Katrin Askan „Dichter – Roman einer Freundschaft“, Elsinor

Keine Figur in diesem Roman ist erfunden. Und selten ist ein Roman so sehr darauf bedacht, sich streng an die erlebte Wirklichkeit seiner Protagonisten zu halten. Alle Personen heißen, wie sie im wirklichen Leben hießen. Oder noch heißen.

„Wahnsinnsmutter Nacht, du bist nun über mir….“
Gastrezension von Burkhard Jahn

Alle Personen heißen, wie sie im wirklichen Leben hießen. Oder noch heißen. Die beiden zentralen sind am Ende tot. Nach einer fünfunsiebzig Jahre währenden Freundschaft. Johannes Kühn, der Dichter. Sein getreuer Freund und Beschützer: Benno Rech.

Katrin Askan  versicherte sich immer wieder der tatsächlichen Begebenheiten. Ihrem Erzählen folgt man gebannt, fasziniert und passagenweise tief erschüttert.
Dreizehn, vierzehn Jahre alt sind die beiden Männer zu Beginn ihrer Freundschaft. Fast neunzig, wenn sie sterben. Der Ältere, Johannes Kühn,  zuerst, elf Monate später der um ein Jahr jüngere Benno Rech, der den Freund nun nicht mehr beschützen muß. 
Am Ende tragen beide den Titel Professor. Der Dichter und Dr. Benno Rech, der Pädagoge, der dem Ersten durch all die Jahrzehnte mehr als nur ein Freund bleibt. So treu und geduldig wie einstmals der Tübinger Schreinermeister Zimmer mit dem tobenden Hölderlin, als dessen Wiedergänger sich Johannes Kühn – und sicherlich nicht ohne Berechtigung – empfindet. Benno Rech bleibt seiner selbstauferlegten Pflicht treu, den Jugendfreund auch in dessen dunklesten Stunden nie zu verlassen. 

Letztlich unterstützt von der dritten im Bunde: Von Irmgard Rech. Als Benno sie heiratet, erkärt er ihr, daß sein Schützling und Freund, für den er längst die Verantwortung übernommen hat, ihn immer brauchen wird. Das ist lange Zeit nicht gerade leicht für die junge Frau. Und doch gelingt dem Paar, ein Leben lang eine ungewöhnlich glückliche Ehe zu führen, samt der liebevollen Erziehung ihrer Kinder. Auch wenn Irmgard zu Beginn der Ehe kaum ahnen konnte, welchen Herausforderungen die Familie sich zu stellen haben würde. Lebenslang.  
Über all die Jahrzehnte bleiben höhnische Kommentare und mehr als dumme Beargwöhnungen seitens der Mitwelt nicht aus. 
Beide sind einem fortschrittlichen Katholizismus verbunden, Irmgard wird die erste katholische Frau, die in der ARD das „Wort zum Sonntag“ spricht, erlangt damit eine gewisse Bekanntheit.  

Katrin Askan «Dichter – Roman einer Freundschaft», Elsinor, 2025, 400 Seiten, ISBN 978-3-942788-91-5

Die letztlich lebenslangen Freunde Benno und Johannes, beide Söhne von mehr oder weniger „bildungsfernen“ Bergarbeitern, besuchen in der Kargheit der Nachkriegszeit die Missionsschule.
Sie entdecken die Dichtung, begeistern sich dafür, sparen die Groschen zusammen für das Reclamheft des Eichendorff’schen „Taugenichts“. In heimlichen Waldwanderungen, in verbotenen Erkundungen des Nachbardorfes praktizieren sie eine andere Frömmigkeit, eine jenseits der strengen Erziehung. Sie bleiben miteinander verbunden, als Benno auf ein Gymnasium wechselt. 
Der lebensfrohe Johannes verpuppt sich vom selbstbewußten Epheben, der tanzt und raucht und gern und viel trinkt, gar eine Schauspielausbildung absolviert, in den lernhungrigen inoffiziellen Studenten – denn das Geld für die Gebühren fehlt ihm, – dazu in den manischen Durchwanderer seiner saarländischen Heimat. Vorübergehend erfährt er in Salzburg Anerkennung als Jungdramatiker, ist bald jedoch zu primitiver Brotarbeit genötigt als Bauarbeiter und Fleischtransport-Beifahrer. Und ist gleichzeitig besessener Verfasser Tausender von Gedichten. 
In Schüben wird er seelisch krank, wird ein gespensterhafter Psychopath, der, gepeinigt von Verfolgungswahn und der Verzweiflung des verkannten, des nicht genügend beachteten Dichters, in ein  jahrelanges Verstummen versinkt. 
Er verkommt. Er wäscht sich nicht mehr.  Er trinkt. Er wird zum Schreckgespenst seiner Region, zum so ängstlich wie haßerfüllt Betrachteten, wenn er im Café vor sich hinstiert. 

