Ein ganz spezieller Abend im Kulturforum Amriswil! Leser und Leserinnen feiern den letzten Teil der China-Trilogie von Jan-Philipp Sendker, den Roman «Am anderen Ende der Nacht», die SRF Literaturredaktorin und Bücherfrau Luzia Stettler für einmal mit einer Laudatio den Autor der Trilogie und ein ganzer Saal Marianne Nagel, die in der Bahnhofstrasse im thurgauischen Amriswil über 25 Jahre lang eine sorgfältig bestückte Buchhandlung führte und diese zu einem Begegnungsort werden liess.
Luzia Stettler, schon vor vier Jahren bei der Buchpremière von Jan-Philipp Sendkers letzten Romans «Herzenstimmen» dabei, hielt ihre Lobrede nicht allein für den Autor. Genauso für alle Leserinnen und Leser, die schon aus Sendkers erstem Roman «Herzenhören» über die Jahre einen Bestseller machten, ein Buch, dass sich zum Kultbuch mauserte und im kommenden Jahr nach einem Drehbuch des Autors verfilmt werden soll. Auch eine Lobrede auf all die kleinen, tapfer unabhängig bleibenden Buchhandlungen, solche wie die ehemalige Buchhandlung Nagel in Amriswil, die gemessen an den 13000 EinwohnerInnen mit 2500 verkauften Exemplaren von «Herzenhören» durch Überzeugung und Engagement Unglaubliches leisteten und leisten. Autoren wie Jan-Philipp Sendker wissen, was sie dieser Leidenschaft zu verdanken haben. Deshalb die Buchpremière seines neuen Romans in Amriswil, nicht in Hamburg, nicht in Berlin, nicht in München.
Was macht den Erfolg der Bücher von Jan-Philipp Sendker aus. Er schreibt authentisch, liebt seine Figuren und die Schauplätze. Man spürt, wovon er erzählt, nachdem er mit seinen intensiven Recherchen den Menschen in den entsprechenden Ländern zuhörte. Jan-Philipp Sendker schreibt ohne Kitsch über die grossen Themen des Lebens und schafft es, dass seine Bücher sowohl in China, Burma und in den USA gelesen werden. Er vertraut den Stoffen, ohne den Leserinnen und Lesern gefallen zu wollen. Sendker ist ehrlich, biedert sich nicht an, zeigt Mut, Themen aufzugreifen, in denen Zündstoff liegt, die verschlossene Länder für Leserinnen und Leser öffnen.
Dann erzählte Jan-Philipp Sendker. Er erzählte wirklich, fesselte einen ganzen Saal, nahm fast 300 Gäste mit auf eine Reise durch Buchhandlungen, fremde Gesellschaften und spannende Geschichten.
In den USA gibt es noch 2000 unabhängige Buchläden. Bei beinahe 350 Millionen Einwohnern eine unglaubliche Zahl. Dass dies auch für Autorinnen und Autoren zu einem Problem wird, nebst Kleinverlagen, ungewöhnlichen Buchprojekten, weiss Sendker aus eigener Erfahrung. Buchhandlungen, die es lieben, unabhängig zu bleiben, scheinen nicht nur in den Staaten auszusterben, diese kleinen subversiven Orte lebendiger Buchkultur, die sich den Kunden zum König machen. Läden wie jenen der Buchhändlerin Marianne Nagel, die am Schluss Sympathien und Dankbarkeit von einem voll besetzten Saal entgegennehmen durfte. Danke Marianne!

Zum Buch: Auf einer Chinareise erleben Paul und Christine einen Albtraum: Ihr vierjähriger Sohn wird entführt. Zwar gelangt David durch glückliche Umstände wieder zu ihnen, doch die Entführer geben nicht auf, sie wollen ihn zurück. Der einzig sichere Ort für die Familie ist die amerikanische Botschaft in Peking. Aber Bahnhöfe, Straßen und Flughäfen werden überwacht. Ohne Hilfe haben sie keine Chance, dorthin zu gelangen. Wer ist bereit, ihnen Unterschlupf zu gewähren und dabei sein Leben aufs Spiel zu setzen? Wem können sie trauen?
«Am anderen Ende der Nacht» erzählt von Menschen, die nicht mehr viel zu verlieren haben und sich gerade deshalb ihre Menschlichkeit bewahren. Ein Buch über jenen dunklen Teil der chinesischen Gesellschaft ohne ethisches, moralisches Fundament. Über Menschenhandel, ein Thema, das allerdings nicht nur in China grassiert.
