Bettina Scheiflinger «Erbgut», Kremayr & Scheriau

am 22. April Gast im Literaturhaus Thurgau

Was und wie Bettina Scheiflinger schreibt und erzählt, beeindruckt sehr. Ihr Debüt „Erbgut“ überzeugt durch aussergewöhnliche Reife, durch Mut und hätte es in den vergangenen Monaten verdient, einiges an Beachtung mehr zu bekommen. Mit der Einladung der Autorin ins Literaturhaus Thurgau verneigt sich der Schreibende vor der Autorin.

Ernstzunehmende Untersuchungen erklären, dass jedes Leben genetisch vorbelastet ist durch die Generationen davor. Auch wenn man solchen Aussagen gegenüber kritisch bleibt, wird es einleuchtend, wenn man zugestehen muss, dass traumatisierte Menschen, die eine Familie gründen, ihre Erlebnisse bei der Erziehung nicht einfach ausblenden können. Es ist nicht möglich, in einem neuen Leben einfach bei Null zu beginnen. All das, was sich in die Jahrringe eines Menschenlebens einfrisst, was sich als dunkle Schatten in den Seelen ablagert, was im Untergrund modert, wirkt im Tun – oder auch im Unterlassen. Dass sich Bettina Scheiflinger schon mit dem Titel ihres Erstlings unzweifelhaft in dieses Thema hineinzuwagen versucht und dabei alles andere als scheitert, ist beeindruckend. Schon der Titel selbst – „Erbgut“ – offenbart die Vielschichtigkeit des Wortes selbst. Was sich als Erbe von Generation zu Generation weitergibt, ist nicht immer ein Gut, aus dem die nächste Generation schöpfen kann. Beispiele aus der Geschichte gibt es viele. Was heute in Israel passiert, ist in vielem mit Sicherheit mit dem kollektiven Traumata mehrerer Generationen zu erklären, die in der Folge von Judenverfolgung und -vernichtung millionenfach Leben zerstörte.

Bettina Scheiflinger «Erbgut», Kremayr & Scheriau, 2022, 192 Seiten, CHF 31.90, ISBN 978-3-218-01329-1

Bettina Scheiflingers Roman erzählt aber keine grossen geschichtlichen Zusammenhänge, auch wenn die Geschehnisse des zweiten Weltkriegs eine nicht unwesentliche Rolle in ihrem Roman spielen. Die Erzählstimme ist eine junge Frau, zwischen einer schweizerischen Kleinstadt, Wien und einem Dorf, einem Haus in Kärnten. Die junge Frau löst sich gegen den Willen der Eltern aus der fürsorglichen Umklammerung ihrer Familie und zieht nach Wien. Sie ist allein, hat Arbeit, bleibt länger, hadert mit sich und ihrer Vergangenheit. Sie weiss, dass in der Familie Sperrzonen eingerichtet wurden, dass es Dinge gibt, die ausgeschwiegen werden, sei es in der Geschichte ihrer Mutter oder in der ihres Vaters. Selbst die gemeinsame Geschichte ihrer Eltern ist nicht jene, die an der Fassade präsentiert wird. Die junge Frau stolpert, schwankt und taumelt, selbst als sie schwanger wird und in einer Klinik ein Kind zur Welt bringt.

Ein weiteres Qualitätszeichen des Romans ist, dass sich Bettina Scheiflinger keines billigen Erzähltricks bedient. Da sind keine Briefe im Dachboden, kein Geständnis einer Grossmutter, kein Tagebuch. Bettina Scheiflinger erzählt in einzelnen Bildern, die sich erst während der Lektüre zu einem ungefähren Ganzen zusammenfügen. Aber schon diese einzelnen Bilder haben es in sich. Sie sind von einer derartigen Intensität, dass sie wie Selbsterlebtes in der Erinnerung bleiben. Da sitzt Arno, der Vater der Erzählerin, als Halbwüchsiger auf einem Baum und weigert sich selbst in der Nacht herunterzukommen. Sein Vater hat ihn wegen einer Nichtigkeit windelweich geschlagen. Die Mutter droht, die Schwester fleht. Aber Arno bleibt. Am nächsten Tag ringt er seiner Mutter das Versprechen ab, dass es nie wieder soweit kommen darf. Ein anderes Beispiel: Johanna, die Grossmutter der Erzählerin, die auf einem Hof mit Wirtshaus in Kärnten lebt, muss während des Krieges miterleben, wie Partisanen ihre Eltern aus dem Haus zerren und verschleppen. Franz, ihr Vater, ist Nationalsozialist. (Vielleicht ist mir diese Binnengeschichte auch deshalb so in die Kniekehlen gefahren, weil sich das immer Gleiche in der Geschichte wiederholt.)

Bettina Scheiflinger wollte kein chronologisch, stringentes Erzählen. So wie Ablagerungen, sich das Erbgut toxisch auffüllt, so erzählt Bettina Scheiflinger. Sie erzählt vom grossen Schweigen in der Familie, all den Auslassungen, die alles andere als klären. Von den Ängsten, nicht zu genügen, den Traumatas einer Kindheit, wenn Gewalt und Einsamkeit, das Gefühl von Verlassenheit, die Angst vor Verlust das eigene Tun dominieren. Wenn man sich nicht befreien kann. Wenn man im Niemandsland hängen bleibt.

