Bruno Winzap «Einer wie Heusser», edition bücherlese – das erste Kapitel

Das Mimosenhafte lag Doktor Heusser nicht. Was er jedoch keinesfalls wollte, war Fruchtwasser, das in den Achselhöhlen klebte; und das kam vor – bei vollen drei Eimern, die einem Tierarzt bei der Geburtshilfe unerwartet von einer kalbenden Kuh entgegengepresst werden konnten. Allein die Vorstellung, dass Fruchtwasser von den Achselhöhlen über seinen Oberkörper lief und dort kleben blieb, hätte ihn fast umgebracht.
Keine Uhrzeit war Heusser fremd – weder am Tag noch in der Nacht. Man konnte ihm zu jeder Stunde begegnen, wenn ein Rind bei der Geburt Schwierigkeiten hatte, oder ein Kalb verunfallt war. Im weiten Tal und in den Dörfern an den Hängen kannten alle das Kontrollschild des dunkelgrünen VW und grüßten den Wagen, nicht den Fahrer. Heusser kannte die ersten Lichter im Stall und die letzten: Die Lichter mit Zeitschalter, die angingen bevor der Bauer aufstand und jene, die nach 20.00 Uhr noch leuchteten, wenn einer spät melkte. Er wusste genau, wer nicht aufstehen mochte, und wer seine Zeit tagsüber vertrödelte. Hauptsache den Nachbarn fiel nichts auf. Unterstützungsgelder gab es in den 1960er-Jahren für das Bauersein, nicht für das Aufstehen am Morgen. Was er beim Fahren alles sah, behielt er für sich. Heusser war ein stiller Beobachter, kein Mann großer Worte. Oft im Wagen unterwegs und in Gedanken verloren, knetete er seine Lippen, biss darauf, pfiff ein Lied aus dem Autoradio mit oder wechselte die Rundfunkstation, wenn das Rauschen klang, als entspränge es einem chronisch entzündeten Rachen. Er liebte Melodien, die ihn vom Alltag ablenkten und beschwingte Töne, die das dauernde Jammern der Bauern, aus seinem Innern verbannten. Er liebte Jazz. Die Frauen, die ihn sangen. Die Männer, die für ihn kämpften. Er liebte die große Familie der Musiker, die in ihren Klängen jene Wahrheit fanden, die das Leben selbst nie ganz auszusprechen vermochte.

Peter, ein Bauernjunge der zweiten Unterstufenklasse, dachte gerne und oft an den kleinen rundlichen Mann mit der hohen Stirn, den kurzen Haaren, die geometrisch streng zu einer geraden Linie geschnitten waren und keine Locken, dafür einen Wirbel zuließen. An Heussers Augenlider, die sich erfolgreich dagegen wehrten, mit den Tränensäcken eins zu werden. An den kurzen Hals, an dem ein lockerer Adamsapfel rollte, der freundlich tänzelte, wenn ihm dies der Rachen erlaubte. Auch das dicke Bäuchlein fiel auf, der lederne Gurt, hinter den er sein Hemd in den Bund strich, und an dem er die Hosen, aus meist dickem Manchestercord, in die Höhe zog. Und an die, entlang der Säume doppelt genähten ledernen Bergschuhe, mit den Falten und Kerben an den hohen Schäften, die der Arzt dick eingefettet hatte, um Schnitte und feine Risse im Leder abzudichten. Kratzer aus einem Leben, die Geschichten hätten erzählen können: von Arbeit weit außerhalb warmer Stuben und glatten Parketts.
Peter war noch ein Junge, als ihm auffiel, wie Heusser, kaum auf Vaters Hof angekommen, seinen 1300er VW-Käfer wendete, den Wagen mit Käfer-typisch knatterndem Motor rückwärts nah an den Stall fuhr, den Motor abstellte, den Zündschlüssel steckenließ und mit einer Drehung zur Stalltür hin aus dem Wagen schwang. Im Nu entledigte er sich seines Vestons, warf diesen, die Innenseite nach außen gedreht, auf den Rücksitz des Wagens und zog den Pullover aus, um seine Arbeitskleider anzuziehen. Gedanklich beim Grund seines Auftrages und meist im Kopf bereits bei der Patientin, sah er seinem Vater verschmitzt in die Augen.

Peters Vater züchtete Vieh. Mit Hornführern richtete er seinen Kühen die Hörner, sodass sie symmetrisch in die Höhe wuchsen und somit an Ausdruck gewannen. Er achtete darauf, dass die Euter schön hingen und mit ihren Geflechten hervorstehender Venen eine hohe Milchleistung versprachen. Nach der Größe des Euters und der Ausgeglichenheit der Falten, die sich zu den Zitzen hin verstrichen, wurden Kühe bewertet: Die linke wie die rechte Seite des Euters, der vordere wie der hintere Teil. Glatt, weich und voller Milch. Nach jedem Kalb, das eine Kuh geboren hatte, wurde das Euter üppiger, faltiger und hängender. Im Alter nahm die Milchleistung zu, das Aussehen des Euters hingegen nahm ab. Wenn Peter mit seinem Vater auf dem Feld oder im Stall arbeitete, erkannte er, dass in dieser Arbeit Ausdauer steckte und darin der Erfolg verborgen lag. Er liebte die ruhige Art seines Vaters, die manchmal fast streng wirkte und doch etwas Fürsorgliches in sich trug. Nie sprach er von „Vieh“, sondern immer von einzelnen Tieren, die er jedes bei seinem eigenen Namen nannte. So wuchs sein Viehbestand, kräftig, gesund und weit über das Tal hinaus gefragt. Sein Erfolg in der Zucht und im Verkauf von Kühen kam nicht von Modernität, dem Kennen von Zuchtlinien allein, auch nicht von sturer Tradition. Er stand irgendwo dazwischen, was Heusser sehr an ihm schätzte.
„Was hast du mir da für eine schöne Geschichte? Erzähl mal!“ Er reichte Vater die Hand und lächelte: schaute nach den Knaben, nach den Töchtern, die dabei sein wollten, wenn Hilfe gebraucht wurde, und fragte genauer nach dem, was im kurzen Telefonat, das ihn herbeigerufen hatte, ungesagt geblieben war. Während ihm der Vater die Vorgeschichte und Beobachtungen darlegte, griff Heusser leise und ohne hinzusehen in den Wagen. Er hob – in Gedanken bereits bei der Geburt – seine Tasche für die Geburtshilfe und einen Rucksack mit allerlei Utensilien heraus, um für die Untersuchung und eine erste Behandlung gewappnet zu sein.
Der Tierarzt im Stall belebte den Alltag der Bauern wie den der Kinder, wenn sie nicht gerade in der Schule waren. Die allermeisten Kinder kannten ihn, das heißt seinen Wagen. Zum ersten Mal richtig wahrgenommen, hatte Peter den vom Vater bestellten Tierarzt, als er in der zweiten Klasse war. Er erinnerte sich, wie Heusser Fragen stellte, um sich zu vergewissern, ob alles stimmen konnte, was ihm bisher geschildert worden war, wie er zuhörte und wie sich Arzt und Bauer schweigend musterten, wie sie gemeinsam nachdachten, einander ansahen, als hätten sie noch nicht alles gesagt, oder nicht alle Fragen gestellt, die wichtig waren. Peter beobachtete jedes Mal von Neuem, wie Heusser seinen Blick dem Patienten zu, und wieder von ihm abwandte. Unter den erwartungsvollen Blicken des Vaters, wie auch Peters Geschwister, trat der Tierarzt bald mit einem Verdacht im Hinterkopf ans Tier heran, maß das Fieber, horchte es ab, oder griff, geschützt durch einen langen Handschuh dorthin, wo er sich Klarheit für einen Befund zu erlangen hoffte.
Heusser war kein Zauderer, kam schnell zur Sache und sprach wenig – oder nichts – bis das Problem; „der Fall“, wie er es nannte, gelöst war. Heusser schwieg, wenn er sich konzentrieren musste, wenn er seine Gedanken ordnete, bevor er seinen Standpunkt deutlich machte. Doch nicht immer fand er Worte dafür. Ob er sich nicht gezielter ausdrücken konnte oder wollte, oder wo er sich – je nach Stand und Verlauf eines Gesprächs – gedanklich gerade aufhielt, blieb Vater vielfach ein Rätsel. Wie er gegenüber seiner Frau und den Kindern sagte, war ihm das jedoch einerlei. Dessen ungeachtet verstanden sie sich. Vater schenkte Heussers gedanklicher Abwesenheit, seiner Zerstreutheit keine Beachtung. War der Tierarzt in Eile, erwartete er vom Vater, dass dieser vorausdenke, um den nächsten Behandlungsschritt zu erahnen – ebenso wie die tatkräftige Mithilfe aller, die sich im Stall aufhielten. Für Zuschauer, die nur herumstanden und den Eindruck von Langeweile hinterließen, hatte er keinerlei Verständnis. Dabei konnte er sehr direkt, forsch und impulsiv werden, sodass die Kinder erschraken, sich um den Vater Sorgen machten und Heusser mit aufgerissenen Augen und halboffenem Mund anstarrten.