Jan-Philipp Sendker, geboren in Hamburg, war viele Jahre Amerika- und Asien-Korrespondent des Stern. Nach einem weiteren Amerika-Aufenthalt kehrte er nach Deutschland zurück. Er lebt mit seiner Familie in Potsdam. Bei Blessing erschien 2000 seine eindringliche Porträtsammlung «Risse in der Großen Mauer». Nach dem Roman-Bestseller «Das Herzenhören» (2002) folgten «Das Flüstern der Schatten» (2007), «Drachenspiele» (2009) und «Herzenstimmen» (2012). Seine Romane sind in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Mit weltweit über 3 Millionen verkauften Büchern ist er einer der aktuell erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren.
Wie der amerikanische Traum eines deutschen Autors wahr wurde – SRF
Bilder dieses Abends folgen!
(Titelzeichnung Lea Frei)

Bar, nicht weit vom Bahnof, eingeklemmt zwischen kubische Glaspaläste der Neuzeit. Eigentlich ist Max Schriftsteller, aber so gern er manchmal schreibt, so gerne tut er das, was im alten Gemäuer seiner Bar an Arbeit anfällt, sei es auch nur der Gang mit zum Altglas auf dem Handwagen zur Sammelstelle. Seine Bar ist der Ort seiner Geschichten, wie jene, die der Bar den Namen gibt oder jene, die erzählt, warum an der einen Wand ein Stierkopf hängt, der einmal in der Not gar ersetzt werden musste. Geschichten von Menschen, die Stammkunden in der Sevilla Bar sind und über deren Leben Max als Barbesitzer und -betreiber unweigerlich vielmehr erfährt, als sässe er zuhause allein hinter seinem Schreibtisch: Von Ismail, der nie zur Ruhe kommt, von Miguel Fernando Morales Delavilla Miguelanes, dessen Frau Max einen Korinthenkacker und Hochtonfurzer schimpft. Oder von seinem ehemaligen Lehrer Toni Kuster und seinem Cowboy-Freund aus den Everglades.
Alex Capus, geboren 1961 in der Normandie, lebt heute in Olten. 1994 veröffentlichte er seinen ersten Erzählungsband «Diese verfluchte Schwerkraft», dem seitdem weitere Romane, Bücher mit Kurzgeschichten und Reportagen folgten. Alex Capus verbindet sorgfältig recherchierte Fakten mit fiktiven Erzählebenen, in denen er die persönlichen Schicksale seiner Protagonisten einfühlsam beschreibt. Bei Hanser erschienen zuletzt die Romane «Léon und Louise» (2011) sowie der Western «Skidoo» (2012).
Bodo Kirchhoff schreibt frei aller Sentimentalität über das Zusammenkommen zweier in die Jahre Gekommener, über das Hereinbrechen von Gegenwart und Vergangenheit, über die tiefen Schnitte ins Leben, die wohl vernarben aber nie verheilen, über zwei, «die Pleite gemacht haben, eben nicht nur mit Büchern und Hüten». Bodo Kirchhoff tut dies so kunstvoll, dass es mich als Leser zuweilen überrascht, mit welcher Leichtigkeit er schwierige, nicht zu beantwortende Fragen des Lebens in den Text verwebt. Er erzählt, als wäre die Novelle die Analyse des Geschriebenen selbst und macht den Text noch um eine Facette reicher. Eine Novelle, der alles birgt und doch nicht überbordet; von der zaghaften Liebesgeschichte bis zur Begegnung mit dem Flüchtlingselend in Sizilien. Reither wird gerettet, gerettet nicht durch Liebe, nicht durch den Aufbruch, sondern vom Faden eines afrikanischen Fischers.
Geboren 1948 in Hamburg, beschult in einem christlichen Internat am Bodensee, Ausbilder beim Militär und Eisverkäufer in Amerika. Ab 1971 studierte er Heilpädagogik in Frankfurt am Main. 1979 erschien seine erste Veröffentlichung im Suhrkamp Verlag. Viele seiner zahlreichen Romane beschäftigen sich mit der Organisation von Intimität, etwa der Freundschaftsroman «Eros und Asche» oder die Paar- und Liebesromane «Wo das Meer beginnt» und zuletzt sein großartiges Meisterwerk «Die Liebe in groben Zügen». Ein Roman unter anderem über «die unstillbare Sehnsucht nach Liebe: die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam», den ein Kritiker als ein Liebesbrevier für Fortgeschrittene bezeichnete. Im Herbst 2014 erschien sein Roman «Verlangen und Melancholie» und wurde von der Kritik einhellig als großes Werk gefeiert.
