Auch wenn Michael Georgs Bregels Gedichte in diesem Band nur jeweils drei Zeilen lang sind und sich auf ein halbes hundert Seiten verteilen – kein Leichtgewicht. Hinter den Zeilen versteckt sich weit mehr. Es sind Gedanken, die mir entgegenfliegen, viele hängenbleiben und sich in mir einnisten.
Was fettgedruckt wie Titel von längeren Gedichten erscheint, sind wohl eher Kapitelüberschriften, kleine Wimpel, die dem Folgenden eine Richtung geben, Pausen von Portionen, die ich als Leser zum Verdauen brauche. Gedruckt auf dickes Papier, das nicht aufgeschnitten ist, nicht gebunden ein langes Leporello wäre, eine Spur durch Gedanken.
spiel
zieh, aber lass dir
nie das spielbrett unter den
füßen wegziehen
dein stein bedroht mich
mein stein hängt um meinen hals
wir spielen mühle
sobald du den stein
berührst, gilt das als dein zug,
du bist verloren
was wir spielen, wenn
wir spielen, spielen wir, wenn,
ohne Anleitung
Verdichtung im wahrsten Sinne des Wortes. Zeilen mit vielen Sichten, vielen Böden. Bilder, die mehr als deutlich machen, dass sich da noch viel mehr sagen lässt, dass die Zeilen nur die Berührungen auf den Oberflächen bleiben.

Ich trug das Buch ein Weile mit mir herum. Es passte wie ausgemessen in die Tasche meines Wintermantels. Es war mir ein Begleiter, ein Mitdenker, eine Zündkapsel, ein Vervielfacher, ein Spiegel. Ich nahm das Buch hervor – und manchmal reichte das Innehalten, das Halten des Buches allein, die rauhe Oberfläche seines Buchumschlags aus handgeschöpftem, dickem Papier. Als hätte der Autor all das zwischen und unter den Zeilen, all die Zischenräume zu einem grossen Brei zerdrückt, eingeschwärzt und an der Luft getrocknet. Das Leporello jener Zeilen, die als Kondensat übriggeblieben in diesen schwarzen Bodensatz mit fester Schnur eingebunden und wie ein Paket aus Worten in die Welt hinausgeschickt.
ende
man dachte es muss
erst einen anfang geben
bevor es endet
abenderwartung
bedeutender eingebung
tiefe enttäuschung
irgendwann wenn wir
alles vergessen haben
fängt es von vorne an
Die Zeilen nisten sich ein, haken sich fest, treiben mich um. Nicht die Spur von Larmoyanz, nichts von entrückter Unsachlichkeit. Für diesen Band denkt man zu zweit, taucht ein in die Falten eines Spaziergangs durch die Welt.
„Siebzehn“ erschien in der Neuen Cranach Presse Kronach, herausgegeben von Ingo Cesaro in einer nummerierten und signierten 1. Auflage von 100 Exemplaren.
Michael Georg Bregel, geb. 1971 in München, lebt in Berlin. Studium der Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin, Diplom-Politologe. War Redakteur bei Radio Mainwelle, Bayreuth und bei der Berliner Morgenpost. Seit 2005 freiberuflicher Autor, Übersetzer, Redakteur und bildender Künstler. Übersetzt vorwiegend Comics für verschiedene große Verlage. Seine künstlerische Arbeit, hauptsächlich Fotografie, Sieb- und Stempeldrucke sowie experimentelle Videos war und ist in Ausstellungen, Museen und Kinos zu sehen. Texte und Bilder in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien, mehrere Herausgeberschaften.
Michael Georg Bregel «Raunacht», Rezension auf literaturblatt.ch




Michael Georg Bregel, geb. 1971 in München, lebt in Berlin. Studium der Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin, Diplom-Politologe. War Redakteur bei Radio Mainwelle, Bayreuth und bei der Berliner Morgenpost. Seit 2005 freiberuflicher Autor, Übersetzer, Redakteur und bildender Künstler. Übersetzt vorwiegend Comics für verschiedene große Verlage. Seine künstlerische Arbeit, hauptsächlich Fotografie, Sieb- und Stempeldrucke sowie experimentelle Videos war und ist in Ausstellungen, Museen und Kinos zu sehen. Texte und Bilder in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien, mehrere Herausgeberschaften.