Unvergesslich blieb Peter jener Abend, als sein Vater kurz nach Eindunkeln – plötzlich verunsichert – um die Hilfe seiner älteren Söhne, mit fortschreitender Zeit und zunehmend besorgter auch um Hilfe seines Tierarztes gebeten hatte. Er bangte bei einer bevorstehenden Geburt um das Wohl einer Kuh, das Leben des Kalbes und um die Erreichbarkeit seines Arztes, je nach Arbeitsanfall und Übermüdung des Veterinärs, auch um dessen Laune.
Obwohl er mit ihm geschäftlich befreundet war, war er dafür nicht zuständig, jedoch gerade an einem solchen Abend dringend auf Heusser angewiesen. Geburten setzten Peters Vater zu. Sie hatten ihn in all den vergangenen Jahren gelehrt, wie rasch Glück ins Unglück kippen konnte. Unvorhersehbar konnte die Gebärende oder das Geborene Schaden nehmen. Vater brauchte einen erfahrenen Geburtshelfer.
Alles drehte sich um eine Kuh mit dem wohlklingenden Namen Ramona oder Rina oder Ronella, der heute, man mag es bedauern, niemanden mehr interessiert, weil alle Kühe Ohrmarken mit zwölf Ziffern und einem Strichcode tragen müssen, die digital und in ganz Europa oder auf der ganzen Welt lesbar sein müssen. „Wegen des Wahnsinns“, wie die Bauern damals meinten.

„Heusser. Tierarzt.“ meldete er sich am Telefon. Im Stall war er „Alexander“.
Wenn ihm die Arbeit eine Lücke ließ, oder wenn, wie damals der Feierabend kam, so musste man nicht lange auf ihn warten.
An jenem Abend schien er in Eile. Er schien immer in Eile. „Alexander eben!“ So kannte man ihn. So wurde im Tal von ihm gesprochen. Oder dort, wo Kaffee mit Gebranntem getrunken wurde. Oder zwei, oder drei. So kannten ihn die Bauern. Heusser selbst steckte weg, worüber geredet wurde. Es tat weh, wenn ihm Negatives zu seiner Person zu Ohren kam. Und weil er meist allein im Auto saß, fand er dort, in sich gekehrt, Zeit, Kritik zu hinterfragen. Gelegentlich tröstete er sich mit Gedanken an seine wahren Freunde im Leben; an geliebte Menschen, an die, die das Reden ließen.

Kaum herangebraust, weil von Peters Vater zur Geburtshilfe bestellt, schlüpfte Heusser in seinen wasserabweisenden Übermantel, der seine feste Hose und sein Kurzarmhemd bedecken sollte, und zwängte sich hastig in dessen Ärmel. Den Mantel band er hinten fest und überprüfte die Dichtigkeit so gut es ging. Er war sich sehr wohl bewusst, dass jedes klebrig- wässrige Nass einmal eine Falte des Geburtsmantels, eine Nahtstelle oder einen Haarriss finden würde, um sich zwischen neunzig Zentimeter langem Plastikhandschuh, wasserabweisendem Mantel und T-Shirt einen Weg zu finden, dahin zu fließen, wo er es nicht als angenehm empfand, ja, wo er es gar verabscheute: in seine Achselhöhlen.
Auf dem Weg in den Stall blickte er schnell zum Himmel. Der Mond schien hell und war dreiviertel voll, ob zu- oder abnehmend, interessierte ihn im Moment nicht. Er reichte Vater die Hand und musterte die Runde der besorgten Gesichter um ihn herum.

Schon an der Schwelle empfing ihn der vertraute Geruch der schweren Kühe, des Heus und des frischen Futters. Links und rechts des mittleren Gangs standen die Tiere in Reih und Glied am Futtertrog, tief im eingestreuten Stroh angebunden. Ihre Leiber wirkten groß und im Halbschatten schwer, die Rücken glänzten feucht. Wenn sie die Köpfe bewegten, klirrten leise die Ketten, mit denen sie angebunden waren. Vor ihnen lag reichlich Futter; ein Gemisch aus trockenem Heu und etwas Silage, das sie gleichmäßig und geduldig kauten.
Hinter den Tieren zog sich die Mistgrube wie ein dunkler Graben entlang des Liegebereichs, da und dort gefüllt mit frisch ausgeschiedener, schwerer und dampfender Masse, die regelmäßig hinausgeschafft wurde.
Alle Lampen waren an und mischten ihr Licht mit dem fahlen Schein von draußen, der nur noch in schmalen Streifen durch die kleinen Fenster fiel und sich sofort im Dunst der Wärme und des feinen Heustaubs verlor. Ohne die langen Neonröhren im Gang wäre es drinnen zu dunkel gewesen.
Die Kuh, die in den Wehen war, hatte sich bereits hingelegt. Der Vater hatte ihr mehr Platz geschaffen und die Nachbarkuh etwas zur Seite gebunden, was Heusser sofort bemerkt hatte. Das ruhige Mahlen der Kiefer, das Schnauben, das Knacken der Gelenke spielten eine eigene Musik, die den Raum füllte. Ab und zu schlug ein Schwanz gegen die Flanke eines Tieres, ein Ohr zuckte im Summen einer Fliege. Weit hinten im Stall tanzten die Kälber verspielt in ihrer eigenen Welt. Nichts schien die Tiere in ihrer Geborgenheit zu stören, niemand sie in ihrem stillen Wiederkauen zu beirren. Den Stallgang stets sauber zu halten und ihn unaufgefordert zu wischen, war für Peter und seine Brüder Pflicht.