David Mitchells Roman «Knochenuhren» ist eine Reise durch die Zeit, von 1984 bis 2043. Die Geschichte um Menschen, die sich ausserhalb der endlichen Zeit bewegen, die auf ganz verschiedene Art nicht unsterblich, sich selbst aber eine Tür über den Tod hinaus öffnen können. Mitchell beginnt die Geschichte in der nahen Vergangenheit, hinein in eine Zeit des Umbruchs bis in eine nicht allzu ferne Zukunft, wo das übrig gebliebene Öl nur noch einer kleinen Bevölkerungsgruppe zugänglich ist und von Menschen gemachte Katastrophen die Welt in die Anarchie reissen. Ein Roman um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, der ausserhalb der menschlichen Zeit ausgetragen wird.
Holly Sykes ist der rote Faden durch die weiten Räume des Buches. Aber so wie Erzählperspektiven ändern, so ändern auch die Tonarten der Sprache. Holly Sykes aber begegnet man immer wieder, sei es als Frau von Ed Brubeck, einem Kriegsreporter, der den Kampf zwischen seinen Pflichten als allzeit bereiter Kriegsreporter und brauchbarem Familienvater zu verlieren droht. Oder als Freundin des Schriftstellers Crispin Hershey, der, verwöhnt von den Erfolgen seiner ersten Bücher, den Tritt im Schreiben verloren hat und sowohl vom Verlag wie vom Literaturbetrieb bitter abgestraft wird. Hershey lächelt zuerst über Holly Sykes, die in einer ganz anderen Nische als er mit ihrem Buch über «Radiomenschen» den Erfolg wie einen Kometenschweif hinter sich herzieht.
David Mitchell, geboren 1969 in Southport, Lancaster, studierte Literatur an der University of Kent, lebte danach in Sizilien und Japan. Er gehört zu jenen polyglotten britischen Autoren, deren Thema nichts weniger als die ganze Welt ist. Für sein Werk wurde er u.a. mit dem John-Llewellyn-Rhys-Preis ausgezeichnet, zweimal stand er auf der Booker-Shortlist. Sein Weltbestseller Wolkenatlas wurde von Tom Tykwer und den Wachowski-Geschwistern verfilmt. David Mitchell lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Clonakilty, Irland.
den sie schon morgens in die Arme nahm. Seine Mutter Marlene, die ihren Namen hasste, weil er ein Programm sein sollte, der Beginn einer Karriere wie die der Dietrich. Mutter Marlene, die dann ausbrach und sich in der linken Szene Hamburgs Henk angelte, der dort in langen Nächten mit allerlei Wilden, darunter auch Ulrike Meinhof, sich in neue Sphären diskutierte und daraus irgendwann Nachwuchs wurde, er, Benedict, mittendrin. Bis sein Vater als Journalist während eines Auftrags für ein deutsches Nachrichtenmagazin im kolumbianischen Rebellengebiet verschwand und als entführt und umgekommen erklärt wurde. Seine Mutter entfloh damals der Welt, nahm ihren Sohn Ben mit und gab ihrem einzigen Kind jene Vergangenheit, von der sie meinte, es wäre die einzig richtige.
«Bei Sturm am Meer» ist Philipp Bloms erster Roman. Bisher veröffentlichte er hauptsächlich geschichtliche Werke wie bei Hanser «Der taumelnde Kontinent. Europa 1900 – 1914 (2009) oder «Die zerrissenen Jahre. 1918 – 1938 (2014). Als Journalist hat Blom in Zeitungen und Zeitschriften in Grossbritanien (The Guardian, The Independent, Financial Times, Times Literary Supplement) und im deutschsprachigen Raum (Die Zeit, Neue Zürcher Zeitung, Frankfurter Allgemeine, Süddeutsche Zeitung, Der Standard) publiziert. Im österreichischen Kultursender Ö1 moderiert Blom regelmäßig die Diskussionssendung «Von Tag zu Tag».
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Obwohl persönliche Erfahrungen Eingang in meine Bücher finden, würde ich nie eine Autobiografie schreiben. Das ist mir zu sehr Seelenstriptease. Auch würde ich keinen Roman schreiben, bei dem man mir ein Thema vorgibt, und als Coautorin für Prominente wäre ich ebenfalls eine Fehlbesetzung.
Dominique Anne Schuetz, geboren in Winterthur, aufgewachsen in St. Gallen, ist Mutter von zwei Söhnen und lebt in der Nähe von Zürich. Sie war Creative Director und hat zahlreiche Preise erhalten. Heute ist sie erfolgreich als Künstlerin und Autorin tätig und wurde für ihr literarisches Schaffen ausgezeichnet.
Reinhard Kaiser-Mühlecker schreibt in grossen Bögen, aus der Sicht der beiden scheinbar ungleichen Brüder, die sich bloss noch durch Zufälle näher kommen, und dann viel näher, als sie erahnen.