Es hat sich der Winter eingenistet in Aug und Mund.

Und letztlich dann doch die Erlösung die sich zeigt als gelinde Gesundung bei aufstrahlendem internationalen Erfolg. 
Immer an seiner Seite Benno, ohne den Johannes auch als Gefeierter bis an sein Lebensende nicht mehr in der Öffentlichkeit auftritt. Immer ist er umrahmt, beschützt und abgeschirmt von Benno und Irmgard.    
Der Lebensfreund ist Korrektor, Lektor, Sekretär, Agent. Kein Buch von Johannes erscheint, dessen Herausgeber nicht Benno und Irmgard Rech sind.
In all den Facetten folgt Katrin Askan – streng bedacht, nichts zu erfinden – den Realitäten und ergreift zutiefst mit der fulminanten Passage des dramatischen Sterbens von Bennos Schwester Martina. Bei der Rückkehr aus Lourdes im Pilgerzug. 
Noch eine Szene nimmt einem den Atem. Die ist von derart schockierender Brutalität, daß ein Hoffnungsrest des erschütterten Verfassers dieser Zeilen bleibt, es könne vielleicht „nur“ eine brillante literarische Erfindung im als Roman deklarierten Buch sein. Ein Bericht horribler Bestialität. So geschehen? Oder nur Wahnvorstellung? Wie auch immer.
Johannes Kühn schweigt von dem Tag an. Schweigt in Wort und Blick und Schrift.  Für annähernd ein Jahrzehnt. 

Es hat sich der Winter eingenistet in Aug und Mund.

Zuvor war der „verrückte Dichter“ zu einer gewissen Bekanntheit in seiner Heimat gekommen. Noch allerdings ist der „Durchbruch“ fern.
Und als sich die provinzielle Avantgarde für die Gleichschaltung des Elitären, des Herausragenden begeisterte, da mußte ein Dichter wie er wahrlich schlechte Karten haben: Ich fand für mein Herz einen Mittag. Libellen, die blauen Nadeln der Luft, über den Wiesen lautlos nähten.
Gleichwohl: Der Dichter läßt sich anregen und schreibt auch Gedichte aus der Welt der Arbeiter, die er nach kaum freiwilligen Jahren als Bauarbeiter wohl besser kennt als so mancher schulterklopfende Animator. Es geht ihm besser.
Bis die genannte Katastrophe geschieht. Das Schweigen. Zehn Jahre lang.

Die Zeiten aber wandeln sich. 
Und endlich entdecken Peter Handke, Peter Rühmkorf, Reiner Kunze, Ludwig Harig  und Michael Krüger als Verleger des Hanser Verlags den Dichter Johannes Kühn. 
Der so lange Gepeinigte erholt sich. Die Welt nimmt ihn wahr.

 „Dichter“ – Der Roman von Katrin Askan fesselt und ergreift.
Und atemberaubend aufs Neue: Johannes Kühn.

Katrin Askan lebt und arbeitet in Berlin, ihrer Geburtsstadt, die damals noch geteilt war. Mit 20 flüchtete sie vom einen zum anderen Teil und studierte an der Freien Universität Germanistik und Philosophie. Während dieser Zeit war sie immer wieder in Schweden und debütierte 1996 mit A-Dur. Es erschienen weitere Romane und Erzählungen: 1998 Eisenengel, 2000 Aus dem Schneider, 2002 Wiederholungstäter, 2009 Aufs Spiel gesetzt, für die sie zahlreiche Preise erhielt.