Für Peter war Heusser nicht wirklich dick, nicht so, wie ihn die anderen Jungen beschrieben, aber klein und etwas fest war er schon. Einer der wusste, was er wollte: Wasser, Seife, Handtuch, und der sich mit einem: „Herzlichen Dank, Elsi!“ bei Elsbeth, Peters Mutter, erkenntlich zeigte, wenn sie ihm die Seife in der Schale, das frische Frottiertuch und das temperierte Wasser brachte, und die Sachen mit einem „Macht es gut!“, nah bei der Patientin zurückließ. „Ihr lasst es mich wissen, wenn ihr noch etwas braucht!“, rief sie in die Runde und warf besorgt einen letzten Blick zur Kuh, drehte sich um, sah Vater still in die Augen, nickte Alexander zu und verschwand zurück ins Wohnhaus. Sie war ausgebildete Krankenpflegerin, der Stall lag ihr nicht besonders. Ungeschrieben die Abmachung, aber dennoch klar: Elsbeth stand fürs Wohl der Familie, Vater gehörte der Stall.

„Tönt nach einer speziellen Geschichte“, meinte Heusser, als er versuchte, einen ersten Hinweis auf den Zustand der leidenden Kuh zu erlangen. Die Blicke der wartenden Kinder waren auf den Arzt gerichtet. Er erwiderte sie nicht. Seine Aufmerksamkeit gehörte der Patientin, die am Boden lag. Er musterte Vater, studierte an irgendetwas längst Vergangenem herum, ohne wirklich etwas dabei zu denken und murmelte: „Sonst hättest du wohl nicht angerufen!“ Mit einem bedachten Augenzwinkern und wohlwollender Genugtuung nahm er die Anwesenheit der Jungen zur Kenntnis. An ihre Namen erinnerte er sich im Moment nicht, hatte sie wieder vergessen oder verwechselte sie, und dass auch eine von Peters Schwestern bereit war, bei der Geburt mitzuhelfen, übersah er im Moment. Nach kurzer allgemeiner Untersuchung der im Stroh liegenden Kuh, rang sich Heusser mit übergestreiftem langem Plastikhandschuh, erst kniend, dann robbend in die vorweg desinfizierten und mit viel künstlichem Geburtshilfeschleim gleitfähig gestrichenen Geburtswege der Patientin. Peinlichst darauf bedacht, dass keine Ausscheidung an seine nackte Haut gelangte: nicht ins Gesicht, nicht in den Nacken, nicht unter die Achseln. Mit gestrecktem Arm im Becken der Kuh lag Heusser im tiefen Stroh und machte sich ein Bild von der Situation in der Tiefe des Rinderbauchs. Nach kurzer Zeit drehte er seinen Kopf und wandte sein Gesicht Vater zu, als wollte er diesen etwas fragen. Peter spürte, wie sein Vater ins Zweifeln geriet, als hätte er womöglich etwas nicht gut gemacht oder zu lange gewartet. Was jedoch nicht zutreffen konnte, so wie die Kinder ihren Vater kannten, der lieber zu früh, als zu spät um Hilfe bat. Heusser blieb ruhig, sagte nichts. Er überlegte, was er genau vorgefunden hatte, stellte sich vor, wie das Kalb in der Kuh liegen musste und was in diesem Fall alles anders war als üblich. Bei einer normalen Lage des Kalbes lag das Köpfchen zwischen den gestreckten Vordergliedmaßen vor dem Becken oder bereits darin. Er spürte, dass das Kalb in der vorgefundenen Stellung das trächtige Gebärmutterhorn, einen der beiden langen Ausläufer der Gebärmutter der Kuh, gedreht hatte. Durch das Ungleichgewicht des einen gegenüber dem anderen Gebärmutterhorn drehte in der Folge die ganze Gebärmutter mit, einmal, möglicherweise sogar mehrere Male um ihre eigene Achse. Mit seiner Erfahrung ertastete Heusser das für eine erfolgreiche Geburtshilfe Entscheidende: in welche Richtung das Kalb verdreht lag. Mit einem Ruck blickte er zum Vater auf. „Das Kalb liegt falsch“, sagte er. „Es hat sich gegen den Uhrzeigersinn gedreht.“
„Also doch,“ stimmte Vater leise bei und erschrak. Er kannte die Geburtskomplikation dank seiner Ausbildung und von früheren Geburten, bei denen er tierärztliche Hilfe gebraucht hatte, und wusste, wie herausfordernd diese für alle Beteiligten nun sein würde. Peter spürte Vaters Unsicherheit, meinte zu bemerken, wie die Luft im Stall dicker wurde, sah von Vater weg, wandte sich dem Arzt zu. Noch konnte er sich kein genaues Bild von der Stellung des Kalbes im Bauch der Kuh machen – und verstand nicht recht, wovon Heusser sprach. Das ärgerte ihn.
Schließlich hatte ihn Vater gerufen, um mitzuhelfen. Wie es nun aber schien, blieb ihm nur die Rolle des Zuschauers.
„Erschwerend kommt dazu, dass die Kuh an einem erschöpften Stoffwechsel leidet, daher steht sie nicht mehr auf, und weil das Verdrehen der Gebärmutter schmerzt, richtig schmerzt…,“ Heusser hielt kurz inne: „Wahrscheinlich kann sich das niemand richtig vorstellen…“ Er brach seine Erläuterungen ab, zog seinen Arm abrupt aus dem Geburtsweg, erhob sich, streifte den Handschuh im Gehen ab und ging hinaus zum Wagen. Aus einer Schublade wählte er eine Infusionsflasche für den entgleisten Stoffwechsel der Gebärenden und sagte: „Die Kuh hat Schmerzen. Wirkliche Schmerzen.“ Vaters innere Unruhe, seine Anspannung ließ keinen Wortwechsel zu. Er wollte sich das von Heusser im Detail Geschilderte gar nicht vorstellen, weil er sich um das Wohl der Kuh sorgte und ein lebendes Kalb erwartete. Es war für ihn der falsche Moment, über Schmerzen zu sprechen. Keine günstige Zeit für Geschichten.