Ich bin mir sicher; Da beginnt Vielversprechendes!

Bettina Scheiflinger, geboren 1984 in der Schweiz. Auf das Lehramtsstudium und einige Jahre Unterrichtstätigkeit folgte 2017 der Umzug nach Wien, um am Institut für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst zu studieren. Sie schreibt Theaterstücke und Kurzhörgeschichten, veröffentlicht Prosa in Literaturzeitschriften und Anthologien. Eins ihrer Hörstücke wurde 2020 beim sonohr Radio- und Podcastfestival nominiert. 

Webseite der Autorin

Der 1. Schreibwettbewerb «Amriswil schreibt» ist Geschichte

Die Stadt Amriswil schreibt viele Geschichten: Schulkinder entdecken ihr literarisches Talent. Am ersten Schreibwettbewerb der Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri haben 355 Schülerinnen und Schüler mitgemacht. Die vier Besten sind jetzt ausgezeichnet worden.

von Barbara Hettich

«Ein paar Sekunden» – so lautet der Titel einer Geschichte, die Aline Popp, Schülerin der 3. Sekundarstufe, eingereicht hat. Sie erzählt von einem Dilemma, das ihre Heldin innerlich fast zerreisst: Ihr Freund hat mit dem Auto ihre Eltern zu Tode gefahren. In seiner Laudatio würdigte Jens Steiner, Schriftsteller und Jurymitglied, die Geschichte von Aline Popp:
Aline Popp beschreibt Ambivalenzen behutsam, spürt den emotionalen Umschwüngen akkurat nach und gelangt zu einer Wahrhaftigkeit, die die Jury sehr beeindruckt hat.

An der Preisverleihung im Kulturforum Amriswil am Mittwochnachmittag durfte Aline Popp als Gewinnerin der Kategorie D (Oberstufe) ihren Preis – Urkunde, Büchlein, gravierter Stift und Büchergutschein – entgegennehmen.

Das Thema «Freundin verloren/Freund verloren» war bei der Wettbewerbsausschreibung klar vorgegeben. Und dieses Thema hat insbesondere Mädchen sowie die Fünft- und Sechstklässler (Kategorie C) angesprochen. Jedenfalls wurden in dieser Kategorie die meisten Arbeiten eingereicht.

Maëlle Emma Schenk hat sich durchgesetzt und mit ihrem Text «Für immer verloren …» die Jury überzeugt. Mit klarer Stimme liest sie dem Publikum ihre Geschichte vor. Sie erzählt von einem Mädchen, das seine beste Freundin durch einen Streit verloren hat, eine neue findet, diese verliert und zu guter Letzt wieder findet. Jurypräsident Gallus Frei würdigte die Arbeit der Fünftklässlerin mit folgenden Worten: Maëlle Emma Schenk erzählt mit viel Empathie, ohne die Geschichte mit überschwänglichen Emotionen vollzustopfen.

Mit einer Kriminalgeschichte hat sich Tim Ayan Schnyder auf den vordersten Platz in der Kategorie B (Dritt- und Viertklässler) geschrieben. In der Geschichte «Der Mann mit dem braunen Kittel» erzählt er von zwei Freunden, die von einer Verbrecherbande entführt wurden. Katja Alves, Schriftstellerin und Jurymitglied, fand für die Arbeit anerkennende Worte: Tim wählt für seine Geschichte Motive und Szenarien, die man aus Filmen und Games zwar kennen mag, schafft es jedoch, eine eigenständige spannende Geschichte zu erzählen.

Warum sollen die Bäume im Wald nicht miteinander reden können? Anna Keller hat sich in der Kategorie A (Erst- und Zweitklässler) mit einer kurzen und fantasievollen Geschichte mit dem Titel «Der Wind» in die Herzen der Juroren geschrieben. Journalist und Jurymitglied Urs Bader lobte diesen Beitrag so: Einfühlsam berichtet sie vom Schicksal zweier Blätter, die ausgerechnet nach einem Streit auseinandergerissen werden. Was aus ihnen wird, bleibt offen. Auch deshalb ist die Geschichte anrührend.

«Schreiben soll nicht nur Pflicht sein, Geschichten sollen für ein Publikum geschrieben werden», sagt Gallus Frei, Lehrer und Literaturvermittler. «Es gibt Kunstwettbewerbe, Musikwettbewerbe, Sportwettbewerbe, ja sogar Mathematikwettbewerbe – warum sollte es in unserer Schulgemeinde also nicht auch einen Schreibwettbewerb geben?» Mit dieser Frage hat sich Gallus Frei seit längerer Zeit auseinandergesetzt und vergangenes Jahr den ersten Schreibwettbewerb der Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri initiiert. Gallus Frei sass gemeinsam mit dem Journalisten Urs Bader, mit der Schriftstellerin Katja Alves und dem Schriftsteller Jens Steiner in der Jury. Von den rund 1700 Schülerinnen und Schülern von der 1. Primar- bis zur 3. Sekundarklasse haben 355 Kinder und Jugendliche eine Geschichte eingereicht. 50 Geschichten kamen in die engere Auswahl, wurden von den Juroren nochmals gelesen und 20 davon ausgesucht, die nun im Büchlein «Amriswil schreibt 2020/2021» veröffentlicht wurden. Das Büchlein, ausgeschmückt mit Illustrationen von Lea Frei, kann man für 10 Franken im Schulbüro kaufen. «Ich bin sehr stolz auf euch», würdigte Schulpräsident Christoph Kohler an der Preisverleihung das Engagement aller Beteiligten. Einander verstehen sei wichtig, eine gute Sprachbildung sei schon deshalb von zentraler Bedeutung.

