstlerischen Ausdrucks oder in seiner Kompetenz als Literaturvermittler, als Leiter von Lesezirkeln, als Schreibbegleiter, Moderator oder als Mitinitiant der Basler Lyriktage – Rudolf Bussmann ist durchdrungen von seinem Tun und nichts vom einsam vor sich hinbrütenden Kopffüssler.

1987, vier Jahr vor Erscheinen seines ersten grossen Romans „Der Flötenspieler“, mit 40 traute er sich in die Existenz eines „freien Schriftstellers“ und in den fast vier Jahrzehnten danach sind Romane, Gedichtbände, Kurzprosa und Essays erschienen. Kein Vielschreiber, aber einer, der sich in Tiefen schreibt, der wenig interessiert am reinen Geschichtenerzählen ist, dessen Texte, ob Prosa oder Gedicht, zum Mitdenken, zum Nachdenken zwingen. Texte, die genau jene literarische Sorgfalt zeigen, die auch seine Person auszeichnen. Weil er einer ist, der schauen, zuhören, verzahnen und nachdenken kann und dies ohne Aufhebens tut, sind auch seine Texte Einladungen zum Schauen, Zuhören, Verzahnen und Nachdenken. Und sein Romandebüt „Der Flötenspieler“, 1991 bei Luchterhand, einem der renomiertesten Literaturverlage erschienen, programmatisch für Rudolf Bussmanns Schreiben – und ein Paukenschlag dazu.
Um lieben zu können, muss man eine Zukunft vor sich haben.
2022, zu Rudolf Bussmanns 75. Geburtstag hatte Judith Kaufmann, Verlegerin, den Mut, diesen wundervoll verschlungenen, kostbaren Roman in ihrem Verlag edition bücherlese, neu herauszugeben.
Nur im Abserbeln ist noch der Stachel des Neuen.
Thomas Waller steckt in einer Krise. Seit sein Arbeitgeber, die Perduta-Versicherung (italienisch, Partizip Perfekt von «perdere» (verlieren) und bedeutet „verloren“) in einen neuen Glaspalast umgezogen ist, ins Limbus-Haus, einen Palast der Rationalisierung und Effizienz, minotaurisch verwinkelt, ist nichts mehr so, wie es einmal war. Auch seine Ehe kriselt. Nicht nur, weil Hilde mit einem Mal Mathilde genannt werden will und mitten in einer Metamorphose mit ungewissem Ausgang steckt, sich jener Hilde, die er vor 10 Jahren geheiratet hatte, immer mehr entfremdet. Waller sieht sich nicht nur in seiner Arbeit, auch in seiner Ehe und dem Geschehen in der Welt als Bedrängter und Bedrohter. Nicht nur das Klima bei der Arbeit und in seiner kinderlosen Ehe ist vergiftet. Der Reaktor in Tschernobyl ist explodiert. Eine neue Zeitrechnung beginnt. Waller haut ab, in die Abgeschiedenheit des Juras, in ein Hotel, das eigentlich geschlossen hat, mit wenig Gepäck, ein paar leeren Heften und seiner Flöte. Aber das Leben holt ihn auch dort wieder ein, das Gift, das ihn zu zersetzen droht, die Abgründe, denen er entfliehen wollte. „Der Flötenspieler“ ist ein Roman von kafkaesker Kraft, ein Roman wie das Labyrinth des Minotaurus, ein Roman, der auch 40 Jahre nach seinem Ersterscheinen nichts an Aktualität verloren hat.
Das Gespräch so spannend zu halten, dass der Winternebel seine Nase dicht an die Fensterscheiben drückte, um etwas davon mitzubekommen. Rudolf Bussmann
Grosser Dank an das Veranstalterpaar Monika und Urs! Ein Genuss!

Rezension von «Der Flötenspieler» auf literaturblatt.ch
Rudolf Bussmann, geboren 1947 in Olten, publiziert Lyrik, Kurzprosa, Romane und Essays. Daneben betätigt sich der promovierte Germanist als Herausgeber von Belletristik, leitet Lesezirkel, macht Schreibbegleitungen und Moderationen. Er ist Mitorganisator des Internationalen Lyrikfestivals Basel. Auf seiner Homepage führt er einen Blog zur Poesie des Alltags. Zuletzt erschienen der Reise-Essay «Herbst in Nordkorea» (Rotpunkt Verlag 2021) sowie die Gedichtbände «Ungerufen» (2019) und «Verheissenes Land» (2024) in der edition bücherlese. Er lebt in Basel.