„Setz dich hier hin und halte die Kuh an den Hörnern,“ wies Heusser den Vater an, der sich auf die breiten Schulterblätter der liegenden Kuh gesetzt hatte und deren Kopf auf den Schoss nahm, als wollte er ihr etwas in die Ohren flüstern. Heusser stach eine stählerne Nadel in ihre Halsvene und verband Schlauch und Infusionsflasche miteinander. Er drückte dem Bauer die Flasche mit der Aufforderung in die Hand, diese ruhig zu halten, den Tropfen im Infusionsschlauch seine volle Aufmerksamkeit zu schenken, die Kuh und sich selbst möglichst nicht zu bewegen und zu tun, was von ihm verlangt wurde. Dass Heusser ein Schmunzeln nicht verbergen konnte, blieb Peter nicht verborgen. Als Arzt konnte Alexander, wie ihn künftig auch die Kinder nannten, zweifelsohne sehr direkt und streng sein, um seiner inneren Spannung Luft zu verschaffen. Dabei stieß er den einen oder anderen vor den Kopf. Mit selbstkritischer Ironie fand er jedoch meist rasch zum Charme des ehrlichen Humors zurück, der ihm in einer heiklen Situation Raum verschaffte, eine veränderte Situation unverzüglich neu zu beurteilen, der verborgenen Tragik eines unerwarteten Ereignisses die Kraft zu nehmen und Zeit zum Nachdenken zu gewinnen.
Bereits nach wenigen Minuten legte sich die Angespanntheit beider. Die, des Vaters und die des Doktors, weil sich die Kuh, allerdings noch etwas schwach, erhob und sich aus der Krippe einige wenige dürre Halme suchte. Bald jedoch ließ sie wieder davon ab, weil die Wehen oder ihr allgemeines Unwohlsein wohl größer waren als das Begehren nach Futter. Der Tierarzt rühmte die Buben, die mithalfen und die ihm auf sein Geheiß Strohballen reichten, damit er, seiner Körpergröße gerecht werdend, etwas höher stehen konnte. Er lobte ihre schnelle Hilfe, wobei Peter zweifelte, ob Heusser die Hilfe wirklich schätzte, oder ob er nur so tat. Heusser erklärte schnell, dass er das Kalb in der stehenden Kuh zurückdrehen wolle, bis es richtig liege, um es dann zu entbinden. Er verdeutlichte den Jungen, dass er die einzusetzende Kraft der Winkelung des Beckens der Gebärenden anpassen und die Arme als Hebel für mehr Kraft, vermeintlich länger werden lassen wolle. Dass er deswegen die Strohballen wünschte und folglich auf diese steigen werde. Die älteren Jungen glaubten ihm, wie Peter meinte. Es tönte nach Physik. Vielleicht jedoch hörten sie gar nicht richtig zu. Heusser ging davon aus, dass sie ihm gedanklich folgen konnten, ging damit jedoch von falschen Voraussetzungen aus. Nur Peter versuchte, die Anweisungen des Tierarztes zu verstehen. Er stellte sich Verschiedenes vor, ohne in der Lage zu sein, sich über das Gesehene und Gehörte ein genaues Bild zu machen. Er traute sich im Moment jedoch nicht, eine Frage zu stellen.
Der Arzt wusch die Zucht, das Genital der Kuh, ein weiteres Mal mit Wasser und Seife. In Gedanken beim Kalb zog er sich einen neuen Handschuh hoch zur Schulter und trug viel Gleitmittel auf. Mit einem flinken Sprung erklomm er die Strohballen und griff hastig in die dunkle, warme Tiefe der Gebärenden, um sich mit einer Drehung aus dem hohlen Kreuz und mit angespannter Bauchmuskulatur, Kraft zum verdrehten Kalb hin aufzubauen. Der Vater hielt den Schwanz der Kuh zur Seite. Peter starrte auf die sich aufstellenden Nackenstränge des Arztes, wo sich die kurzgetrimmten Haare in sonderbarer Anordnung, mal gerade, mal quer und abwechselnd zur Halsachse ausbreiteten und sich viele Freiheiten nahmen. Er sah Heusser an, dass die Drehung des Kalbs im gewundenen Gebärmutterhorn viel Kraft und Geschick verlangte, allerdings brauchte es – wie Heusser erklärte – deutlich weniger Zeit, als wenn sie alle miteinander die Kuh am Boden hätten wälzen müssen, damit sich das Kalb in ihrem Leib, in die richtige Lage zurückbewegen würde, so es denn gelänge. Peters Blicke wechselten von Heusser zum Vater und zurück zu Heusser. Er staunte, wie der Tierarzt die Balance hielt, wie er sich, nur auf dem rechten Bein stehend, mit dem linken Bein und angewinkeltem Knie wippend, mit dem gestreckten Arm in der Kuh, Kalb und Gebärmutter im Uhrzeigersinn, zurückzudrehen versuchte. Peter schien, als wände sich der Arzt regelrecht in die Höhe, als versuchte er die Kuh in die Höhe zu schrauben. Heusser erklärte den Buben, dass er versuche das Kalb in der Tiefe der Gebärmutter, hinten am Nacken zu fassen und es mit einer schwingenden Bewegung in die richtige Position für die Geburt zu bringen.
Doch wehe! das Kalb gab dem Druck nicht nach, wich nicht der Anstrengung und der Stärke des Tierarztes. Sprachlos folgte Peter dem Geschehen und staunte, woher der Arzt seine Kraft holte.

„Komm jetzt!“ fuhr Heusser das Kalb mit ungeduldiger Stimme an, als könnte es ihn verstehen. Heussers rechter Ellbogen machte bereits den Eindruck, dass er schmerzte, obwohl Heusser – wie er sich einmal dazu geäußert hatte – seine Gelenke jeden Tag eindringlich bat, ihm in den kommenden Tagen keinen Ärger zu machen. Jetzt griff er nach, suchte eine Stelle, eine tiefe Hautfalte weit hinter dem Nacken des Kalbes, griff ins Leere, langte nach, „Komm jetzt“, rief er dem Kalb zu und wünschte sich, es würde ihm gehorchen. Er wiederholte seinen kräfteraubenden Versuch ein zweites Mal: „Warte nur da drin. Dich, genau dich will ich haben!“ Er lächelte ohne wirklich lächeln zu wollen, eher um keine Schwächen zu zeigen, während er auf die Backenzähne biss, und hakte ein drittes Mal nach: „Du gehörst mir“. Er stöhnte und wünschte sich, dass es niemand hörte, und das Kälbchen nachgäbe, mitmache und mithelfe, um ihn als Arzt und Geburtshelfer, von Versagensangst und bald auch von Gelenks- und Muskelschmerzen zu erlösen.
„Warum willst du nicht? Klemmst du? Oder bist du eingeklemmt? Warum hältst du dagegen?“ Heusser griff tief hinter den seitlich weggedrehten Kopf des Kalbes und erhöhte den Druck aus dem hohlen Kreuz. Er starrte an die Decke, sah das lange gespannte Seil, an dem die Schwänze der Kühe mit beweglichen Metallringen befestigt waren, um Fliegen zu verscheuchen, starrte an irgendwelche Haken an der Holzdecke oder einen nichts taugenden und bereits längst verstaubten Isolator, dessen Nutzen an der Decke sich wohl niemand erklären konnte, und bangte selbstmitleidig um seine Rotatoren, seine Achillesferse, wie er seine Schulter bezeichnete, seine körperliche Schwachstelle, die er als vermeintlich Unbesiegbarer, dem edlen, griechischen Kämpfer gleich, verborgen halten wollte. Er dachte ans Kälbchen. Wenn es nur am Leben bleibt, nicht plötzlich aufgibt und in der letzten Phase der Geburt stirbt. Er fasste nach, griff tiefer, nochmals tiefer, drückte die federnde Kuh mit seiner Schulter beinahe in die Krippe, vergaß alle Rotatorensehnen, mitsamt dem Band der Schulter und biss sich durch. Ohne Selbstmitleid und Rücksichtnahme, ohne Zurückhaltung und Vorbehalte. Schweißperlen, Feinstaub und Gleitmittel klebten ihm hoch an der Stirn, im Nacken und in den Achselhöhlen. Heusser hielt es kaum mehr aus. Also doch: Nicht ganz unerwartet klebte Gleitmittel am Brusthaar, dann tiefer bis zum Hosensaum, bald zwischen den Beinen, schließlich im Gesäß. Er wollte es nicht wissen – nicht, wo überall.