Beitragsbild © Barbara Hettich (Die vier Preisträger vlnr Aline Popp, Anna Keller, Tim Ayan Schnyder und Maëlle Emma Schenk)

Die Siegergeschichte der Kategorie D: Sekundarschule

Ein paar Sekunden

Ich weiss nicht, welches Gefühl ich schlimmer finde. Das Gefühl gleich nach dem Unfall? Oder das jetzt, wo es in meinem Bauch zieht und mein Herz sich anfühlt, als klaffe ein riesiges Loch darin?

Ich dachte immer, die Wahrheit wäre etwas Gutes, etwas, das man unbedingt wissen möchte. Doch vor einigen Minuten wurde mir das Gegenteil bewiesen. Die Wahrheit kann auch verdammt schmerzhaft und zerstörerisch sein. Denn durch eine grausame Wahrheit habe ich einen Freund verloren. Gerade eben. Und den einen Teil meines Herzens hat er gleich mitgenommen. Noah.

Ich drehe mich um und stürze aus seinem Zimmer. Ich renne aus dem Haus, über die Strasse und weiter über die Wiese. Es ist mir egal, dass Noah nach mir ruft, es ist mir egal, dass meine Schuhe vom Gras nass und schmutzig werden. Es ist mir egal, dass es im nächsten Moment wieder zu regnen beginnt und es ist mir auch egal, dass es schon Abend und somit dunkel wird. Mir ist alles egal und ich renne einfach immer weiter.

Meine Kleidung ist klitschnass und mein Gesicht dreckverschmiert, als ich mich keuchend an den dicken Stamm eines Baumes lehne. Nach kurzer Zeit komme ich wieder einigermassen zu Atem und klettere vorsichtig die Leiter zum Hochsitz empor. Schon unzählige Male bin ich hier hochgestiegen, die einzelnen Tritte könnte ich trotz des morschen Holzes im Schlaf erklimmen.

Auf der kleinen Plattform angekommen, lasse ich mich auf den Boden sinken und atme den Geruch von feuchtem Holz ein. Ich lehne mich an die Rückwand und diese gibt ein lautes Knarzen von sich. Durch die Schlitze der fehlenden Bretter auf der Vorderseite blicke ich auf die verregnete und trübe Landschaft.
Schon immer mochte ich diesen alten Hochsitz, welchen Noah und ich auf einem unserer Streifzüge durch den Wald entdeckt hatten. Viele Stunden haben wir gemeinsam hier oben verbracht und geredet. Noah wird bestimmt wissen, dass ich hier bin. Doch ich glaube nicht, dass er mir bis hier hin folgt. Er kennt mich besser als jeder andere und weiss, dass ich jetzt einfach Zeit brauche.

Unwillkürlich muss ich an die vielen Dinge denken, welche ich ihm hier oben erzählt habe. Wie wir gemeinsam gelacht und manchmal auch geweint haben, an die sternenklaren Nächte, welche wir in einen Schlafsack gekuschelt auf dem Hochsitz verbracht haben, an die vielen Snickers, die wir hier oben geteilt haben, an die Tiere, welche wir von unserem Ausguck beobachten konnten, an die Geständnisse, welche wir vor dem anderen abgelegt haben und auch an die letzten Wochen, als Noah immer bei mir war und zugehört hat. Und nun das… Mir steigen Tränen in die Augen, und ich versuche gar nicht erst, sie wegzuwischen. Ich vergrabe mein Gesicht in den Händen und weine. All die Wut, die sich in mir aufgestaut hat, verpufft und Tränen kullern über meine Wange. Meine Brust fühlt sich ganz eng an und bei der Stelle, wo früher noch ein Teil meines Herzens war, spüre ich einen drückenden Schmerz. „Scheiss Leben!“, brülle ich in den Wald hinaus. Ein lautes Schluchzen dringt aus meiner Kehle und schniefend kauere ich mich auf den Boden des Hochsitzes. Ich weine alle Tränen, die ich noch übrig habe. Ich glaubte, das können nach den letzten Wochen nur noch wenige sein, doch da habe ich mich gewaltig getäuscht.

Mittlerweile ist es dunkel und meine Augenlider werden immer schwerer. Wegen der nassen Kleidung zittere ich am ganzen Körper und schlinge meine Arme um die Knie. In Gedanken fühle ich Noahs Arm um meine Schulter, wie er mich an sich drückt und sachte über meinen Rücken streicht. Nach dem Unfall, bei welchem ich meine Eltern und meine Schwester verloren habe, gab er mir Halt und hat immer zugehört, ist mitten in der Nacht nach draussen gekommen und hat mit mir geweint. Ja, die Wochen nach dem Unfall waren schwer, doch da hatte ich einen Freund an meiner Seite. Aber jetzt, wo ich ihn verloren habe, bin ich ganz alleine. Den Kopf auf meine Knie gelegt, weine ich mich in einen unruhigen Schlaf.