2010 debütierte Anna Weidenholzer mit ihrem Erzählband „Der Platz des Hundes“, der von der Kritik einhellig gelobt wurde. Damals ein Versprechen für die Zukunft. Heute ist Anna Weidenholzer ein Eckpfeiler der deutschsprachigen Literatur. Nach ihrem Erzählband erschienen drei Romane: „Der Winter tut den Fischen gut“, „Weshalb die Herren Seesterne trugen“ und „Finde einem Schwan ein Boot“. Schon allein die Titel ihrer Bücher öffnen Türen, beschreiben programmatisch, was der Autorin wichtig ist. Anna Weidenholzer erzählt nicht einfach ein Stück Erlebtes, keine blossen Anektoten, schon gar nicht plottorientiert. Alles, was Anna Weidenholzer schreibt, sind menschliche Verschiebungen, Verwerfungen, die sich im Unscheinbaren manifestieren. Menschliche Verunsicherungen, die sich während des Lesens unweigerlich auf mich als Leser übertragen, eine Verunsicherung, die die Autorin mit ihrem sprachlichen Feingefühl auslöst, eine Mischung aus Verwunderung und Heiterkeit. Genau das, was literarische Feinkost bewirken soll.












„Merci beaucoup pour l’invitation à St Gallen, c’était une joie de participer au festival!“ Douna Loup, Schriftstellerin
„Ein riesengrosser Dank an das ganze Wortlaut-Team! Der Tag war rundum gelungen, meine Moderationen waren mir eine Ehre und Freude zugleich. Schön war auch, dass genügend Zeit zum Austausch blieb. Danke liebes Wortlaut-Team, weiter so!“ Cornelia Mechler, Moderatorin und Geschäftsführerin A*dS Verband der Autorinnen und Autoren Schweiz
„Eure Idee, das Festival nebst wenigen Satellitenveranstaltungen in der Lokremise und in der Grabenhalle, neu möglichst auf die Räumlichkeiten in der Bibliothek Hauptpost zu konzentrieren und mit dem Café de Saint-Gall ein schönes Festivalzentrum für Begegnungen, Austausch und Verpflegung zu schaffen, hat uns trotz unserer Einbindung ins Programm erlaubt, zwischenzeitlich an andern Veranstaltungen teilzunehmen und so nicht nur ausführender, sondern auch begeisterter rezipierender Teil Eures Festivals zu werden.“ Matthias Peter, Schauspieler, Regisseur, Leiter Kellerbühne St. Gallen
„Dieses Festival ist ein ganz besonderes Erlebnis gewesen. Vielen lieben Dank für die grossartige Organisation und den schönen Leseort. Es war ein grosses Vergnügen, vor dem Schweizer Publikum lesen sowie Rede und Antwort stehen zu dürfen. Ich freue mich auf ein Wiedersehen! Herzliche Grüsse aus Franken“ Ewald Arenz, Schriftsteller
„Das Festival Wortlaut hat seinem Namen alle Ehre gemacht: Es gab Wörter und sie waren laut. Das allein wäre noch nichts Besonderes – aber was für Wörter es gab und auf wie viele Weisen sie zu vernehmen waren, das war ein Fest. Vielen Dank für Einladung und rundum gute Begleitung“ Jo Lendle, Schriftsteller, Verlagsleiter Hanser
Ein sehr schönes Festival in St. Gallen, tolles Publikum, spannende Gäste, perfekte Organisation, gutes Essen. Vielen Dank dafür. Peter Stamm






«Was erst als Notvariante erschien, entpuppte sich bei dem schlechten Wetter als goldrichtig: ein prallvolles Bibliotheks Café mit interessiertem Publikum. Die Sofabank als improvisierte Bühne gewährte zumindest einen Hauch von Strassentheater. Vielen Dank ans gesamte sehr engagierte Wortlaut Team.» Marcus Schäfer