Gehört das alles wirklich dazu, ging Peter durch den Kopf. Und wie das Vater wohl sah und warum die Schwester wegschaute?
Plötzlich zog Heusser seinen Arm ruckartig aus der Tiefe der Kuh, um den andern Arm hineinzustecken, um jenes Beinchen zu ergreifen, das das Weggleiten des Köpfchens verhinderte. Eingebunden in schnellen Atemzügen, die einerseits den großen Kraftaufwand erklärten, anderseits den hochgepressten Blutdruck zu kompensieren versuchten, presste er aus vollen Backen und zugepressten Lippen: „Jetzt hab‘ ich dich!“
Die Atemstöße wurden länger. „Jetzt hab‘ ich dich. Jetzt hat es geklappt. Jetzt gehörst du mir.“ Er hatte das falschliegende und verdrehte Kalb, samt der mitverdrehten Gebärmutter in der Kuh zurückgedreht. Es lag nun korrekt im Geburtskanal. „Jetzt gehörst du mir.“ Den Vater schien die spontane ärztliche Aneignung nicht zu stören. Peter fiel sie auf. Was während einer Behandlung noch tief in der Kuh steckte, gehörte dem Arzt. Die Geburtshelfer horchten auf.
„Endlich“ mochte der eine oder die andere sich gedacht haben. Fürs Erste fiel allen ein Stein vom Herzen. Peter schielte zum Tierarzt, wie er in Gedanken versunken seine Handschuhe abstreifte, wie er sich mit dem bereitgelegten Handtuch über die Stirn wischte, wie er sich für den weiteren Einsatz vorbereitete und wunderte sich, dass Heusser keine Freude zeigte, nichts erklärte, sich für nichts bedankte und nichts sagte, außer: „Wo sind die Stricke?“
Peter beobachtete, wie sich bei der Kuh Presswehen bemerkbar machten, kaum lag das Kalb mit seinen gestreckten Beinchen und dem Kopf zwischen den Achseln in korrekter Stellung im Becken. Erst zaghaft, dann immer stärker.
Heusser fixierte die Stricke, die ihm der Vater stillschweigend hinhielt, oberhalb der Klauen und zurrte sie an hölzernen Griffen fest. Von alten, meist früh bereits angerosteten Geburtshilfeketten aus dem Agrarmarkt hielt Heusser nichts. „Halte Du ein Bein!“ hieß der Arzt den Vater: „Das andere können die Buben.“ Der Älteste griff nach dem Holz. Peter zog am Strick. Seine Hand schmerzte nach kurzem Ziehen, nach zweimaligem Nachfassen noch mehr. Das Kalb bewegte sich ins Becken: „Es trat ein,“ wie Tierärzte sagen. Und es bewegte sich. Peter wurde ganz warm, es fühlte sich an, als werde es „sein Kälbchen“. Er wünschte sich nichts anderes, als dass es einmal ihm gehöre. Nur ihm! Doch plötzlich, als hätte ihn der Blitz getroffen, schoss ihm durch den Kopf: hoffentlich wird es kein Stierkalb. Als Bauernsohn hatte er von klein auf erfahren, dass die jungen Bullen früh geschlachtet wurden. Er mochte nicht dran denken. Peter wollte allen Tieren, die auf dem Hof gesund zur Welt kamen, „eine schöne gemeinsame Zeit schenken.“ Am liebsten hätte er sie alle „… für sich genommen!“
Im Moment stand Peters Vorfreude noch im Widerspruch zu den nicht sichtbaren und nicht zwingend beurteilbaren Verspannungen, die die Kuh durch die Gebärmutterverdrehung ertragen musste, auch zu ihren immer stärker werdenden Wehenschmerzen. Heusser verlangte nach losem, trockenem Stroh, falls sich das Muttertier hinlegen wollte, nach sauberem Wasser und nach einer weiteren Flasche Gleitmittel. Die eine, bereits angebrochene Flasche, fand sich nicht mehr. Vielleicht war sie leer, vielleicht lag sie auf dem Stallfenstersims – doch niemand wusste, wer sie dorthin gelegt hatte, und niemand wagte es, dort nachzusehen. Kaum eingestreut, zeigte die Kuh eine leise Schwäche in der Hinterhand, knickte ein und ließ sich fallen. Sie atmete streng. Die Nüstern weiteten sich im Takt der Wehen und trockneten aus. Im leicht geöffneten Maul rollte sich die Zunge. Die Scham spannte und krampfte im Rhythmus oder im Widerspiel zur wiederaufgenommenen Zughilfe der Geburtshelfer. Alle schwiegen. Und mit ihnen schwieg auch das Leiden der Kuh. Peter stand etwas abseits, wollte helfen, fand seinen Platz nicht neben dem Arzt, dem Vater, dem Bruder. Er musterte die angespannte Betriebsamkeit. Es war nicht die Kuh, die roch; es war die Angst, die dünstete. Er spürte, dass dieser Geruch der Selbstverständlichkeit entsprang, mit der alle das Glück – das Gelingen der Geburt – erwarteten. Noch war das Kalb nicht geboren, doch es war auf dem besten Weg dazu.
Heussers Anspannung legte sich. Auf einen Schlag erkannte Peter im Ausdruck des Arztes ein leises Aufatmen, das die Helfenden beruhigte, weil jetzt wohl davon ausgegangen werden konnte, dass die Geburt gelänge und das Neugeborene leben und überleben würde.
Der Arzt verlangte nach einem Eimer mit kaltem Wasser. Das Kalb lag mit seinen gestreckten Gliedmaßen richtig im Becken. „Das Köpfchen ist eingetreten. Jetzt muss es nur noch atmen wollen,“ meinte Alexander und rieb die Labien des aufgeschwollenen Geburtswegs mit reichlich Gleitmittel ein. Die Zucht weitete sich. Nach wenigen Presswehen und moderatem Ziehen guckten die mit Spannung erwarteten Klauen und die gestreckten Vorderbeine und bald auch die kleinen schwarzen Nasenlöcher zwischen den Vulvalappen hervor. Bereits im Rausschlüpfen rollte das Kälbchen seine großen Augen mit den verklebten Wimperhaaren und schüttelte den Kopf, bevor das kindliche Becken und mit ihm die hintennach schwingenden lang gestreckten Hinterbeine folgten. Mit einem letzten Ruck, stieß es sich von der Mutter ab und schlüpfte in die Freiheit. Es riss die Augen auf und streckte das Zünglein heraus. Heusser griff zum halbgefüllten Kessel und leerte dem Frischgeborenen kaltes Wasser in den Nacken. Dabei verzog er sein Gesicht, als passierte es ihm selbst. „Da schüttelt jeder seinen Kopf“, dachte sich der Zweitklässler. Am ganzen Tier klebte Fruchtwasser. Es klebte an den Brauen, den Wimpern, der Stirn, lief ihm aus den Ohren. Heusser nahm eine feine Nadel zur Hand, suchte nach dem Akupunkturpunkt der Nasenscheidewand und stach dem Kalb eine kleine Nadel ins Flotzmaul, was dazu führte, dass sich die Nasenlöcher weiteten und das Kalb rhythmisch zu atmen begann. Überrascht und erschrocken richtete Peter sein Augenmerk einzig auf die Nadel in der Nase.