Burkhard Jahn, geboren in Hildesheim, lebt heute als Autor bei Zürich. Er studierte Germanistik und Kunstgeschichte in Hamburg, wirkte als Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor. Unter anderem sind von ihm „Requiem für A.R.“ (2018) und „Der Weg an der Sarca“ (2017) erschienen. 

Beitragsbild © Thomas Grünholz 

Martin Maria Kohtes und Michael Kohtes «Die Seligen – oder Die letzten Tage der Spezialdemokratie», Elsinor

Keine Frage: Der Humor dieses schelmischen Romans ist rheinisch. Und was die Brüder Kohtes – zu einem großen Teil als einen Austausch von Mails – in frappierender Sorglosigkeit erzählen, versetzt die Leserschaft immer wieder in eine Art Kir-Royal-Atmosphäre innerhalb eines obergärigen Kölsch-Biotops. Die Zeit erlischt, das Leben glimmt auf. Und der Himmel drückt ein Auge zu. Und – sei hinzugefügt – nicht nur der Himmel.

Wie war’s doch noch schön!
Gastrezension von Burkhard Jahn*

Die ersten Sätze öffnen die Tür zu einer eindeutig lebensbejahenderen Variante einer Bar mit Disco-Betrieb, als sie das heutige Clubwesen vorführt. Man kann sich an der Theke noch unterhalten und ein Lebensgefühl zelebrieren, wo das Schelmische noch auf dem Charakter von Landschaft und Idiom wurzelt. Im Mailaustausch der Erzähler, eben des Bruderpaares, blühen die Vorfahren auf, deren antiquierter, zunehmend verschroben wirkender Habitus dem tausendjährigen Ansturm des Ungeschlachten standgehalten hatte.

Teufelsmal der fiebrigen Meinungsbeteuerung

Und damit ist ein Erzählduktus gesetzt, der aus der Possenhaftigkeit des menschlichen Daseins keinen Hehl macht und somit noch nicht infiziert ist von all dem Gift späterer woker Launeverderbung. Die einen der dramatis personae hier kommen aus Russland, die andere aus Israel, der DJ aus der Karibik. Und so ist es nun mal. Selbst das Großbürgerliche, ohnehin wie alles in dieser milde betrachteten Welt Spielball der Geschicke, trägt nicht das Teufelsmal der fiebrigen Meinungsbeteuerung.

Jedem Jeck sing Kapp lautet die unausgesprochene und doch uneingeschränkt gültige Verabredung. Und dass nebenbei die Vokabel verklugfideln plötzlich – wie ein seltener, für ausgestorben gehaltener Schmetterling – in diesem Text in aller Selbstverständlichkeit aufersteht, wärmt das Herz. Genauso wie die Serenade für Zwischengas des im Stau stehenden Zuhälterschlittens und jene Szene, in der im Regenguss bei jedem Wagen, der durch die Pfützen fährt, die herausgeworfenen Kippen auf der Pfütze schaukeln wie Fischerboote in aufgewühlter See.

Die Autoren wissen ihre Preziosen zu setzen. 

Martin Maria Kohtes und Michael Kohtes «Die Seligen – oder Die letzten Tage der Spezialdemokratie», Elsinor, 2026, 190 Seiten, ISBN 978-3-939483-86-1

Durch diese „letzten Tage der Spezialdemokratie“, wo Felix, der Barkeeper für seine jüdische Freundin in aller selbstverständlichen Ironie beider ihr bad goy ist, tanzen eindeutig sorglosere Figuren als jene unserer Tage in unserer Demokratie. Und die Personnages des schelmischen Romans – Hacki, Hanna und Jan, unsere Arbeitsnomaden aus Portugal und die Berliner Blase, sogar Lotte aus Montreal – sie kehren immer wieder treulich zurück wie die Lachse zur Quelle. Die in der Fremde erwähnen lieber nicht ihre Anflüge von Heimweh, die anderen beschweigen ihre unerfüllten Träume. Und doch vereint sie die gemeinsame Geschichte des Vergangenen.

