Hoch hinaus ragt sie
dicht bemooste Windung,
nein Windungen
aus braunem Sud, halsstarrigem Schlamm,
fest gezogen von wehenden Ästen
Luftschläuche umschlungen von faserigen Holzlenden,
sich biegend,
knatschend am Schreien um Hilfe.
Es steht bis zum Hals,
wachsendes Wasser
Vierblättrige Sonne aufgespalten im Licht
nach vorn, nach hinten am Zergehen
in strahlender Hitze,
nicht mehr zu sehen.
Dann die weitläufige Fläche mit eisigen Blättern
aus dem Dunkel von oben,
alles scheint einmal hell auf,
am Glitzern, glänzend
im wehenden Sand?
In dunkelroter Erde
Am Stampfen durch Blutrot
durch krachendes Gebälk.
Schon lächeln sie ins Mark,
geschnitzte Masken, eingegerbte Gesichter an sinkenden Stämmen,
in prachtvoller Grünblässe
schreien um Hilfe.
Wachsendes Wasser strahlt und schwappt von hinten,
glänzt,
im Wellen über die viergeteilte Sonne,
spült weg, weggespült,
alle Hälser gefüllt, Münder randvoll überlaufen
bis kein Wort mehr hervordringt,
bis es still wird im wachsenden Wasser
Die Windungen fallen,
fallen gegen sich selbst, halten sich gegenseitig fest im Tanz,
im Geschlinge,
Verschlungensein
im Mikado ihres Sinkens.
Bis das Wasser die Fläche überstrahlt,
alles glänzt,
grell, zu grell
gelbscheinend
In der Luft am Fliegen, am Tanzen
am Schreien
im Vergehen
in der Luft
Eva Strautmann lebte nach dem Abitur in Grossbritannien. Sie ist Autorin, Künstlerin und Dozentin. Während des Studiums der Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin war sie zunächst als Tutorin und anschliessend als künstlerische Mitarbeiterin an der Hochschule der Künste Berlin tätig. Nach ihrer Tätigkeit als Regieassistentin am Berliner Ensemble folgte ein Umzug nach Frankfurt am Main. Im September 2005 hatte sie eine grosse Einzelausstellung in der Heussenstamm – Galerie am Römer in Frankfurt am Main unter dem Titel „Im Schreiben gehen – Im Malen schauen», bei der sie Bilder und Prosa-Texte kombinierte.
Beitragsbild © Eva Strautmann «Abstraktion 20», Öl auf Leinwand