Die Runde der Geburtshelfenden entspannte sich. Der sichtbaren Erleichterung folgte Dankbarkeit. „Jede geglückte Entbindung befreit von eigenen Ängsten“, bemerkte Heusser in der Annahme, es höre ihm niemand zu. Der Vater nickte still und murmelte sanft:
„Die begleiten auch mich immer, wenn Geburten anstehen.“
Heusser erschrak. Er hatte keine Antwort erwartet, freute sich aber im selben Augenblick über die Gedanken des Vaters, die ihn wärmten, und spürte eine tiefe Verbundenheit mit ihm. Er spürte dieselbe Sehnsucht und das gleiche Ziel. Es fühlte sich an, als legte ihm jemand einen warmen Pullover über, und er gestand sich ein, dass es bei der Arbeit wohl nicht viel Schöneres gibt, als sich auch ohne Worte zu verstehen, auch in einem Stall. Heusser nahm dieses Gefühl als Dank entgegen.
Der Vater blickte den Stallgang entlang, an allen Kühen vorbei, zu dem kleinen Kreuz ganz hinten an der Wand. Es war ein Wurzelholz, das er einst gefunden hatte und das zugleich an ein Kreuz wie an die Gestalt eines Auferstandenen erinnerte. Ihm galt still sein weiterer Dank.

Das Kalb plärrte ein-, zweimal, was niemand beunruhigte, es suchte einen ersten Kontakt zu seiner Mutter, der Milch aus den Zitzen tropfte. Ein klebriges Konzentrat aus Energie und Inhaltstoffen für das junge Immunsystem. Als weinte das Euter zarte Tränen, rann es die Innenfläche der Beine herunter und blieb an den Haaren haften: Harz gleich, aus der Rinde eines verletzten Stammes. Peter bemerkte plötzlich, dass die rote Katze der Nachbarin in den Stall geschlichen war, bewegungslos auf einem Sims kauerte und mit starrem Blick jedem einzelnen Tropfen Milch folgte, sich vergewissernd, dass ihr einige Tropfen der sich ausbreitenden Lache sicher sein würden. Heusser bat um das Handtuch, hob es rasch gegen das Licht und vergewisserte sich der Sauberkeit des ihm gereichten Stoffes. Eine Marotte, die seinem Sauberkeitswahn geschuldet war. Hätte ihm Elsbeth dabei zugeschaut, hätte sie sich für ihn geschämt.
Peter ließ nicht von Heusser ab, beobachtete jede Bewegung: Wie er seine Lippen verzog, Luft in die Backen sog und den Wind leise auspresste, als wollte er etwas pfeifen. Es glich einem entspannten Seufzen.

Heusser tupfte sich den Schweiß ab, der aus seinen Stirnporen quoll und sich in leisen Tropfenstraßen sammelte, die langsam über die Brauen perlten und in den Augen brannten: Ein Gemisch aus dem, was Tiere ausgeschieden und dem, was sich mit der gesättigten Luft innerhalb modriger Holzwände eines feuchtwarmen Stalles zu einer aggressiven Säure verbunden hatte. Er wusch sich das Gesicht und fuhr sich mit den nassen Händen durchs Haar, das er sich unmittelbar danach mit dem Tuch trockenrieb, zog die Schürze aus und reinigte seine hohen Schuhe. Einfach kein Fruchtwasser in den Achselhöhlen! Er mied es wie der Teufel das Weihwasser. Es klebt am Körper wie der Tod.
Heusser suchte nach seinen Utensilien, dem Köfferchen und dem Rucksack, warf weg, was verbraucht war und ordnete, was in den Wagen gehörte. Dankbar, dass alles seinen richtigen Gang genommen hatte, ließ er die Sorge um das Kälbchen los. In aufgeräumter Stimmung pfiff er gedanklich ein paar Takte eines Stückes, das ihm in Erinnerung geblieben war, und verlor sich traumwandlerisch in den Akkorden einer Musik, die von Menschen lebte, die von Geburt an beeinträchtigt waren. Von Menschen, die ihre Sehkraft verloren oder ihre Muskulatur. Er hörte Akkorde, die nur er hören konnte, die an ihm klebten und an ihm kleben durften, die ihn begleiteten wie der Jazz.
„Geburtshilfe ist Jazz: Es braucht den Schritt aufeinander zu und den voneinander weg.“ Er sprach mit sich selbst. Was Heusser in Musikkellern erwärmte, half ihm nach schwerer Arbeit sich abzukühlen.
Nachdem er die Geburtshilfeschürze ausgezogen hatte, warf er sich das Handtuch über die Schultern und kehrte zum Kalb zurück in den Stall: „Mal sehen, was ich da geboren habe“, lächelte er den Kindern zu, die beim Kälbchen kauerten, dessen sich jetzt auch die Kuh angenommen hatte, um es mit breiten Zungenschlägen trocken zu lecken. Er erblickte die Akupunkturnadel, die noch in der Nase steckte, beugte sich zum Kalb und zog sie raus. Peter beobachtete den schnellen Dreh und wie der Arzt die Nadel gleich in einer Hülse versorgte und fürs Erste in der Hosentasche verschwinden ließ. Später würde er diese dann in die Dose für den speziellen Abfall werfen, die im Wagen neben dem Desinfektionsmittel lag. Einem Wagen, der nach Jod und Kräutern roch – und nach Kreolin stank.
Heusser fuhr dem Neugeborenen zärtlich über die Stirn. „Gut gemacht Kälbchen!“ Und damit es nicht vergessen ging, hob er schnell ein Beinchen des Kalbes, um das Geschlecht zu bestimmen: Ein Kuhkälbchen. Eines, das bleiben durfte. Er klopfte dem ältesten Knaben auf die Schulter, bedankte sich bei ihm für die aktive Mitarbeit, sah Vater an und in die glänzenden Augen der Tochter und der anderen Söhne und verabschiedete sich. Vater bedankte sich bei Alexander und wünschte ihm eine gute Heimkehr. Heusser drehte sich nochmals kurz zum Kälbchen und mit einem kritischen Blick zur Kuh wünschte er „beiden eine gute Nacht!“, was immer er damit meinte. Alle kannten Heussers melancholische Seite. Er musste nicht viel sagen. Bauer und Tierarzt kannten sich nur allzu gut. Schwermut lebte in allen Ställen. Das eine oder das andere Kälbchen schaffte es nicht. Der eine oder der andere Arzt, mit all seinem Einsatz, auch nicht.
„Du erinnerst dich bestimmt?“ bemerkte Heusser.
„Sag nichts!“, entgegnete der Vater.
Heusser tastete im dunklen Wagen nach seinem Pullover und dem Veston. Blind langte er hinter den Sitz, griff nach dem Pullover und zog ihn über den Kopf. Mit einer beiläufigen Bewegung streifte er die Ärmel bis zu den Ellbogen zurück, hob den Blick in den nächtlichen Himmel; der Mond nahm ab.
Alexander zwängte sich in den Wagen. Mit leicht gestrecktem rechtem Bein voraus, rutschte er auf den Fahrersitz und startete den Motor. Er schlug die Tür zu, die schepperte als klemmte das Schloss, winkte kurz und verabschiedete sich zum letzten Mal.