Die Überhitzung der Vereinheitlichungspostulate in zu entwurzelnder Welt hat in dieser so jungen Vergangenheit noch nicht Fuß gefasst. Da sind andere Probleme zu klären:
Einmal die Vaterschaft einer nun annähernd erwachsenen jungen Frau, deren Mutter, anstatt sich um eindeutig geklärte Vaterschaft zu bemühen, erst einmal mit wachsender Leibesfrucht nach Berlin entflohen war, bis sie mit eben jener nun erwachsenen Tochter zurückkehrt.
Zu einer Zeit zurückkehrt, da gerade zu Beginn der Geschehnisse ein Husky namens Flicka von seinem depressiven Herrn in der Bar zurückgelassen wurde. Man kümmert sich um den Hund. Sein Herr dagegen nimmt ein suizidales Ende.
Doch bleibt ansonsten das Biotop der Zugereisten, der Eingemeindeten und der sorglosen Weltwanderer in einer so unangezweifelten Selbstverständlichkeit, in einer so märchenhaften Friedlichkeit, dass diese noch so junge Vergangenheit zur schönsten Utopie wird. Ist diese Vergangenheit doch aus den so rheinisch gutmütigen Bürgerszenen der Vorfahren in diese Dekade der „Spezialdemokratie“ hineingewachsen.

Kiffend dem Leben stellen

Wir sehen eine Utopie, in der das Urbane mit dem Ländlichen verwoben ist, das Heimatliche mit dem Metropolitischen. In all das übrigens reicht bereits die E-Zigarette als Brandmal des Kommenden hinein. Aber das Komödiantische, das Schwebende des generellen Duktus vermeidet jegliche Gefahr des Kitsches, man kifft und schnupft munter zuzeiten und stellt sich gleichwohl dem Leben.
Jedoch: Das Wort Rassismus kommt im Buch nicht ein einziges Mal vor. Die Erzählform korrespondierender Mails erlaubt das Entfalten von Parallelgeschichten an anderen Schauplätzen, da steht mal Bamberg mit Gesprächen über Boxkämpfe im Licht, mal die Geschichte der zivilisationsflüchtigen europäischen Maori-Ehefrau. Und einmal am Lagerfeuer erzählt ein zufällig getroffener Tramper, dass kein Geringerer als Charles Manson, der Mörder der Polanski-Gattin Sharon Tate, sein Vater sei.

Und es erlauben sich die Autoren, die beide im Metier zuhause sind – der eine lange Zeit beim WDR als Literaturredakteur, der andere als Dozent und als Ghostwriter – ein wohltuendes Apercu auf gewisse preisgekrönte Literatur und auf deren so jäh aufgeploppte wie absurd zerplatzende Seifenblasenhaftigkeit. Da kommt der verbitterte Zeitgenossene der unmittelbaren Gegenwart hübsch auf seine Kosten. Ein bisschen Bosheit darf ja auch mal sein.

Wo sonst das Ländliche mit Vogelhäuschen, Kohlmeisen, Hunden und Katzen auch in hübsches Recht gesetzt wird, und eine Zahnärztin der frühen Kindheit nach Jahrzehnten ohne Begegnung den Erwachsenen in aller Unbefangenheit begrüßt, als sei er gestern dagewesen und traulich wie das Kind von einst. Das ist rührend. Ja. Damit ist es nicht falsch. So wie das ganz Reale seinen Auftritt hat mit Inge Jens und dem einbeinigen Onkel Willi. Ein Buch, das guttut.
Dem Rheinischen sei Dank!

Michael Kohtes lebt als Schriftsteller und Journalist in Köln. Er veröffentlichte essayistische Prosa, Lyrik und zuletzt die Tagebuch-Collage 365 Tage – Ansichten von K. Das WDR-­Publikum kennt ihn u.a. als langjährigen Moderator des Literaturgesprächs Zeichen & Wunder. Für seine Arbeit erhielt er diverse Preise und Auszeichnungen.
Martin Maria Kohtes ist Theaterwissenschaftler und Philologe. Nach dem Studium in Berlin, Paris und New York lehrte er in Köln sowie in Berlin. Zu seinen Veröffentlichungen zählen Guerilla Theater und Besser schreiben. Er lebt heute als Autor im Rheinland.