Das laute Knacken eines Astes reisst mich unsanft aus dem Schlaf. Ich schrecke hoch und bleibe stocksteif sitzen. Ich höre ein Rascheln und dann beginnt jemand, vorsichtig die Leiter hochzusteigen. Das kann nur einer sein, denke ich. Die Gedanken überschlagen sich in meinem Kopf und angespannt warte ich darauf, dass Noahs brauner Haarschopf vor mir auftaucht. Tränen treten mir wieder in die Augen, als er sich mit einem unruhigen Blick neben mich setzt. Ich starre stur geradeaus und versuche vergeblich, nicht zu heulen. Die Tränen kullern über meine Wange und Noah rückt etwas näher zu mir. „Mili, es tut mir so leid“, flüstert er mit erstickter Stimme. Als ich zu ihm blicke, merke ich, dass auch er weint. Ich beisse mir auf die Unterlippe und schüttle leicht den Kopf. „Ich habe lange überlegt, ob ich es dir sagen soll. Ich hatte solche Angst, dich zu verlieren. Aber du hast ein Recht darauf, die Wahrheit zu kennen. Und… ich hielt es nicht mehr aus.“ Noahs Stimme bricht. Wieder schüttle ich den Kopf. Wie kann das alles sein?

Ich erinnere mich daran, wie ich gleich zu Noah geflohen bin, als mich die schreckliche Nachricht erreicht hatte. Ich kann mich noch genau an sein geschocktes Gesicht erinnern, als ich ihm vom Unfall erzählte. Wie erstarrt stand er da, ehe er mich in den Arm nahm. Ich hatte ja keine Ahnung, dass er in diesem Moment erfuhr, dass er die Eltern seiner besten Freundin umgebracht hatte. Noah sass nämlich am Steuer des Wagens, dem meine Eltern ausweichen mussten. Ihr Auto krachte frontal in den Baum neben der Strasse. Die Insassen überlebten nicht. Und Noah fuhr einfach weiter.„Geh Noah, bitte. Ich bin noch nicht bereit, mit dir zu reden. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich es jemals sein werde.“ Ich schaue ihm direkt in die Augen und presse meine Lippen aufeinander. Ich weiss, dass ihn meine Worte hart getroffen haben. Aber ich muss mich schon zusammenreissen, ihn nicht anzuschreien. Noah wendet den Blick von mir ab und steht auf. „Ich weiss, Mili. Und ich erwarte das auch ich von dir“, stösst er hervor. „Aber ich möchte, dass du eins weisst: Du bleibst immer meine Freundin. Ich weiss, dass ich den Schaden, den ich angerichtet habe, um nichts in der Welt wieder gut machen kann. Es ist schlimm für mich zu wissen, dass du meinetwegen deine Familie verloren hast. Und nun auch deinen Freund.“ Noahs Stimme versagt, er dreht sich um und beginnt vorsichtig, die Leiter hinunter zu steigen. Er blickt mich ein letztes Mal an. „Ich gehe jetzt zur Polizei und zeige mich an. Mach‘s gut Mili, du bist der stärkste Mensch, den ich kenne“, flüstert er traurig und verschwindet aus meinem Sichtfeld. Ich höre seine Schritte, die sich schnell entfernen. ‚Ja, geh!‘, schreie ich ihm in Gedanken nach. ‚Verschwinde! Ich möchte dich nie wieder sehen!’ Wie erstarrt sitze ich da und rühre mich nicht. ‚Wieso?‘, frage ich mich immer wieder. Und wieso genau ich?

Ich lehne mich wieder an die Wand und schliesse die Augen. Es klingt wahrscheinlich seltsam, aber jetzt, wo Noah fort ist, fühle ich mich auf einmal schrecklich einsam. Und erst jetzt wird mir richtig bewusst, wie viel Mut es Noah wahrscheinlich gekostet hat, noch einmal zu mir zu kommen. Und ich Idiot habe ihn eiskalt abgewiesen.

Einerseits bin ich wahnsinnig wütend auf ihn. Doch eigentlich weiss ich: Es ist nicht direkt Noahs Schuld. Am Unfalltag bekam er den lang ersehnten Führerschein. Er war auf dem Heimweg, als er nur ganz kurz eingenickt ist. Ein paar Sekunden, die unser beider Leben veränderten. In der Zeit danach war er für mich da, dabei hätte er Unterstützung benötigt. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie es ist, mit solchen Schuldgefühlen zu leben.

Ich beginne daran zu zweifeln, ob es richtig war, Noah so hart abzuweisen und ihm allein die Schuld zu geben. Doch dann sage ich mir: Jeder braucht Zeit, um so einen Schock zu verarbeiten. Und ich nehme mir ganz fest vor, Noah noch eine Chance zu geben. Denn er ist kein schlechter Mensch, im Gegenteil! Mit ihm kann man lachen bis zum Umfallen und er hält immer zu einem.
Ich werde mir die Zeit nehmen, die ich brauche. Und dann werde ich es versuchen. Und ganz langsam kann ich mir auch vorstellen, dass ich soeben nicht zum letzten Mal mit Noah hier oben sass.
Denn er ist mein bester Freund. Und wird es wahrscheinlich immer bleiben.