Heusser fuhr in die Nacht hinaus. Erst bergauf, danach hinunter ins Tal. Die schwachen Lampen des Fahrzeugs erhellten die Straße nur wenig. Er kuppelte den einen Gang aus, gab Zwischengas, ließ den Motor selbstmitleidig krächzen, schaltete herunter und trat sachte aufs Gaspedal: „Alte Kiste!“ In seiner Welt, von Ideen und Vorstellungen gefangen, erschrak er flüchtig, als ihn eine Ambulanz kreuzte. Kein Blaulicht. Kein Martinshorn. Keine Sirene. Wenige Kilometer weiter schaltete er höher. Das Radio rauschte: Duke Ellington. Heusser drehte am Knopf des Radios, um das Rauschen zu verdrängen: Also doch. Der Duke und Jazz. Was gibt es Besseres? Arzt sein, heißt auch Musiker sein: viel allein, in der Gruppe verwurzelt, verpflichtet, das Solo weiterzureichen – egal ob am Piano, am Saxophon, am Bass oder am Schlagzeug. Der Fünfte des Quartetts ist das Publikum. Oder das Tal, das von einem spricht. Er biss sich auf die Lippen. Immer neue Einfälle lieferten sich einen Wettstreit mit seiner gewünschten Ruhe, kreisten um seine Gedanken oder durchkreuzten sie – Planeten gleich. Hatte er heute den möglichen Tod eines ungeborenen Kalbes in Kauf genommen? Warum nicht den voraussichtlich sichereren Weg des Kaiserschnitts gewählt? Aus Gründen des Aufwandes im Stall? Der Kosten für den Bauern? Hatte er die Mutter und das Kalb einem erhöhten Risiko ausgesetzt? Sich auf sein Bauchgefühl verlassen? Sich von seiner Vertrautheit leiten lassen? Er fragte sich, wann das Selbstverständliche seine Unschuld verliert, und ob man den wissenschaftlichen Prinzipien untreu würde, wenn man sich auf die eigene Erfahrung stützte. Nein, musste er sich eingestehen, dem war nicht so – doch galt das auch für einen Arzt? Als Geburtshelfer?
Peter fühlte sich dem Himmel nah. Jede Handbewegung Heussers während dieser Geburt hatte ihn gefesselt. So zu werden wie der, blitzte ihm durch den Kopf. Er ließ sich aber gleich wieder ablenken. Er hatte sich nichts inniger gewünscht, als dieses Kälbchen für sich zu haben, es zu tränken und aufzuziehen. Noch nie zuvor hatten so viele bei der Geburt geholfen. Auch als Stierkalb hätte er es gemocht – es hätte mehr Milch erhalten, schneller an Gewicht zugelegt, wäre ihm jedoch deutlich weniger lang geblieben, dafür mit umso mehr Milchschaum um Maul und Nase. Der Gedanke, dass fast alle Stierchen als Medaillons, als Braten oder Schnitzel enden, berührte ihn tief. „Ist einfach so!“, meinte ein älterer Bruder mit leicht genervtem Unterton.
Peter wandte sich von ihnen ab, schlich sich nochmals zum Kälbchen und kraulte die Kuh an der Stirn. Er rang plötzlich mit Gefühlen, die er nicht verstand, die er nicht einordnen konnte und schwieg. Gedanken, die er sich nicht wünschte, machten sich breit: Wie hätte er reagiert, wenn das Kalb nicht gelebt, oder die Kuh gar gestorben wäre? Wie hätte Vater reagiert? Und wie Alexander? Er mochte nicht drüber nachdenken, üblen Gedanken keine Kraft geben. Beim Kalb kauernd, erinnerte er sich an Heussers Lächeln, an die Art, wie dieser betont hatte: „Das Kälbchen hat es gut gemacht“, und den Geburtshelfenden zuzwinkerte – ein Zeichen, dass auch ihnen ein wenig Stolz zustand, schließlich hatten sie zum Erfolg beigetragen. Den Stolz jedoch, sollten Erfolgreiche nur mit sich allein teilen. „Rühmt euch nie selbst!“ Peter erinnerte sich an seine Mutter, wie sie mahnend den Zeigfinger an die Lippen legte und ihnen einschärfte: „Sonst belehrt euch das Leben eines Besseren.“
Peter hatte sich zu Vater hingedreht, schaute zu ihm hinauf, ohne seinen Blick zu senken. Er erhob sich, erfüllt von seinem stillen Glück, und ließ Kuh und Kalb in der Geborgenheit des Strohs zurück.

Gegenüber Dritten ließ sich Heusser nicht anmerken, dass ihn Geburten aufwühlten. Nach so vielen Jahren der Erfahrung. Obwohl sie mit Sorgen, Ängsten, schlechten Erinnerungen und Enttäuschungen verbunden waren, liebte Heusser das Herausfordernde. Er war sich bewusst, dass eine Gebärmutterverdrehung, je nach Verdrehungsgrad und vorgeburtlich verstrichener Zeit, zu einer Schnittentbindung hätte führen können. Dass das Kalb bereits beim Eintreffen nicht mehr gelebt hätte, missgebildet gewesen wäre, mit offenem Schädel, offenem Bauch oder steifem Rücken, nicht mitgeholfen hätte, geboren zu werden. Dass er zur Drahtsäge hätte greifen müssen, die zu gebrauchen er beharrlich mied, weshalb er die vorgegebenen Schnitte nie lernen wollte: Den Schulterschrägschnitt nicht, den Couleurbandschnitt nicht, benannt nach dem dünnen Band der singenden oder sich schlagenden Studenten, von denen Heusser nichts hielt. Er wehrte sich allein schon mit dem Gedanken zu spielen, mit einem sägenden Draht, der vom Halsansatz der einen Seite zur gegenüberliegenden Seite hinter die Schulter des Kalbes gelegt wird, ein ungeborenes, totes Kalb – in der Kuh drin – zu zertrennen, um es zu entbinden. Quer durchs Becken, den Bauch oder schräg durch die Brust.
Was, wenn an diesem Abend alles ganz anders abgelaufen wäre? Der Tod in irgendeiner Form doch noch mitentschieden hätte?
Heusser blinkte bei keiner Abzweigung, fuhr seinen Weg. In der Dunkelheit der Nacht überließ er sich seiner Einsamkeit. Einmal mehr behielten die Götter die Antworten auf seine Fragen, so oft er sie stellen mochte, für sich.
Heusser litt mit jedem gebärenden Tier, quälte sich, wenn er trotz höchstem Einsatz und seiner ganzen Liebe zum Beruf nicht erreichte, was er sich wünschte. Dann genügte kein Dank und nicht das bezahlte Honorar. Unerträglich war ihm die Vorstellung, dass bis vor Kurzem gebärende Tiere oft ohne ärztliche Hilfe auskommen mussten, sei es, weil kein Tierarzt erreichbar war oder weil – aus was für einem Grund allemal – keiner gerufen wurde und weil Laien versuchten sich eines gebärenden Tieres anzunehmen. Schlimmer noch, wenn sie die Situation, in der sich die Frucht befand, nicht einschätzen konnten und die heraufbeschworenen Kräfte der Natur maßlos überschätzten, um letzten Endes die Kuh, mit ihrem Kalb im Bauch, den Wölfen und Füchsen zu überlassen. Ihm graute.

