wir liegen
wie heu
zwischen unsere finger
lege ich
schafgarben und ameisen
über gras
und du sagst
dass vergangenheit nur woanders passiert
in rom vielleicht oder athen
setze ich mich anders hin
wende mich dem
heu zu
wenn wir die wiese einfahren
erinnere mich daran
pundui
coche fën
danter nosc dëic
conci su
ciarinac de paluch y furmies
sëura ierba
y te dijes
che l passà suzed mé nzaul de auter
a roma povester o a aten
sposti mi pëis
me ëute de viers
dl fën
canche fajon fansëch
lecordeme
mein haus
wackelt
es ist ein milchhaus
sagst du und
deinen worten
entnehme ich
einen stuhl
den schrank und
den schiefen gang
den gehe ich
zuerst die ferse
dann das kinn
entlang
mir schwindet
der blick
aus den augen
mein haus
wackelt
am besten
wir legen es
unters kissen
du nimmst es
aus meiner hand
drehend
fallen wir einander
über
mein haus
du
sage ich
unförmig
hebe ein neues
gewicht auf
wackel nicht so
mein bauch
will nach draußen
mir zerbricht
tatsächliches
im vollen
mund
gib mir mein
kissen zurück oder
schau du
morgen was
darunter liegt
mi cësa
ie ala zibla
l ie na cësa da lat
dijes tu y
da ti paroles
toli ora
n stuel
l castl y
l port
desbiech
ti vedi do
dl prim l ciauciani
pona l sumenton
l me
toma
la udleda
ora di uedli
mi cësa
ie ala zibla
la miecia iel
sce la meton
sot al plumac
tu me la toles
ora dla man
se raidan
tumons l un l auter
sëura
mi cësa
tu
diji
defurmeda
tlope su n pëis
nuef
no balesté tan
mi vënter
uel ora
uriteies
me se romp
tla bocia
plëina
dame inò ca
mi plumac o
cëla tu duman
cie che ie
sotite
ich spiele
die blockflöte
atme von hals
zu holz
wie
kommt es zu
kompositionen
wenn die zunge
unter holz liegt
ein mund
stück
zum einstimmen
gib mir einen
kammerton a
gib mir finger
die von distanzen wissen
etwas zum bohren
sodass luft fließt
suche ein instrument aus
sagten sie
aber die flöte kommt
zu allen
übe wie
damals
im gang sitzend
auf stufen
im mund
merkte sich das holz
meinen speichel
manchmal wollte ich
dass eine sprache
mich aufnimmt
mutter
wollte ich sagen
zu dir
sone
l flaut a bech
l fla va dal col plën
al lën
co
nasc pa
cumposizions
sce la lënga ie
sot al lën
l bech n toch
de bocia
da acurdé
dame n
la
de referimënt
dame dëic
che sà de destanzes
zeche da furé
che aria
passe tres
chier ora n strumënt
me ovi dit
ma l flaut ti toca a
duc
prova coche
ntlëuta
senteda te port
sun sceles
tla bocia
se lecurdova l lën
de mi spidoch
datrai ulovi
che na rujeneda
me tulëssa su
oma
ulovi ti dì
a ti
aus «cësa da lat dijes tu / milchhaus sagst du» (Limbus Lyrik 2026)

Nadia Rungger, geboren 1998 in Brixen/Südtirol, debütierte 2020 mit dem Erzähl- und Gedichtband «Das Blatt mit den Lösungen» (A. Weger). Sie ist vielsprachig auf gewachsen und studierte Germanistik und Angewandte Linguistik in Graz und Brixen. Ihre Prosa und Lyrik auf Deutsch und Ladinisch wurde mit mehreren internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Literaturpreis Merano Europa 2017, dem Ladinischen Literaturpreis Scribo 2018, dem Jurypreis Irseer Pegasus 2024 und dem Lichtungen-Lyrik-Stipendium des Landes Steiermark 2024. Die Uraufführung ihres Theaterstücks Morvëies/Wunder erfolgte 2024 im Stadttheater Bruneck für das europäische Projekt Phōnē. Gedichte von ihr wurden in mehrere Sprachen übersetzt, in Literaturzeitschriften veröffentlicht und bei Ausstellungen präsentiert, zuletzt im Landesmuseum Franzensfeste.
Beitragsbild © Miriam Raneburger