Aline Popp, 3. Sek.

© leafrei.com

Laudatio zu „Ein paar Sekunden“ den Siegertext von Aline Popp in der Kategorie D

Aline Popp hat sich mit ihrem Text eine anspruchsvolle Aufgabe gestellt. Sie erzählt darin von einem Dilemma, das die Heldin innerlich fast zerreisst: ihr bester Freund hat mit dem Auto ihre eigenen Eltern zu Tode gefahren. Es ist die Geschichte einer grossen Trauer – und eine Geschichte voller gefährlicher Klippen für die Autorin. Doch Aline Popp umschifft sie geschickt, beschreibt die Ambivalenzen genau und behutsam, spürt den emotionalen Umschwüngen akkurat nach und gelangt so zu einer Wahrhaftigkeit, die die Jury sehr beeindruckt hat.
Jens Steiner, Schriftsteller, Jurymitglied 45

Die 20 besten Geschichten werden in einem Büchlein abgedruckt, dass ab Mitte Juni bei der Schulverwaltung Amriswil käuflich zu erwerben ist.

Jury für den Schreibwettbewerb 2020/2021 :

Katja Alves, 1961 in Coimbra, Portugal geboren. Verfasserin von Radiotexten und Hörspielen, Romanen, Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Daneben arbeitet Katja Alves arbeitet sie als leitende Lektorin für den NordSüd Verlag. katjaalves.ch 

Jens Steiner, 1975 in Zürich geboren, schreibt seit zwölf Jahren Bücher für Erwachsene und Kinder. Seit Kurzem lebt er an der deutschen Ostseeküste. jenssteiner.ch

Urs Bader, Lic. phil. I Universität Zürich. Von 1984 bis 2019 Redaktor beim St.Galler Tagblatt, lebt in Amriswil.

Gallus Frei-Tomic, 1962 in St. Gallen geboren, Primarlehrer in Amriswil, Literaturvermittler und seit 2020 Programmchef im Literaturhaus Thurgau. literaturblatt.ch 

Illustration © leafrei.com

Die Siegergeschichte der Kategorie C: 5. und 6. Klasse

Für immer verloren ….

Ich, Julia, liege in meinem Bett und weine. Meine allerbeste Freundin Hanna und ich haben uns zerstritten. So fest, dass wir meiner Meinung nach nie wieder Freundinnen sein können. Am liebsten würde ich meine ganzen Winterferien in meinem Zimmer verbringen. Aber das geht leider nicht, weil Mama und ich morgen nach Österreich fahren. Zum Glück gibt es dort Schnee, nicht so wie hier, nass und kalt. Die ganze Zeit muss ich an die schönen Erlebnisse mit Hanna denken. Ich hoffe, die Ferien mit Mama lenken mich ein in wenig von der Tatsache ab, dass ich ab jetzt ein freundinnenloses Leben führe, jedenfalls bis ich eine neue gefunden habe.

„Julia hast du schon gepackt?“, das war meine Mutter. „Nein habe ich noch nicht.“

Am nächsten Morgen, als alles eingepackt und im Kofferraum unseres Autos verstaut ist, fahren Mama und ich los. Wir besprechen unsere Ferienpläne. Ich erfahre, dass es dort ein Hallenbad gibt. Endlich kann ich ihr auch von meinem schlimmen Streit mit Hanna erzählen. Mama sagt: „Ach Julia, in deinem Alter kommen und gehen die Freundinnen wie Sandkörner am Meer, du findest bestimmt schon bald eine Neue.“ „Aber…“ So sehr ich Mama auch mag – in solchen Sachen versteht sie mich einfach nicht. An einer Raststätte kaufen wir ein Sandwich.

Als wir endlich im Hotel ankommen, bin ich de. Ich schaue mir das Zimmer an, in dem wir die nächsten vier Tage wohnen werden. Es ist schön hier. Ich lege mich in das bequeme Bett und schlafe eine Weile. Als ich aufwache, ist es schon bald Zeit fürs Abendessen. Ich ziehe mir frische Kleider an und gehe mit meiner Mutter ins Restaurant. Dort hole ich mir Spaghetti. Am Buffet treffe ich ein Mädchen. Sie scheint etwa in meinem Alter zu sein. Wir sprechen miteinander und es stellt sich heraus, dass das Mädchen Mira heisst und tatsächlich zwölf Jahre alt ist, wie ich. Wir verabreden uns für morgen zum Skifahren. Ich laufe wieder zum Tisch zurück und bin ziemlich glücklich – verglichen zu gestern.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück warte ich am verabredeten Ort auf Mira. Ich denke schon, dass sie mich vergessen hat, aber dann sehe ich sie kommen. „Hi Julia, sorry dass ich zu spät bin. Wir ziehen bald um und ich musste mit meinen Eltern noch etwas besprechen.“ „Kein Problem“, sage ich. „Wollen wir los?“, fragt Mira. Wir fahren den ganzen Vormittag Ski und haben viel Spass. Gegen Mittag gehen wir Pommes essen. Dann sagt Mira: „Ich muss wieder zurück ins Hotel, meine Eltern warten auf mich.“ Wir machen ab, dass wir uns um vier Uhr in der Lobby zu einem Brettspiel treffen.