Elsbeth hörte Peter und die älteren Geschwister ins Wohnhaus kommen und erwartete ihre Nachrichten bereits im Gang. Peter fiel ihr in die Arme: „Ich möchte es für mich. Es lag ganz verkehrt. Und Alexander brauchte zwei Strohballen. Und er stach ihm eine Nadel in die Nase…“ dann zeigte er ihr wo genau und presste sich seinen Zeigfinger zwischen die Nasenlöcher, fixierte den Finger so, dass sich seine Augen verdrehten. „Lass das!“ mahnte ihn seine Mutter, ergriff seine Hände und zog ihn zu sich. Sie atmete tief durch. „Wo habt ihr Vater gelassen? Und kommt er auch gleich?“ Die Kinder nickten, gingen Hände waschen oder zum Brotkorb, einer spähte in die Kammer, ob es was zu naschen gäbe, der dritte hatte sich bereits bedient und schlich eilig die Treppe hoch. Dass er heimlich Kekse gestohlen hatte, die er nicht teilen wollte, wurde vermutet, doch vom kleinen Dieb bestritten.
„Wo habt ihr die Seife vom Stall und wo das Frottiertuch?“ fragte die Mutter. Es interessierte die Kinder nicht. Gemächlich stapften sie die Treppe hoch und verschwanden in ihren Zimmern. Der Tag war lang gewesen, und die gewonnenen Eindrücke waren Nahrung genug für ein schnelles Einschlafen.
Peter schlüpfte tief unter die Decke und krallte seine Finger in das Kissen. Er lag lange wach und durchlebte das Gesehene noch einmal. Wie der Alexander sich gedreht hatte, wie er die Beinchen packte, die Stricke anzog, wie sich die Kuh fallen ließ und wie ihn das Kälbchen mit den verklebten Wimpern angesehen hatte, als es geboren wurde, wie es den Kopf schüttelte nach dem halben Kessel kalten Wassers. Wie es roch. Noch ganz fein, süßlich und nach frischem Stroh, das an ihm klebte. Und, dass Kälbchen gar nicht stinken, sondern der Stall. Und, dass er es am liebsten für sich haben wollte und ob er vielleicht auch einmal so… so wie Alexander…ob er das auch könnte? Vielleicht einmal…? Die Atemzüge wurden länger und raubten den Gedanken den roten Faden und den Augen ihre Kraft, an die Decke zu starren. Von den Geburtshelfern hörte Elsbeth die ganze Nacht nichts mehr.

Vater brachte die Seife und das Tuch, legte die Seife in eine Schale und warf das Tuch in den Wäschekorb. Er wusch sich Gesicht und Arme und setzte sich zu Elsbeth an den langen Küchentisch. „Nach allem, was die Kinder, erzählt haben, war die Geburt alles andere als einfach, besonders für Alexander?“ begann Elsbeth.
„Ich bin ihm so dankbar. Du kennst ihn ja. Er leidet mit jeder Geburt“, sagte der Vater und suchte Elsbeths Blick, während er ihr leise geschnittenes Brot zuschob und mit der anderen Hand blind zur Tasse griff. „Er ist besessen vom Anspruch, dass ihm jede Geburt gelingt. Er leidet, auch wenn von Beginn weg alles gut läuft.“ Sie sah zu ihm hoch:
„Was auch ich sehr an ihm schätze und wofür wir ihm wirklich dankbar bin!“ sagte sie. Elsbeth langte zum Brot, suchte nach der Butter und fixierte ihren Gatten, was dieser, nachdem er sich vergewissert hatte, dass der Kaffee in der Tasse, die er mit beiden Händen umfasste, wie es Bauern tun, nicht zu heiß war, stumm nickend bestätigte.

Die ganze Familie mochte Alexander, nicht seine Worte machten ihn sympathisch, sondern seine nachdenkliche Art. Weil er gut organisiert war. Dass er streng war, wurde ihm verziehen. Auch wenn er aufbrauste. Auch dann.
„Bei der Arbeit bleibt er ruhig, egal wie er gerade gelaunt ist, ob er lacht oder murrt. Egal wie nervös sein Innerstes vibriert. Er liebt seine Arbeit, seine Tiere, seine Menschen – ganz gleich, wie unbeholfen sie sich manchmal anstellen mögen“, sagte der Vater und fügte hinzu: „Egal, welcher Teufel ihn gerade im Augenblick geritten haben mochte.“
„Wenn das auf die Länge nur gutgeht?“, erwog Elsbeth in Erwartung seiner Zustimmung und ergänzte: „Ich meine für ihn.“ Vater schwieg. Kaute langsam an einem Bissen Brot und schluckte diesen mit wenig Kaffee.
„Solange ihn die Arbeit trägt: Ja.“ Elsbeth erschrak, vielleicht weil sie ahnte, dass in Heusser eine Unruhe lebte, die nicht zur Ruhe kam.
„Ich habe mich bei der Geburtshilfe selbst ertappt, wie ich das Gelingen als Selbstverständlichkeit betrachtet habe.“, fügte Vater an. Elsbeth Pupillen weiteten sich. Sie schaute ihren Mann an und fragte abwägend: „Darf man das? Bei einer Geburt?“ Der Vater langte zum Brot, schnitt sich ein mundgerechtes Stück ab und wiederholte sich: „Ja! Ja auch ich. Auch ich habe Erfolg und Gesundheit einmal mehr als selbstverständlich angesehen.“ Elsbeth suchte den Blick ihres Mannes, nahm behutsam seinen Arm und legte ihre Hand darauf. Sie hielt ihn fest. Ihre Berührung sprach von tiefem Vertrauen und all den unausgesprochenen Gefühlen zwischen ihnen. Unvermittelt war sie bei jenem Tag, der zehn Jahre zurücklag: dem Moment, in dem sie wusste, dass sie mit Peter schwanger war. Bei den Gedanken an die Geburt der Kuh fiel ihr ein, wie deutlich ihr eigener Körper damals gesprochen hatte. Sie hatte es sofort gespürt. Sie brauchte keinen Teststreifen, den sie in einen Pappbecher mit ihrem Wasser hätte tauchen müssen, kein geduldiges Warten auf zwei farbige Linien auf dem Saugpapier eines Schnelltests. Ihr Körper sprach deutlich genug. Und je mehr das Kind in ihrem Bauch an Raum gewann, desto unmöglicher wurde es, das in ihr wachsende Geheimnis – ihr achtes – zu verbergen.
Sie hielt seinen Arm mit dem gleichen sanften Druck, mit dem sie ihm jede ihrer Schwangerschaften anvertraut hatte.

Er blickte zu ihr hoch.