*Burkhard Jahn, geboren in Hildesheim, lebt heute als Autor bei Zürich. Er studierte Germanistik und Kunstgeschichte in Hamburg, wirkte als Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor. Unter anderem sind von ihm «Requiem für A. R.» (2018) und «Der Weg an der Sarca» (2017) erschienen.

Beitragsbild © Ulrike Brincker

Martin Liechti „Kurz um“, Bucher

„Wider den Mahlstrom des rohen Jetzt“

Im grossen Geplapper und Getwitter weltweiter Info-Inkontinenz sollte mal die Mitteilung an die Zeit gemacht werden, dass kurze Mitteilungen auch höchste Verdichtung geistiger Prägnanz sein können. Schon seit ein paar hundert Jahren: Als Aphorismen.

Gastbeitrag von Burkhard Jahn, Schauspieler und Autor, Zürich

Verweisen wir auf Google, um über die Meister der kleinen Kunstform zwischen Haiku-ähnlicher Dichtung und philosophischer Kurzmitteilung mehr zu erfahren. Und dann soll ein gleissender Scheinwerfer auf das vermeintliche Schattendasein heutiger Aphorismen gerichtet werden, dem die Beleuchtung zusteht. Wo die kleine literarische Form doch so viel Erleuchtung bedeuten kann.

Kurzum – Aphorismen und Notate“ von Martin Liechti, 168 Seiten, 2022, Bucher Verlag, ISBN 978-3-99018-645-9

Einer der produktivsten Meister der Gattung ist der Schweizer Martin Liechti, der nun wieder mit einem Buch voller Luzidität die grösste Aufmerksamkeit verdient. Heute im Zeitalter der Kurzmitteilungen, deren Gehalt sich oft genug in den Namen erschöpft, die sie bezeichnen – SMS, Tweet, Posting – könnte vielleicht ja das Griffige der pointierten Gedanken in Form des Aphorismus zu neuer Blüte gelangen. Hier haben wir es mit einer Kurzmitteilung höchsten philosophischen, didaktischen oder poetischen Nährwerts zu tun.
Und das Geistreiche steht – Gott sei es gedankt! – hier weiterhin über dem Zeitgeist, dem Liechti immer wieder den Fehdehandschuh zuwirft: „Sünderlatein“ steht als Titel über der Sentenz: „Jede Freude ist ein Affront gegenüber dem Leiden in der Welt und ihrem leidigen Zustand.“ Und der Titel brandmarkt die lebensfeindliche Phrase als Ausbund des frömmelnden Pharisäertums. Desselben Pharisäertums übrigens, dem die beklemmend aktuelle und so geschliffene Parade gilt:
„Kritisieren als vorausgenommene Ablehnung ist gang und gäbe und schliesst die zustimmende Wertung praktisch aus.“
Doch der Klage an der Welt, dem Spott über Welt und Wahnsinn stehen zur Seite die Besonnenheit und der gelassene Blick. Und so empfiehlt sich das Buch als Brevier, als Stundenbuch für Besonnene, für Trostsuchende im Irrsinn des Alltags. Lebenshilfe, Denkgenuss, Amusement und Frappanz liefern Scharfsinn und Esprit der rund 160 Seiten. Immer wieder verblüffend.

„Kurzum“ ist folgerichtig der Titel des Buches, das jetzt im österreichischen Bucher Verlag erschienen ist. Und das ist bereits Liechtis elftes Werk grosser Gedanken in kleiner Form.
Ein einfacher Trick, das Buch zu lieben: Es lesen! Ganz einfach!

Martin Liechti, geb. in Jegenstorf (Bern/Schweiz), lebt als Autor in Zürich. Neben Romanen (u.a. «ICH WILL», «Die Schärfe der Unschärfe», «Noch sind wir allein» und «Hic salta») veröffentlichte er vor allem Aphorismen. So «Sätze und Ansätze» (2002), «Vor- und Nachgedachtes» (2005), «Wortund Kopfsprünge» (2008), «Im Fluss …» (2010), «Sage mir …» (2012), »»Geflügeltes» (2014), «Randwärts» (2016), «Keiner weiss, warum (2018) und «Leicht daneben» (2020). Mit über zehn Aphorismenbänden gehört Liechti zu den namhaften Autoren der Gattung.

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Beitragsbild © Urs Heinz Aerni