Als ich zurück ins Hotelzimmer komme, sagt Mama mit einem Grinsen im Gesicht: „Na, was habe ich gesagt?“ „Was meinst du?“, frage ich. „Dass du bald eine neue Freundin finden wirst, oder wer war dieses Mädchen da unten?“ „Das war Mira, sie ist wirklich sehr nett!“, antworte ich schnell, um ihre nervige Fragerei zu beenden.

Ich komme pünktlich um Vier in die Lobby. Freudig stelle ich fest, dass Mira schon da ist. „Hi!“, begrüsse ich sie. „Was spielen wir?“, fragt Mira. Ich antworte: „Monopoly wäre toll!“ Wir spielen sehr lange. Mira erzählt, dass sie leider schon übermorgen heimfahren müssen. Darauf erwidere ich: „Wir müssen aber unbedingt nochmal zusammen Skifahren.“ „Ja, sicher, sollen wir noch zusammen ins Hotelschwimmbad gehen?“, fragt sie. Freudig stimme ich ihrem Vorschlag zu. Wir holen unsere Badesachen und gehen zum Schwimmbad. Es ist schön und gross hier! Wir schwimmen eine Weile. Mira ist erstaunlich schnell und gut. Ich frage sie, wo sie das gelernt hat. Sie erzählt, dass sie im Schwimmverein sei und diesen Sommer sogar einen Wettbewerb gewonnen hat. Ich wünschte, ich könnte auch so gut schwimmen.

Am nächsten Morgen treffen Mira und ich fast gleichzeitig am vereinbarten Treffpunkt ein. Als wir beim Skilift schon fast oben sind, weiss ich plötzlich, was ich sie schon lange fragen wollte. „Du Mira…“, beginne ich, aber in diesem Augenblick ruft sie: „Oh nein, Julia, ich habe meinen Skistock verloren!“ „Den holen wir uns wieder!“ Wir fahren bis am Nachmittag. Morgen reist Mira ab. Deshalb haben wir besprochen, dass wir heute gemeinsam Abendessen. Wir haben es lustig und die Er- wachsenen verstehen sich auch gut. Mira und ihre Eltern fahren morgen schon um acht Uhr los. Ich habe ihr versprochen, dass ich extra früh aufstehe, um mich noch von ihr zu verabschieden. Danach gehe ich ins Bett. Ich kann nicht schlafen und drehe mich in meinem Bett hin und her. Jetzt weiss ich auch wieder, dass ich Mira nach ihrer Adresse fragen will. Das mache ich morgen.

Am nächsten Tag stehen wir alle auf dem Vorplatz, verabschieden und umarmen uns. Mira und ich müssen weinen. „Ich vermisse dich jetzt schon!“, flüstert sie mir ins Ohr. Alle steigen ein, ihr Vater startet den Motor und sie fahren los. Ich winke dem Auto nach, bis es um die nächste Kurve verschwindet. Da fällt mir plötzlich siedend heiss ein, dass ich ihre Adresse nicht habe. Ich renne bis zur Kurve, aber das Auto ist ver- schwunden. Jetzt habe ich auch meine zweite, beste Freundin verloren. Ich kann es nicht fassen, am liebsten würde ich die Zeit zurückdrehen! Den Rest des Tages fahre ich mit Mama Ski, das macht wenig Spass. Nach dem Abendessen packen auch wir unsere Sachen.

Nach einer unruhigen Nacht fahren Mama und ich am nächsten Tag los. Niemand spricht ein Wort. Ich überlege wie es wohl wäre, wenn Mira neben mir wohnen würde, bestimmt wären wir unzertrennlich, vielleicht gingen wir zusammen in den Schwimmverein und in dieselbe Klasse! Ich vermisse sie. Auf die Schule morgen freue ich mich überhaupt nicht.

Am Tag danach in der Schule ignoriert mich Hanna, das stört mich eigentlich nicht. Es klingelt und alle stürmen ins Klassenzimmer. Plötzlich steht Frau Martin, unsere Klassenlehrerin in der Tür. Sie begrüsst uns mit „Hallo zusammen, ich möchte euch ein neues Klassenmitglied vorstellen.“ Hinter ihrem Rücken tritt ein Mädchen hervor. „Mira!“, rufe ich, renne nach vorn und umarme sie. Ich bin überglücklich!

Maëlle Schenk, 5. Klasse

© leafrei.com

Laudatio zu „Für immer verloren“ den Siegertext von Maëlle Schenk in der Kategorie C

Maëlle Schenk erzählt mit ausgesprochen viel Empathie von einem Mädchen im Strudel ihrer Gefühle. Eine Geschichte davon, dass das Leben oft nicht so verläuft, wie man sich das wünscht. Maëlle stopft ihre Geschichte aber nicht mit überschwänglichen Emotionen voll, sondern schreibt stimmungsvoll und authentisch. Sprachlich überzeugt ihr Text ebenfalls. Sie erzählt klar und nimmt begonnene Erzählstränge wieder auf, formuliert gekonnt und weiss, wie sie dramaturgisch bauen muss. Ich gratuliere!
Gallus Frei, Literaturvermittler, Jurypräsident

Die 20 besten Geschichten werden in einem Büchlein abgedruckt, dass ab Mitte Juni bei der Schulverwaltung Amriswil käuflich zu erwerben ist.

Jury für den Schreibwettbewerb 2020/2021 :

Katja Alves, 1961 in Coimbra, Portugal geboren. Verfasserin von Radiotexten und Hörspielen, Romanen, Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Daneben arbeitet Katja Alves arbeitet sie als leitende Lektorin für den NordSüd Verlag. katjaalves.ch 

Jens Steiner, 1975 in Zürich geboren, schreibt seit zwölf Jahren Bücher für Erwachsene und Kinder. Seit Kurzem lebt er an der deutschen Ostseeküste. jenssteiner.ch

Urs Bader, Lic. phil. I Universität Zürich. Von 1984 bis 2019 Redaktor beim St.Galler Tagblatt, lebt in Amriswil.

Gallus Frei-Tomic, 1962 in St. Gallen geboren, Primarlehrer in Amriswil, Literaturvermittler und seit 2020 Programmchef im Literaturhaus Thurgau. literaturblatt.ch 

Illustration © leafrei.com

Die Siegergeschichte der Kategorie B: 3. und 4. Klasse

Der Mann mit dem braunen Kittel

Es ist neun Uhr abends im Dezember. Leon und Steve laufen auf der Dark-Street der grossen Stadt New York nach Hause. Plötzlich steht ein Mann vor ihnen. Er hat einen braunen Kittel über den Schultern. Die Kapuze verdeckt sein Gesicht. In der Hand hat er eine Sense mit einer schwarzen Klinge. Leon und Steve erstarren und bleiben stehen mit offenem Mund. Der Mann streckt die Sense verschwörerisch in die Höhe. In diesem Moment ändert das Wetter und Blitze fallen wie Regen vom Himmel. Leon und Steve stürzen zu Boden und werden ohnmächtig.

Eine Stunde später öffnen sie die Augen: „Wo sind wir?“, fragt  Steve verschlafen und reibt sich den Kopf. „Ich denke in einem Schacht unter der Erde. Siehst du, es ist so feucht und dunkel“, gibt Leon zur Antwort. Steve meint: „Könnte doch auch eine Höhle sein. Wo ist nur der beängstigende Mann mit der Sense?“ Beide schauen um sich. Nach einer Weile haben sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt und Leon entdeckt eine Tür. Die beiden stehen auf und gehen zur Tür. Leon will sie öffnen, aber sie bleibt verschlossen. Entmutigt setzen sie sich wieder auf den Boden. „Wir können nichts tun, als hier zu warten.”, meint Leon. Es dauert nicht lange, da öffnet sich die Tür und zwei Männer mit den selben braunen Kitteln kommen herein. Sie bringen etwas zu Essen, sagen keinen Ton und gehen wieder. Hungrig machen sich die beiden Jungs über das Essen her. Es schmeckt ihnen gut. Das Guckloch der Tür öffnet sich und ein düsteres Augenpaar schaut hinein und eine tiefe Stimme fragt: „Seid ihr mit dem Essen fertig?“ Steve antwortet: „Ja danke, wir sind fertig, aber was soll das alles eigentlich, wir haben nichts getan!??“ Wieder die tiefe Stimme des Unbekannten: „Das geht euch einen feuchten Scheiss an. Ihr werdet es genug früh erfahren. Es gibt immer einen Grund.“ Er knallt das Guckloch zu und öffnet die Tür, um den leeren Teller zu holen. Diese Gelegenheit nutzt Leon und rast auf die Tür zu, geschickt an dem Mann vorbei, schnappt sich das Maschinengewehr, welches an der Aussenwand steht und bedroht damit den Wächter. Aber der flinke, muskulöse Mann packt Steve und hält den verdatterten Jungen zum Schutz vor sich hin. Weil Leons zittriger Finger schon auf dem Abzug der Waffe liegt, drückt er automatisch ab und schiesst seinem Freund in den Oberschenkel. Auch der Wächter hat einen Streifschuss am Arm und lässt vor Schmerz den Jungen los. Leon drückt erneut auf den Abzug, um den Mann zu erschiessen. In diesem Augenblick wird er von hinten in das Knie gekickt von der zweiten Wache, so dass er das Gleichgewicht verliert und mehrere Löcher in die Decke schiesst. Der andere Wächter packt die Jungen und stösst sie unsanft wieder in den Raum. Geschickt schliesst er diesen ab. Erneut sind die Beiden gefangen.

Glücklicherweise haben Passanten die Schüsse gehört und alarmieren die Polizei. Da die Jungen vermisst werden und die Kriminalpolizei schon auf der Suche ist, sind sie schnell am Tatort. Durch die Schusslöcher in der Decke des Raumes hören die beiden Freunde die Sirene. Sie schreien und rufen so laut sie können. Die Verletzung von Steve schmerzt, aber er möchte gefunden werden. Sie haben Erfolg und werden gefunden. Auch ein Krankenwagen ist zur Stelle. Die Polizisten bergen die beiden Jungen aus dem Schacht. Beide werden ins nächste Krankenhaus gefahren und dort behandelt und untersucht.

Steve muss zwei Nächte bleiben und Leon ist dankbar, dass sein Freund wieder gesund wird und er ihn nicht verloren hat.

Am nächsten Tag kommt die Polizei ins Krankenhaus, während Leon Steve besucht. Sie nehmen alle Aussagen der Beiden auf und erzählen von ihrem grossen Erfolg. Gestern Abend haben sie eine Bande junger Männer, die schon lange gesucht werden, verhaftet. Die Gang nennt sich «bown boys» und ihr Ziel ist es, Unschuldige zu  verängstigen oder sogar zu foltern. Dankbar schliessen sich die beiden Freunde in die Arme. „Schön, dass wir uns nicht verloren haben und davongekommen sind“, sagt Leon zu seinem verletzten Freund.

Tim Ayan Schnyder, 4. Klasse

© leafrei.com

Laudatio zu „Der Mann mit dem braunen Kittel“ den Siegertext von Tim Ayan Schnyder in der Kategorie B 

«Tim wählt für seine Geschichte Motive und Szenarien, die man aus Filmen und Games zwar kennen mag, er schafft es jedoch, eine eigenständige spannende Geschichte zu erzählen. Mit gut gezeichneten Figuren und einem in sich stringenten Handlungsverlauf. Tim erzählt detailtreu und ohne Abkürzung und greift das Wettbewerbsthema zum Schluss nochmals geschickt auf.»
Katja Alves, Schriftstellerin, Jurymitglied

Die 20 besten Geschichten werden in einem Büchlein abgedruckt, dass ab Mitte Juni bei der Schulverwaltung Amriswil käuflich zu erwerben ist.

Jury für den Schreibwettbewerb 2020/2021 :

Katja Alves, 1961 in Coimbra, Portugal geboren. Verfasserin von Radiotexten und Hörspielen, Romanen, Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Daneben arbeitet Katja Alves arbeitet sie als leitende Lektorin für den NordSüd Verlag. katjaalves.ch 

Jens Steiner, 1975 in Zürich geboren, schreibt seit zwölf Jahren Bücher für Erwachsene und Kinder. Seit Kurzem lebt er an der deutschen Ostseeküste. jenssteiner.ch

Urs Bader, Lic. phil. I Universität Zürich. Von 1984 bis 2019 Redaktor beim St.Galler Tagblatt, lebt in Amriswil.

Gallus Frei-Tomic, 1962 in St. Gallen geboren, Primarlehrer in Amriswil, Literaturvermittler und seit 2020 Programmchef im Literaturhaus Thurgau. literaturblatt.ch 

Illustration © leafrei.com

Die Siegergeschichte der Kategorie A: 1. und 2. Klasse

Der Wind

Ein Laubblatt hatte eine Freundin. Ein anderes Laubblatt. Sie hatten einen Streit. Auf einmal kam ein Windstoss. Beide wurden vom Baum geweht. Sie flogen in unterschiedliche Richtungen. Sie waren traurig, weil sie als letztes gestritten hatten. Werden sie sich jemals wiedersehen?

Anna Keller, 2. Klasse

© leafrei.com

Laudatio zu „Der Wind“ den Siegertext von Anna Keller in der Kategorie A
«Bäume im Wald können in einer eigenen Sprache miteinander reden. Sie können sich deshalb auch gegenseitig helfen, wenn sie in Not geraten. Das haben Forscher herausgefunden. Wieso sollen sich also zwei Laubblätter nicht auch befreunden können? So erzählt es uns jedenfalls Anna Keller in ihrer ebenso kurzen wie fantasievollen Geschichte mit dem Titel «Der Wind». Einfühlsam berichtet sie vom Schicksal der beiden Blätter, die ausgerechnet nach einem Streit auseinandergerissen werden. Was aus ihnen wird, bleibt offen. Auch deshalb ist die Geschichte anrührend.»
Urs Bader, Journalist, Jurymitglied

Die 20 besten Geschichten werden in einem Büchlein abgedruckt, dass ab Mitte Juni bei der Schulverwaltung Amriswil käuflich zu erwerben ist.

Jury für den Schreibwettbewerb 2020/2021 :

Katja Alves, 1961 in Coimbra, Portugal geboren. Verfasserin von Radiotexten und Hörspielen, Romanen, Sachbücher für Kinder und Erwachsene. Daneben arbeitet Katja Alves arbeitet sie als leitende Lektorin für den NordSüd Verlag. katjaalves.ch 

Jens Steiner, 1975 in Zürich geboren, schreibt seit zwölf Jahren Bücher für Erwachsene und Kinder. Seit Kurzem lebt er an der deutschen Ostseeküste. jenssteiner.ch

Urs Bader, Lic. phil. I Universität Zürich. Von 1984 bis 2019 Redaktor beim St.Galler Tagblatt, lebt in Amriswil.

Gallus Frei-Tomic, 1962 in St. Gallen geboren, Primarlehrer in Amriswil, Literaturvermittler und seit 2020 Programmchef im Literaturhaus Thurgau. literaturblatt.ch 

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